#41 25.03.2017, 12:23
Ohrenklempner Abwesend
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Betreff: Re: Neu hier und viele Fragen......
Hallo Steffi,

ich will dem Kollegen fast-foot keine Vorwürfe machen und mir ist auch nicht klar, warum er die eventuelle Gefahr einer zusätzlichen Hörschädigung durch eine Hörgeräteversorgung in diesem Forum an jeder Ecke einwirft, da es ja in deinem Fall eher noch mehr verunsichert als weiterhilft. Ich selbst bin Akustiker und kann dazu nur sagen: Ja, es kann durchaus stimmen! Denn ein Hörgerät macht unter Umständen viel Lärm, und der ist bekanntlich Gehörschädigend. Dabei sollte man aber zwei Dinge beachten:

Erstens: Was ist wichtiger? Taub durch die Gegend zu laufen, um das geschädigte Gehör evtl. nicht noch mehr zu schädigen oder Rehabilitation und weitgehend normale Teilhabe am Leben? Aus meiner Sicht wiegt zweiteres deutlich schwerer. Wir hat damals mein Audiologiedozent so treffend gesagt, als es um Power-Versorgungen hörgeschädigter Kleinkinder ging? "Spracherwerb geht vor Haarsinneszellenverlust".

Zweitens: Ich will nichts verharmlosen, aber wenn ein Hörgerät vernünftig eingestellt ist, dann wird die Gefahr einer weiteren Verschlechterung durch das Hörgerät minimiert. Ich bin mal meine Kundendatenbank durchgegangen und habe die Leute rausgepickt, die schon über 10-15 Jahre Hörgeräte tragen und habe die Audiogramme verglichen. Ja, es wird mit der Zeit schlechter, aber NEIN, es wird nicht dramatisch schlechter. Im Schnitt beobachte ich 5 dB Hörverschlechterung in 5 Jahren. Dabei kann ich nicht feststellen, ob diese Hörverschlechterung einfach auf das Lebensalter zurückzuführen ist oder tatsächlich von der Hörgeräteversorgung kommt. Da ich es aber zu 95% mit progredienten Altersschwerhörigkeiten zu tun habe, sehe ich die Ursache im steigenden Lebensalter.

Ich will sagen: Die Möglichkeit, das Gehör durch Hörgeräte weiter zu schädigen, besteht. Aber sie ist nach audiologischem Kenntnisstand und mit heutiger Hörgeräteanpassung minimal und besteht eher bei Super-Power-Versorgungen (sog. "Power-Junkies").

Dagegen will ich noch etwas verdeutlichen: Wenn das Innenohr gewisse Reize lange Zeit nicht mehr aufnimmt und weiterleitet, verlernen die höheren verarbeitenden Regionen (Mittelhirn, Thalamus, Hörrinde), mit den entsprechenden Reizen auch umzugehen. Angefangen von der Richtungsinformation ("Woher kommt der Schall?"), dem Herausfiltern unwichtiger Signale ("Nebengeräusche") bis zur weiteren Verarbeitung (insbesondere Zischlaute in der Sprachverarbeitung) muss die ganze Hörwahrnehmung gewissermaßen neu erlernt werden. Das ist der Grund dafür, dass bei Erstanpassungen zunächst mit deutlich geringeren Verstärkungen gearbeitet wird, als es eigentlich notwendig ist. Trotzdem werden Geräusche zunächst verstärkt wahrgenommen und als störend empfunden, denn diese Informationen sind erst einmal neu für das Gehirn und werden anfangs noch nicht als "unwichtig" herausgefiltert. Zischlaute werden wieder gehört und zunächst als irritierend empfunden: "Sprache zischelt so!" -- Ja: Zischlaute! Die heißen nicht ohne Grund so. Lange nicht wahrgenommen, müssen auch diese wichtigen Bestandteile der Sprache erst wieder vom Gehirn erkannt und zugeordnet werden. Dieser Prozess dauert mitunter viele Monate bis Jahre und dauert umso länger, je mehr das Ohr hörentwöhnt ist.

Ich merke, ich schweife ab... ach ja, der "Gewöhnungseffekt". Ja, das ist mit den Ohren ähnlich wie mit den Augen. Ich merke selbst, wenn ich die Brille absetze, sehe ich deutlich schlechter als wenn ich sie ein paar Stunden nicht trage.
Bei den Ohren hängt das damit zusammen, dass bisher dein Kopf viel mehr mitdenken muss, um Gehörtes zu verstehen. Was das Ohr nicht hört, muss der Kopf sich dazureimen, und das strengt den Schädel mithin gewaltig an. Trägst du jetzt Hörgeräte und gewöhnst du dich langsam daran, muss dein Gehirn nicht mehr so sehr mitarbeiten, da die Ohren wieder einen größeren Teil des Hörens übernehmen. Jetzt passiert folgendes: Du nimmst die Hörgeräte raus und es fehlt plötzlich die Hälfte der Informationen. Dein Gehirn ist es nicht mehr gewohnt, "mitzuhören" und du hörst gefühlt schlechter als vorher ganz ohne Hörgeräte.
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#42 25.03.2017, 12:34
Quotenkrüppel Anwesend
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Beiträge: 64


Betreff: Re: Neu hier und viele Fragen......
Hallo Steffi

Zum Thema Akustikerwechsel:
Ja grundsätzlich geht das natürlich immer und zu jedem Zeitpunkt.
Allerdings braucht man das meistens nicht. Es ist wirklich so dass man normalerweise schon im Erstgespräch merkt "ob die Chemie stimmt" und der Akustiker sofort versteht was man meint oder man aneinander vorbeiredet.
Li-Re-kHz
45-30-0,125
40-35-0,25
45-45-0,5
55-65-0,75
55-65-1
50-70-2
60-65-3
55-65-4
45-65-6
60-50-8
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#43 Gestern, 00:20
AlfredW Abwesend
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Beiträge: 241


Betreff: Re: Neu hier und viele Fragen......
Hallo,

mein Akkustiker (bei dem ich schon immer Kunde war) hat mit klipp und klar gesagt, dass ich max. 4 Geräte testen könnte; da ich mehr testen wollte bin ich zu einem weiteren Akkustiker gegangen; ich wollte auch ausloten, ob sich ein High-End Gerät lohnt; preislich schenken sich die Akkustker ja nix; Ausnahme war Fielmann, aber das war mir mit der Betreuung nicht geheuer.

Gruß

Alfred
Alfred Würzburger
bds Innenohrschwerhörigkeit ca. 80 dzb

Phonak NAIDA S IX UP
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