Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

Antworten
Marin
Beiträge: 6
Registriert: 20.11.2009
11

Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#1

Beitrag von Marin »

Hallo Forum,
bin seit Ende letzten Jahres beim Testen meiner ersten Hörgeräte, bekomme aber zusammen mit der Akustikerin meines Vertrauens die verschiedenen Anforderung - möglichst offene Versorgung und ausreichende Verstärkung im Hochtonbereich - nicht recht in einem Gerät zusammen unter. Problem ist die Rückkopplung. Kennt jemand von Euch das Problem und hat ein paar Tipps für mich parat?

Zu den Fakten:
Habe chronische MO-Entzündung beidseitig, so dass meine Ohren immer ein wenig "laufen", sprich der Gehörgang mehr oder weniger immer leicht feucht ist, auch ohne HGs. Dadurch bedingt auch eine mittelgradige Schallleitungsschwerhörigkeit. Meine HNO-Ärztin besteht daher auf einer offenen Versorgung, am besten mit durchlöcherten Schirmchen, damit Luft dran kommt und sich meine Gehörgänge nicht entzünden bzw. der Heilungsprozess nicht behindert wird.

Auf der anderen Seite brauche ich recht viel Verstärkung im Hochtonbereich (sorry, habe die Hörkurven gerade nicht parat) und meine Akustikerin wollte mir schon am liebsten ein Ohrpaßstück verpassen. Das habe ich auch getestet inklusive Belüftungsbohrung und mir in der Testphase gleich eine Entzündung des Gehörgangs eingefangen. Kommt also nicht in Frage!

Gerätetechnisch sind im Moment das Vigo Pro (Otticon) und das Audeo Smart III (Phonak), jeweils als HdO-Geräte mit externem Powerhörer und doppelten Schirmchen (Power dome?) in der engeren Wahl.
  • Das Vigo Pro ist vom natürlichen Klang und dem Sprachverständnis in den verschiedenen Situationen bisher mein Favorit. Außer dass es vielleicht etwas groß ist, aber das ist eher ein Luxusproblem.
  • Das Audeo Smart ist vom Sprachverständnis auch gut aber der Klang teilweise etwas blechern, was sich im Feintuning noch abstellen läßt, wie meine Akustikerin sagt. Für das Audeo spräche die Möglichkeit einer Freqenzverschiebung aus dem Hochtonbereich zu niederen Frequenzen (Soundrecover), wodurch sich evtl. eine offenere Versorgung realisieren ließe.
Realität für mich ist, dass die Power domes (doppelten Schirmchen) das Ohr auch ziemlich gut abdichten und es dahinter auch recht feucht bleibt, wenn auch weniger als bei Ohrpaßstücken. Mit beiden Geräten haben wir es bislang nicht geschafft, zumindest einen "Tulpen"-dome (einfaches Schirmchen aus zwei Lamellen) ohne Rückkopplungsprobleme anzupassen, geschweige denn SChirmchen mit Löchern.
Meine HNO-Ärztin meinte noch, Rückkopplung sei durch die Signalverarbeitung eigentlich echtes Hindernis mehr, ggfls. müsste ich halt zu teureren Geräten greifen. Meine Akustikerin scheint mir aber mittlerweile etwas ratlos, wie das Problem zu lösen ist.

Habt ihr noch Ideen und Vorschläge?

Danke,
Marin
Zuletzt geändert von Marin am 14. Feb 2010, 22:17, insgesamt 1-mal geändert.
karasi
Beiträge: 401
Registriert: 22.10.2008
12

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#2

Beitrag von karasi »

Vielleicht habe ich etwas übersehen, aber warum denkst du bei einer SchalleitungsSh nicht über ein BAHA nach oder ein KL-HG mit Magneten? Dann hättest Du diese Probleme nicht.
Marin
Beiträge: 6
Registriert: 20.11.2009
11

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#3

Beitrag von Marin »

Hallo Karasi,
was bedeuten bitte die Abkürzungen BAHA und KL-HG?

Danke für die Erläuterung,
Marin.
karasi
Beiträge: 401
Registriert: 22.10.2008
12

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#4

Beitrag von karasi »

BAHA ist ein knochenverankertes Hörgerät und das gibt es auch ohne die Schraube, sondern mit einem Magneten. Dann hättest Du nicht die Belüftungsprobleme. Ich weiß aber nicht, wie Deine Hörkurve aussieht und ob es sich nur um eine Schalleitungsstörung handelt. Vielleicht hab ich was überlesen. Ich weiß ja auch nicht, wie massiv Dein laufendes Ohr ist.
fast-foot
Beiträge: 5624
Registriert: 12.10.2008
12

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#5

Beitrag von fast-foot »

Vielleicht noch zur Erläuterung: ein Knochenleitungshörgerät überträgt den Schall via Schädelknochen zum Innenohr. Dazu erzeugen spezielle Vibratoren, die am Schädelknochen hinter dem Ohr befestigt sind, Schwingungen. Die Qualität ist jedoch nicht die gleiche wie bei einem normalen Luftleitungshörgerät, wenn keine Schallleitungsschwerhörigkeit besteht. Zudem müssen bei der Hörfähigkeit der Innenohren gewisse Bedingungen erfüllt sein, damit es klappt. Einen Versuch könnte es Wert sein. Bei einer beidseitigen Versorgung müssten die Hörkurven der beiden Innenohren (Knochenleitung) inetwa identisch sein (+- 15 dB).
Dann wäre allenfalls ein Implantat noch eine Lösung. Vielleicht die Vibrant Soundbridge. Sie wird am Steigbügel befestigt und erzeugt Vibrationen, die an das ovale Fenster weitergeleitet werden und von der Cochlea in elektrische Impulse umgewandelt werden (was bei einer normalen Reizung durch Schall ebenfalls geschieht). Das setzt allerdings eine Operation voraus und kostet auch einiges mehr als ein Hörgerät. Zudem muss bei einem Akkuwechsel erneut operiert werden. Keine Ahnung, ob das bei Dir in Frage kommt (theoretisch ja). Das muss eine Klinik entscheiden.
Allenfalls könntest Du Dich beim Hörzentrum Oldenburg melden. Das ist eine Einrichtung, die sehr kompetent ist und Beratungen bei Hörproblemen anbietet und u.a. auch Hörgeräte einstellt, ohne jedoch welche zu verkaufen. Das wird aber meines Wissens nicht von der Krankenkasse übernmommen.

Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Marin
Beiträge: 6
Registriert: 20.11.2009
11

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#6

Beitrag von Marin »

Hallo Karasi,
danke für die Erläuterung und Deine Frage.

Bei mir handelt es sich definitiv um ein reines Schallleitungsproblem im Mittelohr wg. der chronischen Entzündung. Meine HNO-Ärztin ist fest davon überzeugt, dass sich die chron. Entzündung in Zukunft noch weiter beruhigen wird und die Schwerhörigkeit eher noch etwas zurückgeht - wenn sie auch nicht vollständig verschwinden wird. Meine Ohren laufen (mittlerweile) auch nicht mehr stark, aber es ist halt immer etwas feucht in meinen Gehörgängen.

Aufgrund dieser ärztlichen Prognose ist ein knochenverankertes HG bzw. ein operativer Eingriff derzeit kein Thema und der Rat meiner HNO-Ärztin lautet, mir HdO-Geräte mit offener Versorgung anzuschaffen. Nun bin ich auf der Suche nach der optimalen HdO-Lösung auf oben beschriebenes Problem gestoßen.

Gruß,
Marin.

P.S.: Hallo Fast-foot, habe gerade Deinen Beitrag gelesen. Vielen Dank für den Tipp mit dem Hörzentrum. Kannte ich noch nicht.
akudi

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#7

Beitrag von akudi »

Hallo,

eine Möglichkeit der offenen Versorgung mit HdO's wäre eine BiCros-Versorgung. Dabei werden beide Geräte per Kabel oder auch per Funk so verbunden, dass die Mikrofone der Geräte über kreuz angesteuert werden. D.h. Mikrofon im linken HG gibt sein Signal zum rechten HG-Vestärker und umgekehrt. Somit schattet der Kopf ab und es wird Rückkopplung vermieden. Diese Lösung ist aber nicht besonders ästhetisch. Hier muss man also entscheiden, was man will, gut Hören oder gut Aussehen. Deine Akustikerin wird wissen, wie man sowas am besten löst.

Gruß Akudi
Marin
Beiträge: 6
Registriert: 20.11.2009
11

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#8

Beitrag von Marin »

Hallo zusammen,
hatte vorgestern wieder einen Termin bei meiner Akustikerin. Nun hat sich herausgestellt, das sich durch verbesserte Einstellung bei den beiden HdO-Geräten (Vigo Pro und Audeo Smart) doch noch was rausholen läßt. Das teste ich jetzt erst mal und schaue wie weit ich damit klar komme.

@Akudi:
Danke für den Tipp mit der BiCros-Versorgung. Habe meine Akustikerin auch darauf angesprochen. Sie war zwar nicht gerade begeistert, weil es auf mein Problem angeblich nicht so richtig passe, aber eine weitere Option zu haben, schadet nicht. Und von der Idee her leuchtet es mir ein.

Wie schon oben geschrieben, will ich eine operative Lösung (BAHA etc.) solange hinauszögern, wie das möglich ist. Was OPs im HNO-Bereich angeht, bin ich da ein etwas gebranntes Kind und vorsichtig geworden.

Vielen Dank für Eure Hinweise und Tipps. Ein klasse Forum!
Marin.
Crus Helix
Beiträge: 5
Registriert: 23.02.2019
2

Re: Schallleitungsschwerhörigkeit vs. offene Versorgung

#9

Beitrag von Crus Helix »

Lieber spät als nie😉
Vielleicht ist die Antwort für Andere noch interessant oder für die Folgeversorgung.

Bei Feuchtigkeit im Ohr würde ich eine Schallschlauchvariante mit sogenannten Drytubes und Thermotec Otoplastik wählen. Thermotec und Drytubes sind atmungsaktiv. Somit kann ein gewisser Luft bzw. Feuchtigkeitsaustausch stattfinden
Antworten