#1 17.04.2017, 22:15
Lurchi026 Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 17.04.2017
Beiträge: 2


Betreff: Probleme trotz Hörgerät
Liebe Mitglieder,

ich selbst bin zwar nicht schwerhörig, habe mich hier aber angemeldet weil ich hoffe, dass ihr mir Tipps für meinen Vater geben könnt.
Mein Vater ist 73 Jahre alt und eine leichte Schwerhörigkeit begann sicher schon vor ca. 15 Jahren. In den letzten 5 Jahren ist es schlimmer geworden und er trägt seit ca. 3 Jahren ein Hörgerät. Das Hörgerät ist von Phonak.
Das Problem ist, dass er schon unzählige Male beim Akustiker zur Einstellung seines Hörgerätes war und dennoch Probleme damit hat. Er trägt es sehr ungern und so wenig wie möglich. Es verstärkt wohl auch die Nebengeräusche und trotz Hörgerät ist eine Unterhaltung mit mehreren Personen fast unmöglich. Sobald es irgendwelche Nebengeräusche gibt (Musik im Restaurant) oder er sich mit mehreren Menschen unterhalten möchte hat er große Schwierigkeiten.
Es ist sehr traurig mit anzusehen, wie er oftmals einfach ausgeschlossen ist und sich aus Unterhaltungen zurückzieht.
Habt ihr irgendwelche Tipps für uns wie er ein besseres Hörgerät oder einen besseren Hörgeräteakustiker finden kann? Wir wohnen in München, falls jemand konkrete Tipps hat.
Ich habe auch davon gehört, dass teilweise das Gehirn erst wieder trainiert werden muss. Hat jemand hiermit Erfahrungen?
Ich bin für alle Tipps und Hinweise sehr dankbar!
Viele Grüße
Claudia
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#2 17.04.2017, 22:42
akopti Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 17.08.2016
Beiträge: 208


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Claudia,

wäre es dir möglich das Ton- und Sprachaudiogramm sowie die genaue Bezeichnung des getragenen Hörsystems zu nennen. Nur so ist es möglich einigermaßen seriöse Aussagen dazu zu geben.
Gibt es denn Situationen, wo dein Vater auch zufrieden mit dem Hören mit seinen Geräte ist?

Wenn dein Vater schon seit 15 Jahren mit einer Hörminderung zu tun hat und erst vor drei Jahren versorgt wurde, dann hat er 12 Jahre lang nach und nach die Umgebungsgeräusche nicht mehr, oder wenn, dann recht leise mitbekommen. Jetzt muss das Gehirn wieder lernen zwischen wichtigen und unwichtigen akustischen Ereignissen zu unterscheiden. Je regelmäßiger er die Systeme trägt, desto schneller wird sich der Lerneffekt einstellen.
Bei einem Normalhörenden ist es so, dass etwa 30% dessen, was auf unser Trommelfell trifft auch in unser Bewußtsein gelangt. Der Rest wird vom Gehirn aussortiert. Wenn man über eine langen Zeitraum eine unversorgte Hörminderung hat, bildet sich diese Eigenschaft zurück und muss wieder antrainiert werden.
Jedes Hörsystem verstärkt nicht nur Sprache, sondern auch Umgebungsgeräusche, allerdings kann man durch eine passende Einstellung Sprache so Verstärken, dass diese aus dem Umgebungsgeräusch hervorgehoben wird. Wenn man nun trainiert ist (s.o.) dann ist Sprachverstehn möglich. Grundlage dafür ist eine gute Diskrimination, die im Sprachaudiogramm mit einsilbigen Worten gemessen wird. Deshalb gibt die Sprachmessung eine Tendenz, welches Ergebnis man erwarten kann.

Gruß

Dirk
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#3 18.04.2017, 00:04
AlfredW Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.11.2005
Beiträge: 271


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Claudia,

einige wesentlichen Punkte wurde ja schon genannt; fairerweise muss man aber sagen, dass ein normales Hören auch mit den besten Hörgeräten nicht mehr möglich ist; Hörgeräte sind kein vollwertiger Ersatz für das Hören. Es ist keineswegs vergleichbar wie mit einer Brille mit der man ja in aller Regel wieder gestochen scharf sieht.
Ich kann es durchaus nachvollziehen, dass sich dein Vater zurückzieht, wenn die Situation akkustisch gesehen brenzlig/ schwierig wird; es kostet einfach viel Energie/Konzentration in geselliger Runde einer Unterhaltung zu folgen. Deswegen ist es wichtig, dass auch ihr in der Familie lernt, wie mit der Schwerhörigkeit umzugehen ist.


Gruß

Alfred
Alfred Würzburger
bds Innenohrschwerhörigkeit ca. 80 dzb

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#4 18.04.2017, 06:02
RemyRiver Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.11.2016
Beiträge: 373


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Die von dir geschilderte Situation vermittelt den Eindruck das er mit dem HG an sich nicht zufrieden ist, weil es fuer ihn nicht hilft.

Ja, ein HG kann nicht das perfekte Hoeren wiederherstellen, aber genauso isoliert wie ohne HG weiter zu leben ist auch micht im Sinne der Erfindung. Dann handelt es sich womoeglich nicht um das richtige Hoergeraet fuer ihn das die Umgebungsgeraeusche gut genug rausfiltert.

Ich kann den Satz "Ein Hoergeraet ersetzt das normale Gehoer eben nicht" hier im Forum nicht mehr lesen, das bedeutet doch nicht das ich fuer mich selber nicht das best moegliche Ergebnis versuchen kann zu erreichen.

Ansonsten gibt es auch Akustiker die sogenanntes Hoertraining machen.
Hz 125 250 500 750 1000 1500 2000 3000 4000 6000 8000
dbR 20_25_35_60__60__60__60__50_25___5__15
dbL 10_10_10_10___5___5___5___5___5___5__15
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 18.04.2017, 06:06 von RemyRiver. ↑  ↓

#5 18.04.2017, 10:10
Musiker_72 Abwesend
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Dabei seit: 09.11.2014
Beiträge: 481


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Lurchi,

wie ist denn sonst die Lebenssituation Deines Vaters? Lebt er alleine?

Die Situation "Restaurantbesuch mit vielen Leuten und Musik" ist so ziemlich das Schwierigste, was Du als Hörbehinderter erleben kannst.

Man müsste

a) Das HG zu Hause tragen, sich an die Alltagsgeräusche gewöhnen
b) Das HG in einfacheren Situationen tragen, also Gespräche in ruhiger Umgebung
c) die Schwierigkeit der Situationen weiter steigern.

Hinzu kommen dann Aspekte, die mit der Art des Hörgeräts zu tun haben. Phonak zum Beispiel hat einen besonders starken "Zoom" in den Spitzengeräten, womit man dann auf einen Sprecher fokussieren kann. Wenn man das aber nicht weiß und den Kopf woanders hindreht, hört man sogar schlechter als ohne Hörgerät.

Ein letzter Punkt: Womöglich hat Dein Vater so sehr über die "Nebengeräusche" gejammert, dass der Akustiker die "Störgeräuschunterdrückung" auf Maximum gestellt hat. Diese unterdrückt aber nicht nur Geräusche, sondern kann auch das Sprachverstehen behindern. Ich habe z.B., als ich Phonak getestet habe, noch am besten im Musikprogramm verstanden.

Wenn er das HG so gut wie nie trägt, wird es ihm im Restaurant jedenfalls nichts bringen. Darüber hinaus könnte es aber auch sein, dass das HG nicht sinnvoll eingestellt ist, das kann hier aber niemand erraten.

Schön, dass Du Deinem Vater helfen möchtest, das kann schon mal recht kompliziert werden mit den Hörgeräten!
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#6 18.04.2017, 18:36
AlfredW Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.11.2005
Beiträge: 271


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo RemyRiver,

ich kann genauso wenig lesen/hören, dass angeblich alles halb so wild ist; dies ist das andere "Extrem";
ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass es nicht so einfach wird;

@all:
mit langjährigen Hörgeräte-Trägern wie uns ist das jedenfalls nicht vergleichbar; ich meine, dass sein Hörgeräte-Akkustiker da schon beratend zur Seite stehen sollte - nicht nur was das technische anbelanggt (die reine Versorgung), sondern auch eine Strategie besprechen, wie eine Akzeptanz der Hörsysteme erreicht werden kann, ohne ihn zu frustrieren/zu überfordern.

jedenfalls wünsche ich dem "alten" Herrn alles Gute und viel Kraft und Geduld.

Gruß

Alfred
Alfred Würzburger
bds Innenohrschwerhörigkeit ca. 80 dzb

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#7 18.04.2017, 20:21
Lurchi026 Abwesend
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Dabei seit: 17.04.2017
Beiträge: 2


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten! Ihr habt mir schon sehr geholfen!

Wenn man selbst nicht betroffen ist und sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat, wundert man sich im ersten Moment warum derjenige nicht "einfach" sein Hörgerät trägt und alles ist gut. Der Vergleich mit einer Brille ist tatsächlich gut. Umso wichtiger ist es für mich zu hören, dass es eben nicht so einfach ist. Ich werde versuchen geduldiger zu sein und gebe die Hoffnung aber auch nicht auf, dass sich die Situation für meinen Vater verbessern lässt!

@ Musiker 72:
Mein Vater wohnt mit meiner Mutter zusammen. Die Situation Restaurant und Musik ist tatsächlich extrem, inzwischen ist es aber leider so, dass schon Unterhaltungen beim Kaffeetrinken Zuhause mit 6 Personen und ohne jegliche Nebengeräusche zum Problem werden.

@ Dirk:
Mein Vater ist gerade für eine Woche im Urlaub, danach werde ich ihn aber nach dem Ton- und Sprachaudiogramm + Namen des Hörsystems fragen.

Viele Grüße!
Claudia
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#8 18.04.2017, 22:34
AlfredW Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.11.2005
Beiträge: 271


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Claudia,

die Situation läßt sich mit Sicherheit verbessern; allerdings muss bewußt sein, dass der Anpassungsvorgang d.h. das Feintuning des Hörgeräts zeitraubend und nervig ist. Meistens wird am Anfang die Verstärkung etwas zurückgenommen und nach der der Eingewöhnungsphase auf die benötigte Lautstärke gestellt.

Ich habe z.B. 6 Hörgeräte getestet und dafür mehr als ein halbes Jahr gebraucht, um das für mich richtige Hörgerät zu finden. Auch die Geldfrage spielt eine Rolle d.h. welchen Geldbetrag man zu zahlen kann/möchte.
Dies kann man aber nur durch Ausprobieren herausfinden, ob die Mehr-Investition auch in mehr Sprachverständnis mündet. Dies muss nicht zwangsläufig so sein. Viel hilft eben nicht immer viel.


Gruß

Alfred
Alfred Würzburger
bds Innenohrschwerhörigkeit ca. 80 dzb

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#9 19.04.2017, 00:14
KatjaR Abwesend
Moderator
Dabei seit: 27.08.2012
Beiträge: 313


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Claudia,
das ist wirklich keine leichte Aufgabe jemanden dazu zu bringen sich an ein Hörgerät zu gewöhnen, der durch anfängliche Misserfolge ziemlich demotiviert ist. Gut dass du nicht aufgibst und dich erkundigst. Es ist wirklich wichtig einem Betroffenen geduldig klar zu machen, dass es sich a) um einen Prozess der (Wieder)Gewöhnung handelt, den es sich lohnt durchzuhalten und b) (auch wenn es hier manche nicht lesen wollen) es eben zwar Verbesserung bringt, aber nicht mehr unbedingt das problemlose Hören in komplexen Hörsituationen zurück bringen kann.
Einerseits muss man die Hoffnung aufrecht erhalten, aber eben auch nicht zu viel versprechen, das ist ein schwieriger Balanceakt.
Ihr könnt ihm in vielerlei Hinsicht helfen. Geduldig alles auch 3 mal wiederholen, wenn im Restaurant die Unterhaltung nicht klappt zwischendurch mal vor die Tür gehen mit ihm und ihm erzählen worum es so ging, ihn anschauen beim Sprechen, nicht zu schnell reden. Es gibt da viele Möglichkeiten.
Dass man sich auch mal zurück zieht, ist aber auch normal und dient dem Selbstschutz. Eine Tochter zu haben die sich Gedanken macht und kümmert ist schon mal toll für den Betroffenen.
Alles Gute für euch. Gruß Katja
Langjährige CI-Trägerin (AB) "Nehmt nur mein Leben hin in Bausch und Bogen, wie ich´s führe; Andre verschlafen ihren Rausch, Meiner steht auf dem Papiere." Laughing
Johann Wolfgang von Goethe
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#10 19.04.2017, 05:34
RemyRiver Anwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.11.2016
Beiträge: 373


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Zitat von AlfredW:
Hallo RemyRiver,

ich kann genauso wenig lesen/hören, dass angeblich alles halb so wild ist; dies ist das andere "Extrem";
ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass es nicht so einfach wird;

@all:
mit langjährigen Hörgeräte-Trägern wie uns ist das jedenfalls nicht vergleichbar; ich meine, dass sein Hörgeräte-Akkustiker da schon beratend zur Seite stehen sollte - nicht nur was das technische anbelanggt (die reine Versorgung), sondern auch eine Strategie besprechen, wie eine Akzeptanz der Hörsysteme erreicht werden kann, ohne ihn zu frustrieren/zu überfordern.

jedenfalls wünsche ich dem "alten" Herrn alles Gute und viel Kraft und Geduld.

Gruß

Alfred

Niemand hat gesagt das es einfach ist, aber so lange man mit dem Hoereindruck nicht zufrieden ist und in Konversationen mit mehreren Menschen bei einem milden (bis moderate) "einfachen" hoerverlust keine Gruppenkonversationen mit bekommt, ist das definitiv nicht ein endresultat mit dem man sich abfinden muss. Es geht nicht darum, das man von nun an saemtliche akustischen Herausforderungen mit Bravur meistern kann ohne jegliche Probleme, aber ein Gespraech mit 3-5 Leuten zu fuehren sollte moeglich sein ohne sich komplett abkapseln zu muessen.

Entweder ist das HG ungeeignet, die Diagnose duerftig oder aber es muss noch mehr Hoertraining erfolgen. Man sollte da nicht an der falschen stelle Kompromisse machen bzw sich mit etwas abfinden, nur weil man denkt das es nichts besseres/keine Alternative gibt ohne das man ueberhaupt geguckt hat.

Ich moechte damit auch nicht sagen, dass es nicht sinnig ist Restaurants mit abgehangenen Decken zu waehlen, seperaten Raeumen oder deinen Vater an Eckplaetze/mit dem Ruecken zur Wand zu setzen. Umgang mit Schwerhoerigenmenschen ist trotzdem wichtig, aber -- und das ist eben der springende Punkt -- das ist es auch wenn diese ein voll funktionsfaehiges HG haben. Es kann immer mal passieren das Batterien ausgehen oder sonst was.

Waere ich euren "Ratschlaegen" hier gefolgt saesse ich immer noch zu Hause total verzweifelt mit meinem alten HG das mir auf der Arbeit wegen des staendigen Feedbacks ueberhaupt nicht hilft. Stattdessen bin ich total gluecklich darueber jetzt zu wissen das meine Hoerprobleme eben nicht "normal" waren sondern wirklich von dem nicht geeigneten HG kamen.

Aber ich rede hier auf Waende ein, meine Meinung hat hier eh keinen Stellenwert.
Hz 125 250 500 750 1000 1500 2000 3000 4000 6000 8000
dbR 20_25_35_60__60__60__60__50_25___5__15
dbL 10_10_10_10___5___5___5___5___5___5__15
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#11 19.04.2017, 13:58
ulbos Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 21.05.2011
Beiträge: 132


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Claudia,

wie ich aus deinem ersten Posting ersehe, trägt dein Vater nur ein Hörgerät. Ist er nur tatsächlich nur auf einem Ohr schwerhörig? Wenn beide Ohren betroffen sind, sollte er eigentlich mit 2 Hörgeräten versorgt sein. Mit 2 Hörgeräten versteht man die Sprache wesentlich besser, besonders bei Unterhaltungen in der Gruppe und im Störschall. Wichtig ist auch, dass mit mehreren verschiedenen Hörprogrammen auf die unterschiedlichen Hörsituationen reagiert werden kann. Ein Hörprogramm alleine kann schwerlich alle Hörsituationen abdecken. Zu beachten ist auch, dass im höheren Alter Symptome der AVWS zutage treten können, die ein erschwertes Verstehen von Sprache bedingen. Von daher wird es eventuell eh nur begrenzt möglich sein, den Hörschaden auszugleichen.
Gruß
ulbos
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#12 20.04.2017, 10:50
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Hallo Lurchi026,

hier meine Sichtweise:

Zitat von Lurchi026:
Ich habe auch davon gehört, dass teilweise das Gehirn erst wieder trainiert werden muss.

Zitat von akopti:
Wenn dein Vater schon seit 15 Jahren mit einer Hörminderung zu tun hat und erst vor drei Jahren versorgt wurde, dann hat er 12 Jahre lang nach und nach die Umgebungsgeräusche nicht mehr, oder wenn, dann recht leise mitbekommen. Jetzt muss das Gehirn wieder lernen zwischen wichtigen und unwichtigen akustischen Ereignissen zu unterscheiden. Je regelmäßiger er die Systeme trägt, desto schneller wird sich der Lerneffekt einstellen.

Hierzu möchte ich folgendes anmerken:

Das Hirn wird andauernd trainiert, auch wenn man keine Geräte trägt. Nur ist dann der Input ein anderer. Und aus diesem Grunde sind möglicherweise sogar höhere kognitive Leistungen erforderlich, um Sprache zu erkennen und zu verstehen (ganz allgemein formuliert).
Was aber (unter Verwendung eines Hörgeräts) neu trainiert werden muss, ist die Klassifikation des durch ein Hörgerät veränderten Inputs (also bspw. das Erkennen und Verstehen von Sprache). Wenn das Hörgerät einen Nutzen bringen soll, muss diese Aufgabe leichter zu bewältigen sein, was in einem besseren Sprachverstehen resultieren muss.
Das Hirn muss also nur dann (so zu sagen) "wieder lernen, zwischen wichtigen und unwichtigen akustischen Ereignissen zu unterscheiden", wenn ein Hörgerät getragen wird. Ob dies geschehen soll, entscheidet letztlich Dein Vater (sofern er dazu in der Lage ist, wovon ich ausgehe).

Die Frage lautet nun, ob es möglich ist, ein Hörgerät so ein zu stellen, dass dies der Fall ist, und dass gleichzeitig die Akzeptanz durch Deinen Vater gegeben ist.

Es ist also zunächst einmal wichtig, dass die Geräte so eingestellt werden, dass Dein Vater sie tragen will (man nennt dies "Akzeptanz"). Ob eine solche Einstellung überhaupt existiert, kann ich natürlich nicht sagen, auch nicht, ob ein anderer Akustiker solch eine finden würde (je nachdem auch mit einem anderen Gerät), falls sie existieren sollte:

Zitat von Lurchi026:
Das Problem ist, dass er schon unzählige Male beim Akustiker zur Einstellung seines Hörgerätes war und dennoch Probleme damit hat. Er trägt es sehr ungern und so wenig wie möglich.

Hieraus schliesse ich einerseits, dass die Bereitschaft da ist, sich um die Hörgeräteversorgung zu kümmern und auch einen grösseren Aufwand in Kauf zu nehmen. Allerdings scheint trotzdem ein guter Erfolg bisher aus zu bleiben. Woran dies liegt, ist nun die Frage.

Nun, einerseits ist es so, dass eine Gewöhnung schneller eintritt, wenn man die Geräte öfter trägt. Andererseits scheint es jedoch für Deinen Vater sehr unattraktiv, dies zu tun. Eine Ursache liegt darin, dass die Nebengeräusche zu sehr stören. Nun, wenn man generell die Verstärkung zurück nimmt, treten auch erstgenannte weniger in Erscheinung. Eine Möglichkeit könnte sein, die Verstärkung vorerst relativ schwach ein zu stellen, um sie dann (bei guter Akzeptanz) allmählich zu steigern (man nennt dies "gleitende Anpassung").

Wurde "so etwas in diese Richtung" bereits versucht?


Andererseits stellt sich natürlich auch die Frage, wie viel Sprachverstehen noch bei welchen Pegeln erzielt werden kann und ob allenfalls bereits ein CI indiziert ist (dies nur als Option, zumal keine Angaben gemacht wurden).


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#13 20.04.2017, 11:31
pascal2 Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 20.04.2011
Beiträge: 368


Betreff: Re: Probleme trotz Hörgerät
Noch nie was von Hörerschöpfung gehört ?
In dem Alter hat man nicht mehr die Kraft wie mit 30.
Mit Hörgeräten muss man sich stärker auf gesprochenes konzentrieren als Normalhörende.
Das geht an die Substanz.
Mein Vater ist 80, laut Ärzten kerngesund für sein Alter, der schläft während einem Gespräch einfach ein, obwohl er hört wie ein Luchs, trotzdem strengt es ihn unglaublich an.
Und 6 Personen, dann noch ab und zu drucheinandergerede, da kommt auch so mancher 30 jährige mit Hörgeräten nicht mehr mit und ermüdet frühzeitig.
Jeder hat ein anderes Hörempfinden und man kann nicht so einfach alle Hörgeschädigten über einen Kamm scheren.
Nach dem Motto: Wenn einer das kann dann muss der andere das auch können, das klappt nicht.
Sonst gäbe es auf der Welt ja nur Olympioniken und Einsteins !
Jeder Mensch ist ein Individuum und das ist gut so.
Zum Glück hat der weise Trittin die Entwicklung des Deutschen Rentensystems früh erkannt und das Flaschenpfand eingeführt !
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 20.04.2017, 11:33 von pascal2. ↑  ↓

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