Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

Musiker_72
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Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#1

Beitrag von Musiker_72 »

Hallo zusammen,
ich habe mich etwas rar gemacht im Forum - was zugegebenermaßen daran liegt, dass ich mich auch nicht permanent mit meiner Schwerhörigkeit beschäftigen möchte.

Jetzt sind aber neue Hörgeräte fällig, und ich möchte euch, in der Hoffnung, dass für den einen oder die andere nützlich sein kann, an meinen Testeindrücken teilhaben lassen.

Ich habe seit ca. 6 Jahren die Bernafon Juna 9. Diese hatten sich damals gegen die vergleichbaren Siemens Geräte durchgesetzt, da die Siemens-Geräte bei live Musik (ich rede nicht von Rockkonzerten, sondern z.B. Chor und Orchester) schnell verzerrt hatten (sozusagen völlig unbrauchbar waren). In anspruchsvollen Gesprächssituationen waren die Siemens Geräte hingegen etwas besser gewesen.

Da mein Akustiker offiziell Bernafon nicht mehr führt, habe ich zuerst die Oticon More 1 ausprobiert, auch wurden mir die Oticons von Kollegen (Lehrer) empfohlen.
Was man noch wissen muss: Ich habe einen leichten bis mittleren Hörverlust, 30 dB bei 1kHz, 50 dB bei 3 kHz, 60 dB bei 8kHz so als Eckdaten.

Die Grundeinstellung ging recht flott, die Geräte klangen gleich angenehm (ist natürlich einfacher, wenn man sowieso schon HG gewöhnt ist, ganz was anderes als beim allerersten HG).

Positiv: Im Alltag treten Hintergrundgeräusche mehr zurück (Straßenverkehr etwa). Ich höre noch die Alltagsgeräusche, aber eben weniger laut. Ich habe sozusagen den Eindruck, insgesamt weniger Hörbelastung zu haben.

Sehr positiv: Sprache im Lärm und in mittleren Gruppen. Im Auto verstehe ich mit den Oticon sehr viel besser als mit meinen alten Geräten. Im Restaurant (in dem Restaurant saßen mehrere Schwerhörige) mit ca. 8 Leuten sehr angenehm, ich konnte stressfrei alle Leute verstehen - im Gegensatz zu anderen HG Trägern am Tisch, die damit große Probleme hatten.

Mittel: Im Klassenraum (30 Leute, die durcheinander reden) bewirken die Geräte auch keine Wunder. Hier habe ich das Gefühl, dass das eigene Gehirn dann doch wieder die Hauptarbeit übernehmen muss.

Schlecht: Windgeräuschunterdrückung gibt's nicht bei diesen superteuren HG. Radfahren ist eine Kathastrophe damit, ich habe die Geräte beim Radfahren dann ausgeschaltet (was auch bedeutet, dass ich mich beim Radfahren dann nicht unterhalten kann).

Auch schlecht: LIvemusik. Ich spreche hier ausdrücklich nicht von aufgenommener Musik über eine Stereoanlage, die klingt gut (im Musikprogramm natürlich). Im zunächst eingstellten Musikprogramm waren beim Klavierspielen Nebengeräusche (Auftreffen der Finger auf die Tasten, Hammer auf die Saite, Obertöne) im Vergleich zum Hauptklang überdeutlich und störend, ja gar nervend, zu hören. Jetzt hätte es ja sein können, dass mein Flügel Schrott ist, daher habe ich mich an's ebenfalls vorhandene (und neutral klingende) E-Piano gesetzt, das klang aber genauso - insofern lag das wohl an den HG.

Ich habe mir daher ein Noahlink Wireless geholt und, auch in Absprache mit meiner Akustikerin, die da sehr offen ist, ein Programm zum Klavierspielen selbst eingestellt. Das hat soweit gut geklappt, dass mein Klavier dann ganz gut klang (so ein Flügel ist, im Vergleich zu Alltagssprache, verdammt laut, das Programm hat im Vergleich zum normalen Musikprogramm einfach deutlich weniger Verstärkung).

Was ich aber nicht in den Griff bekommen habe, war Instrumente + mein (eigener) Gesang. Erstens bekomme ich bei sehr lautem Singen (ich bin da kein Anfänger) die Geräte dann doch zum Verzerren, zweitens enstehen beim Singen + Spielen gleichzeitig (besonders schlimm war es, als ich gesungen, Gitarre gespielt und im Hintergrund noch ein Playback an hatte) Artefakte, die an das Kratzen von Fingernägeln über eine Tafel erinnern.

Hierbei habe ich mich dann an den grundsätzlichen Unterschied zwischen Bernafon und anderen Herstellern erinnert: Während Bernafon den Klang als ganzes verarbeitet, "zerschneiden" andere Hersteller diesen und bearbeiten die Frequenzbänder einzeln. So erkläre ich mir, dass dann beim lauten Singen das HG offenbar der Meinung war, bestimmte Klanganteile der Gitarre und der Hintergrundmusik genauso laut machen zu müssen wie meinen Gesang, dadurch wurde die Gesamtbalance total zerstört.

Ich habe dann eine Zeitlang mit dem Gedanken gespielt, für's Musizieren einfach meine alten HG zu nehmen, empfand das dann aber als sehr nervig, zwischendrin das HG wechseln zu müssen.

Deswegen hat mir meine Akustikerin dann doch auch noch die Bernafon Alpha 9 besorgt, die teste ich nun. Dazu mehr im nächsten Beitrag.
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#2

Beitrag von Musiker_72 »

Jetzt zum Alpha 9, das ich seit ein paar Tagen habe.

Auch das war flott eingestellt - bis auf eine Sache, die man leicht übersieht: Ebenso wie beim Oticon More klingt die Feedbackunterdrückung beim Bernafon Alpha ganz gruselig. Nach dem Akustikerbesuch war ich noch einkaufen, und sofort an der Kasse merkte ich, dass die Feedbackunterdrückung an war. Jedes "Pling" beim Ziehen eines Artikels über den Scanner hatte einen Chorus-Effekt.
Für musikalische Menschen ist diese Art von Rückkopplungsunterdrückung einfach gruselig. Lieber verwende ich geschlossenere Ohrstücke als das.

Zu Hause angekommen dann gleich an's Klavier - doch auch im Musikprogramm war die Feedback-Unterdrückung aktiv, sodass mein Klavier total verstimmt klang.

Nachdem ich dann einige Zeit verplempert hatte damit, dass die Bernafon Anpasssoftware nur noch schwer im Netz zu finden ist, habe ich die Rückkopplungsunterdrückung also in allen Programmen abgeschaltet (was bei meinem Hörverlust noch geht).

Schon das normale Musikprogramm ist für live-Musik bereits viel besser als bei den Oticons. Insbesondere beim Gitarrespielen stehen nun die Anschlaggeräusche (Finger auf Saite, gleiten der Finger über die Saite) in einem normalen Verhältnis zum Hauptklang. Durch simples leiserstellen am VC-Regler des HG kann man damit dann schon ein gutes Live-Musik-Programm bekommen. Das (also ein Musikprogramm mit weniger Verstärkung) habe ich mir dann als extra Programm eingestellt.

Aber auch bei Bernafon hat sich einiges getan bzgl. Sprachverständnis. Die Geräte bieten für Sprache im Lärm nun eine Hervorhebung von Sprache und ein Absenken des Hintergrundes. Ich konnte das noch nicht so ausführlich testen, denke aber, dass Sprache im Lärm zwar nicht ganz so gut ist wie bei den Oticons, aber doch deutlich besser als bei meinen alten HG. Auch konnte ich die Gesamtverstärkung etwas absenken, da Sprache ja sowieso hervorgehoben wird (mir war Sprache in Einzelgesprächen etwas zu laut, was ich mir so erklärte, dass die Geräte auf "Zielverstärkung" eingestellt waren, Sprache dann aber zusätzlich noch hervorgehoben wurde).

Was ebenfalls vorhanden ist (paradoxerweise, denn es sind von der Hardware her ja genau die gleichen Geräte, selber Hersteller), ist eine brauchbare Windunterdrückung. Ich kann die Geräte beim Radfahren an lassen und mich (gestern getestet) auch ganz entspannt unterhalten. Beim Unterhalten kommt noch dazu, dass die Geräte dann Wind von Sprache besser unterscheiden können und die Unterdrückung noch etwas besser funktioniert.

Jetzt bin ich erst mal krank (deswegen auch die Zeit für den langen Text) und kann das live Musizieren noch nicht so richtig testen, es wird aber noch mehr zum Bernafon Alpha kommen an dieser Stelle.

Da ich aber viel Musik mache und viel Rad fahre, liegen die Bernafon momentan vorne, wie man sich denken kann!
Hups
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#3

Beitrag von Hups »

Hallo Musiker,

Danke für den ausführlichen Bericht. Mir fällt dabei der große Unterschied zwischen live und Konservenmusik auf. Den empfinde ich auch. Bei mir ist es so, dass das Musikprogramm sehr gut für die Stereoanlage und das Gitarrenspiel meiner Tochter taugt. Wenn ich selber am Klavier sitze (laut) und bisweilen auch singe (noch lauter), dann geht das am besten mit dem Universal-Programm. Genauso wie Band-Proben, bei denen ich nahe am Schlagzeug sitze. Da brauche ich einfach die Kompression, die das Universal-Programm bietet; sonst fetzt es mir die Ohren weg...

Liebe Grüße und viel Glück bei der Suche
Hubert
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Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#4

Beitrag von Musiker_72 »

Hallo Hups,
ja, das ist korrekt, obwohl man das auch anders als mit extremer Kompression lösen kann.

Ich habe für Bandproben ein extra HG mit geschlossenen Otoplastiken, wo ich die Gesamtverstärkung einfach extrem reduziert habe. Dann kommt man auch mit "normalen" Kompressionsraten (und damit besserem Klang) auf eine gut tolerierbare Gesamtlautstärke.
Hups
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#5

Beitrag von Hups »

Hallo Musiker,

verstehe - also so eine Art "in ear" mit den HGs. Das wäre auch mal noch eine Alternative.

Ich habe das Glück, dass ich (noch) Lautstärke locker aushalte. Bei der Messung, ab wann es denn unangenehm wird, habe ich den Messpiepser in praktisch allen Frequenzen voll ausreizen können. Habe wohl ziemliche "Lederohren" :-)

Noch kann ich mir ein live gespieltes Schlagzeug in 1,5 m Entfernung mit Genuß in die offen mit Schirmchen versorgten Ohren blasen. Aber ewig wird das auch nicht mehr gehen...

Liebe Grüße
Hubert
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Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#6

Beitrag von Musiker_72 »

Ja, ich hab so das Gegenteil von Lederohren, wegen Hyperakusis bin ich überhaupt erst zum Ohrenarzt (Schwerhörigkeit war da noch nicht so richtig schlimm).

Ich habe immer Ohrstöpsel getragen bei Proben und Konzerten, nur wenn man sowieso schwerhörig ist, versteht man mit Ohrstöpseln drin dann halt gar nichts mehr. Deswegen der Trick mit den HG + geschlossene Ohrstücke. Ab einer gewissen Lautstärke klingen meine Elacin Ohrstöpsel aber besser, die HG geraten irgendwann in die Sättigung, dann klingt alles matschig. Bei mittlerer Laustärkte ist es aber super, weil man sich zwischendrin auch noch unterhalten kann.
Ohrenklempner
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#7

Beitrag von Ohrenklempner »

Danke für die Erfahrungsberichte! Da freu ich mich, da ich Bernafon für einen oft unterschätzten "Underdog" halte.
Hast du fürs Musizieren das Musik-Hörprogramm benutzt?
Carreau!
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#8

Beitrag von Musiker_72 »

Ja, hab ich. Das heißt bei Bernafon ja jetzt "Live Music plus" und soll eigentlich sowohl für aufgenommene Musik als auch für Live Musik funktionieren. Für letztere ist es aber, wie gesagt, etwas zu laut, was sich aber leicht regeln lässt (bzw. kommt auf die Livemusik an, ein Flügel, den man selbst in einem kleinen Raum spielt, ist deutlich lauter als etwa ein Kammerkonzert in der Saalmitte).

Ich kann auch noch ergänzen: Abends war ich in einer Kabarettveranstaltung. Gesprochen wurde mit Mikrofon, ich habe trotzdem Sprache im Lärm (also mit hohem Fokus bei dynamischer Direktionalität) genommen. Zwischendrin mal umgeschaltet auf's Musikprogramm, wo ja keinerlei Verbesserung stattfand, und da war alles total hallig (war ja auch eine Halle). Mit anderen Worten: Das Sprachprogramm hat den Raum total trocken gemacht (klang aber super gut, nicht unnatürlich). Das hatten die Juna Geräte auch noch nicht gekonnt (auch da gab es eine Hallunterdrückung, die aber total unnatürlich klingt).

Ich werde mich, wenn ich wieder fit bin, mal mit Notebook + Noahlink in's Café setzen und schauen, wie sich die einzelnen Parameter auf Sprache im Lärm auswirken. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass die ganzen Störgeräuscheunterdrückungen wesentlihc natürlicher klingen als beim Juna (im sinne von: Nebengeräusche werden einfach leiser gemacht, ohne den Gesamtklang total künstlich zu machen).
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#9

Beitrag von Musiker_72 »

Was ein ganz großer Nachteil aller mir bekannten HG für Musik ist, sind die festen Kniepunkte des Kompressors. Könnte man die variieren (jeder digitale Kompressor kann das), wäre sehr viel geholfen. Was nützen dir Kniepunkte bei 50 und 65 db, wenn die Musik fast komplett oberhalb spielt.
Ferner wäre eine Echtzeitansicht, wie der Kompressor arbeitet, auch total hilfreich. Wenn man also bei angeschlossenem Noahlink eingangs- udn Ausgangslautstärke sehen könnte, also in welchem Bereich man sich gerade befindet usw. Auch das bietet selbst der einfachste Freeware- VST - Kompressor, nicht aber ein 6000€ - HG.
Dani!
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#10

Beitrag von Dani! »

Hallo Musiker,
toller Vergleich von dir, danke dafür!

Was mich interessieren würde ist folgendes: Mir sagte man, dass man bei Oticon More nicht einstellen kann, dass leise Töne unterdrückt werden. (Bei Phonak kenne ich das unter der Bezeichnung TR35). Ist das so und ist das bei Bernafon anders? Was auch interessant wäre ist die Frage, ob Bernafon sich mit Samsung besser harmoniert als Oticon. Wobei ich letzteres bezweifle, da es ja die selbe Hardware ist, oder nicht?

Was die sonstigen festen Kniepunkte betrifft: Von Phonak B-linie kenne ich es, dass der Kniepunkt anhand der 3 eingestellten Verstärkerkurven bei 50, 65 und 80dB unterschiedlich ist.
Dominik
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Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#11

Beitrag von Musiker_72 »

Hallo Dani!
Leise Töne: Ist mir bei Oticon nicht begegnet, etwas wie TR 35 gibt es weder bei Oticon noch bei Bernafon. Bei Bernafon gibt es aber das "Soft noise management", was genau das tut: Leise Geräusche unterdrücken. Das habe ich so bei Oticon nicht gefunden, müsste ich nochmal nachschauen.
Harmonie mit Samsung: Ich hatte beide Geräte mit einem IPhone gekoppelt, was identisch funktionierte, daher fürchte ich umgekehrt, dass sie sich auch identisch gegenüber einem Android Handy verhalten.

Wie stark ein HG komprimiert, stellt man indirekt über die Verstärkungswerte bei den jeweiligen Eingangspegeln (50, 65 und 80 dB) ein. Aber die Werte 50, 65 und 80 selbst sind fix - auch bei Phonak. Dadurch liegt der erste Kniepunkt immer bei 50 dB, der zweite bei 65 dB (und was oberhalb von 80 dB passiert und inwieweit die MPO dann eine Kompression oberhalb von 80dB definiert, ist mir unklar).
Gerade für live Musik wäre es dem Signal angemessener, wenn man Verstärkungskurveon für z.B. 60, 75 und 90 dB einstellen könnte. Das würde es z.B. ermöglichen, mit wenig Kompression bis 90 dB zu arbeiten, dann aber stark zurückzugehen. Dann würde die Musik nur "matschen", wenn es wirklich laut wird. Nur so ein Gedanke.
Dani!
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#12

Beitrag von Dani! »

Okay, gut zu wissen das mit Soft Noise Management.
Jetzt habe ich auch verstanden, was du mit Kniepunkten gemeint hast. Soweit ich mich an meine Einstellorgien bei meinen Phonaks erinnern kann (mittlerweile trage ich CIs), gab es auch eine Ansicht der berechneten Gesamtlautstärke in Abhängigkeit der Eingangslautstärke, wenn man für die Darstellung eine bestimmte Frequenz ausgewählt hat. Darin war zu sehen, dass keine Knicks (Kniepunkte) genau bei 50, 65 und 80 dB vorlagen, sondern in diesem Bereich nur 1. Dieser Punkt ist aber abhängig von der Relation zwischen Verstärkungsunterschieden bei 50/65 und 65/80 dB.
Nochmal genau nachprüfen kann ich nicht, weil die Software nicht mehr installiert ist.
Dominik
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Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#13

Beitrag von Musiker_72 »

Rein mathematisch könnten die Kniepunkte auf den 50 - 65 80 dB liegen oder irgendwo dazwischen, das ist durch die Verstärkung bei einer bestimmten Lautstärke nicht festgelegt. Deswegen macht man es in der Audiotechnik ja auch anders, da platziert man den Kniepunkt exakt und direkt, und die Verstärkung ergibt sich als Folge davon, nicht umgekehrt. Ich müsste mal schauen, ob es in Oasis auch irgend eine ANsicht gibt wo man die Kompressionskurve sieht.

Vermutlich ist es aber eher so, wie du es in Erinnerung hast, dass die Kniepunkte dazwischen liegen. Dann kommt man mit zweien aus. Jedenfalls sind die Werte 50 - 65 - 80 fix, was bedeutet, dass man im Sprachbeereich sehr fein die Kompression einstellen kann, oberhalb aber nicht.
Ohrenklempner
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#14

Beitrag von Ohrenklempner »

Musiker_72 hat geschrieben: 1. Jul 2022, 13:11 Was ein ganz großer Nachteil aller mir bekannten HG für Musik ist, sind die festen Kniepunkte des Kompressors.
Bernafon und Oticon haben keine festen Kompressions-Kniepunkte, zumindest nicht in den Automatikprogrammen. Im Musikprogramm sind es auch mehrere, u.A. bei 90 und 105 dB. Es gibt auch keine Ansicht der Kompressionskurve, da die Kniepunkte dynamisch gesetzt werden.
Diese Dokumente sind vielleicht ganz interessant für dich:
https://drive.google.com/file/d/1a1zPJr ... sp=sharing
https://drive.google.com/file/d/1mzw1Ss ... sp=sharing

Eine "Echtzeitansicht" fände ich auch großartig. Widex hat so etwas schon ewig in seiner Anpasssoftware integriert, bei Phonak gibt es so etwas auch. Es ist aber möglich, mittels Insitu-Perzentilanalyse das Gehörte sichtbar zu machen.
Carreau!
Brittany
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#15

Beitrag von Brittany »

Ich möchte mal bescheidentlich darauf hinweisen, dass das hier ja gerne mal geschmähte Phonak auffallend oft durch richtig gute Eigenschaften oder Features hervorsticht.

Brittany
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#16

Beitrag von Musiker_72 »

Wow, danke!
Das erste Paper hat es ja ziemlich in sich, das habe ich erst mal nur überflogen. Bekommt man dieses Anpassungsprotokoll denn irgendwo, oder kann mein Akustiker das anfordern?
Letztlich habe ich ja genau das gemacht: Das Standard Live-Musik-Plus Programm genommen, mich dann an's Klavier gesetzt und modifiziert.
Allerdings bekomme ich, je mehr ich lese, immer stärker den Eindruck, dass moderne Hörgeräte sich letztlich häufig anders verhalten werden, als durch die bloßen Verstärkungskurven angegeben Beim Musikprogramm scheint es ja so zu sein, dass das Kompressionsverhalten modifiziert wird, also anders ist, als es durch die bloßen Verstärkungskurven zu sein scheint.

Besonders kritisch ist die HG ANpassung für mich beim Singen ,weil man durch den selbst wahrgenommenen Klang die Einstellung der Stimme kontrolliert. Man versucht ja, bestimmte Resonanzen hervorzuheben - werden diese Frequenzen zu viel oder zu wenig verstärkt, so misslingt das.

Ich wundere mich nun aber etwas weniger, dass ich den ganzen Musikbereich bei Bernafon als so viel besser empfinde als bei Oticon. Danke nochmal!

Blöd ist auch, dass ich mehrere Instrumente spiele. Meine Gitarre etwa klingt besser mit einer etwas lauteren Einstellung, mein Klavier mit einer etwas leiseren. Möglicherweise klingt aber einfach eines der beiden Instrumente objektiv scheiße, und ich färbe mir das durch Rumdrehen am HG schön. Man kann einfach keinen Klang mehr objektiv beurteilen.
Brittany
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#17

Beitrag von Brittany »

>Möglicherweise klingt aber einfach eines der beiden Instrumente objektiv scheiße, und ich färbe mir das durch Rumdrehen am HG schön.
:lol:

>Man kann einfach keinen Klang mehr objektiv beurteilen.
Ja, da ist leider was dran, und das sage ich als Nichtmusikerin. Wobei man natürlich auch darüber philosophieren könnte, ob es eigentlich eine objektive Beurteilung eines Klanges gibt...
Ist das mit dem Unterschied bezüglich der Instrumente so schlimm? Du spielst ja nur jeweils eins zur Zeit. :D (Sorry, das ist nicht flapsig gemeint, sondern ernsthaft.)

Viele Grüße

Brittany
Ohrenklempner
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#18

Beitrag von Ohrenklempner »

Musiker_72 hat geschrieben: 1. Jul 2022, 16:20 Wow, danke!
Das erste Paper hat es ja ziemlich in sich, das habe ich erst mal nur überflogen. Bekommt man dieses Anpassungsprotokoll denn irgendwo, oder kann mein Akustiker das anfordern?
Ich hab's auch nur überflogen und weiß jetzt leider nicht, was du für ein Anpassungsprotokoll meinst.
Schau doch mal in der Oasis-Software, da ist oben rechts ein versteckter Drucker-Button, da kann man sich verschiedene Berichte und Dokumente ausdrucken. Da ist möglicherweise das Passende dabei.
Beim Musikprogramm scheint es ja so zu sein, dass das Kompressionsverhalten modifiziert wird, also anders ist, als es durch die bloßen Verstärkungskurven zu sein scheint.
Ja, nicht nur im Musikprogramm, sondern (und vor allem!) auch im Universalprogramm. Die Verstärkungsmatrix, die man selbst einstellen kann, setzt im Grunde genommen nur ein paar Fixpunkte, an denen sich die dynamische Kompression orientiert. Das ist auch nicht anders möglich, weil nicht nur die Lage sondern auch die Anzahl der Kniepunkte vom DSP dynamisch gesetzt werden. Mal sind es nur drei Kniepunkte, in anderen Situationen sind es sechs oder sieben. Erschwerend kommt noch hinzu, dass abhängig von der Regeltiefe der verschiedenen Features wie Sprachoptimierung, Fokussierung usw. zusätzlich mehr oder weniger Pegel am Ausgang anliegt als man es eingestellt hat.
Carreau!
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#19

Beitrag von Musiker_72 »

Das Klavier ist deutlich lauter als die Gitarre. Dummerweise singe ich aber bei beiden Instrumenten gerne dazu, wenn ich also jeweils an der Lautstärke rumdrehe, kann ich ggf. meinen Gesang nicht mehr reproduzierbar kontrollieren. Vermutlich ist das aber auch der Weg zu einer sinnvollen Lösung: Ich muss das Programm so einstellen, dass es in der Voreinstellung optimal zu meinem Gesang passt. Wenn ich dann ohne Gesang eines der Instrumente spiele, kann ich ja bedenkenlos an der Lautstärke rumdrehen, ohne dass es was macht.

Es ist jetzt nicht so, dass ich mit einer anderen HG Einstellung (oder gar ohne HG) plötzlich total schlecht singe (im Sinne von falsche Töne oder so), aber es kann ohne HG passieren, dass ich zu viel Kraft aufwende, mit zu lautem HG singe ich dann evtl. zu "lasch".
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#20

Beitrag von Musiker_72 »

Ohrenklempner hat geschrieben: 1. Jul 2022, 16:46
Ich hab's auch nur überflogen und weiß jetzt leider nicht, was du für ein Anpassungsprotokoll meinst.
Schau doch mal in der Oasis-Software, da ist oben rechts ein versteckter Drucker-Button, da kann man sich verschiedene Berichte und Dokumente ausdrucken. Da ist möglicherweise das Passende dabei.
In dem Paper wird das Standard-Musikprogramm nach First Fit mit einem speziell auf den Musiker angepassten verglichen. Dabei werden z.B. Tonleitern gespielt und nach Unregelmäßigkeiten usw. gefragt. Es kommt auch drauf an, ob es ein Instrument wie Geige ist, das mehr an einem Ohr anliegt, solche Sachen. Ist also auch Instrumentenabhängig.
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#21

Beitrag von wynton »

Danke für diesen interessanten Thread!!!
Bei mir stehen auch bald neue Hörgeräte an.
Musik hören und Gitarre spielen/hören sind mir sehr wichtig.
Lese weiter aufmerksam mit
Gruss Jörg
Ohrenklempner
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#22

Beitrag von Ohrenklempner »

Musiker_72 hat geschrieben: 1. Jul 2022, 17:17 In dem Paper wird das Standard-Musikprogramm nach First Fit mit einem speziell auf den Musiker angepassten verglichen. Dabei werden z.B. Tonleitern gespielt und nach Unregelmäßigkeiten usw. gefragt. Es kommt auch drauf an, ob es ein Instrument wie Geige ist, das mehr an einem Ohr anliegt, solche Sachen. Ist also auch Instrumentenabhängig.
Oh ja, ich weiß jetzt, was du meinst. Da gab's mal was... ich hab jetzt Wochenende, aber kann nächste Woche noch einmal schauen.
Carreau!
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#23

Beitrag von Musiker_72 »

Heute war ich in einer Schultheateraufführung. Unterhaltung mit dem Sitznachbarn, Plaudern, bevor es los ging, war super.

Das Verständnis der Schauspieler (Laien, Schüler) hätte noch besser sein können (diese sprachen leise, und ich saß in der letzten Reihe, war also schon schwierig). Frage hierzu (v. a. an @Ohrenklempner ): Soft Noise Management aus, 50 dB Eingang noch etwas anheben?

Es scheint so zu sein, dass Stimmen wirklich sehr gut hervorgehoben werden, aber nicht, wenn sie als zu leise eingestuft werden.
Ohrenklempner
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#24

Beitrag von Ohrenklempner »

Soft Noise Management würde ich eingeschaltet lassen, kannst du aber auch abschalten, wenn es dich nicht stören sollte.
Ich hätte auch die 50dB breitbandig angehoben.
Kann aber gut sein, dass sehr leise Stimmen manchmal einfach im Umgebungsgeräusch versinken, dann kann auch das Hörgerät nicht mehr viel ausrichten.
Carreau!
Musiker_72
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Re: Oticon More 1 vs. Bernafon Alpha 9

#25

Beitrag von Musiker_72 »

Danke für die Antwort! Ja, klar, es gibt Grenzen, aber das meiste habe ich ja verstanden, es fehlt also nicht viel. Momentan wird etwas lautere Sprache deutlicher hervorgehoben als leise Sprache (wo es ja nötiger wäre), ich muss das ganze Ding wirklich mal mit ins Restaurant oder so nehmen (im Theater fände ich das etwas frech ...).
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