Betreff: Re: Einseitige Schwerhörigkeit
Hallo und willkommen im Forum,
schön, dass du dir selbst gegenüber so aufrichtig sein kannst und das Problem selbst erkannt hast.
Für deinen Kleinen ist es ganz ganz wichtig, dass er von seiner Familie so akzeptiert wird, wie er ist, und dass ihn Papa
und Mama vorbehaltlos unterstützen. Nur so kann er ein solides Selbstbewusstsein aufbauen. Dass Papa sich auch über Kleinigkeiten freut und auf seinen Sohnemann stolz ist, ist ganz normal. Jeder Vater würde ohne zu überlegen die Mona Lisa gegen ein Gemälde seines Sprösslings eintauschen.
Viele der Probleme, von denen du berichtest, lassen sich relativ einfach abstellen. Aber sie erfordern Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein und kurzum eine Mutter (oder auch Vater), die wie ein Löwe um sein Junges kämpft.
Beispiel Schwimmunterricht. Ja, da bleiben die Hörgeräte halt draußen -- na und? Was gibt es schon großartiges zu erzählen, wenn dein Sohnemann im Wasser ist? Das lässt sich alles leicht mit ein paar Handzeichen mitteilen. Außerdem gehe ich davon aus, dass dein Kleiner längst gelernt hat, von den Lippen abzulesen.
Oder Handball. Haja, dann geht er halt mit FM-Anlage auf's Feld, und das Mikro kriegt der Trainer. Und sollte er es auch nur wagen, mit irgend einem Kommentar sowas wie Behindertensport anzudeuten, haut ihr ihm das AGG um die Ohren, bis keine einzige Seite mehr drin ist. Es gibt überhaupt rein gar keinen Grund, warum man auf eine FM-Anlage verzichten müsste.
Ja, das klingt rabiat, ist es auch, und muss es leider in unserer heutigen Gesellschaft sein. Es ist unsere ach so aufgeklärte Gesellschaft, die einen aktiv behindert.
Mit der Klassenlehrerin würde ich dringend ein ernstes Wort reden. Mal abgesehen davon, dass hier eine FM-Anlage oberstes Gebot ist, hat sie sich verdammt nochmal mit dem Thema Umgang mit behinderten Kindern auseinanderzusetzen! Wenn ich Heizungsmonteur bin, muss ich mich schließlich auch darüber informieren, wie die Heizungen funktionieren, die ich da so einbaue. Es ist mir unbegreiflich, wie viele Lehrer und Ausbilder sich überhaupt nicht um die Menschen scheren, mit denen sie tagtäglich arbeiten -- und denen sie ihr täglich Brot verdanken.
Also, zieh die rosarote Brille an, wenn du deinen Sohn ansiehst, die Samthandschuhe aus und fang an, mal richtig auf den Putz zu hauen. Oder schick Papa vor, damit der mal richtig aufräumt. Euer Sohn braucht viel Selbstbewusstsein, wenn er seinen Weg durch's Leben meistern will, und das bekommt er nur, wenn ihr in allen Dingen voll hinter ihm steht und ihn in allen Dingen unterstützt.
Viele Grüße, Mirko