BiCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

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Marcus
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BiCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#1

Beitrag von Marcus »

Hallo,
erst mal wollte ich ein bisschen was von mir erzählen.
Bei der Musterung fiel zum ersten mal auf das mein linkes Ohr nicht gut ist und rechts auch schon etwas schlechter ist. Direkt bei der Musterung wurde ich zum HNO geschickt, welcher mich aber trotzdem als tauglich eingestuft hat. Wehrdienstverweigerer waren damals nicht so beliebt ;). Darauf aufmerksam gemacht, habe ich im Krankenhaus (Zivildienst) mit dem HNO-Arzt gesprochen, welcher nicht verstanden hat warum ich als tauglich eingestuft wurde und prognostiziert hat, das ich irgendwann Hörgeräte tragen muss.
So bekam ich um 2000 meine ersten IO-Geräte, welche in Mannheim vom Akustiker hergestellt wurden und "Kassenmodelle" waren. Für die IO's habe ich mich entschieden, da es für Anfang 30 es für mich leichter war diese zu tragen und daran zu gewöhnen. Problem war mein Sekret, welches immer wieder meine Hörgeräte verstopften und es immer wieder Entzündungen gab.
2007 habe ich dann bei Geers (no comment :-x ) die ersten HO-Geräte Audio Service Monza 2 Duo S geholt. Ab 2017 habe ich von Widex die Beyond 330 B3-F2 gekauft.
2020 hörte ich im Karneval/Kneipe auf ein mal alles nur noch wie über einen kaputten Lautsprecher. Dabei befürchtet ich, das es sich hier um einen Hörsturz handelte. Leider war direkt danach Lockdown und konnte nicht zum HNO. Nach ein paar Monaten ging ich hin und schilderte mein Problem, was aber lapidar "das liegt am Alter" abgetan wurde.
Ich versuchte noch bei anderen HNO-Ärzten eine Meinung zu holen, aber die konnten auch nicht weiterhelfen (einer meinte bei starken Verkehr und offenen Fenster, könnte man eine Ergebnis erklären). Ende 2021 ging ich noch mal zum alten HNO-Arzt, welcher jetzt bei den Messungen eingesehen hat, das was nicht stimmt und zum MRT überwiesen hat. Wo in September tatsächlich ein Akustikusneurinom links festgestellt wurde. Welcher in Januar 2022 entfernt wurde - leider auch mein Gehör, denn auf dieser Seite bin ich jetzt taub. Habe verschiedene Untersuchungen gemacht, ob z. B. ein CI sich lohnt, aber es kommt nichts an. Von 30% bin ich nun 70% schwerbehindert.

Momentan versuche ich verschiedene Modelle aus mit Cros-Funktion ob ich irgendwie noch besser klar komme. Die Widex sind von der Leistung her am Ende. Bereits getestet habe ich die Phonak Audeo P30-13T und jetzt die Phonak Audeo ?? mit Cros-Versorgung aber ohne Bluetooth (grässlich).

Hat wer Erfahrung gemacht mit der BioCros-Versorgung?
Gibt es Geräte, von wo man die Finger lassen soll (z.B. Haltbarkeit, Verbrauch etc.)? Die Widex sehen schon ziemlich mitgenommen aus
Ich würde gerne per Computer/Smartphone (Apple) und Bluetooth verbinden, damit war die Verständlichkeit am besten.
Was gibt es noch darauf zu achten - Tips werden gerne gelesen ;-)

Herzlichen Dank vorab für die Rückantworten.
Grüße
Marcus
dieges
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#2

Beitrag von dieges »

Ich habe mich für Oticon More plus Bicros entschieden. Oticon hat Hörgeräte in verschiedenen Preisklasse die mit Cros/Bicros kompatibel sind.
dieges
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Marcus
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#3

Beitrag von Marcus »

Wie sieht es bei Oticon mit Bluetooth aus? Können mehrere Geräte gleichzeitig angesprochen werden?
Ohrenklempner
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#4

Beitrag von Ohrenklempner »

Normales Bluetooth wie du es gerne hättest geht nur bei Phonak und baugleichen Marken, und da mit maximal zwei gekoppelten Geräten. Bei anderen Herstellern benötigst du ein externes Mikrofon, was auch gleichzeitig mit mehreren Geräten per Bluetooth gekoppelt werden kann. Diese externen Mikrofone haben immer andere Namen, je nach Hersteller, funktionieren im Grunde aber alle gleich. Allerdings funktioniert bei den anderen Herstellern das Streaming und die Steuerung mit dem iPhone besser.
Phonak und Konsorten = normales Bluetooth
Alle anderen = Made for iPhone (Direktstreaming, handsfree telefonieren, Fernsteuerung) per Bluetooth Low Energy
Carreau!
Marcus
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#5

Beitrag von Marcus »

Danke für die Info. D.h. es handelt sich bei den anderen Geräten nur um einen Mikrofon welchen ich umhängen muss,
aber das hören selbst läuft über die Hörgeräte z. B. per Computer?
Habe bei Phonak gemerkt, wenn ich ein bisschen vom Computer mich entferne, das meine Sprache nicht mehr richtig rüberkommt,
aber das hören funktionierte noch gut.
Dani!
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Re: BiCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#6

Beitrag von Dani! »

"Mikrofon" ist etwas unglücklich ausgedrückt. Ich hätte es als "Streamer" bezeichnet. Denn dieses "Mikrofon" wird nicht nur zum Telefonieren benutzt, sondern auch um nur unidirektional etwas zu hören. Also beispielsweise Podcasts oder Fernsehen.

Dieses Mikrofon, das Ohrenklempner meinte, das legt man bei der Kommunikation mit dem PC in der Regel vor sich auf den Tisch. Dieses ist entweder per Bluetooth oder (besser) Kabel mit dem PC verbunden. Die Strecke von diesem Mikrofon zu den Hörgeräten wird per Funk übertragen und hat damit eine größere Reichweite als Geräte älterer Bauart, die man wegen der Induktionsschleife um den Hals hängen musste - das muss man bei den heutigen neuen HGs nicht mehr. Man kann das aber natürlich trotzdem an die Kleidung klipsen. Das wird dann gemacht, wenn man z.B. zu zweit im lauter Umgebung befindet und den anderen über dieses Mikrofon direkt in deinen Ohren hören möchtest.

Dass bei deinen Test mit Phonak deine Sprache nicht mehr richtig rüberkommt, wenn du dich ein bisschen vom PC entfernst, das liegt daran, dass die Mikrofone der Phonaks deine Stimme aufnehmen und diese per Funk an den PC übertragen. Per Funk Senden ist aber für Hörgeräte sehr Energieintensiv, so dass für eine längere Batterielaufzeit der Phonaks die Reichweite der Funkstrecke geringer ist.
Dominik
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Brittany
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#7

Beitrag von Brittany »

Hi Dani!,

danke für diese Erklärung. :-) Ich will mich eigentlich schon länger mit dem Thema Zubehör beschäftigen, aber drücke mich immer davor, weil ich einfach nicht sonderlich technikinteressiert bin.
Das hier ist auch für mich interessant und hilfreich, obwohl ich nicht Marcus bin. :-)

Brittany
Marcus
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#8

Beitrag von Marcus »

Danke Dani, für die zusätzliche Aufklärung.
Eine zusätzliche Frage in dieser Runde:
Ich habe gelesen mehr als 8 Kanäle beim Hörgerät macht keinen Sinn, da nicht noch besser eingestellt werden kann.
Eher eine Marketingstrategie, um für mehr Kanäle mehr bezahlen zu müssen.
Ist das so?
Blümle
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#9

Beitrag von Blümle »

Beim Testen hatte ich HG mit 24 Kanälen und auch mal mit 16 Kanälen. Der Unterschied hörte sich für mich gravierend an. Mit den 24 Kanälen hörte sich das Hören halbwegs „normal“ an, mit den 16 Kanälen sehr künstlich und blechern. Auch Sprachverstehen und Musikh.ren waren mit 24 Kanälen angenehmer.
Mir wurde gesagt, dass es ein Qualitätsunterschied sei, weil man mit 24 Kanälen feiner abstimmen könne. Ob das stimmt oder ob zweckes besserer Verkaufsmöglichkeit von teureren Geräten die 16Kanalgeräte nur schlecht eingestellt waren, kann ich als Laiin nicht beurteilen.

Ich denke, dass es sowohl möglich ist, wenig-Kanal-Geräte gut einzustellen, wie auch viel-Kanal-Geräte schlecht. Wird sichelich von der Einstelltechnik, dem Verfahren und dem Können der Akustikerin abhängen, was dabei rauskommt.
Und dann kommt ja noch dazu, dass die einen beim Hören empfindlicher und anspruchsvoller sind, als andere.
Dani!
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Re: BiCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#10

Beitrag von Dani! »

Mein Akustiker hat von meinen damals verfügbaren 16 Kanälen bei der Anpassung die Einstellansicht gewählt, in der er pro Hörgerät nur 5 oder 6 Regler hat statt 16... Er war meiner Meinung nach zu faul, alle Kanäle getrennt einzustellen.
Andererseits sind die nebeneinander liegenden Kanäle umso stärker voneinander abhängig, je mehr Kanäle verfügbar sind - man kann bei 16 Kanälen nicht einen Kanal mit 30dB Verstärkung belegen und den daneben liegenden mit nur 15dB. Stellt man z.B. Kanal 7 und 9 ein, ergibt sich für Kanal 8 *fast* zwangsläufig der Mittelwert. Großartig davon abweichen sollte man auch bei Cookie-Bite Hörverlusten nicht, weil es dann trotzdem sehr schräg klingt.

Der Vorteil vieler (intern verarbeitenden) Kanäle ist aber vor allem bei den zusätzlichen Features sehr wichtig: Z.B. bei Nebengeräuschunterdrückung. Hier kann ein Hörgerät mit vielen Kanälen einen kleineren Frequenzbereich reduzieren, der viel weniger vom Gesamspektrum beschneidet. Damit bleibt Sprache tendenziell klarer als bei Geräten mit geringer Kanalanzahl, wo im schlimmsten Fall (1-Kanal-HGs, die es nicht mehr gibt) alles reduziert wird, nur weil es ein Störgeräusch gibt.

Die angegebene Kanalzahl und die intern verarbeitete Kanalzahl stimmt zwar nicht (immer) überein. Aber das Verhältnis ist in derselben Serie eines Herstellers immer gleich.

Und es ist absolut zutreffend, was Blümle schreibt: Wenig-Kanal-Geräte können von Akustikerinnen gut und Viel-Kanal-Geräte von anderen Akustikeraußen schlecht eingestellt sein.
Dominik
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Marcus
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Re: BioCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#11

Beitrag von Marcus »

Irgendwie fehlt Volumen in dem Crosgerät, anscheinend etwas zu hell eingestellt. Aku wir müssen reden :-)
Was mir noch einfällt, ich habe auch Tinnitus und es werden Programme in manchen Hörgeräten dazu angeboten.
Mein HNO und Uniklinik sagen, das es nichts bringt und lieber es zu versuchen den Tinnitus zu ignorieren.
Ich ignoriere auch meinen Tinnitus, der stört sich aber nicht daran :-(
Was ist eure Meinung dazu, bringen die Programme was oder gibt es Tips um den Tinnitus nicht mehr zu hören?
Dani!
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Re: BiCROS-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#12

Beitrag von Dani! »

Hallo Marcus,
ich habe nun deine gesamte Geschichte nicht im Kopf. Mehr Volumen bekommt man über
a) höhere Verstärkung in den Tiefen. Sinnvoll ist das aber nur mit
b) vollständig verschlossenem Gehörgang.
c) anderes Hörgerät

zu a) hat den Nachteil, dass dann auch Nebengeräusche munter ins Sprachverstehen reingrätschen.
zu b) hat den Nachteil des Okklusionseffekts - man hat ständig das Gefühl, irgendwas zu haben, das das Ohr verstopft (tut es ja auch). Auch der Klang der eigenen Stimme ist damit anfänglich schwer erträglich.
zu c) jeder kommt mit Hörgeräten unterschiedlich gut zurecht, also muss das jeder für sich selbst ausprobieren.
Dominik
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Dani!
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Re: BiCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#13

Beitrag von Dani! »

Zum Thema Tinnitus kann ich nicht wirklich was beitragen. Ob die Tinnitus-Programme helfen, das ist bei jedem anders. Tinnitus hat so eine unglaublich große Bandbreite, wie es sich anhört. Es bleibt also nichts anderes übrig, als diese Programme auszuprobieren.

Ich selbst nehme meinen aktuellen Tinnitus nur dann wahr, wenn ich davon lese. Ansonsten wird er von mir tatsächlich erfolgreich ignoriert. Ist es in der Umgebung für längere Zeit lauter, drängt sich der Tinnitus auch bei mir in den Vordergrund und erschwert mir das Verstehen. Ich versuche in solchen Fällen meinem Ohr möglichst wenig Belastung zuzumuten. Am besten noch zwischendurch (stundenweise) komplette Hörpausen einzulegen.
Dominik
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Marcus
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Re: BiCros-Versorgung Hörgeräte-Erfahrungen

#14

Beitrag von Marcus »

Zum Thema b) habe ich tatsächlich Schwierigkeiten. Einmal hört sich das eigene Laufen komisch an und wird irgendwie übertragen und bei Versuch mit Doppelschirme
hat sich mein Ohr sich entzündet und war feucht. Mit den "Druckstellen" kam ich nicht klar. D.h. Ohrpassstück würde nicht für mich in Frage kommen?
Ich trage jahrelang eigentlich Ohrkappen welche von Löcher nun zu zu sind. Weiß besser für die Übertragung wäre richtig zu und kein offenes System.

Zu C) bin ja beim testen, Sharky, Oticon und Signia möchte ich auch noch probieren.

Was heißt Hörpausen? Ohrgeräte aus oder nur in eine ruhigen Umgebung verbringen?
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