Andrea Heiker Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 10.07.2002
Beiträge: 3.042


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo Emarita,

es ist unwahrscheinlich, dass eine Mittelohrentzündung dauerhafte Hörschäden verursacht. Ich vermute eher, dass der Hörtest im letzten Sommer nicht richtig gemacht wurde. Wie wurde er denn gemacht?

Gruß
Andrea
seit Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig, im Alter von zwei Jahren mit zwei Hörgeräten versorgt, seit 2002 ein CI
↑  ↓

Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.09.2010
Beiträge:


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo Emarita,

ich schließe mich da Andreas Frage an. Das Ergebnis scheint mir doch sehr merkwürdig. Hast Du denn konkrete Ergebnisse der Knochenleitung und der Luftleitung vorliegen?

Grüße!
↑  ↓

Momo Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.07.2002
Beiträge: 3.837


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo Emarita

also ich denke nicht, dass er plötzlich einseitig taub wurde.

Bist du sicher dass voriges Jahr wirklich ein Hörtest gemacht wurde? Gerne verkaufen nämlich Kinderärzte ein Tympanogramm als Hörtest! Dabei werden allerdings nur die Schwingungen des Trommelfells überprüft, um nach einer Mittelohrentzündung zu sehen, ob sie abgeklungen ist oder noch Flüssigkeit hinter dem Trommelfell ist!

Wo wurde denn damals getestet? Und hast du genaue Werte bekommen( wenn nicht lass sie dir kopieren- bei der Gelgenheit kannst du dann auch fragen was getestet wurde!)? Wo wurde diemal getestet? Und welche Werte kamen raus? Wurde eine Versorgung mit HGs vorgeschlagen?

Gruß
Momo und Sohn mit 1 HG und 1 CI
↑  ↓

pevau
Gast


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo, hab nach Seiten gesucht "Schwerhörigkeit bei Kindern" und bin hier gelandet. Hab einen 9 jährigen schwerhörigen Sohn. Mittlerweile beidseitig Schwerhörig. Seit Geburt stand fest das sich die Gehörgänge
rechts nicht entwickelt haben (ebensowenig die rechte Niere) und nach 1 Jahr stand fest, das er -wenn auch ohne ersichtlichen Grund, ebenfalls auf dem linken Ohr schwerhörig ist. Irgendwie hab ich mich als Mutter immer dagegen gewehrt. Obwohl in seinen ersten 3-4 Lebensjahre Ärzte und Krankenhäuser immer eine große Rolle gespielt haben, hab ich das Thema "Schwerhörigkeit" nicht wirklich akzeptieren wollen. Und obwohl es schon mega peinlich für mich war, das er mit 3 Jahren immer noch nicht gesprochen hat und eigentlich nur Laute von sich gegeben hat, hab ich mich überwinden müssen, Hörgeräten zuzustimmen. Wir hatten einen klasse Pädaudiologen und Nikolas hat die Geräte von Anfang an gut angenommen. Trotzdem hat er sie ausgezogen wenn er irgendwo neu war, oder er gesehn hat das andere Kinder darauf starren. Ich hab das ausziehen der Geräte immer stillschweigend akzeptiert. Erst als er eingeschult wurde -in eine schwerhörigen Schule, und er nicht das einzige Kind weit und breit mit Hörgeräten war, wuchs sein Selbstvertrauen. Es ging sogar soweit, das er, wenn er angesprochen wurde, was er da am Ohr hätte , zur Antwort gab, er höre gerade Musik oder er höre die "wilden Kerle 3"!
Natürlich gibt es immer wieder Situationen, die mir fast das Herz brechen. Ich glaube aber auch, das ich fast mehr leide und vor allem öfter, wie er. Mittlerweile besucht er auch eine Regelschule. Ich hab es nicht ertragen ihn in diesem Status "behindertes" Kind muss auch in eine behinderten Schule, zu lassen. Er sollte eine normale Schule besuchen, Kinder aus dem Ort kennenlernen, halt alles machen, was andere Kinder auch machen. Zu Anfang hatte er große Angst davor. Auch läuft nicht alles in der Schule problemlos. Die Lehrerin nimmt eigentlich keine Rücksicht, aber da muss er durch. Er muss lernen immer wieder nachzufragen oder sogar zu errinnern, das er nicht alles versteht. Im Sport ist es das gleiche. Er geht schwimmen. Schwierige Situation für ihn und auch für die Trainerin. Er spielt Handball. In der Halle versteht er genau so wenig wie im freien. Die Trainer haben es schon aufgegeben ihm was zuzurufen. Und mit der FM Anlage Handball spielen? Dann schickt der Trainer uns eher in den Behindertensport. Oft möchte ich ihm Demütigungen ersparen und denke, komm, wir lassen das alles. Aber dann sage ich mir immer wieder "nur noch ein bißchen durchhalten". Wenn mein Sohn, der immer noch sprachliche Defizite hat, mir etwas erzählt, dann denke ich ohweia, was denken die anderen, wenn Sie dieses Gebrappel hören. Seit 6 Jahren besuchen wir ununterbrochen die Logopädie. Auch das
erträgt er klaglos. Für ihn ist das meistens alles ok. Aber es ist schon klar, das er sich in seiner gewohnten Umgebung am sichersten fühlt er hasst Veränderungen. Aber Probleme werden erst richtig kommen wenn er älter wird und manches mit anderen Augen sieht. Mit meinen Augen z. B.! Oft bin ich froh, das sein Vater schon bei Kleinigkeiten so stolz auf ihn ist. Denn ich befürchte, das meine kritischen Mutterblicke nicht sehr förderlich für sein
Selbstbewusstsein sind. Ich muss an mir arbeiten. Ich muss ihn endlich als vollwertig anerkennen. Ich brauch kein Mitleid mit ihm zu haben. Er ist auf seine Art ein wunderbarer Junge, der sich mit 9 Jahren sehr für mittelalterliche Geschichte insbesondere für die griechichen Mythen interessiert. Es muss mir nicht so unendlich leid für ihn tun. Aber es ist schwer. Mein Herz ist schwer. Ich würde ihm diese Bürde gern abnehmen. Es ist ganz klar, ich bin das Problem, nicht er!
Ich möchte gerne diesen Schalter bei mir umlegen, um meinen Sohn endlich zu nehmen wie er ist, mit seinen Stärken und Schwächen.
↑  ↓

cooper Abwesend
G-Mod
Dabei seit: 18.02.2009
Beiträge: 472


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo und willkommen im Forum,

schön, dass du dir selbst gegenüber so aufrichtig sein kannst und das Problem selbst erkannt hast.

Für deinen Kleinen ist es ganz ganz wichtig, dass er von seiner Familie so akzeptiert wird, wie er ist, und dass ihn Papa und Mama vorbehaltlos unterstützen. Nur so kann er ein solides Selbstbewusstsein aufbauen. Dass Papa sich auch über Kleinigkeiten freut und auf seinen Sohnemann stolz ist, ist ganz normal. Jeder Vater würde ohne zu überlegen die Mona Lisa gegen ein Gemälde seines Sprösslings eintauschen.

Viele der Probleme, von denen du berichtest, lassen sich relativ einfach abstellen. Aber sie erfordern Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein und kurzum eine Mutter (oder auch Vater), die wie ein Löwe um sein Junges kämpft.

Beispiel Schwimmunterricht. Ja, da bleiben die Hörgeräte halt draußen -- na und? Was gibt es schon großartiges zu erzählen, wenn dein Sohnemann im Wasser ist? Das lässt sich alles leicht mit ein paar Handzeichen mitteilen. Außerdem gehe ich davon aus, dass dein Kleiner längst gelernt hat, von den Lippen abzulesen.

Oder Handball. Haja, dann geht er halt mit FM-Anlage auf's Feld, und das Mikro kriegt der Trainer. Und sollte er es auch nur wagen, mit irgend einem Kommentar sowas wie Behindertensport anzudeuten, haut ihr ihm das AGG um die Ohren, bis keine einzige Seite mehr drin ist. Es gibt überhaupt rein gar keinen Grund, warum man auf eine FM-Anlage verzichten müsste.

Ja, das klingt rabiat, ist es auch, und muss es leider in unserer heutigen Gesellschaft sein. Es ist unsere ach so aufgeklärte Gesellschaft, die einen aktiv behindert.

Mit der Klassenlehrerin würde ich dringend ein ernstes Wort reden. Mal abgesehen davon, dass hier eine FM-Anlage oberstes Gebot ist, hat sie sich verdammt nochmal mit dem Thema Umgang mit behinderten Kindern auseinanderzusetzen! Wenn ich Heizungsmonteur bin, muss ich mich schließlich auch darüber informieren, wie die Heizungen funktionieren, die ich da so einbaue. Es ist mir unbegreiflich, wie viele Lehrer und Ausbilder sich überhaupt nicht um die Menschen scheren, mit denen sie tagtäglich arbeiten -- und denen sie ihr täglich Brot verdanken.

Also, zieh die rosarote Brille an, wenn du deinen Sohn ansiehst, die Samthandschuhe aus und fang an, mal richtig auf den Putz zu hauen. Oder schick Papa vor, damit der mal richtig aufräumt. Euer Sohn braucht viel Selbstbewusstsein, wenn er seinen Weg durch's Leben meistern will, und das bekommt er nur, wenn ihr in allen Dingen voll hinter ihm steht und ihn in allen Dingen unterstützt.

Viele Grüße, Mirko
↑  ↓

FinnsMama Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 28.02.2008
Beiträge: 172


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo pevau,
ich will nicht gar so viel schreiben, weil ich denke, dass ich da nicht so ruhig und freundlich bleiben kann wie cooper. Ich hab deinen Beitrag eben gelesen und war ehrlich gesagt ein wenig schockiert, dass ihr, obwohl klar war, dass er nicht richtig hört, so lange keine HGs akzeptiert habt und das scheinbar aus kosmetischen oder schamhaften Gründen. Dafür kann ich ehrlich gesagt, nur bedingt Verständnis aufbringen.
Ich denke, dass viele Probleme "hausgemacht" sind und vielleicht solltest du wirklich mal versuchen, dir irgendwo professionelle Hilfe zu holen, um zu lernen, deinen Sohn so wie er ist zu akzeptieren. Denn nur dann wirst du auch in der Lage sein, für ihn und seine Rechte zu kämpfen.
Ich hatte zu Beginn und auch heute noch, bestimmt die ein oder andere Phase, in der ich dachte: Oh man, warum mein Sohn? Was wird aus ihm? Wie kann es weitergehen? Wie schaff ich das nur?
ABER: ich würde das niemals meinen Sohn merken lassen und ich würde mich niemals für ihn schämen oder dafür, wie er spricht, was er macht oder was er ist bzw. wie er ist.
Janina mit Finn (2/2004) mit beidseitiger Schallempfindungsschwerhörigkeit
↑  ↓

Joni Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 26.06.2009
Beiträge: 131


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Jonis Mama schreibt!

Hallo,

auch ich kann Dein Gefühlschaos nicht wirklich nachvollziehen, aber ich habe vielleicht leicht schreiben. Ich selbst bin Kinderkrankenschwester und habe viele Erfahrungen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen sammeln können. Mein Mann arbeitet als Qualitätsbeauftragter im Bereich der Otoplastik, uns ist die Materie also irgendwie vertraut.
Als vor wenigen Wochen die Diagnose stand und wir "endlich" schwarz auf weiß sahen dass er rechts fast nichts hört haben wir uns sofort um ein Hörgerät bemüht und Joni geht super damit um. Er will andere Kinder und auch große Leute kennenlernen die auch schlecht hören, er findet das total spannend und wir unterstützen ihn darin wo wir können ( z.B. auch hier im Forum).
Meine Tochter bekommt oben und unten eine feste Zahnspange das finde ich viel schrecklicher, da müssen Zähne gezogen werden, das Essen wird drin hängen bleiben...
dagegen ist ein HG doch richtig schick!
Lehn Dich mal zurück und versuch nur Dein Kind zu sehen und Du wirst was Wunderbares sehen !

Liebe Grüße
Jonis Mum

Wenn Joni gehänselt wird sagt er: " Ich hab eine Hörstörung und deswegen ein Hörgerät - du hast Probleme mit deinem Hirn und was hilft dir jetzt?"
↑  ↓

pevau
Gast


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Erstmal Dankeschön für Eure Kommentare.
Finns Mama war ja ganz schön streng mit mir.
Ich habe den Beitrag geschrieben nachdem ich einen anderen gelesen habe. Von einer Mutter eines 18 jährigen. Und ich habe mich gefragt, werde ich gelassener mit Nikolas Schwerhörigkeit umgehen wenn er 18 ist? Ich schäme mich doch nicht für mein Kind, es ist eher so wie Cooper sagt - ich bräuchte eine rosa Brille! Da hat er vollkommen recht. Für meinen Partner zählt das was unser Sohn schon erreicht hat. Ich sehe das was er noch vor sich hat. Das Nikolas erst so spät mit HG versorgt wurde hatte ja auch andere Gründe. Er hatte in den ersten 3 Lebensjahre insgesammt 3 OPs. Es wurde ihm eine Niere entfernt und er hatte quasi ein Loch im Hals, was 2x operiert wurde. Dazwischen Antibiotika, Entzündungen und und und. Und dazwischen sind wir noch wegen den Ohren von einer Uniklinik zur anderen. Es war eine fürchterliche Zeit. Als unser Kinderarzt uns zu einem bestimmten Pädaudiologen überwies, war Nikolas schon 3 Jahre und hat immer noch nicht gesprochen. Diesen Pädaudiologen sehe ich heute noch als Geschenk Gottes. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken. Leider hat er aus Altersgründen und ohne Nachfolger vor 2 Jahren die Praxis aufgegeben.
Nach allem was wir in den Uniklinken erlebt haben, wissen wir zu schätzen, was ein guter Pädaudiologe ausmacht.
Aber noch mal zu meinem Gefühls-chaos zu kommen. Das hab ich leider oft. Aber ich werd mir auch Coopers Worte zu Herzen nehmen und nach den Ferien Nikolas Handball Trainer auf die FM Anlage ansprechen.
LG Pe
↑  ↓

Marius Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 29.07.2010
Beiträge: 10


Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Laughing
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 02.08.2010, 17:37 von Marius. ↑  ↓

Antworten Seiten (2): 1, 2


Alle Zeitangaben in GMT +02:00. Aktuelle Uhrzeit: 16:28.