Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

Hansi2
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Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#1

Beitrag von Hansi2 »

Beim Stöbern im Internet bin ich auf einen interessanten Artikel gestossen :

www.spam.com -> Fachartikel -> Hörgeräte

Der Autor sieht viele Vorteile in einem heute nicht mehr angebotenen, alten Konzept mit kabelgebundenen Ohrsteckern und einem in der Tasche zu tragenden Steuergerät mit Akku :

Ohrstecker nicht verlierbar, leichte Handhabung und einfache Bedienbarkeit auch für multipel beeinträchtigte Nutzer, geringe Wartungsansprüche durch hohe Akkukapazität, Aufladen des Akkus über standardmässige USB-Kabel, Ein-/Aus-Schalter und Anzeige des Ladezustands, optionale Frequenzganganpassung.

Kosmetische Einwände hält der Autor für nicht mehr begründet, weil auch viele junge Leute heute Ohrstecker tragen, um damit Musik zu hören.
Dani!
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#2

Beitrag von Dani! »

Hallo Hansi,

also als "Fachartikel" würde ich das nicht annähernd bezeichnen. Zumal der Autor Maschinenbauingenieur ist und nichts mit Hörgeräten am Hut hat.
Es ist halt eine Wunschliste an die HG-Hersteller, dass diese doch bitte auch Probleme berücksichtigen sollen, die nicht allein die Hörbeeinträchtigung betrifft (z.B. notwenidge Haptik)
Dominik
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Ohrenklempner
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#3

Beitrag von Ohrenklempner »

Im Prinzip ist das alles richtig! Audiologisch könnte ein externer Prozessor mit entsprechend fetter Stromversorgung viel mehr leisten als ein normales Hörgerät mit Minibatterie.
Es will nur keiner haben. Ich würd's auch nicht haben wollen. Die Leute wollen sich ein Hörgerät ans Ohr klemmen und fertig.

Ich hab's mir mal angeschaut, der sogenannte "Fachartikel" ist quasi nur eine Ansammlung von Behauptungen. Ich dachte auch zunächst, dass der bestimmt schon 15-20 Jahre alt ist, aber der ist ja brandneu. Jedenfalls hab ich mir mal die Mühe gemacht und ihn etwas zerpflückt. :D
Die Mini-Lautstärketasten sind zu klein, sie werden beim Aufsetzen/Abnehmen der Geräte,
besonders aber beim Einsetzen neuer Batterien oft unabsichtlich verstellt. Die Geräte gehen
dann gar nicht mehr, sind viel zu laut, zu leise oder unsymetrisch.
Zu kleine Lautstärketasten sind tatsächlich oft anzutreffen. Lösung: Andere Hörgeräte mit größeren Tasten, eine Fernbedienung oder Fernbedienung über Smartphone.
Beim Einsetzen neuer Batterien kann die Lautstärke nicht verstellt werden, da die Hörgeräte ausgeschaltet sind.
"unsymmetrisch" ist bei modernen Hörgeräten kein Thema mehr. Der Markt bietet nur noch vereinzelt Hörgeräte ohne binaurale Synchronisation.
Die hinter dem Ohr (hdO-) Geräte sind in der Handhabung problematisch, wenn noch
Brillenbügel und Coronamasken-Gummi dazukommen.
Das stimmt, aber mit kabelgebundenen Kopfhörern sehe ich das Problem nicht wirklich gelöst. Man muss beachten, WIE man die Maske absetzt: Nicht einfach von den Ohren reißen sondern das obere Halteband zuerst im großen Bogen nach hinten ums Ohr führen -> Maske ab, Hörgerät (und brille) noch dran, fertig.
Die Kapazität der Batterien ist zu klein, die Ladefrequenz der Akkus zu groß. Das fordert
eine zu häufige Wartung der Geräte. Wird diese mal vergessen, ist der Anwender oft quasi
taub.
Batterien halten (bei bedarfsgemäß ausgewählten Hörgeräten) viele Tage bis mehrere Wochen. Die Akkus werden nachts geladen (Schläft der Mensch, schlafen auch die Hörgeräte). Eine Wartung ist absolut nicht notwendig.
Ein täglicher Batterieausbau /-einbau zur Verlängerung der Nutzungsdauer wird als
anachronistisch angesehen
Batterieklappe öffnen reicht. "Ein- und Ausbauen" klingt ja so, als müsse man das Hörgerät aufschrauben und die Batterie entnehmen.
Offenbar ist der Autor nicht so richtig darüber informiert, wie ein Hörgerät gehandhabt wird.
Bei den Batteriegeräten ist der Batteriewechsel für viele zu fummelig und daher nur schwer
zu bewerkstelligen. Die Beachtung der korrekten Polarität ist für Menschen mit
eingeschränktem Sehvermögen kaum zu gewährleisten. Außerdem besteht die Gefahr, dass
das filigrane Batteriefach bei ungeschickter Handhabung abgebrochen wird.
Das stimmt, aber es gibt ja auch Hörgeräte mit Li-Ionen-Akkus. Oder größere Hörgeräte.
Es wurde davon berichtet, dass Ohrstecker samt hdO-Gerät unbemerkt heruntergefallen und
unauffindbar verloren gegangen sind. Ich sehe ausserdem die Gefahr, dass ein Gerät beim
Herunterfallen beschädigt werden kann.

Ja, kann passieren. Dein Taschenhörgerät kann aber auch herunterfallen. ;)
Der Ton der Ohrstecker wird als schrill (klirrend) empfunden.
Das mag an der sogenannten Hochtonschwerhörigkeit liegen.
Für einen nicht unerheblichen Teil multipel beeinträchtigter
Menschen geht die Entwicklungstendenz zur Miniaturisierung, Digitalisierung und Konnektivität
m.E. aber in die falsche Richtung
Darum gibt es ja auch noch große Hörgeräte und nicht nur winzig kleine. Wird es auch immer geben (zumindest solange wie es Hörgeräte gibt). Ich kauf mir ja auch keinen Ferrari und beschwere mich dann, dass ich damit keine Palette Pflastersteine transportieren kann.
Ein Gerät, wie meine hörbeeinträchtigten Bekannten und ich es sich vorstellen, wird offensichtlich
nirgendwo angeboten - ich habe es jedenfalls trotz intensiver Recherche im Internet nirgendwo
gefunden.
Meine höchst intensive und langwierige Recherche nach "Taschenhörgerät" ergab komischerweise zahlreiche Ergebnisse:
https://www.google.com/search?q=taschen ... =shop&sa=X
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Hansi2
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#4

Beitrag von Hansi2 »

Was ist denn bei Ohrenklempners "Zerpfückung" letztlich herausgekommen?

-> Im Prinzip alles richtig, nimm einfach ein großes Hörgerät mit großem Li Ionen Akku und großen Tasten.

Aber das ist doch genau das, was der Autor fordert. 

Ich stehe also im Bus und es ist ziemlich laut. Daher möchte ich mein Hörgerät etwas leiser stellen. Ich hole Alexa aus meiner Hosentasche und brülle gegen den Lärm : ALEXA, HÖRGERÄT, LEISER ! Ach nee, ALEXA ist ja gar nicht in meiner Hosentasche, sondern steht zuhause auf meinem Wohnzimmertisch. 

Also brauche ich mein Smartphone. Das fummele ich aus der Handtasche, mache es im schwankenden Bus an, setze meine Nahsichtbrille auf (die ich ebenfalls vorher aus der Handtasche gefummelt habe,  auch habe ich Glück,  das Hörgerät fällt beim Briĺlenwechsel nicht herunter), starte die App und mache das Hörgerät leiser.
Wenn ich ganz viel Pech habe, ist gerade eine Haltestelle, jemand reißt mir das Smartphone aus den zitternden, alten Händen und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Mit einem dezenten Knopfdruck auf ein kleines Kästchen in meiner Jackentasche wäre das gewiss viel schneller, einfacher und sicherer gegangen ! 
Was für unpraktische Gimmicks lassen wir uns denn noch als großartige technische Innovation verkaufen ("andrehen" wäre hier das passendere Wort)  ?

Und die am Schluss zitierten Amazon-Google-Chinaladen Produkte für EUR 26,14 möchte doch sicher auch niemand wirklich haben. Ein von einem namhaften Hörgerätehersteller angebotenes kabelgebundes Gerät gibt es tatsächlich nicht (oder nicht mehr). Da hat der Autor einfach recht.

Und jedes Akkuladen ist eine Wartungsmassnahme, das ist beim Hörgerät nicht anders als beim Ferrari. Hörgeräte sind also alles andere als wartungsfrei, nicht mal wartungsarm !
rabenschwinge
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#5

Beitrag von rabenschwinge »

Okay, dann mal meine Sicht:
Für mich geht die Hörgeräteentwicklung in die richtige Richtung.
Während die alten Hörgeräte stumpf alles laut machten differenzieren die neuen Generationen und es wird nur da verstärkt, wo der Träger es braucht .

Es wird ebenfalls die Sprache in den Vordergrund gezogen.

Für mich als hochgradig Schwerhörige eine echte Erleichterung.

Ich bin übrigens doof, ich steuer meine Hörgeräte über die Wipptasten.

Für den Wechsel der Batterien, ich meinem Fall die 13er, nutze ich gern Hilfsmittel wie einen kleinen Magneten,der an Reinigungsgeräten oft dran ist.
Sank Arthrose ist meine Fingerfertigkeit manchmal nämlich auch nicht die beste.
Crackliner
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#6

Beitrag von Crackliner »

Ich mache mir über dieses Thema keine Gedanken. Die Akustiker bieten die Geräte an, und ich darf mir ein Gerät aussuchen. Die App benutze ich nur um zu Hause den TV connector zu schalten. Den Rest besorgt die Fernbedienung ohne Display als Ratespiel.
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#7

Beitrag von Ohrenklempner »

Hansi2 hat geschrieben: 18. Jul 2022, 19:45 -> Im Prinzip alles richtig, nimm einfach ein großes Hörgerät mit großem Li Ionen Akku und großen Tasten.
Aber das ist doch genau das, was der Autor fordert. 
Das gibt's doch. Nur weil es auch Mini-Hörgeräte gibt, die man auch mit dem Smartphone steuern kann, heißt es doch nicht, dass es nicht auch andere (großere und leichter zu bedienende) Hörgeräte gibt.
Ich stehe also im Bus und es ist ziemlich laut. Daher möchte ich mein Hörgerät etwas leiser stellen.
(...)
Mit einem dezenten Knopfdruck auf ein kleines Kästchen in meiner Jackentasche wäre das gewiss viel schneller, einfacher und sicherer gegangen ! 
Was für unpraktische Gimmicks lassen wir uns denn noch als großartige technische Innovation verkaufen ("andrehen" wäre hier das passendere Wort)  ?
Ja, ein Lautstärkesteller am Hörgerät ist wirklich ein sehr unpraktisches Gimmick. Eine sehr zweifelhafte Innovation. Ich glaube nicht, dass sich das durchsetzt... gibt es ja auch seit 40 Jahren, das kann einfach nichts sein. ;)
Ein Kästchen in der Jackentasche kann übrigens auch eine Fernbedienung sein. Sehr praktisch übrigens!
Und die am Schluss zitierten Amazon-Google-Chinaladen Produkte für EUR 26,14 möchte doch sicher auch niemand wirklich haben.
Du sagst es. So etwas will einfach keiner haben.

Und jedes Akkuladen ist eine Wartungsmassnahme[/quote]
Erstmal, nein, ist es nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wartung
Und selbst wenn es eine wäre, was wäre denn so schlimm daran? Auch den Akku des vorgeschlagenen Taschengeräts müsste man laden (also warten). Und einen Unterschied in der Handhabung wäre es nicht. Man legt die Hörgeräte nachts doch ohnehin irgendwo hin; und ob man sie ins Ladegerät steckt oder in eine Schachtel, ist doch wurscht.

Nicht falsch verstehen, ich freu mich ja über gute Ideen. Aber diese Idee ist keine Gute, und nicht einmal die Prämissen entsprechen der Realität.
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Musiker_72
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#8

Beitrag von Musiker_72 »

Die Akkugeräte sind für ältere Leute ein sehr deutlicher Fortschritt, das konnte ich bei meiner Mutter beobachten. Die hatte vorher bei den Batteriegeräten das Problem, dass ihr der Batteriewechsel sehr schwer fiel.

Jetzt die Akkugeräte: Morgens aus der Ladestation raus, da gehen sie automatisch an, abends rein, dabei werden sie automatisch ausgeschaltet, fertig.

Fummelige Bedienung: Meine Mutter hat eine dedizierte Fernbedienung mit großen Tasten, damit kommt sie klar. Ich selbst bediene die Geräte am HG mit den kleinen Tasten oder über's Smartphone. Ein großer Fortschritt ist hierbei das Vorhandensein von zwei Tasten am HG, dann kann die eine Seite für Lautstärke auf und ab, die andere für Programmwechsel auf und ab sein.

Ich selbst werde vermutlich auch Akkugeräte als nächste Geräte kaufen, weil die Geräte mit Streamingfunktion nach 4 Tagen schon eine neue Batterie benötigen, das finde ich deutlich zu kurz. Solange der Akku dann den Tag über hält, ist doch alles gut, finde ich.

Was man bei den Taschengeräten nicht vergessen sollte: Räumliches Hören gelingt damit sicherlich nicht, wie sollte das gehen, wenn die Mikrofone woanders sind als die Ohren?
Hansi2
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#9

Beitrag von Hansi2 »

Zunächst einmal zur Information von Rabenschwinge :
Die angesprochene Thematik hat nicht das Mindeste mit der Verstärkung der Sprachfrequenzen zur besseren Teilnahme an Gesprächen zu tun. Diese sinnvollen Entwicklungen können (und sollen) selbstverständlich auch bei kabelgebundenen Hörsystemen umgesetzt werden.
Im Gegenteil : Ein Gerät mit separatem Elektronikteil böte den zusätzlichen Vorteil eines Umschalters "Hörverstärkung - linearer Frequenzverlauf - equalizerbasierter Frequenzverlauf" - dann kämen auch Musikliebhaber auf ihre Kosten.

Zu Musiker_72 : Selbstverständlich sollte ein modernes Taschenhörgerät Lautsprecher und Mikrofone in den Ohrsteckern haben - siehe Skizze im eingangs zitierten Artikel. Die Probleme einer Rückkopplung sollten seit Einführung der In-Ohr-Geräte gelöst sein.

-----

Wegen des überschaubaren Kostenrisikos habe ich mir einfach mal solch einen kabelgebundenen Hörverstärker von der Chinaladen-Resterampe für € 36,24 gekauft.
Das Gerät hat eine AAA-Batterie, Ein-/Aus-Schalter, analoge Verstellung von Lautstärke, Lautstärkebegrenzung und Klangfarbe, Mikrofon im Gerät,
2 Ohrlautsprecher mit auswechselbaren Ohreinsätzen, Kleiderclip aus Edelstahl.
Lt. Herstellerangaben beträgt der Frequenzbereich 300 Hz - 8000 Hz, die Laufzeit der AAA-Batterie soll 30 Stunden betragen.

Hier meine Beurteilung, das Negative zuerst :

- monophone Übertragung (keine Erkennbarkeit der Schallrichtung)
- für Musikliebhaber ungeeignet (monophon, zu enges Frequenzband)
- Mikrofon im Gerätegehäuse führt zu lauten Störgeräuschen, sobald man das Gerät anfasst oder ablegt.
- Lautstärke richtungs- und umgebungsabhängig, in der Tasche getragen deutlich leiser
- Nutzungsdauer der AAA-Batterie zu kurz
- bei alternativer Nutzung eines AAA - Akkus fehlt ein Ladeanschluss

dem steht positiv gegenüber :

- überraschend gute Spracherkennung
- sehr komfortabel und angenehm zu tragen (man merkt's eigentlich nicht)
- sehr leicht : Ohrstecker 3 g, Kabel 5 g, Gerät 35 g
- komfortable analoge Vertstellbarkeit der Lautstärke während der Benutzung (ohne Elektronikschnickschnack)
- großer Ein-/Aus-Schalter
- einfacher Batteriewechsel
- haptisch ansprechend, keine scharfen Kanten oder Grate
- Verbindungskabel sehr dünn, flexibel und unauffällig
- äusserst angenehm zu handhaben (keinerlei Probleme beim Brillenwechsel oder mit der Coronamaske
- keine Verlierbarkeit : Fällt ein Ohrstecker raus (wegen geringem Gewicht und guter Passform
eigentlich nicht denkbar) hängt er am Gerät, fällt das Gerät aus der Tasche, hängt es an den Ohren)

Um eine zweite Meinung einzuholen, habe ich einer mir bekannten 90-jährigen Pianistin, Trägerin eines hinter dem Ohr Geräts (noch immer großartig am Flügel !) mein Billiggerät gegeben.

Die bestätigte meine negativen Kommentare, war aber begeistert vom Tragekomfort, der guten Sprachverständlichkeit und der leichten Handhabbarkeit. Sie wollte mir das Gerät gar nicht mehr zurückgeben, sondern auf der Stelle abkaufen.

Berücksichtigt man, dass das Konzept gemäss

www.spam.com -> Fachartikel -> Hörgeräte

gemäss Skizze auch alle hier aufgeführten negativen Merkmale völlig ausschliesst, ist die dort vorgestellte Anordnung "Modernste Technik im alten Design" tatsächlich nicht gut sondern hervorragend.
Die Hörgerätehersteller täten gut daran, schnellstmöglich neben den In-Ohr und hinter dem Ohr Geräten solch eine dritte Linie zu entwickeln und zu vermarkten, die alle Nachteile der beiden erstgenannten Gerätetypen eliminiert.
Ohrenklempner
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#10

Beitrag von Ohrenklempner »

Musiker_72 hat geschrieben: 20. Jul 2022, 11:27 Was man bei den Taschengeräten nicht vergessen sollte: Räumliches Hören gelingt damit sicherlich nicht, wie sollte das gehen, wenn die Mikrofone woanders sind als die Ohren?
Laut Vorstellung des Autors sind die Mikrofone und Lautsprecher in der Otoplastik eingebaut. Das würde also prinzipiell schon gehen. Bisher erhältliche Kanalgeräte (ITC) mit Doppelmikrofon machen das ja auch so. In dem Kasten sind letztlich nur der Akku, ein Ladestecker, ein Ohrstöpselstecker, ein An-Aus-Knopf, Lautstärke- und Seitentasten, ein Klangregler, eine Power-LED und eine Ladestandsanzeige. ... als ich das gerade alles aufgezählt habe, regten sich in mir Zweifel um die "einfache Bedienung". Dann lieber doch eine Fernbedienung mit drei Tasten (Laut, Leise, Hörprogramm) und eine Ladeschale, wo man die Hörgeräte nachts in die Heia legt.

Wobei mir auch gerade der Einfall kommt, dass sich alle postulierten "Probleme" des Autors auch völlig ohne Kabelei mit aufladbaren Kanalgeräten und einer Fernbedienung lösen lassen. 8-)
Hansi2 hat geschrieben:Ein Gerät mit separatem Elektronikteil böte den zusätzlichen Vorteil eines Umschalters "Hörverstärkung - linearer Frequenzverlauf - equalizerbasierter Frequenzverlauf" - dann kämen auch Musikliebhaber auf ihre Kosten.
Sorry, dass ich mal wieder in die Parade presche.... :D
So eine Programmumschaltung gibt's schon seit es Digitalgeräte gibt und ist auch heute noch fester Bestandteil von Hörgeräten. Die Hilfsmittelrichtlinien schreiben sogar mindestens drei Hörprogramme vor.
Hansi2 hat geschrieben:Die Hörgerätehersteller täten gut daran, schnellstmöglich neben den In-Ohr und hinter dem Ohr Geräten solch eine dritte Linie zu entwickeln und zu vermarkten,
Glaube mir, das würden sie, wenn es einen Markt dafür gäbe. Und glaube mir, es will keiner haben. Darum tun sie es auch nicht. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und denke, dass ich nach über 1000 Kundenberatungen in den letzten Jahren einschätzen kann, was sich von Hörgeräten gewünscht wird.
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#11

Beitrag von rabenschwinge »

Schmunzel, ich liebe ja meine Feinwaage: Mein Ghettoblaster hat einschließlich Batterie und Otoplastik + Schallschlauch süsse 8 gr.

Ich weiß ja nicht, wie hochgradig Du schwerhörig bist @Hansi2, ich bin im Hochtonbereich an Taubheit grenzend schwerhörig. D.h. Sprache, Vögel, Kinderstimmen, hohe Töne höre ich nicht mehr und auch die Straße ist ein sanftes und leises Rauschen ohne Hörgeräte.

Dementsprechend ist mein Anspruch an mein Hörgerät: Sprache wieder verständlich, Kinderstimmen hörbar und verständlich, Vogelstimmen bitte wieder hörbar und einen Großteil der hohen Töne würde ich auch gern wieder wahrnehmen.

Wo bitte hilft mir da eine lineare Verstärkung? Stumpf lauter kenne ich noch von den analogen Hörgeräten, brauche ich nicht wieder!

Weil: mit meinen Hörgeräten kann ich durchaus auch von spezielle Hörsituationen eingehen. Sprich für Sprache und Unterhaltungen habe ich ein Programm, genauso wie für Outside, Musik und manchmal brauche ich es leiser und kuscheliger, und auch dafür habe ich ein Programm.

Einstellbar mit dem Wippschalter meines linken Hörgerätes, mit dem, rechten reguliere ich die Lautstärke.

Dazu kommt: Ich habe kein Kabel irgendwo und brauche auch keine Brusttasche. Angenehm im Sommer aber auch im Umgang mit dem Hund, beim Yoga und anderen Freizeitaktivitäten, beim Sex etc.pp.

Zudem kann ich meine Hörgeräte an eine Bluetooth Schnittstelle koppeln und dann via Handy telefonieren und auch Musik streamen.

Für mich sehr hilfreich, denn mit einem normalen Telefon kann ich schon lange nicht mehr telefonieren und bin da sehr eingeschränkt.
Dani!
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#12

Beitrag von Dani! »

Lange Kabel sind übrigens auch ein Problem: Kabelbruchgefahr. Das ist gerade bei 5-adrigen ein nicht zu unterschätzendes Problem. Wundert mich glatt, dass der Ingenieur darauf nicht einging. Noch dazu hört man das Klappern des Kabels, wo es am Körper geführt wird bzw wenn man den Kopf auch nur leicht bewegt.

Wenn man die HGs schon gegen Verlust sichern will dann hängt man eben die Fernbedienung mit großen Tasten an einer Schnur wie den vorgestellten Kasten vor die Brust und bindet das andere Ende an die beiden Akku betriebenen HdO Geräte.
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#13

Beitrag von rhae »

Kurzer Kommentar von mir -

Hansi2 kommt seit mehreren Tagen als "Peter Kannenberg" in den Chat und müllt ihn mit seinem Link zu. Daher wird der gepostete Begriff jetzt sowohl im Chat wie auch hier im Forum zensiert. Normalerweise hätte ich seinen Useraccount auch sofort gelöscht, aber der Thread hat schon gute Antworten bekommen, daher darf er noch etwas bleiben. Beim nächsten Versuch die Filterung zu umgehen fliegt er aber ...

VG Ralph
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#14

Beitrag von Ohrenklempner »

Oh ja, Danke für die Info. Das erhärtet meine bisherige Vermutung, dass Hansi2 selbst der Autor des ✌Fachartikels✌ ist.

Mein Tipp an den Autor, schreib doch mal einen Brief an Piaggio. Die angebotenen Motorroller sind nämlich für gebrechliche Personen absolut ungeeignet. Ein Fahrzeug auf vier Rädern (so etwas gab es früher mal!) wäre viel besser und böte sogar noch Stauraum für Einkäufe. Außerdem wäre ein größerer Tank drin und man ist vor Wind und Wetter geschützt. Dieser Trend zu "kleiner und spritziger" geht doch total in die falsche Richtung.
Carreau!
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#15

Beitrag von Slow Jo »

Mal eine andere Idee: Könnten die Hersteller statt "hurra, noch kleiner!" bitteschön auch mal Hörgeräte mit größeren Schallwandlern in den Wo-Auch-Immer-Receivern (HdO, IdO, RIC..) anbieten?
Bei einer Vergrößerung z.B. von 1mm auf 1,3mm Durchmesser hätten wir schon das 1,69fache an Fläche und Volumen; bei 1,6mm statt 1,3mm wiederum das 1,5fache!
Klar braucht es dafür mehr Energie, aber es gibt ja auch größere Batterien als 312er und 13er. Manche Käufer (z.B. ich) würden sich sicher über einen "satteren" (nicht nur lauteren) Klang freuen.
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#16

Beitrag von Ohrenklempner »

Die größten Wandler in Hörgeräten sind schon ziemlich fett und können Locker mal Pegel von über 140 dB vorm Trommelfell erzeugen.
Klar, größer ginge bestimmt, aber irgendwann fängt das Gewebe zu qualmen an 😁
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Pagnol
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#17

Beitrag von Pagnol »

Na klar, so ein Mini-Basschassis an einer Gegentakt-Endstufe samt fetten Kondensatoren in der Stromversorgung (wegen den Impulsspitzen!) wäre schon toll.
Allerdings macht die Werbung immer noch klar auf "diskret". Die werden wissen, warum.
Aber schon die nächste, spätestens die übernächste Generation, die versorgt werden muss, sieht das möglicherweise anders. Die sind sich allerhand Geräuscherzeuger in und auf den Ohren gewohnt. Und vielleicht kommen dann die Hörgeräte - pardon die trendigen Soundmaschinen nicht mehr von Signia, Phonak etc. sondern von Boose oder Beats.
Viele Grüße, Pagnol

Meine aktuelle Versorgung: Phonak Audéo P90 R (+ Samsung S10+).
-- Jeder bekommt, was er verdient. Aber nicht jeder sollte sich das auch wünschen! --
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#18

Beitrag von Slow Jo »

Ohrenklempner hat geschrieben: 24. Jul 2022, 18:04 Die größten Wandler in Hörgeräten sind schon ziemlich fett und können Locker mal Pegel von über 140 dB vorm Trommelfell erzeugen.
Klar, größer ginge bestimmt, aber irgendwann fängt das Gewebe zu qualmen an 😁
Hallo Ohrenklempner, leider hast du nicht richtig gelesen. Ich meinte ausdrücklich nicht Pegel, sondern guten Klang.
Slow Jo
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#19

Beitrag von Slow Jo »

Slow Jo hat geschrieben: 24. Jul 2022, 18:44
Ohrenklempner hat geschrieben: 24. Jul 2022, 18:04 .
Klar, größer ginge bestimmt, aber irgendwann fängt das Gewebe zu qualmen an 😁
Die Wärme würde sich ja auf mehr Gewebe verteilen. Und mit mehr Platz im Gehäuse und evtl. Metall statt Plastik zur Ableitung wäre das auch kein Problem. Aber es muss ja alles kleiner werden.
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#20

Beitrag von Ohrenklempner »

Gut, ein schöner und voller Klang wird sich ja oft gewünscht. Kann ich auch verstehen. Es geht aber um Hörgeräte und nicht um Hifi-Anlagen. Dahingehend hat sich dennoch schon viel getan. Vor 20-30 Jahren war es super, wenn ein Hörgerät einen Frequenzbereich von 300 bis 5000 Hz abdecken konnte. Da sind wir heute schon viel weiter und es klingt auch deutlich besser als früher. 100 bis 8000 Hz sind heute kein Problem mehr.
Mit mehr Verschluss der Otoplastik kann man hinsichtlich "fettem" Klang schon viel zaubern!
Wenn das Ohr offen bleiben soll, ist auch mit größeren Lautsprechern nichts zu erreichen. Setz dir mal normale In-Ear-Kopfhörer ein und ziehe sie wieder etwas heraus, sodass sie nur noch ganz locker sitzen. Da wird auch kein Bass mehr rüberkommen.
Satten Sound kriegst du mit geschlossenen Ohrstücken, nicht mit noch größeren Lautsprechern.
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#21

Beitrag von MarkoPlus »

Haben Sie von Earlens gehört, wie geht es jetzt voran?
Angeblich deckt Earlens mehr Frequenzen ab, aber ich bin Amateur, also habe ich nicht genug professionelle Erfahrung damit.
https://www.youtube.com/watch?v=wRqbM2_vCBk&t=49s
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#22

Beitrag von Slow Jo »

Ohrenklempner hat geschrieben: 24. Jul 2022, 20:46 Satten Sound kriegst du mit geschlossenen Ohrstücken, nicht mit noch größeren Lautsprechern.
Schön wär's ja. Zur Zeit trage ich probeweise beidseitig Signia Insio C&G 7AX ITC; ich glaube, geschlossener und mehr state-of-the art geht nicht, oder?
Sprache verstehe ich damit etwas besser als mit den bisherigen ReSounds (5 Jahre alt), aber von "sattem Klang" kann keine Rede sein. Beim Fernsehen stelle ich sie ganz leise und trage darüber offene Sennheiser-Funkkopfhörer (UKW, kein BT) , damit ich auch die tiefen Töne höre.
Zum Telefonieren übers Festnetz nehme ich sie heraus. Die Qualität des Telefons mit eingeschaltetem Lautsprecher ist immer noch besser als die der Hörgeräte.
Bevor ich jetzt etwas Neues kaufe und mich anschließend wieder 5 Jahre damit herumärgere, warte ich noch, bis ein Hersteller wirklich etwas Neues (z.B. dynamische Lautsprecher) bringt.
Ohrenklempner
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#23

Beitrag von Ohrenklempner »

Ob und wie geschlossen deine Insios sind, kann ich nicht beurteilen. Falls sie (weitgehend) geschlossen sein sollten, kann man den Klang natürlich noch verändern. Die 20 einstellbaren Frequenzkanäle in der Anpasssoftware sind ja nicht nur zur Dekoration da. :D
Sag deinem Akustikfachmenschen, dass du das Streaming tieftoniger haben möchtest. Kein Problem, das einzustellen (sofern audiologisch dann auch genug tiefe Töne ankommen). Die Standardeinstellung fürs Streaming ist bei Signia selten perfekt. Leider kann man das nicht selbst per App erledigen, das geht nur im Akustikgeschäft oder per Fernwartung.
Carreau!
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#24

Beitrag von Slow Jo »

Ohrenklempner hat geschrieben: 28. Jul 2022, 12:15 Sag deinem Akustikfachmenschen, dass du das Streaming tieftoniger haben möchtest.
Ich streame doch gar nicht. Ich setze Funkkopfhörer auf und lasse die IdOs die hohen Töne verstärken. Die tiefen Töne gehen wenigstens teilweise durch die geschlossenen Otoplastiken, vielleicht durch die winzigen Belüftungsbohrungen.
Ohrenklempner
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Re: Moderne Hörgeräte - Geht die Weiterentwicklung in die richtige Richtung ?

#25

Beitrag von Ohrenklempner »

Okay, verstehe.
Wenn dir der Sound vom Hörgerät aber zu dünn ist... dreh doch in der App mal die Soundbalance in Richtung tiefe Töne und erhöhe die Lautstärke. Das sollte dann fetter klingen. Die eine Frage ist aber, ob überhaupt so viel tieftoniger Klang durch die Luft schwirrt, den das Hörgerät verstärken könnte. Und ob das dann sinnvoll wäre, ist natürlich die andere Frage.
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