Otoplastik vs Schirmchen

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Hundefreundin
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Otoplastik vs Schirmchen

#1

Beitrag von Hundefreundin »

Guten Morgen,

ich warte auf meine ersten Hörgeräte, habe mich für Signia AX 7 entschieden. Nun frage ich mich (und Euch!) wo die Vorteile von Otoplastiken gegenüber diesen kleinen Schirmchen liegen. Bei den Testgeräten waren immer Schirmchen im Ohr. Und was kostet sowas?
Crackliner
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#2

Beitrag von Crackliner »

Ich habe für die Otoplastik nichts extra bezahlt.
Ohrenklempner
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#3

Beitrag von Ohrenklempner »

Hallo

eine Otoplastik sorgt zunächst mal für einen sicheren Halt im Ohr. Das Einsetzen ist auch einfacher, da man die Otoplastik nur reinsteckt und sie quasi von alleine ihren Weg findet und an der Endposition stecken bleibt. Die Hörerzuleitung dankt es auch, weil man Otoplastiken am Rückholfaden aus dem Ohr herauszieht, dadurch hält der dünne Draht länger durch und bricht nicht so schnell. Akustisch bekommst du mit Otoplastiken eine sicherere Verstärkung ans Ohr, das bedeutet weniger Rückkopplungspfeifen und mehr Verstärkung, die du vielleicht brauchst. Bei einer geschickten Anbindung durch die Otoplastik können auch Features wie die Störlärmreduzierung und Richtmikrofone besser ihre Wirkung entfalten, da du mehr vom aufbereiteten Hörgeräte-Klang hörst und weniger Störgeräusche aus der Umgebund. Eine gut gemachte Otoplastik sieht außerdem cool aus, wenn man es will. ;)

Ich sag meinen Kunden, wir testen die Hörgeräte erst mit Schirmchen. Wenn etwas damit nicht zufriedenstellen ist, machen wir Otoplastiken. Schirmchen funktionieren in vielen Fällen ganz gut, viele meiner Leute haben noch nie eine Otoplastik im Ohr gehabt.

Es gibt verschiedene Materialien mit Vor- und Nachteilen. Der Standard ist ein hartes Acrylat (Kunststoff). Das ist leicht und lässt sich einfach bearbeiten, verfärbt sich aber nach einiger Zeit und sieht irgendwann nicht mehr schön aus. Ist aber die kostengünstigste Variante. Dann gibt es thermoplastischen Kunststoff (ThermoTec oder andere Bezeichnungen), der bei Körperwärme weich und anschmiegsam wird. Trägt sich sehr angenehm, sieht aber nach einiger Zeit auch nicht mehr schön aus. Titan ist auch eine Möglichkeit: Sieht richtig toll aus, kann auch dezent eingefärbt werden, ist 100% biokompatibel, leitet Wärme aus dem Ohr sehr gut ab, lässt sich sehr leicht reinigen und verfärbt sich nicht. Ist aber teurer.
Preislich liegt eine Exhörer-Otoplastik bei etwa 100 Euro (Acryl), kann je nach Akustiker auch mehr oder weniger sein. Bei den anderen Materialien sind die Preise stark verschieden, ich würde mal sagen ca. 100-150 Euro für Thermotec und 150-200 Euro für Titan. Die Krankenkasse zahlt pro Ohrpassstück 33,50 Euro.
Carreau!
svenyeng
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#4

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Eine Otoplastik ist immer besser als die Schirmchen.
Ist ja letztendlich auch klar. da die Otoplastiken individuell nach Deine Ohrabdruck gefertigt werden.
Die Schirmchen müssen in alle Ohren passen.
Ich würde auch nie ohne Otoplastik testen.

Erst mal kostet die Otoplastik rein gar nichts.
Die Zuzahlung dafür leistest Du erst, wenn Du mit den Otoplastiken zufrieden bist.

Gruß
sven
Hundefreundin
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#5

Beitrag von Hundefreundin »

@Ohrenklempner und svenyeng:
Ganz herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten und Erklärungen! Dann werde ich meinen Akustiker darauf ansprechen, wenn die HG da sind. Dafür ist es sinnvoll, schon mal selbst zu wissen, wovon man spricht.
Yak
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#6

Beitrag von Yak »

Hallo Ohrenklempern,

zwar off Topic, aber da Du gerade so schön beim MAterial bist :)
Aus welchem Material bestehen denn dann die ImOHr oder ImKanal Geräte (Insio,die ImOhr Starkey oder die neuen Resound Customs) ?
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Ohrenklempner
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#7

Beitrag von Ohrenklempner »

Die bestehen ausnahmslos aus hartem Acrylat-Kunststoff. Hau mich jetzt, aber ich glaube, es ist ein Polyurethan-Acrylat oder sowas. Auf jeden Fall ein lichthärtendes Material, da die Schalen im 3D-Druck hergestellt werden.
Carreau!
Yak
Beiträge: 30
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#8

Beitrag von Yak »

OK, danke :)
Werde ja nach der Testphase von HDO zu IdO wechseln und habe ja bereits Otoplastiken (denke das transparente Material ist Acrylat). Bin sehr allergiebelastet und komme mit den jetzigen bisher ohne Probleme klar, da sollte dann hoffentlich nichts Böses passieren.
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Chromobotia
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#9

Beitrag von Chromobotia »

svenyeng hat geschrieben: 9. Sep 2022, 12:54 Eine Otoplastik ist immer besser als die Schirmchen.
Es ist ja in Ordnung, dass das Deine Meinung ist. Der Absolutheitsanspruch geht aber schon etwas weit, ich würde dem nicht uneingeschränkt zustimmen.
Ich hatte viele Jahre lang Schirmchen, vor einiger Zeit bin ich auf Otoplastiken (Thermotec) gewechselt, wegen einiger der Vorteile, die @Ohrenklempner ja gut beschrieben hat. Trotzdem überlege ich immer wieder mal, ob ich nicht doch auf Schirmchen zurück sollte (vermutlich werde ich das aber nicht).

Vorteile von Schirmchen sind meiner Meinung nach:
  • weniger Okklusion, weniger Feuchtigkeit im Ohr (trotz recht offener Versorgung/großer Bohrung bei der Otoplastik)
  • angenehmeres Tragegefühl (ja, trotz Anpassung der Otoplastik ans Ohr); das aber eingeschränkt dadurch, dass Schirmchen leichter verrutschen. Im Gegensatz zu den Otoplastiken musste ich die immer mal wieder reindrücken, die Otoplastiken sitzen fester.
Ich finde, dass bei leichtem bis mittlerem Hörverlust Schirmchen eine gute Option sind.
tabbycat
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#10

Beitrag von tabbycat »

Bei mir haben die Schirmchen im Gehörgang zeitweise furchtbar gejuckt und gescheuert, weil sie einfach nicht fest saßen.

Meine Otoplastiken spüre ich gar nicht, zudem haben die HG's mit ihnen auch einen besseren Halt. Auf der rechten - nur leicht schwerhörigen - Seite habe ich eine relativ große Belüftungsbohrung, so daß mein Resthörvermögen noch gut nutzen kann. - Funzt prima bisher...
Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: "Das ist technisch unmöglich."
(Sir Peter Ustinov)
Hups
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#11

Beitrag von Hups »

Hallo,

bin Schirmchenträger - bei Hochtonschwerhörigkeit kann ich nur bestätigen, dass das funktioniert. Klang ist sehr gut, tiefe und mittlere Frequenzen aus der Umwelt mischen sich perfekt mit den hohen Tönen aus dem Hörgerät.

Kein Jucken, trockene Ohren, ich spüre sie nicht...

Ein Arbeitskollege hat bei ähnlicher Hochtonschwerhörigkeit (wir haben fast identische Audiogramme) von einem anderen Akustiker Otos bekommen. Er hatte ständig nasse Ohren und bereits nach wenigen Monaten seine erste Entzündung im Gehörgang. Mittlerweile hat er für sich beschlossen, wieder gut zu hören und die HGs in der Schublade verschwinden lassen. Er fragt jetzt halt wieder ständig nach - und seine Umwelt ist leicht angesäuert.

Will sagen - es muss immer zur Art der Schwerhörigkeit, zum Ohr und zur Toleranzschwelle des Trägers passen. Ich tue mich mit einem absoluten besser/schlechter wirklich schwer...

Liebe Grüße
Hubert
leichte Hochtonmacke, gelöst mit Widex Moment 330
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Miscanthus
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#12

Beitrag von Miscanthus »

Ich hatte mit allen möglichen Schirmgrößen ziemlich häufig Resonanzen, es hat gejuckt etc. Aber eine Otoplastik ist nur so gut, wenn sie auch richtig sitzt. Meine Linke sitzt Bombe, die merke ich gar nicht. Die rechte wurde dreimal angepasst und ist jetzt immer noch so naja, aber ich hatte keinen Nerv mehr. War dann mit etwas Auflackieren besser, aber der Lack ist inzwischen etwas runtergescheuert.
Carla
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Re: Otoplastik vs Schirmchen

#13

Beitrag von Carla »

Ich testete auch mit Schirmchen. Alles gut. Ich dachte, das bleibt so. Ich habe aber eine lange Zeit benötigt, bis ich einen Akustiker fand, der mir passende anfertigte. Ich hatte viele Materialien durchprobiert. Es kommt drauf an, wie sie sitzen und welche Schwerhörigkeit man hat.
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