#1 12.02.2014, 11:28
blacky_kyra Abwesend
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Betreff: Der Unsinn schwammiger Gesetze und ihre Folgen!
Hallo zusammen!

Ich muss mal wieder meinen Frust loswerden, denn aus dem Gesetzes-BlaBla kann man einfach nichts konkretes herrauslesen.

Es geht um die Weiterbewilligung der Frühförderung, die meinem Sohn verwehrt werden soll. Nun wollte ich mich informieren auf welchen Grundlagen solche Entscheidungen gefällt werden.

Der Sozialhilfeträger beruft sich allein auf die Einschätzung des Kinderarztes. Ja so ist es im Gesetz verankert. Der Kinderarzt soll zusammen mit der Heilpädagogin den Förder-und Behandlungsplan aufstellen.

Im besagten Förderplan waren folgende Punkte vom Arzt auszufüllen:
2.4. Entwicklungsstand/Befund: Grobmotorik, Feinmotorik, Perzeption/Kognition, Sprache/Sprachverständnis, Konzentration/Aufmerksamkeit, Kontaktverhalten, Sozialverhalten, Emotionalität

Bei allen steht nur altersgerecht. Dazu wurde ich weder befragt, noch war mein Sohn für die Beurteilung extra dafür vorstellig. Helpless
Das diese Zeilen jetzt das Maß aller Dinge sind, hat mich ehrlich gesagt schockiert.

Meine persönliche Einschätzung als Mutter fließt in die Notwendigkeit der Frühförderung genau zu 0% in die Entscheidung ein. Der Entwicklungsbericht der FF wurde irgenwie auch unter den Tisch fallen gelassen...

Das einzige was im Gesetz steht, ist folgendes:

Zitat aus der Rahmenvereinbarung:
"...§ 9
Förder- und Behandlungsplan (FBP)
(1) Der FBP (Anlage 1) ist als Ergebnis der interdisziplinären Diagnostik Grundlage für die Leistungsentscheidung durch den zuständigen Rehabilitationsträger. ..."

Ich finde das einfach ungerecht, dass dem Sozialhilfeträger hiermit eine solche Freiheit bei der Bewilligung gelassen wird. Hier fehlt mir einfach die konkrete Festlegung, in etwa so: Bei einer Hörschädigung steht einem Kind Frühförderung für Hörgeschädigte zu, die es zum Ziel macht die Auswirkungen der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung zu mildern! Klar kommt es noch auf individuelle Dinge an, jedes Kind entwickelt sich anders.

Aber jeden Tag erlebe ich Dinge, wo ich die Beeinträchtigung sehe und Spüre. Z.Bsp. wenn ich zu ihm sage "Wisch dir den Mund ab!" und er den Mond am Himmel sucht....

Und schlussendlich hat wiedermal der Finanzhaushalt des Bundeslandes darüber entschieden ob eine Förderung notwendig ist oder nicht ....

Nur leider sind uns Eltern die Hände gebunden, wenn solche unklaren Gesetze bestehen.

Danke für euer Verständnis! Nachdem ich das hier mal loswerden durfte fühl ich mich schon etwas besser.
Gern dürft ihr euren Senf dazu geben. Wink
Happy Sohnemann (geb. 2011) trägt links HG/ rechts CI Happy
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#2 12.02.2014, 11:37
Katja_S Anwesend
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Betreff: Re: Der Unsinn schwammiger Gesetze und ihre Folgen!
Hallo Bettina,
das ist echt doof. Wusste der KiA denn, für was er das ausfüllt? Wenn ja, weshalb hat er nicht mit dir gesprochen? Und stimmt es, dass er überall (auch Sprache und Sprachverständnis) altersgemäß entwickelt ist?
Geht ihr in ein SPZ? Vielleicht könnten die euch unterstützen, wenn ihr in den Widerspruch geht (nur so als Idee)?
Geht es bei euch um die "normale" FF oder um HörFF? Letztere musste bei uns nämlich gar nicht bewilligt werden...
Ich drücke euch auf alle Fälle die Daumen, dass ihr die FF doch noch weiter genehmigt bekommt.
Logo habt ihr ja sicher, oder?
Gruß,
Katja
Katja
mit
Erik (geb. 2008), mehrfachbehindert, u.a. sehbehindert und gehörlos
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#3 12.02.2014, 13:56
blacky_kyra Abwesend
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Beiträge: 281


Betreff: Re: Der Unsinn schwammiger Gesetze und ihre Folgen!
Hallo Katja,

Zitat:
Geht es bei euch um die "normale" FF oder um HörFF?
Es geht um eine spezielle HörFF, diese arbeitet hier interdisziplinär. Es werden mehrere Bereiche abgedeckt, teilw. Logo, Heilpädagogik usw. Das heisst sie erfüllt die Anforderungen die das Sozialamt bei uns vorschreibt, um FF zu erteilen. Mehr ist aus den Gesetzen nicht rauszuholen.

Zitat:
Letztere musste bei uns nämlich gar nicht bewilligt werden...
Auf welcher Grundlage wird das denn entschieden? Ich kenne wie gesagt nur die bei uns geltende Rahmenvereinbarung. Und die differenziert nicht nach normaler FF oder HörFF!

Der KIA sagt sprachlich ist er altersgerecht entwickelt, die FF und der Kiga sieht das nicht so. Er hat enorme Fortschritte gemacht, aber ein 2jähriger der phasenweise noch ins brabbeln verfällt ist nun wirklich nicht altersgerecht oder? Sprachverstehen ist super, wenn rundherum Stille herrscht - sonst natürlich schwierig.

Außerdem werden die anderen Aufgabenbereiche derHörFF komplett vernachlässigt, wie z.Bsp. die Beratung der Eltern und der Erzieher im Kindergarten.
Happy Sohnemann (geb. 2011) trägt links HG/ rechts CI Happy
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#4 12.02.2014, 14:13
Katja_S Anwesend
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Betreff: Re: Der Unsinn schwammiger Gesetze und ihre Folgen!
Hallo Bettina,
wir haben damals einfach nach der Diagnose "an Taubheit grenzend schwerhörig" für unseren Sohn an der Hörfrühförderstelle angerufen und nach 2-3 Wochen kam dann die Frühförderin das 1. Mal zu uns nach Hause. Da hat niemand irgendwas bewilligt, sondern Erik stand die aufgrund der Diagnose zu. Genauso lief es bei uns mit der Sehfrühförderung und der Sehhörfrühförderung und bei der motorischen FF (die allerdings als Spielkreis). . Die Frühförderung ist dann aber auf die spezielle Sinnesbeeinträchtigung/Körperbehinderung ausgelegt, bei uns haben sich die verschiedenen Frühförderungen aber gut ergänzt (jede anderen Schwerpunkt und andere Heangehensweise, mal mehr Förderung des Kindes, mal mehr Beratung der Eltern) und es gab ab und zu "runde Tische". Da die SinnesFFungen im 2-4 Wochenrhytmus stattfanden, hatten wir meist 2 Termine je Woche (1 Hausbesuch durch die SinnesFF und 1 x Spielgruppe). Jetzt, wo Erik in einen Schulkindergarten geht, der die Förderschwerpunkte Sehbehinderung und Körperbehinderung hat, kommt nur noch die Sehhörfrühförderin alle paar Wochen zur Beratung in den Kindergarten.
Die Frühförderung, die du beschreibst und die beantragt werden muss, gibt es hier aber auch und man muss sich für eine der FF-Foren entscheiden (so war es bei einer Bekannten).
Nur zur Erklärung Grinning .
Schade, dass dich da euer KiA so schlecht unterstützt. Vielleicht hilft ein klärendes Gespräch? Vielleicht könnte die FFin mal mit ihm sprechen?
Ich drücke weiterhin die Daumen!
Gruß,
Katja
Katja
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Erik (geb. 2008), mehrfachbehindert, u.a. sehbehindert und gehörlos
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#5 12.02.2014, 19:05
Nina M. Abwesend
Moderator
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Betreff: Re: Der Unsinn schwammiger Gesetze und ihre Folgen!
Man muss hier die Unterschiede in den Bundesländern beachten. In einigen Bundesländern läuft die Frühförderung quasi über die Schule, die Frühförderer sind also bei der Schule (beim Land) beschäftigt, quasi auf Lehrerstellen. Damit ist die Frühförderung abgedeckt und es entfallen quasi z.T. notwendige Anträge erstmal.

In einigen Bundesländern ist die FF anderweitig organisiert und vor Beginn der FF ist ein Antrag beim Sozialhilfeträger notwendig. Dieser Erstantrag war ja bei euch wohl schon durch und es geht jetzt um die Weiterbewilligung.

Ich würde Widerspruch einlegen mit folgender Begründung, du schreibst selbst im Gesetz steht:

"...§ 9
Förder- und Behandlungsplan (FBP)
(1) Der FBP (Anlage 1) ist als Ergebnis der interdisziplinären Diagnostik Grundlage für die Leistungsentscheidung durch den zuständigen Rehabilitationsträger. ..."

Das heißt es sollten alle Teilbereiche der interdisziplinären Diagnostik Eingang in den Behandlungsplan finden! Ich würde bemängeln, dass dies nicht geschehen ist und würde ebenso bemängeln, dass der Kinderarzt sich vor der Beurteilung keine Zeit genommen hat deinen Sohn ausführlich in Augenschein zunehmen. Hinzu kommt, dass Kinderärzte in der Regel nicht in der Lage sind eine differenzierte Einschätzung zu den verschiedenen Behinderungsarten abzugeben (Hörgeschädigte Kinder entwickeln sich nun mal nicht zeitgleich mit Hörenden, sondern es gibt auch so etwas wie ein "Höralter", also den Zeitpunkt ab der Hörgeräte-Versorgung etc.).
Zudem wundere ich mich etwas, weil es eigentlich auf den Förder- und Behandlungsplänen immer auch irgendwo einen Teil gibt, den die entsprechende Frühförderstelle ausfüllen muss (allerdings sehen auch diese Dinger wieder je nach Bundesland unterschiedlich aus). Hast du den FuB selber gesehen?

Gruß,
Nina
Schwerhörig seit dem 11. Lebensjahr, beidseitig mit CI's versorgt (1. CI 6/2003, 2.CI 10/2006)
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#6 12.02.2014, 20:07
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: Der Unsinn schwammiger Gesetze und ihre Folgen!
Liebe Bettina,
das ist ja total schräg. Einem Kind mit einem (vermutlichen) GdB von 100 und den passenden Merkzeichen die Frühförderung abzuerkennen.
Immer muss man als Mutter für irgendetwas kämpfen. Es ist echt ätzend. Ich kann nicht wirklich fachlich etwas dazu sagen, aber ich würde andere Hebel in Bewegung setzen. Du könntest mit dem Widerspruch eine gute Begründung dazu schreiben, eventuell einen zweiten Kinderarzt um einen Bericht bitten, den Sachbearbeiter anrufen und ihm die möglichen Folgen (und Folgekosten) dieser Fehlentscheidung aufzeigen, seinen Vorgesetzten anrufen, an die Presse gehen...Mir hat mal die schulpolitische Sprecherin der Grünen den Weg geebnet. Ich hatte nur eine Frage nach einem Rechtsanspruch und sie hat sich dann erfolgreich eingemischt.
Es kostet alles immer Energie. Meistens hatten wir aber Erfolg. Sei guten Mutes!
Herzliche Grüße, otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
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