Hier meine Sichweise:
Ohrenklempner hat geschrieben:Das Gehirn hat es erstens einfach schwerer, wegen der fehlenden Hochtonwahrnehmung die Schallquelle (=Gesprächspartner) richtig zu lokalisieren und zu isolieren, und zweitens fehlen wichtige Informationen, die für das Sprachverstehen essenziell sind: die Konsonanten.
Ein Teil der Hörbahnen (also des Gehörs) befindet sich im Gehirn. Also hat es das Gehör einfach schwerer, weil es nicht mehr so gut funktioniert. Diese Aussage Klingt logisch, beinhaltet jedoch nicht besonders viel Information.
Ich denke, dass gemeint ist, dass die Ursache für die fehlenden Informationen in peripherem Hörverlust insbesondere im Hochtonbereich liegt (I). Das ist jedoch nur ein Teil der Ursache. Weitere Ursachen liegen in einem Nachlassen der Leistung der retrocochleären Hörbahnen und des Sprachzentrums (II).
Ohrenklempner hat geschrieben:Hören ist ja vor allem darum anstrengend, weil der Kopf damit beschäftigt ist, das sich Nichtgehörte zusammenzureimen. Mit Hörgeräten wird einfach wieder viel mehr gehört, das Gehirn muss nicht mehr so viel überlegen und raten und das Hören wird leichter und weniger anstrengend.
Einerseits ja. Andererseits würde ich davon ausgehen, dass Hörgeräte zwar einerseits einigermassen kurzfristig gesehen diesen Effekt bewirken können. Andererseits muss hierzu das Gehör stärker beschallt werden. Dies kann dazu beitragen, dass sich (insbesondere eher langfristig gesehen) die Effekte (I) und (II) vermehrt einstellen (III).
Im verlinkten Artikel findet man:
"Schon heute sind Hörgeräte kleine technische Wunder. Es gibt Richtmikrofone und Geräuschunterdrückung. Das Hörgerät erkennt, was Signal ist und was Störgeräusch. Das funktioniert allerdings nur gut, wenn das Störgeräusch ein gleichmäßiges Rauschen im Hintergrund ist. Schwierig wird es, wenn zwei Leute gleichzeitig sprechen."
Meiner Ansicht nach kann ein entscheidender Fortschritt in Bezug auf die Leistungsfähigkeit von Hörgeräten nur statt finden, wenn intensivst an diesem Problem gearbeitet wird. Fortschritte in diesem Bereich können auch das unter (III) erwähnte Problem reduzieren.
Allerdings ist hierfür bedeutend mehr Rechenleistung erforderlich, als bei aktuellen Geräten verfügbar ist. Um auf entsprechende Ressourcen zurück greifen zu können, braucht es ein Design, welches bedeutend intelligenter ist als die bisher realisierten und dem aktuellen Trend entgegen läuft.
Wenn man also mit Im-Ohr Systemen gut klarkommt und jemanden findet, der es gut anpasst (der richtige Sitz ist hier entscheidend), dann spart man sich die teuren Richtmikrofone und hat trotzdem einen Richteffekt (ähnlich wie beim normalen Gehör, natürlich nicht ganz so gut, da spielen noch andere Dinge als die Ohrmuschel eine Rolle).
Noch als Hinweis (bzw. Frage):
Der sogenannte "Pinna-Effekt" wird doch auch per Software simuliert? Allerdings "wohl kaum so gut wie der natürliche".
Gruss fast-foot