#1 31.10.2017, 21:02
RainMan Abwesend
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Betreff: Vorstellung RainMan
Hallo,
ich möchte ein wenig zu mir und über mich sagen. Die Zeit der Feiertage in den Reformationstag hinein bietet ein wenig Freiraum, Euch zu informieren.

Ich bin 58 Jahre und habe einen Ingenieurberuf, wo ich eigentlich zu 90% am Tag mit dem CAD-Rechner arbeite und "das Maul halte". Ich war seit 1992 freiberuflich und selbstständig bin aber 2013 in eine Festanstellung gewechselt.

Grundsätzlich bin ich also aus einer recht kommunikativen Zeit während der Selbstständigkeit in eine recht stumme Befehlsempfängertätigkeit in einem größeren Ingenieurdienstleister gewechselt.

Die Freiberuflichkeit war extrem anstrengend, immer ein Kampf um Aufträge und das übliche, immer körperlich und mit der Arbeitszeit am Limit. Ich arbeitete viel für den Automobilrennsport ... Die Folgen ließen zwar zehn Jahre auf sich warten,aber mein Gedanke, ich wäre unkaputtbar, der war leider falsch.

1998 der erste richtige Hörsturz, den ich unbehandelt ließ und meinte, erst nach einem halben Jahr mit der Ansage an meinen HNO Arzt "irgendwie pfeift da was und höern tu ich auch schlechter" reichlich spät behandelt.

2003 war dann der vierte Hörsturz fällig und ich mithin auch erst mal stationär. Zwar wusste ich um das Risiko, aber Hausbau und Firma, Banken und Steuerberaterärger, Rechtsstreitigkeiten mit Kunden die nicht zahlen, Kunden die nicht zahlen weil sie pleite gingen ...

Alles Dinge wo man meint, es wäre doch gerade jetzt nicht der richtige Moment sich krank schreiben zu lassen.

2008 war dann Wirtschaftskrise. Und auch meine. Insolvenz, Scheidung, Firma weg, wieder mit leeren Konten von Null angefangen. Während der Insolvenz hatte ich noch auf Anraten eines Insolvenzberaters (der Mann macht XXX.tsd im Jahr) eine GmbH am Laufen und bei jedem nicht in den Buchungen stehenden Rollen Klopapier den Insolvenzverwalter mit im Nacken ...

Auch nicht gerade prickelnd.

So, seit 2011 bin ich nun festangestellt und nur vermeintlich in einer entspannten Lage. Mein Arbeitgeber war zufrieden, denn ie Kuh gab mich bis bei VW der Dieselskandal offensichtlich wurde und die Dieselkrise folgte.

Mein Arbeitgeber kommt nun auf die tollsten Ideen. Stellt mich einem Kunden vor für Arbeitnehmerüberlassung und während der Vorstellung kommt das Thema Hörbelastung zur Sprache. Weil mir gesagt wurde, ich hätte am Tag ca. 70% Telefonzeit. Ich sagte daraufhin, dass es mit meiner Schwerhörigkeit/ Tinnitus und Hyperakusis bei Stress für mich sehr schwer wäre, da mein Zahlensprechverständnis dann schon sehr eingeschränkt ist.

Die Rückfahrt vom Kundentermin war entspannt. Nach einer Woche folgte die Absage des Kunden, man hätte wegen der Hörbelastung einen anderen Bewerber gefunden und bestimmt.

Für mich war dei Absage des Kunden verständlich und okay. Telefonieren ist wirklich für mich die Horrornummer 1 ...

ja, was soll ich sagen ... eine Woche drauf erhalte ich eine Abmahnung meines Arbeitgebers wegen Arbeitsverweigerung im Vorstellungsgespräch beim Kunden.

Ich lade hier mal meine aktuellen Messungen hoch ...

Es interessiert in der Firma keinen, ob ich und was ich höre. ich bin nach diesem Ereignis erst zum Akustiker (diese Messungen sind hier gezeigt) und dann würde ich zum HNO überwiesen um den Grad der Behinderung genauer feststellen zu lassen.

Klar, mein Ziel ist, einer Kündigung mittels eines nachgewiesenen GdB zu begegnen. Allerdings, ich bin seit 2 Wochen jetzt auch krank geschrieben und zuhause ...

Wenn ich nicht schon so ein alter Sack wäre, sondern 47 wurde ich schnellstmöglichst den Abflug aus dieser Firma planen und angehen. Ich werde das trotzdem angehen, denn mithin ist das Vertrauensverhältnis zerstört.

Allerdings, mir ist Himmelangst und Bange ... Da landet man schnell als Sozialfall in der untersten Ebene der Gesellschaft.... egal ob Dr.Dipl.-Ing. -... alles möglich ...

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#2 01.11.2017, 11:35
Lchtschwrhrg Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Ich nimm mal an, dass Dein aktueller AG nichts von Deiner Hörbeeinträchtigung wusste?
Dann war es natürlich unklug, diesen Fakt vor dem Kunden zu outen - si tacuisses...
besser wäre gewesen, dort den Mund zu halten - und dann erst den Chef darüber zu informieren, dass Du den beeschriebenen Job nicht machen kannst. BTW - hat Dein AG überhaupt die Berechtigung zur Arbeitnehmer-Überlassung?? Und keine Sorge - ob Du "in der untersten Ebene der Gesellschaft" landest, wird nicht vom Geld abhängen - Du wirst dann sehen, wer wirkliche Freunde sind. Und, selbst wenn es eintreten sollte, ins Arbeitszeitmodell 0 in 7/24 zu fallen auch noch einige Jahre hin. (PS. ich bin seit 15 Jahren "Selbstständig" - da gab es (un in Folge gibt es für mich) nicht mal eine Auffangmatte.
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#3 01.11.2017, 12:17
Gewichtl Abwesend
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Beiträge: 468


Betreff: Re: Vorstellung RainMan
.........off topic..............
moin,
Hallo Lchtschwrhrg:
trotz unserer manchmal hier ausgefochtenen "Kämpfe", möchte ich DIR hier einmal ein großes Lob und meinen Respekt bezeugen, weil:
das was DU hier tust, das hat einen großen Wert!!!
weil es - im puren Wortsinn - "hilf-REICH" für "Ge-troffene" ist.
Danke dafür.
LG
Gewichtl
MEINE Loyalität gilt meinen Mitbeitragszahlern meiner Krankenversicherung, die durch ihre Beiträge auch MEINE Hörsystemversorgung im Wert von fast 1.600.-€ mit bezahlen müssen Smiling
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#4 01.11.2017, 13:19
pascal2 Abwesend
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Beiträge: 386


Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Hallo RainMan,

vielleicht hilft es dir, ich arbeite direkt in der Automobilindustrie in der IT.
Daher kann ich das voll nachvollziehen, was du schreibst.
Bei uns wird seit dem Abgasskandal kein Stein mehr auf dem anderen gelassen.
Dazu wütet noch der Elektromobil-Druck und Industrie4.0 seit einiger Zeit.
Resultat, unsere komplette Abteilung wird ins billigere Asien verlagert.
Entweder man wird an einen anderen Standort irgendwo in der Republik versetz oder man geht mit.
Leider habe ich die Klausel im Arbeitsvertrag, überall auf der Welt eingesetzt werden zu können.
Ich habe mich auf Asien für das Umstellungsjahr eingelassen.
Danach ist mein extrem schwieriges hörbehindertes Berufsleben mit 57 Jahren beendet und ich bekomme eine Abfindung, Bruttogehalt für 6 Jahre Incl. der Auslandszulagen.
Ehrlich, bei mir geht als das Messer in der Tasche auf, wenn die Industrie verlogen vom Fachkräftemangel jammert.
Die Wahrheit ist, ab 50 steht man generell auf der Abschussliste, egal wie gut man ist.
Dann wollen sie nämlich junges, williges, gesundes Blut und da sie das in Deutschland, Europa billig nicht finden, geht bei uns eine Abteilung nach der anderen nach Asien.
Zum Glück hat der weise Trittin die Entwicklung des Deutschen Rentensystems früh erkannt und das Flaschenpfand eingeführt !
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#5 01.11.2017, 14:28
RainMan Abwesend
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Beiträge: 22


Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Zitat von pascal2:
Daher kann ich das voll nachvollziehen, was du schreibst....
... kein Stein mehr auf dem anderen gelassen....komplette Abteilung wird ins billigere Asien verlagert.... extrem schwieriges hörbehindertes Berufsleben mit 57 Jahren beendet und ich bekomme eine Abfindung, Bruttogehalt für 6 Jahre Incl. der Auslandszulagen....Die Wahrheit ist, ab 50 steht man generell auf der Abschussliste, egal wie gut man ist.... junges, williges, gesundes Blut....

Ja, leider ... da wir aus derselben Branche kommen, sprechen wir hier dieselbe Sprache und haben das identische Verständnis der Situation. Besonders, wir haben keine Lobby gegen die Lobby. Gewerksschaften? Schon lange nicht mehr ... Helpless

Zitat von pascal2:
...Die Wahrheit ist, ab 50 steht man generell auf der Abschussliste, egal wie gut man ist....

Die Jüngeren haben die Möglichkeit den Arbeitgeber zu wechseln und können so der schlimmsten Unbill entgehen. Aber wir Älteren? Mein Arbeitgeber bastelt ja an der Abmahnung wegen Arbeitsverweigerung. Weil ich eben bei der Kundenvorstellung meine Hörbehinderung mit angegeben hatte.

Und oberdumm für mich ist gerade, dass die medizinischen Untersuchungen zur Bestimmung meines GdB gerade erst laufen. Das bedeutet, solange ich keinen GdB vorweisen kann, stehe ich erst recht auf dem Präsentierteller zum bevorzugten Abschuss bereit.

Sage ich in dem Abmahngespräch ( was noch aussteht, aktuell bin ich krank geschrieben) nur einmal den Begriff "hochgradige Schwerhörigkeit" oder argumentiere mit dem juristischen Sachverhalten.

Einer Versetzung einfach nicht Folge zu leisten ist ein Abmahnungsgrund - und kann letztlich eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung zur Folge haben.

Aber ...

Zitat:
Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Dies gilt auch hinsichtlich der Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Bei der Ausübung des Ermessens hat der Arbeitgeber auch auf Behinderungen des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen. (Gewerbeordnung Paragraph 106)


Momentan befinde ich mich noch nicht mangels Feststellung im Behindertenstatus ... Sad
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#6 01.11.2017, 23:08
Coralie Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Hallo RainMan,

Ich denke ein Anwalt für Arbeitsrecht sollte dich beraten. Und umgehend sie Schwerbehinderung beantragen, es gilt das Datum der Antragstellung. Die aktuelle Hörkurve kann nachgereicht werden.
CI einseitig, andere Seite mit Hörgerät versorgt bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit.
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#7 02.11.2017, 14:36
RainMan Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Zitat von Coralie:
Hallo RainMan,

Ich denke ein Anwalt für Arbeitsrecht sollte dich beraten. Und umgehend sie Schwerbehinderung beantragen, es gilt das Datum der Antragstellung. Die aktuelle Hörkurve kann nachgereicht werden.

Hallo Coralie, das ist ein sehr guter Tip. ich bin noch bis zum 10.11.17 krank geschrieben und kann den Antrag so durchziehen. Denn, der Geschäftsführer der Firma ist ein Stinkstiefel. Er hatte verfügt, dass ich diesen Telefonjob machen soll.

Meine Weigerung deklassiert mich als "Persona No Grata". Es ist an den Personaler und meinen Vorgesetzten seine Weisung ergangen, mich hier mal "auszurichten". Sprich, ich soll tun, was die Geschäftsleitung verlangt. Von dem Geschäftsführer kam auch die Ansage zu meiner Hörschwäche "...das sind Ihre privaten Themen, das interessiert mich nicht".

Ich sage bewusst Hörschwäche, denn das Eisen "GdB =50" werde ich erst mal absichern und dann ins Spiel bringen, wenn es über die Tests bestätigt ist.

Anwalt für Arbeitsreicht ist auch schon aktiv.

Cool, danke Dir sehr Coralie!
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#8 05.11.2017, 11:48
RainMan Abwesend
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Dabei seit: 31.10.2017
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Zitat von Lchtschwrhrg:
Ich nimm mal an, dass Dein aktueller AG nichts von Deiner Hörbeeinträchtigung wusste?

Jeder in der Firma, der mit mir zu tun hat, weiss, dass ich Hörgeräte trage und dass ich schwerhörig bin. Auch mein Chef. Allerdings trage ich kein T-Shirt mit dem Aufdruck "Hallo, ich bin schwerhörig".

Zitat von Lchtschwrhrg:

Dann war es natürlich unklug, diesen Fakt vor dem Kunden zu outen - si tacuisses... besser wäre gewesen, dort den Mund zu halten - und dann erst den Chef darüber zu informieren, dass Du den beeschriebenen Job nicht machen kannst.

Warum? Ich habe bei dem Gespräch die Hörgeräte an und einer der Beisitzer des Kunden hatte auch welche. Ich wurde darauf angesprochen. Insofern liegt es auf der Hand, dass es kein Ohrschmuck sein kann.

Zitat von Lchtschwrhrg:

si tacuisses...

Übersetzt .. Wenn Du geschwiegen hättest, dann hättest Du Dir keine Blöße gegeben.

Grundfalsche Antwort. Die Problem im Job wegen einer Schwerhörigkeit kann man nicht wegschweigen, weil diese vorhanden sind und oftmals dann auch massive Folgen haben. Stell Dir mal vor ich muss Teile bestellen und höre die Stückzahl falsch? Was dann?

Zitat von Lchtschwrhrg:

BTW - hat Dein AG überhaupt die Berechtigung zur Arbeitnehmer-Überlassung??

Ja, allerdings steht Arbeitnehmerüberlassung und dass mir diese dann "aufgedrückt" wird steht nicht im Arbeitsvertrag. Aktuell besteht kein vertragliches Erwähnen von ANÜ.

Zitat von Lchtschwrhrg:

Und keine Sorge - ob Du "in der untersten Ebene der Gesellschaft" landest, wird nicht vom Geld abhängen - Du wirst dann sehen, wer wirkliche Freunde sind.

Leider nicht verständliche, da nicht begründete Antwort. Was meinst Du mit "wirkliche Freunde"? ich habe einen Totalverlust meines gesamten Vermögens in der Wirtschaftskrise erlitten ... ich denke, jeder definiert "wirkliche Freunde" anders. Ich stand auf jeden Fall allein da.

Zitat von Lchtschwrhrg:

Und, selbst wenn es eintreten sollte, ins Arbeitszeitmodell 0 in 7/24 zu fallen auch noch einige Jahre hin. (PS. ich bin seit 15 Jahren "Selbstständig" - da gab es (und in Folge gibt es für mich) nicht mal eine Auffangmatte.

Es gibt weder Fallschirme noch Auffangmatten. Danke für Deinen Beitrag und gerne weitere Argumente / Erklärungen.
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#9 05.11.2017, 12:29
Gewichtl Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
moin,
meine berufliche Haltung zu Anweisungen aller Art war NIE:
"kann ich nicht, mache ich nicht, weil: xyz"
sondern stets (sinngemäß):
"danke für den Vertrauensvorschuss, mache ich gern für Sie, ich gebe jedoch zu bedenken, dass: xyz, aber wenn wir diese Risiken tragen können - gerne" Smiling
LG
Gewichtl
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#10 05.11.2017, 20:20
RainMan Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Zitat von Gewichtl:
moin,
meine berufliche Haltung zu Anweisungen aller Art war NIE:
"kann ich nicht, mache ich nicht, weil: xyz"
"danke für den Vertrauensvorschuss, mache ich gern für Sie, ich gebe jedoch zu bedenken, dass: xyz, aber wenn wir diese Risiken tragen können - gerne" Smiling

Lieber Gwichtl, Du weisst zu wenig. ich habe mich über JAHRZEHNTE in jede Schlammgrube reingewagt, Aufgaben und Projekte gestemmt wo andere den Schwanz nur beim Hörensagen eingezogen haben, wurde von einigen Projektleitern als "loyales Arbeitstier und Allzweckwaffe" tituliert und das Ergebnis von jahrelang rund 200 bis 350 Arbeitsstunden vor dem CAD-Recher ist wie folgt:

Tinnitus, Hyperakusis
vorraussichtlich GdB 50
Aktuell massiver Burnout mit Depression, Impgimentsyndrom, Gelenkfunktionsstörungen, Kontrakturen, Distortionen; Kontusinen

Da kann ich nur freundlich entgege, dass freundliche Aufopferungsbereitschaft ist der Grund, dass ich mittlerweile so heruntergeschafft bin.

Abgesehen, dass dieser "Kundenauftrag" eine kalte Kündigung darstellt, da ich einen nicht meinem Berufsbild typische Aufgabe machen soll. Telefonische Teilekoordination ist nicht eine Kerntätigkeit eines Entwicklungsingenieurs, insbesondere wenn am Tag 2x 1,5 Stunden an Fahrtzeiten die nicht Arbeitszeiten sind, zum Kunden hinzukommen.

Und irgendwann ist Schluss. Sagt es der Kopf nicht, argumentiert irgendwann der Körper. Und der ist gnadenlos, der lässt sich nicht überstimmen.

Mein Bruder, der Rechtsanwalt ist, (allerdings Schwerpunkt Baurecht) kommentierte dieses Arbeitgeberansinnen mit dem Satz "wir leben doch nicht in einer Bananenrepublik".
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#11 05.11.2017, 21:52
Gewichtl Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
moin RainMan,
kurze Antwort:
Dein Bruder irrt...
LG
Gewichtl
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#12 05.11.2017, 23:14
RainMan Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Zitat von Gewichtl:
Dein Bruder irrt...

moin Gwichtl,
machmal ist "irren" und für seine Ideale kämpfen sinnvoller und zeigt bessere Ergebnisse als eine devote Haltung gegenüber unsinnigen Forderungen von Arbeitgeber, denen Ihre Mitarbeiter scheissegal sind. Auf jeden Fall vertritt auch der Arbeitsrechtler von ihm diese Einstellung der Unzumutbarkeit der Forderungen meines Arbeitgebers, auch in Bezug auf den Grad der Behinderung.

Wäre ich 30, dann würde ich das kommentarlos durchziehen. Aber ich bin es nicht mehr und ehrlich gesagt, ich war nie der Typ für softe Argumentationen der Art Ich habe bei Dir im Profil nachgeschaut, weiss zwar dass Du sehr viel postest aber habe kein Bild von Dir über Alter, Beruf, Lebenserfahrung, Einstellungen zu gewissen Themen.

Sicherlich beurteilt ein jüngerer Mensch die Situation anders, als jemand, der mehrmals schon in Projekten verheizt wurde, weil er vorher angelogen, falsch informiert, in Themen mit doppelten Boden gekommen ist und besonders, der in seinem Berufsleben schon so lange gearbeitet hat, dass die Schwarte kracht.

Angenommen, ich habe noch 10 Jahre gut, oder ein wenig mehr bis ins Kistchen, dann mag ich zusätzlich zu meiner Hörbehinderung keinen 10 bis 12 Stunden Tag mit täglich noch 3 Stunden Fahrzeit im Großstadtstau. Das ist Stress pur und passt wahrlich nicht zu solchen Argumentationen:

Zitat:
"danke für den Vertrauensvorschuss, mache ich gern für Sie, ich gebe jedoch zu bedenken, dass: xyz, aber wenn wir diese Risiken tragen können - gerne"

Was willste dann machen mit dieser unüberlegten Äußerung? Beim Kunden mit einem Hörsturz umkippen wenn Deine Softie-Strategie fehlschlägt? Ich kenn den Kunden und ich weiss, wann die jemand brauchen. Und wofür die jemanden holen. Wenn die Kacke am Dampfen ist. Und Externe brennen sooo schön ...

Ist nicht mein Ding. Vielleicht ist das mein Problem, vermeintlich ...Man kann ja in alle Richtungen reflektieren. Wie schon gesagt, mein lieber Gwichtl, ich kenne diesen Job und diese Branche seit 30 Jahren und den Arbeitgeber auch.

Das ist kein Ponyhof. Das kann sehr schnell ganz, ganz fies werden.
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 05.11.2017, 23:23 von RainMan. ↑  ↓

#13 06.11.2017, 07:32
Gewichtl Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
moin RainMan,
es tut mir leid, dass du mich in meinen beiden Aussagen so gründlich missverstandest, dass ich dir auf die Sprünge zu helfen müssen meine:
vorab zu deinem falschen Bild, welches du dir von mir zu machen scheinst, eine Richtigstellung:
Ich bin 63, war zeitweise Hartz4, beziehe eine Minirente und lebe JETZT ENDLICH nach dem Motto: "burnout ist was für Anfänger, ich habe bereits fuck off" Smiling
dann zu meiner ersten Aussage bzgl. "anstelle Ablehnung eine Risikoübertragung bei Annahme":
Ich hätte deutlich gemacht, dass meine Hörbehinderung dieser Aufgabe schwere Hindernisse in den Weg wirft und man wissen muss, was man tut, wenn man ausgerechnet MIR diese Tätigkeit überträgt. Frage: was ist daran "devot"?
Nun zu meiner zweiten Aussage:
Wir leben inzwischen in einer Bananenrepublik, weil: wir sind eine stao-Gesellschaft geworden (stao = so_tun_als_ob) in der jeder gegenüber jedem nur noch dadurch Gewinn zu ziehen in der Lage ist, wenn er x für u vormacht. Beispiel: als ich junger Techniker war, da arbeitete "man" noch so gut wie möglich, später, als ich Techniker ausbildete, da war wichtig: "nur so gut wie NÖTIG, weil sonst nicht wettbewerbsfähig". Und heute bedeutet "Wettbewerbsfähigkeit": "so SCHLECHT wie gerade noch unbemerkt bleibt". Und das gilt nicht nur für Waren und Dienstleistungen, das gilt auch für unser Rechtssystem, unsere Politik, unsere Demokratie, unsere Gesellschaft insgesamt. "Banane eben" Smiling
Liebe Grüße
und
Guten Morgen
Gewichtl
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#14 06.11.2017, 09:48
Lchtschwrhrg Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
OT Willkommen i, Club - Interessante Lebensläufe, Wobei Pascal es wirklich wunderbar hat und das Gebotene nutzen sollte - besser geht nicht! VW sei dank, mein Diesel hat dadurch von heut auf morgen 1/3 seines Wertes eingebüsst, auch wenn's ein großer Franzose ist. Habe VW kennengelernt - die haben kleine Firmen in Entwicklungsprojekten locker ins Messer laufen lassen, wenn die auf Grund von VW erkannter Falschinfos unter EK kalkuliert haben - da war sich der Projektleiter auch nicht zu schade, wegen Teilelieferung mich um 22 Uhr od Sonntags anzurufen oder Einladung zum Essen mit Begleitprogramm auszusprechen - klar von mir abgelehnt - hat dann meine offiziellen Bedingungen akzeptiert und wie ein Fahrrradfahrer gebuckelt - kannte mich danach aber nicht mehr. That's VW. D´That's Business of today.
Ich habe immer gern gearbeitet fast 7/24, Workoholic - Wenn dann nicht nur ein, sondern zwei lebensbedrohliche Einschläge bei der besten aller meiner Ehefrauen einen veranlassen, eben mal 150% dafür da zu sein -immer mit der Angst, wer weiß wie lange noch - weil ich nichts davon halte, mich in der Arbeitswoche nicht voll auf die Kundenaufgabe konzentrieren zu können - man Anfragen deshalb über einer gewissen Zeitraum hin ablehnt - und einen dann niemand mehr kennt - kein Aufträge kommen .... und wenn man eben nicht mehr nur 58 oder 61 ist - da hat Gewichtl mal recht mit Banane!
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#15 06.11.2017, 10:25
RainMan Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Hallo und einen lieben guten Morgen an Gewichtl und Lchtschwrhrg und andere Helfende,
ich muss gerade zum Doc und eine Überweisung abholen.

Ich werde sicher hier an auf Euch beide antworten, denn gerade bei Gwichtl war ich mir unsicher, wie er es meinte und habe es grundfalsch als Empfehlung, doch klein beizugeben und diesen Telefonjob zu machen, verstanden.

Also, ich werde hier und heute abend hoffentlich Zeit finden, Euch beiden genauer zu antworten.

Schön, dass es Euch gibt!
↑  ↓

#16 06.11.2017, 14:25
Gewichtl Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
moin RainMan,
es freut mich, dass ich den Eindruck haben darf, jetzt besser verstanden zu werden Smiling
das ermutigt mich, "noch einen drauf zu setzen":
vor vielen Jahren sagte mir mal eine gute Freundin:
"bedenke: Dinge sind NICHT IMMER so, wie sie erscheinen".
seither sind auch schon wieder viele Jahre in´s Land gegangen und es veränderte sich - "in marktkonform-demokratisch-postfaktischen Zeiten" - zu einem geringfügigen Wortplatzwechsel im Satz:
aktuell ist: "Dinge sind IMMER NICHT so, wie sie erscheinen (sollen) Smiling
Daraus folgt:
Als Abhängiger - von was und wem auch immer - ist ein eigenes "NEIN" stets ein willkommener Vorwand zu gewollter!!! Zusagenwortbrüchigkeit der anderen Seite. Das gilt für Arbeitgeber genau so (Abmahnung), wie für JobCenter (Sanktion).
DESHALB ist die Variante - meiner Meinung nach - heutzutage klüger, das "NEIN" aus dem eigenen Wortschatz zu streichen und durch das (heuchlerische) "selbstverständlich "ja", jedoch befiehlt mir meine besondere Loyalität, Sie (den Zumutenden) auf die (mit dieser Zumutung) verbundenen besonderen Risiken für SIE (den Zumutenden) hinzuweisen, wenn sie ausgerechnet mir (dem Opfer) diese Aufgabe (hören für einen Schwerhörigen) zutrauen (zumuten)".
Verschtehscht?
LG
Gewichtl
MEINE Loyalität gilt meinen Mitbeitragszahlern meiner Krankenversicherung, die durch ihre Beiträge auch MEINE Hörsystemversorgung im Wert von fast 1.600.-€ mit bezahlen müssen Smiling
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 06.11.2017, 15:06 von Gewichtl. ↑  ↓

#17 06.11.2017, 15:10
RainMan Abwesend
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Betreff: Re: Vorstellung RainMan
Zitat von Gewichtl:
Verschtehscht?
LG
Gewichtl

Ja, so langsam komme ich an Deine Gedankenwelt ran. Ich habe Dich voll in den falschen Hals bekommen ... Gewichtl klingt bayrisch ... in komm aus Bayern ...

Nun, insgesamt ist das Fazit hoch positiv. Es entwickelt sich eine Strategie zwischen den beiden Polen "Drohende Abmahnung und betriebsbedingte "You are Fired"-Kündigung" und dem Behörden-Wirrwar "Juristisch und medizininsch und behördenkomformes Stellen eines Antrages auf Schwerbehinderung".

Gestern Abend dachte ich mir, meine Güte, was drücke ich da den Leuten hier auf's Auge an Information und Problemen. Aber, mithin war beides - sehr viel auch Eure Antworten - klärend und hilfreich.

Die Woche wird hart, ich habe diverse Termine und Untersuchungen, aber alles trägt zur Klärung bei.

Euch vielen Dank für die Herzlichkeit und die von Euch investierte Zeit. Ich werde berichten, wie es weitergeht.
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