Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

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Micha_R
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Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#1

Beitrag von Micha_R »

Hallo,

ich habe 2 Tage mein erstes Testgerät getragen, muss Momentan den Test allerdings unterbrechen, das das eine HG nicht mehr funktioniert. Dies ist aber ein anderes Thema.

Ich habe als Testgeräte die Widex Dream 440 bekommen. die Hörer wurden auf so kleinere anthrazitfarbene Schirmchen gesteckt. Ich weiß nicht genau ob dies nun als offen oder geschlossen gilt. Die Schirmchen haben lediglich 2 kleinere Belüftungslöcher. Auch höre ich mich selbst sehr merkwürdig an, was ja der Okklusionseffekt sein müsste der bei geschlossenen Lösungen auftritt.

Prinzipiell passt die Lösung so noch nicht:
1. Das Schirmchen rutscht rechts alle 1-2 Minuten raus. Wenn ich das nächstgrößere verwende ist es ziemlich unangenehm, da es schon recht ordentlich drückt. Bei Kopfhörern hatte ich da auch schon immer Probleme was passendes zu finden.
2. Der Okklusionseffekt nervt schon ziemlich. Man hört alles so unnatürlich indirekt, es ist irgendwie alles so surreal. Der eigene Körper klingt ständig komisch (Atmung, Sprache, Schritte, Kontakt mit Stuhl/Couch.

Mein Akustiker schwört auf geschlossene Lösungen, da nur so die Automatiken der HGs korrekt funktionieren können. Auch soll ja der Tieftonbereich besser verstärkt werden.

Laut den Daten die beim ersten Einstellen der HGs erzielt wurde soll die Belüftungswirkung einem Vent von 2 (oder waren es 2,5mm?) entsprechen.

Gibt es da nicht einen guten Mittelweg? Ich werde wohl sicher eine Otoplastik benötigen, da alles andere bei mir nicht sauber zu passen scheint. Was gibt es da für Optionen? Gibt es keine Otoplastiken die so weit geschlossen sind das der Tieftonbereich schon OK ist und es zu keinen Rückkopplungen kommt und gleichzeitig aber so weit offen das man das HG nicht so sehr wahrnimmt?

Es soll doch mittlerweile auch Otoplastiken ohne Okklusionseffekt geben. Stimmt das und was gibt es dazu zu sagen?
Musiker_72
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#2

Beitrag von Musiker_72 »

Hi,

wenn die Schirmchen Löcher haben, sind sie offen. Offener geht´s nicht. Das, was Du als Okklusion wahrnimmst, ist der Klang Deiner eigenen Stimme über das Hörgerät.

Den Okklusionseffekt könntest Du mal mit solchen Stöpseln ausprobieren:

http://i.ebayimg.com/t/Alpine-Gehoersch ... C/$_35.JPG

Hintergrund ist, dass Deine eigene Stimme auch über Knochenleitung vor´s Trommelfell transportiert wird. Wenn das Ohr offen ist, geht der größte Anteil dieses Schalls aber einfach nach draußen aus dem Ohr weg. Wenn das Ohr verstopft ist, dann geht die ganze Schallenergie auf´s Trommelfell, weswegen bestimmte Teilfrequenzen der eigenen Stimme bei verschlossenem Ohr bis zu 20 dB lauter sind.

Das betrifft auch andere Geräusche im Körper, wie etwa den Puls und Kaugeräusche.

Was Otoplastiken betrifft, so gibt´s da alles, von ganz zu bis ganz offen. Bei einer starken Tieftonschwerhörigkeit geht nur ganz geschlossen, aber wenn man bei Dir probehalber offene Schirme probiert hat, dann wirst Du die wohl nicht haben.

Ich würde an Deiner Stelle auch noch andere Hörgeräte ausprobieren. Wer hier mitliest, weiß ja, dass ich kein Widex-Fan bin, aber jedenfalls klingen die Widex HG schon recht individuell.
fast-foot
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#3

Beitrag von fast-foot »

Na ja, die Knochenleitung spielt auch eine Rolle. Es ist aber so, dass je nach Stöpsel sehr hohe Resonanzen auftreten können. Und diese betrifft auch den Schall, welchen die Hörgeräte erzeugen. Die hierdurch entstehende resonzbedingte zusätzliche Verstärkung (des Hörgerätesignals) kann bis über 30 dB betragen.

Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Musiker_72
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#4

Beitrag von Musiker_72 »

Es fallen aber auch Resonanzen weg, deswegen musst Du die Frequenzen, die der natürlichen Resonanz des Ohres entsprechen, bei geschlossener Versorgung weniger verstärken.
Micha_R
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#5

Beitrag von Micha_R »

Musiker_72 hat geschrieben:wenn die Schirmchen Löcher haben, sind sie offen. Offener geht´s nicht. Das, was Du als Okklusion wahrnimmst, ist der Klang Deiner eigenen Stimme über das Hörgerät.
Da bin eben nicht so sicher. So sind nicht 3 grosse Löcher wie das bei den "offenen" Domes aussieht, sondern nur 2 winzig kleine Löcher die evtl nur zur Belüftung da sind?

Ich muss da nächstes mal meinen Akustiker fragen.
fast-foot
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#6

Beitrag von fast-foot »

Musiker_72 hat geschrieben:Es fallen aber auch Resonanzen weg, deswegen musst Du die Frequenzen, die der natürlichen Resonanz des Ohres entsprechen, bei geschlossener Versorgung weniger verstärken.
Das verstehe ich nicht ganz. Der Stöpsel dämmt einerseits Geräusche von aussen, kann aber Geräusche "von innnen" (und hierzu zähle ich auch die hinter den Stöpsel geleiteten Emissionen des Hörgeräts) um bis über 30 dB verstärken (passiv, durch den Okklusionseffekt).

Gruss fast-foot
Zuletzt geändert von fast-foot am 7. Jun 2015, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Musiker_72
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#7

Beitrag von Musiker_72 »

Der Ohrkanal hat auch offen eine Resonanz, und diese liegt im Bereich der größten Empfindlichkeit, ca. bei 3 kHz. Diese wird bei einer offenen Versorgung erhalten, weswegen Du dann in diesem Bereich weniger verstärken musst als bei einer geschlossenen Versorgung.

Siehe z.B. hier:

https://books.google.de/books?id=9e-kHP ... ce&f=false
fast-foot
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#8

Beitrag von fast-foot »

Musiker_72 hat geschrieben:Es fallen aber auch Resonanzen weg, deswegen musst Du die Frequenzen, die der natürlichen Resonanz des Ohres entsprechen, bei geschlossener Versorgung weniger verstärken.
Musiker_72 hat geschrieben:Der Ohrkanal hat auch offen eine Resonanz, und diese liegt im Bereich der größten Empfindlichkeit, ca. bei 3 kHz. Diese wird bei einer offenen Versorgung erhalten, weswegen Du dann in diesem Bereich weniger verstärken musst als bei einer geschlossenen Versorgung.
Version 2 gefällt mir deutlich besser...
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Crus Helix
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Re: Offene vs geschlossene versorgung - Okklusionseffekt

#9

Beitrag von Crus Helix »

: Re: geschlossene vs. offene Versorgung
Auch wenn die Antwort spät kommt.

Man kann auch die Otoplastik (Ohrpassstück) entsprechend herstellen, dass es angenehmer ist, ohne dabei auf die Abdichtung zu verzichten.
Gut erprobt sind hierbei das sogenannte Sharkebite. Hier wird ein Stück im Bereich des Kiefers ausgefräst. Dadürch ist es schonmal nicht mehr so dröhnig.
2. Materialwahl: Thermotec. Es wird angehm weich durch Körperwärme. Außerdem ist es atmungsaktiv und biokompatibel also sehr hautfreundlich.
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