#41 17.03.2014, 14:29
KatjaR Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Da im Titel der Studie von unbehandelter Schwerhörigkeit die Rede ist gehe ich davon aus dass die Teilnehmer keine Hörgeräte trugen.

"Die Studie zeigt die Wichtigkeit einer Behandlung bei Schwerhörigkeit auf. Ignorieren ist keine Lösung. Wenn es um die Behandlung von Schwerhörigkeit geht, ", erklärt Lin, "dann gilt, je früher, desto besser. Denn wenn Schwerhörigkeit Grund für die strukturellen Veränderungen im Gehirn ist, denn gilt es den Hörverlust zu behandeln, bevor diese Veränderungen auftreten."
Das leuchtet auch unmittelbar ein finde ich, da klar ist dass bei Nichtgebrauch von Gehirnarealen diese mit der Zeit verkümmern, genauso wie das motorische System von Paraplegikern.
http://www.german.hear-it.org/...das-Gehirn
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#42 17.03.2014, 14:37
KatjaR Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Das Hörgeräte ein Allheilmittel sind hat auch keiner gesagt, dass sie nicht gegen Stürze helfen leuchtet ein, aber der akustischen Deprivation, in dessen Folge es auch zu sozialer und letztendlich oft auch kognitiver Deprivation kommt können sie schon entgegen wirken, genau wie ein CI wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen.
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#43 17.03.2014, 15:47
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
"Denn wenn Schwerhörigkeit Grund für die strukturellen Veränderungen im Gehirn ist, denn gilt es den Hörverlust zu behandeln, bevor diese Veränderungen auftreten."

Man weiss aber (laut Artikel) nicht, ob 1. die Schwerhörigkeit der Grund für diese Veränderungen ist, und 2. ob sie sich durch eine Hörgeräteversorgung aufhalten (oder zumindest reduzieren) lassen.

Die Forscher widersprechen sich selbst (oder aber der Autor des Artikels weiss nicht, wovon er schreibt, was ich in anderen Beiträgen bereits fest gestellt habe):

"Die Studie zeigt die Wichtigkeit einer Behandlung bei Schwerhörigkeit auf. Ignorieren ist keine Lösung. Wenn es um die Behandlung von Schwerhörigkeit geht, ", erklärt Lin, "dann gilt, je früher, desto besser. Denn wenn Schwerhörigkeit Grund für die strukturellen Veränderungen im Gehirn ist, denn gilt es den Hörverlust zu behandeln, bevor diese Veränderungen auftreten."

Die Studie soll die Wichtigkeit einer Behandlung bei Schwerhörigkeit aufzeigen, obwohl deren Wirkung gar nicht bekannt ist:

"Lin und seine Kollegen planen weitere Untersuchungen. Sie wollen prüfen, in wieweit eine zeitige Behandlung von Schwerhörigkeit die damit verbunden Gesundheitsprobleme verzögern kann."


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#44 17.03.2014, 16:22
KatjaR Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Allein die Tatsache dass der Hauptverlust der Gehirnmasse im auditorischen Cortex stattfand zeigt ja schon die Kausalität an, nicht nur die Korrelation.

"Der Gehirnschwund trat bei den Personen mit Hörminderung auch deutlich mehr in bestimmten Bereichen des Gehirns auf. Zum Beispiel waren die Regionen, die für Verarbeitung von Klang und Sprache verantwortlich sind, besonders betroffen".

Die Wirkrichtung dürfte auch klar sein, da nicht anzunehmen ist dass der Abbau im auditiven Areal zuerst vorhanden ist und die Betroffenen danach schwerhörig werden.

Je besser die Hörbeeinträchtigung kompensiert wird, desto weniger ist demnach ein Abbau zu befürchten, da die erforderliche Stimulation des Gehirns erfolgt.
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#45 17.03.2014, 16:59
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Zitat von KatjaR:
Allein die Tatsache dass der Hauptverlust der Gehirnmasse im auditorischen Cortex stattfand zeigt ja schon die Kausalität an, nicht nur die Korrelation.

Mehr als eine Erklärung ist es nicht.

"Der Rückgang des Gewebes in den Regionen, die für Sprache und Klang verantwortlich sind, überraschte die Forscher nicht. Der Geweberückgang lässt sich mit dem Mangel an Stimulation des auditiven Kortex erklären."


Zitat von KatjaR:
Die Wirkrichtung dürfte auch klar sein, da nicht anzunehmen ist dass der Abbau im auditiven Areal zuerst vorhanden ist und die Betroffenen danach schwerhörig werden.

Wenn die betreffenden Areale (aus welchen Gründen auch immer) abgebaut werden, dann dürfte eine Schwerhörigkeit folgen. Die umgekehrte Richtung ist also auch möglich.

Siehe auch:

"Der Gehirnschwund trat bei den Personen mit Hörminderung auch deutlich mehr in bestimmten Bereichen des Gehirns auf. Zum Beispiel waren die Regionen, die für Verarbeitung von Klang und Sprache verantwortlich sind, besonders betroffen."

Welche Bereiche waren ausser dem genannten Beispiel (ev. auch besonders) betroffen? Und weshalb? etc.

Nochmals:

"Denn WENN Schwerhörigkeit Grund für die strukturellen Veränderungen im Gehirn ist, denn gilt es den Hörverlust zu behandeln, bevor diese Veränderungen auftreten."

1. Und wenn nicht?

Und 2. ist nicht gesagt, dass die Behandlung des Hörverlusts den gewünschte Wirkung zur Folge hat:

"Sie wollen prüfen, in wieweit eine zeitige Behandlung von Schwerhörigkeit die damit verbunden Gesundheitsprobleme verzögern kann."


Dann noch zu den Informationen, welche unter dem zu letzt von Dir eingestellten Link abrufbar sind:

http://www.german.hear-it.org/Horgerate-1

"Unbehandelte Schwerhörigkeit beeinträchtigt die Lebensqualität, aber auch die Fähigkeit des Hirns, sich an gewöhnliche Alltagsgeräusche zu erinnern, weil die Gehörgänge nicht mehr effektiv genutzt werden."

Die Gehörgänge?


"Wenn die Hörnerven ihre Funktion einbüßen und die Geräuschsignale nicht mehr an das Hirn weiterleiten, ’vergisst’ das Hirn die Geräusche mit der Zeit und kann sie nicht mehr verstehen."

In diesem Falle kann ja eh nur noch ein Hirnstamm- oder gar ein Mittelhirnimplantat Abhilfe schaffen.


Gruss fast-foot
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#46 17.03.2014, 17:17
KatjaR Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Die Umkehrung des Zusammenhangs zwischen Gehirnabbau und Schwerhörigkeit finde ich nicht einleuchtend. Wie soll ein Abbau des auditorischen Areals die Schwerhörigkeit auslösen? Eine reine Verstehensproblematik liesse sich so erklären, aber kein Abfall im Tonaudiogramm. Die Hörnerven degenerieren ja auch erst in Folge der ausbleibenden stimulation und können bis zu einem gewissen Maß auch regeneriert werden nach erneuter Stimulationt
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#47 17.03.2014, 17:43
santiago Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Hallo!
Ich persönlich verweigere ja sowohl die Diskussion ob HG schneller taub oder eine unversorgte SH schneller doof macht aber eine Sache finde ich interessant:

Die Frage ob das Gehirn tatsächlich Töne vergessen würde wenn man sie länger nicht hört?

Stellt euch mal vor ihr rutscht als Hörende am 20. Geburtstag aus und seid durch den Aufprall plötzlich GL. Dann vergehen 50 Jahre und zum 70. Geburtstag verliert ihr beim Ausblasen der Kerzen wieder das Gleichgewicht und hört plötzlich wieder ganz normal.

Ohne es jetzt irgendwie wissenschaftlich begründen zu können glaube ich dass man dann weder die Muttersprache akustisch neu erlernen müsste und auch alle Lieblingslieder von früher sofort wieder erkennen würde.

Was meint ihr?

Gruß
santiago
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#48 17.03.2014, 17:49
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Zitat von KatjaR:
Die Hörnerven degenerieren ja auch erst in Folge der ausbleibenden stimulation und können bis zu einem gewissen Maß auch regeneriert werden nach erneuter Stimulationt

Bei MS ist (die Myellinscheidendegeneration der Hörnerven) nicht eine Folge mangelnder Stimulation, nur als Beispiel.


Zitat von KatjaR:
Eine reine Verstehensproblematik liesse sich so erklären, aber kein Abfall im Tonaudiogramm.

Doch. Bei einer Taubheit, welche auf einen Schaden bspw. in den Hörbahnen ab dem Hirnstamm zurück zu führen ist, können die Hörschwellen gemäss RTA sehr schlecht (bis gar nicht bestimmbar) sein.

Gruss fast-foot
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#49 17.03.2014, 19:09
KatjaR Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Eine Demyelensierung aufgrund von neurologischer Erkrankung ist ja ein Spezialfall, der mit der "normalen" Hörstörung nicht vergleichbar ist. Auch eine auditorische Neuropathie entspricht ja nicht dem Normalfall des Schwerhörigen.Die Befunde wurden an Patienten ohne zusätzliche neurologische Erkrankungen erhoben. Solche würden aus klinischen Studien ausgeschlossen. Daher kann man schon davon ausgehen, dass hier die Kausalrichtung des Abbaus von der Cochlea zum Gehirn verläuft und nicht umgekehrt. Spezialfälle lassen sich nicht auf die Allgemeinheit generieren. Wenn es nur Einzelfälle beträfe würde es nicht zu signifikanten Effekten kommen.
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#50 17.03.2014, 19:13
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Hallo santiago,

ich denke, dass ein Abbau von "auditiven Fähigkeiten" statt finden würde. Wie weit dieser fort schreiten würde, und wie weit eine Wiederherstellung gelingen würde, weiss ich nicht.

Gruss fast-foot
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#51 17.03.2014, 19:38
KatjaR Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Denke ich auch dass sich das auditorische Areal verändern würde. Gehirnareale die "brach" liegen werden umfunktioniert und für andere Aktivitäten genutzt. Kann man auch bei Menschen mit dem Ausfall von motorischen Fähigkeiten, wie einer Lähmung nachweisen.
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#52 18.03.2014, 23:47
serik Abwesend
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Betreff: Re: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so
Off-Topic:
Hallo zusammen,

mich würde interessieren, wo man die Einzelheiten her hat, wenn keine konkrete Quelle zu der Studie angegeben wird - http://www.hopkinsmedicine.org und http://www.medicalxpress.com als Quelle anzugeben, wäre eine seltsame Art, seine Leserschaft ernst zu nehmen (gemeint sind Verfasser jenes Berichtes - machen die sich etwa über ihre Leserschaft lustig oder was ist da los?)).

Schöne Grüße,
Sergej

Wie manipuliert man einen Menschen?
Man erzählt ihm nur die halbe Wahrheit.
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