Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

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Honigtopf1234
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Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#1

Beitrag von Honigtopf1234 »

:) Hallo zusammen,

habe eine Frage zum Thema „Mein erstes Hörgerät“ und würde mich über ein paar Erfahrungen oder Tipps freuen.

Hatte letztes Jahr einen Hörsturz mit völliger Taubheit (auch Knochenleitung 0%) einseitig rechts. Bin 33 Jahre und weiblich. Nach 3 Tagen ins KH und da wurde ich paar Tage später operiert - was mir einen, denke mal, guten Teil der Hörfähigkeit aber auch mit dickem Tinnitus, zurückgebracht hat. :-) Diagnose: Riss in der Rundfenstermembran und deshalb jetzt sensorineurale Schwerhörigkeit.

War dann nach ca 4 Monaten (lt. Nachversorgung im KH sollte man erst noch abwarten was sich tut - was ja auch so war) beim Aku. Die 3 Hörgeräte die mir vorgestellt wurden, waren von einer Marke (wenn ich bloß noch wüsste welche; glaube Phonak) und davon 1 Kassengerät. Da mir das Kassengerät irgendwie keine Besserung brachte (erläutere gleich weshalb) und die anderen Modelle zu teuer waren, für das was dann dabei rauskam, habe ich dann enttäuscht abgebrochen.

Mein Problem ist, dass ich (EDIT:) hohe Töne und normale Sprache zwar irgendwie hören, aber nicht verstehen kann auf dem kaputten Ohr. 50% Verständlichkeit konnte im Sprachaudiogramm erst mit 110 DZB erreicht werden. Meine ist aber auch schon besser geworden seit der letzten Untersuchung… :-) (Weiß leider nicht wie ich das Sprach-Audiogramm hier hochladen könnte…)

Habe dadurch also NUR Schwierigkeiten in Situationen in denen ich in lauter Umgebung Sprache verstehen muss, z.B. in einer Besprechung wo mehrere Menschen, auch neben einem, reden oder im Café an der Straße). Aber genau da konnten mir die Modelle, auch das teuerste, gefühlt (!) nicht weiterhelfen.

Deshalb meine Fragen:
- Habe ich ggf zu früh aufgegeben oder nicht lang genug getestet? Kann Sprachverstehen durch HG mit der Zeit denn besser werden?
- Gibt es spezielle Marken/Modelle, die gerade in der genannten Situation super sind und die aus eurer Sicht auch einen guten Klang haben? (Preis müsste ich dann schlucken, wäre einfach toll eines zu finden, was sehr gut hilft :-()
- Hatte überlegt, und das war auch ein Vorschlag seitens des KH, ein CI setzen zu lassen. Mir wurde aber empfohlen, erst einmal mindestens 1 Jahr mit HG zu testen. Aus eurer Sicht sinnvoll oder mal zu anderen HNO? (CI würde mir schon Angst machen, da ja nicht ohne, aber ein Leben lang Tinnitus ist auch nur bedingt schön :-D)

Falls ich hier etwas falsch formuliert oder doof gefragt habe - bitte nicht zerfleischen :-D Bin recht neu in dem Thema und möchte das Thema HG endlich mal angehen, ohne geht es nicht mehr (merke ich immer öfter in Beruf und Freizeit, während Corona war ja nicht so viel…) und mein Nacken macht auch Probleme (Kopf schief halten). Die Checkliste eines der Forenmitglieder habe ich auch schon runtergeladen - das Forum ist echt hilfreich.

Danke vorab!

Liebe Grüße
Honigtopf
Akustik Alex
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#2

Beitrag von Akustik Alex »

Hey Honigtopf,

die Lage einzuschätzen ist schwierig, da natürlich die konkreten Messungen nicht einsehbar sind. Vielleicht kannst du die noch beifügen? Wenn du nur Phonak angeboten bekommen hast, tippe ich mal darauf, dass du bei Geers warst. Wenn ja, hätten wir schonmal das erste Problem erkannt :silent:
Tatsächlich scheint deine Ausprobe etwas zu monoton abgelaufen zu sein. Prinzipiell sind alle Hörsysteme auf "Verstehen" ausgelegt. Kein Hersteller besser als der andere, nur anders als der andere. Was da subjektiv am optimalsten ist, ist natürlich immer sehr individuell. Es hängt aber sehr viel an der korrekten Einstellung. Wenn der Fachbetrieb sich da keine Mühe gibt (und damit meine ich nicht 20 Anpasssitzungen, sondern geeigenete Messverfahren), dann ist das Ergebnis entsprechend dürftig. Du solltest in jedem Fall andere Hersteller testen und weitere Preisklassen. Es gibt auch Geräte für 100€ oder 200€ und nicht nur Kassensystem und 1000€ aufwärts. Als Anpassverfahren solltest du nach einer Perzentilmessung fragen. Was das CI betrifft, mag das eine Option sein. Das kann ich so nicht einschätzen, aber der HNO wird das hoffentlich getan haben.
Deine genannten Anforderungen sind üblich, aber natürlich auch die schwierigsten. Verstehen in lauten Umgebungen ist immer der Wunsch, aber auch mit gesunden Ohren nicht immer möglich. Da muss man, natürlich unter Anbetracht der Hörminderung, realistisch bleiben. Tatsächlich kann das Hören aber durch das Tragen von Hörgeräten wieder trainiert und damit verbessert werden. Zwischen den unterschiedlichen Preislagen gibt es natürlich technische Unterschiede, die dir das Verstehen erleichtern können. Da du allerdings nur auf einem Ohr versorgt werden sollst, kannst du einige Funktionen der höheren Preislagen gar nicht nutzen, da diese an zwei Systeme gekoppelt sind. Hier muss man also genau schauen, was überhaupt Sinn macht. Schau dich gern mal in meinem Blog um, da findest du jedemenge Informationsmaterial, das dir sicher hilft dich etwas besser orientieren zu können.

Besten Gruß,
Alex
www.infOHRmationen.de
Honigtopf1234
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#3

Beitrag von Honigtopf1234 »

Hallo Alex,

danke für deine schnelle und ausführliche Antwort! Deinem Blog habe ich mir schon mal angesehen und da auch die Checklisten direkt runtergeladen und werde die mitnehmen. :-)

Und Du hast Recht - habe oder hatte den Wunsch das es genauso wird wie vorher. Als ich nach den ersten Tests bemerkt habe, dass die HG auch irgendwie „nicht“ helfen war die Enttäuschung vllt unberechtigterweise riesig. Aber kam mir trotzdem komisch vor mit dem Akustiker. Aber nee, Geers war es nicht. :-) Ist ein Akustiker mit recht vielen Filialen hier im Umkreis und sehr bekannt, deshalb bin ich dorthin.

Werde dann nach der Perzentilmessung fragen, habe heute den Termin bei einem anderen Akustiker. Die Dame, bei der ich den Termin haben werde trägt sogar selbst ein HG - das hat mir irgendwie „Mut“ gemacht.

Bzgl der Messungen: Beim ersten Akustiker wurde ein Hörtest gemacht, aber nur kurz und danach wurde ich nach den Gerätetests gefragt, wie so das Gefühl/Empfinden war (besser oder schlechter). Mir wurde auch gesagt dass man mir nur diese Geräte anbieten könne, da alle anderen größer wären und ich ja als „junge Dame“ ein sehr kleines Gerät haben möchte… (Ob sichtbar oder nicht ist mir eigentlich recht egal :-)).

Meine Befunde hänge ich an, vllt kann ja jemand was damit anfangen und hat einen spezifischen Gerätetipp :D

Liebe Grüße
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Dani!
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#4

Beitrag von Dani! »

Boah, das finde ich vom Tester schon schräg: Ein Einsilber-Test bei 110dB durchführen, obwohl bis 2kHz mit 100dB die Unbehaglichkeitsschwelle niedriger ist.
Wenn in den nächsten Monaten aber das Gehör sich nicht verbessert, sollte man wohl wirklich über ein CI nachdenken (bzw. die unverbindliche Voruntersuchung dazu). Selbst bei 110dB wurden keine 50% Einsilber verstanden. Dann haut das wohl mit Hörgerät auch nicht mehr hin.
Dominik
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Ohrenklempner
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#5

Beitrag von Ohrenklempner »

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Hallo Honigtopf :D

(Dani hat's schon erwähnt, während ich heute Vormittag diesen Beitrag tippte..)
Mir ist gerade aufgefallen, dass deine Unbehaglichkeitsschwelle im Tonaudiogramm recht niedrig angesetzt ist. In den tiefen Tönen wird's dir laut der Messung bei 80-90 dB schon unangenehm laut. Das widerspricht allerdings dem Sprachaudiogramm, wo du eigentlich die 110 dB nicht überlebt hättest. ;)
Die Unbehaglichkeitsschwelle sollte erstmal neu gemessen werden, und wirklich erst dann Laut geben, wenn es echt unangenehm wird, und nicht nur "hmja, recht laut..." ;)
Wenn die Geräte nämlich nach dem Tonaudiogramm eingestellt sind (die Anpasssoftware berücksichtigt auch die Unbehaglichkeitsgrenze), dann kommt einfach zu wenig im Ohr an, die Hörgeräte komprimieren und verzerren damit das Klangbild an Stellen, wo es nicht nötig ist. Das beeinträchtigt dann das Sprachverstehen.

"Witzig", dass dir nur ein Hörgerät angeboten wurde. Ich hätte hier mindestens eine Handvoll, die schick aussehen und für den Hörverlust geeignet sind.

Alex sagte schon, dass es nicht von jetzt auf gleich von Null auf 100 gehen kann. Das Training, die Eingewöhnung und gleitende Anpassung (nach und nach an die optimale Einstellung "herantasten") sind enorm wichtig, um auf lange Sicht bestmögliche Verbesserung zu erreichen. Die Ohren schaffen auch nur noch etwa die Hälfte von dem, was gesunde Ohren schaffen, das kann leider kein Hörgerät der Welt korrigieren. Hörgeräte sind und bleiben "nur" Hilfsmittel.
Carreau!
Honigtopf1234
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#6

Beitrag von Honigtopf1234 »

Hatte bei dem Test einen echt miesen Tag und da hat mir irgendwie alles weh getan und war zu laut… Deshalb da die Diskrepanz. Beim letzten Test ging es viel besser und denke auch war das Ergebnis besser, hab den Ausdruck eben abholen können :) (anbei das Sprachaudiogramm)

Danke für eure Rückmeldungen! Werde gleich mal schauen was rauskommt und bin gewappnet ;)
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Ohrenklempner
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#7

Beitrag von Ohrenklempner »

Wow, Sprachaudiometrie bei 120 dB. Das macht meine Anlage nicht mal mit. 😮
So krasse Pegel sind wohl aber nicht unbedingt erforderlich. Bei 80 dB waren es ja immerhin schon 40%, dann der "Absacker" bei 95dB.. ich würde es da eher nach der Philosophie "Weniger ist mehr" halten. Zumal man noch berücksichtigen muss, dass eine starke Lärmexposition durchs Hörgerät einen zunehmenden Hörverlust begünstigt.
Meine Empfehlung für dich: Hörgerät so einstellen lassen, dass es für dich noch akzeptabel und nicht zu laut klingt, und dann tragen, tragen, tragen. Die Verbesserung kommt dann von ganz alleine. Gib den vielen geschädigten Nervenzellen Zeit, sich zu organisieren.
Carreau!
Honigtopf1234
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Re: Mein erstes Hörgerät nach Hörsturz - Fragen

#8

Beitrag von Honigtopf1234 »

Dachte wäre ganz okay gewesen :D Bin ja schon froh dass irgendwann mein Geschmack wiederkam (rechte Seite war wie taub monatelang) und zumindest Hören an sich. Da muss das gesunde Ohr jetzt noch gut durchhalten ;)

Der Termin eben war wirklich super - alle Gerätearten gezeigt bekommen, ehrliche Aussage was überhaupt möglich ist (recht ernüchternd aber so ist es mir lieber), Ohrpassstück wird angefertigt damit wir dann Geräte testen können. Es hieß, das Ganze kann auch 3-4 Monate locker dauern dann mit den Tests und verschiedenen Geräten. Bin jetzt schon viel zufriedener und gespannt was so möglich ist.

Also Checkliste hilft und Wechsel bei doofem Gefühl kann nicht schaden ;-)

Danke für eure Rückmeldungen!
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