Hörgeräte nach langer Pause

Kaesebrot
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Hörgeräte nach langer Pause

#1

Beitrag von Kaesebrot »

Erstmal hallo und vielen Dank für die schnelle Bestätigung meines Accounts.

Sinnvollerweise stelle ich mich kurz vor: Ich bin Maria, Mitte 30 und wohl seit meiner Geburt schwerhörig. Vermutlich auf Grund einer Zytomegalie während meiner Mutter mit mir schwanger war.

Meine Hörschädigung liegt im leichten bis mittleren Hochtonbereich und wurde erst im Rahmen meiner Einschulungsuntersuchung erkannt. Darauf folgte eine Versorgung mit HdOs mit Otoplastk, die ich nicht gut toleriert habe. Rückblickend lag es vermutlich daran, dass dadurch viele Töne, die ich eigentlich gut höre durch das Hörgerät erzeugt werden mussten. Als Kind habe ich die Töne immer als sehr blechern empfunden.

Im Studium habe ich einen weiteren Anlauf genommen und war zu dem Zeitpunkt mit den Oticon Ino (Mini?) mit Schirmchen und Mikrofon oben am Hörgerät selbst gut versorgt. Richtig gern habe ich sie nicht getragen, da mir einerseits die Welt damit permanent zu laut vorkam. Uhren ticken, Wassertropfen, Blätterrauschen, all das kannte ich vorher nicht. Allerdings habe ich sie wohl auch zu unregelmäßig getragen um mich genug zu gewöhnen - in der Vorlesung ja, beim Lernen, beim Radfahren, beim Sport nicht. Und dann bleib irgendwie nicht mehr viel Tag übrig.

Nun bin ich Mitte 30 und stelle zunehmend fest, dass genaues Zuhören mich sehr viel Energie kostet, in ruhiger Umgebung geht das gut, umso lauter es um mich herum wird, umso schlechter geht es. Mittlerweile wohne ich in einer ländlichen und ruhigen Umgebung, die für die „Eingewöhnung“ mit Hörgeräten wohl besser ist, als die volle Dröhnung des Stadtzentrums einer Großstadt.

In einer Woche habe ich einen Termin bei einem Hörgeräteakustiker. Könnt ihr mir Tipps geben, worauf ich achten sollte? Mein HNO riet mir die Verordnung erst abzugeben, wenn ich sicher bin, dass ich bei diesem Akustiker kaufen möchte. Ist es üblich sich an mehreren Stellen beraten zu lassen? Wie wird die Beratung vergütet, wenn ich mich entscheide anderswo zu kaufen? Wenn ich die Oticon Ino vom Ton her ansprechend fand, macht es Sinn hauptsächlich Oticon Geräte zu testen? Wie ist der aktuelle Stand bezüglich Rückkopplung? Ist es mittlerweile möglich einen Fahrradhelm und Hörgeräte zu tragen?

Vielen Dank an jeden, der sich diesen langen Text angetan hat und liebe Grüße
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Blümle
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#2

Beitrag von Blümle »

Hallo Käsebrot,

das ist ja ein lustiger Nickname! Schön, dass Du da bist! 👋🏻
Zugvogel hat sich hier mit ähnlichen Fragen gemeldet, - auch wenn Du „Wiedereinsteigerin“ und kein Neuling mehr bist, ist ja doch vieles ähnlich an den Fragestellungen. https://www.schwerhoerigenforum.de/phpb ... 65#p140765
Hm, - das mit den Otoplastiken kann ich gut verstehen. Ich komme mit dem, was mir bisher gemacht wurde auch nicht klar.
Aber mittlerweile versorgen ja auch ganz viele Akustiker*innen mit Schirmchen und Domes. Mit Oticon kenne ich mich nicht aus, - aber was hindert Dich, zu testen, ob nicht auch andere Hersteller gut sein können? Ich selbst komme vom Hören her mit Starkey gut klar, - aber das mögen auch nicht viele, und auch bei den Akustikern ist, so, wie ich das erlebt habe, Starkey nicht sehr beliebt. Die meisten Akustiker*innen, bei denen ich war, greifen zu Phonak (oder halt auf die baugleichen Unitron usw.)
Rückkopplung war bei keinen meiner getesten Geräte ein Problem. Weiß nicht, ob das Glück war, oder ob das allgemein eher kein Problem mehr ist. Zur Helmfrage kann ich leider nichts sagen.
Viel Erfolg!
Grüßle, Blümle 🌷
Kaesebrot
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#3

Beitrag von Kaesebrot »

Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort, die freundlichen Worte und den Link. Unterdessen habe ich auch die Forensuche entdeckt und werde mich mal durchwühlen.

Meine Idee Oticon zu probieren lag darin begründet, dass ich die alten Hörgeräte ja vom Ton ganz gut fand. Da habe ich mich gefragt, ob es da zwischen den Modellreihen vielleicht Gemeinsamkeiten im Klang gibt, die andere Hersteller nicht bieten. Andererseits wird die Technik seit den frühen 2010er Jahren sicher auch den ein oder anderen Sprung gemacht haben.

Spontan aufgekommen ist bei mir die Frage wie viele Marken ein guter Akustiker im Programm haben sollte? Der inhabergeführte Laden wo ich den Termin gemacht habe, führen sie Phonak, Oticon, Widex und Signia.

Liebe Grüße zurück
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tabbycat
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#4

Beitrag von tabbycat »

Guten Morgen,

ich trage HdO's und benutze einen Fahrradhelm. Funktioniert prima.
A propos Radfahren: Bei meinen nächsten Hörgeräten werde ich darauf achten, daß sie eine Windblocker-Funktion haben.
Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: "Das ist technisch unmöglich."
(Sir Peter Ustinov)
Samos
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#5

Beitrag von Samos »

tabbycat hat geschrieben: 18. Okt 2022, 07:17 .
A propos Radfahren: Bei meinen nächsten Hörgeräten werde ich darauf achten, daß sie eine Windblocker-Funktion haben.
Hallo,

ich nutze beim Rennradfahren meine Hörgeräte, derzeit Oticon More 1 vorher Phonak Audeo M90. Testweise hatte ich mal die Signia C&G AX 7 bzw. 5. Und ich muß dich leider enttäuschen. Alle diese Hörgeräte sollen per Einstellung den Fahrtwind unterdrücken. Zumindest auf dem Rennrad kann man dieses Versprechen der HG-Industrie aber getrost vergessen. Bläst der Wind etwas stärker, nimmt man in erster Linie nur eins wahr, nämlich starke bis sehr starke Windgeräusche. Eine Kommunikation mit meinen Vereinskollegen wird hierdurch äußerst schwierig. Mir wurde auch von einem HG-Akustiker bestätigt, dass Windgeräusche nicht sinnvoll unterdrückbar sind.

Gruß
Günter
Ohrenklempner
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#6

Beitrag von Ohrenklempner »

Hi
da muss ich Recht geben, aber ich wage mal einen Spagat zwischen der HG-Industrie und deren Werbeversprechen. Die Windgeräuschunterdrückungen sind keinesfalls "Unterdrückungen" im engsten Sinne, denn man hört die Windgeräusche noch. Windgeräusche werden aber erkannt und reduziert, und das deutlich merkbar. Wer möchte, kann sich beim hochwertigen Hörgerät ja mal ein Hörprogramm ohne Windgeräuschunterdrückung einrichten lassen und dann mit dem Rennrad fahren. Dieses Feature bringt etwas, aber es zaubert die Windgeräusche nicht ganz weg.
Carreau!
Pfadi_
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#7

Beitrag von Pfadi_ »

Hallo,

ich fahre richtig viel Fahrrad und habe mir angewöhnt, ein ganz dünnes Stirnband aus Funktionsfaser über meine Ohren zu ziehen. Das reduziert die Windgeräusche und ermöglicht dennoch die Kommunikation mit Mitfahrenden.
Samos
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#8

Beitrag von Samos »

Ich ziehe das Stirnband unter die Hörgeräte an den Ohren, um sie vor Schweiß zu schützen.
Kaesebrot
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#9

Beitrag von Kaesebrot »

Mit so vielen Antworten hätte ich nicht gerechnet, vielen Dank an alle! Ich wühle mich unterdessen durchs Forum und sammele eine Menge Informationen.

Dass ein Hörgerät alle Windgeräusche unterdrücken kann, ist nicht mein Anspruch. Normalhörende werden davon ja auch beeinträchtigt. Mir wäre es wichtig, dass ich Helm und Stirnband oder Mütze mit den Hörgeräten tragen kann, ohne das es zu Rückkopplung kommt. Das schien bei meinen alten Geräten entweder nicht möglich zu sein, oder der Akustiker konnte das nicht so einstellen, wie es hätte sein sollen. Jedenfalls hatte ich mit jeglicher Kopfbedeckung ein permanentes Pfeifen im Ohr, was ich als sehr nervig empfunden habe.
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tabbycat
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#10

Beitrag von tabbycat »

Ich trage im Winter Mütze, bei Regen Kapuze und beim Radeln einen Helm. Pfeifen tut da nix - hat es auch bei meinem Schlauchgerät nicht, als es richtig eingestellt war.
Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: "Das ist technisch unmöglich."
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Kaesebrot
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#11

Beitrag von Kaesebrot »

Das klingt doch vielversprechend.

Noch eine vielleicht etwas naive Frage: Es gibt ja die „Fördergemeinschaft Gutes Hören“, ist es für mich relevant, ob ein Akustiker da Mitglied ist? Kann ich mir das als Qualitätsmerkmal, oder eher Lobbyismus vorstellen? Hat es für mich als Verbaucherin irgendwelche Vorteile, wenn mein Akustiker da Mitglied ist?
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Ohrenklempner
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#12

Beitrag von Ohrenklempner »

Die Fördergemeinschaft ist nichts Gemeinnütziges, sondern eher eine Interessenvereinigung mit wirtschaftlichem Zweck. Als Akustiker kann man sich da wahrscheinlich anmelden und wird dann auch auf der Seite gelistet. Meine Stadt mit >200.000 Einwohnern wird nicht mal aufgeführt, obwohl es hier über 20 Geschäfte gibt: Fünf Inhabergeführte, zwei regionale Kleinfilialisten und die bekannten Ketten A., G., K. und F. jeweils mehrfach.
An sich ist die Seite aber nicht schlecht. Man findet ne Menge Informationen. Ich behaupte aber mal, dass Akustiker ohne das Logo der Fördergemeinschaft nicht mehr oder weniger schlecht sind als die Mitglieder. ;)
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Treehugger
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#13

Beitrag von Treehugger »

Kaesebrot hat geschrieben: 17. Okt 2022, 21:15 Mein HNO riet mir die Verordnung erst abzugeben, wenn ich sicher bin, dass ich bei diesem Akustiker kaufen möchte.

Ist es üblich sich an mehreren Stellen beraten zu lassen? Wie wird die Beratung vergütet, wenn ich mich entscheide anderswo zu kaufen?

Wenn ich die Oticon Ino vom Ton her ansprechend fand, macht es Sinn hauptsächlich Oticon Geräte zu testen?
Ja mach das so, gibt erst mal eine Kopie ab. Wenn du merkst das die Chemie zwischen euch stimmt und die Beratung gut ist, ist es noch früh genug.
Im Zweifel spart es Dir eine menge Scherereien. Oft merkt man halt erst beim zweiten oder dritten Gespräch, das nicht primär geholfen werden will, sondern lieber ein schneller Abschluss wichtig ist.

Beratung beim AKU ist halt auch immer mit Zeit verbunden, wenn du genug hast ....... ;)

Vergütet wird nur der Versorgungsabschluss. Testen und Ausprobieren ist gratis.

Ja, versuche auch unbedingt andere Hersteller, wenn ich das richtig verstanden habe, hattest du jetzt eine lange Zeit kein HG - Da hat sich Klangtechnisch bei allen Herstellern was verändert.
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#14

Beitrag von Kaesebrot »

Ich komme gerade von meinem ersten Akustiktermin und bin etwas unschlüssig, was ich davon halten soll. An sich war der Akustiker sehr sympathisch und hat meine Fragen ausführlich beantworten können.

Eine Ton- und Sprachaudiometrie wurden durchgeführt. Letztere kann man bei mir eher schlecht beurteilen, nach etwa 24 Jahren von ein und demselben Test, ich glaube das ist der Freiburger, kann ich viele Wortreihen auswendig, oder kann mir die Wörter zumindest erschließen, was das Ergebnis wohl etwas verfälscht und irritiert hat.

Darauf folgte ein Gespräch über Hörgeräte und ihre Bauformen. Für einen Hochtonabfall möchte der Akustiker auf keinen Fall eine offene Versorgung mit dünnen Schläuchen wählen (das hätte man früher so gemacht, aber heute nicht mehr) sondern mich mit Otoplastik versorgen. Ansonsten kämen nur Geräte mit Ex-Hörer in Frage, da müsste ich neben der gesetzlichen Zuzahlung noch einen Aufpreis zahlen. Wenn ich ein Gerät mit Otoplastiken testen möchte, muss ich für deren Anfertigung etwa 30€ pro Ohr zahlen.

Angeboten wurden mir ohne Aufpreis die Phonak Vitus, Oticon Geno und Signia Intuis, alle als HdO Version. Ehrlich gesagt empfand ich die schon als recht sperrig, auch wenn das an den breiten Hartplastikschläuchen oben gelegen haben mag.

Als ich darum bat, dass nur eine Kopie der Verordnung gemacht und diese nicht einbehalten wird, musste ich diskutieren. Man müsse vorab mit der Krankenkasse klären, ob eine Kostenübernahme erfolgt, da ich derzeit aus privaten Gründen familienversichert bin. Daraufhin wurde der für mich bestimmte Ausdruck mit den Ergebnissen des Hörtests unauffällig vom Tisch genommen und verstaut.
Ist das so üblich? Mein Bauchgefühl ist etwas durchwachsen, Sympathie ist grundsätzlich da und ich kann verstehen, dass es als Akustiker frustrierend ist, wenn der Beratene sich nicht gleich auf einen weiteren Termin verständigen, sondern das Gespräch etwas sacken lassen möchte.
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Ohrenklempner
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#15

Beitrag von Ohrenklempner »

Puh, also da würde ich lieber anderswo mein Glück versuchen.
Ich fange mal an mit meinen Einwänden. :D
Kaesebrot hat geschrieben: 21. Okt 2022, 19:22Ansonsten kämen nur Geräte mit Ex-Hörer in Frage, da müsste ich neben der gesetzlichen Zuzahlung noch einen Aufpreis zahlen. Wenn ich ein Gerät mit Otoplastiken testen möchte, muss ich für deren Anfertigung etwa 30€ pro Ohr zahlen.
Es kommt grundsätzlich ein aufzahlungsfreies Hörsystem in Frage. Exhörer kann ja meinetwegen mehr kosten, das ist okay. Aber es muss kein Exhörersystem sein.
Für eine Ausprobe für die Otoplastikanfertigung Geld zu verlangen, ist auch so ne Frage. Ich würd's nicht tun. Wobei 30 Euro für eine Exhörer-Otoplastik echt sehr günstig ist!

Soviel dazu... aber jetzt kommt's ja recht dicke:
Angeboten wurden mir ohne Aufpreis die Phonak Vitus, Oticon Geno und Signia Intuis, alle als HdO Version. Ehrlich gesagt empfand ich die schon als recht sperrig, auch wenn das an den breiten Hartplastikschläuchen oben gelegen haben mag.
Die genannten Geräte sind keine marktüblichen aufzahlungsfreien Geräte mehr. Technisch schon längst überholt. Die würde ich keinem Kunden mehr zumuten. Zudem hat das Vitus nur 4 einstellbare Kanäle und erfüllt nicht mehr die Anforderungen der gKV. Intuis (ich meine, du meinst Intuis 3) ist auch nicht so der Burner. Technisch ist das Geno noch in Ordnung, aber auch nicht mehr aktueller Stand.
Als ich darum bat, dass nur eine Kopie der Verordnung gemacht und diese nicht einbehalten wird, musste ich diskutieren. Man müsse vorab mit der Krankenkasse klären, ob eine Kostenübernahme erfolgt.
Dafür reicht eine Kopie, oder ein Scan. Kostenvoranschläge und Versorgungsanzeigen an die Krankenkassen gehen seit Jahren nur noch elektronisch, da braucht's keine originale Verordnung.

Das wäre dann mein Senf dazu. :D
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Blümle
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#16

Beitrag von Blümle »

Danke, Ohrenklempner!

Die Sache mit der Verordnung und dem „Kassengeregele“ kam mir schon reichlich merkwürdig vor. Zu den Geräten konnte ich als Laiin natürlich nur vermuten, dass (mal wieder mit fetten Schlauchgeräten) abschreckend zu teureren Teilen animiert werden sollte.

Zu ärgerlich, dass es in der Branche immer wieder solche Stories gibt, die den Argwohn gegenüber der Branche leider nicht ausräumen, sondern eher nähren.
Gut, dass man übers Forum und Beiträgen wie Deinen mit der Zeit eine realistische Einschätzung zu den Akustiker:innen hinbekommen kann, die man aufsucht, bzw. denen man aufgrund zu weiter Wege woandershin am Ort eben ausgeliefert ist.

Danke nochmals also für die Fachinfos hier Dir und allen anderen Akustiker:innen hier, die sich gelegentlich äußern!
svenyeng
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#17

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Mal wieder so ein Fall wo man klar sagen muss: "Bitte sofort den Akustiker wechseln!"

Das ist alles nicht sauber und nicht ok.
ohrenklempner hat es korrekt erklärt.
Bei den Otoplastiken ist es so. das der Akustiker die ans Labor zurückgeben kann, wenn man nicht damit klar kommt.
Eine Otoplastik gehört zur Versorgung dazu und ist immer der bessere Weg als Domes, Schirmchen, etc.
Und somit muss man auch die unverbindlich testen.

Grade wenn man die ersten HGs bekommt und keine Erfahrung hat, nimmt man alles hin was der Akustiker sagt.
Man weiß es ja nicht besser. Daher ist es immer gut sich hier im Forum zu informieren.

Gruß
sven
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#18

Beitrag von Treehugger »

svenyeng hat geschrieben: 23. Okt 2022, 20:38 Mal wieder so ein Fall wo man klar sagen muss: "Bitte sofort den Akustiker wechseln!"
Es kommt ja selten genug vor, das ich mich der Meinung von Sven voll anschliesse, aber hier für den Zitierten Teil 100 %.
Kaesebrot
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#19

Beitrag von Kaesebrot »

Noch einmal ein großes, großes Danke für eure Rückmeldungen und vor allem für die Zeit, die ihr in meine Beratung hier investiert. Das ist nicht selbstverständlich, schon allein weil ich ja “nur” irgendeine Fremde bin.

Ihr habt mein Bauchgefühl bestätigt, der Akustiker wird mich nicht wieder sehen - allenfalls von hinten. Besonders abschreckend empfinde ich einfach die Aussage, dass man mich entweder mit HdOs und möglichst dichten Otoplastiken und dickem Schlauch (oder mit recht teuren HdOs mit Ex-Hörern mit Schirmchen) versorgen könne. Vielleicht tue ich da der gesamten Branche unrecht, aber meine Erfahrungen als Kind wirken leider immer noch nach. Gerade im Bezug darauf, dass mein Hörverlust im Tieftonbereich >10dB ist, möchte ich diese Töne nicht durch das Gerät erzeugen lassen. Klar mögen Hörgeräte heute eine richtig gute Tonqualität bieten, aber dass ein Gerät an das Original herankommt, bezweifele ich doch.
Die Wahl der dickeren Schläuche wurde damit begründet, dass die hohen Töne wegen der höheren Frequenz nicht ordentlich durch den dünnen Schlauch “wandern” könnten. Das fand ich doch recht irritierend, gerade weil ja viele Menschen mit leichter bis mittlerer Hochtonschwerhörigkeit genau mit sehr dünnen Schläuchen versorgt werden. Edit: Ich meine damit nicht diese unfassbar dünnen Dinger, die man quasi gar nicht sieht, sondern plakativ gesprochen, einfach nur Schläuche, die nicht aussehen wie ein Strohhalm.
Der Akustiker wollte auch gerne ein Gerät anpassen, das noch etwas Leistungsreserve hat, falls mein Gehör sich in den nächsten Jahren verschlechtert. Das habe ich kategorisch abgelehnt, bis auf kleine Abweichungen, die schlicht tagesformabhängig sind, hat sich mein Hörverlust seit meiner Kindheit nicht intensiviert. Und mit Anfang/Mitte 30 rechne ich nun nicht damit, dass ich alsbald altersbedingte Einschränkungen hin nehmen muss. Denn ich stehe weder Montag bis Freitag an der Kreissäge, noch Samstag und Sonntag in der Disco.

Danke für die Aufklärung bezüglich der Modelle @Ohrenklempner. Gut zu lesen, dass es nicht nur optische Krücken zum “Kassenpreis” gibt. Technisch kann ich das noch nicht beurteilen, da wurschtele ich mich gerade so durch. Mit Intuis 3 hast du vollkommen recht, die Zahl hinten dran war mir entfallen. Was das Phonak Gerät angeht, wird es nach etwas vergleichen auf der Phonak Seite das Vitus plus für leichten bis starken Hörverlust gewesen sein. Vermutlich für die Leistungsreserve :P
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#20

Beitrag von Ohrenklempner »

Hey :)
In einer Sache muss ich dem Akustiker Recht geben: Die Leistungsreserve ist vorgeschrieben, sie muss 15-20 dB betragen. Das ist heute aber kein Problem, denn ein Gerät mit Dünnschlauch kann auf dicken Schlauch umgerüstet werden, ebenso kann man ein Gerät mit Exhörer mit einem stärkeren Hörer bestücken.
Es stimmt auch, dass hohe Töne durch dünnere Schläuche ausgebremst werden. Vielleicht meinst du die dünnen Drähte der Exhörer, die wie dünne Schläuche aussehen? Was auch sein kann, dass sich eine audiometrische mittel- bis hochgradige Schwierigkeit "in situ" gut mit Dünnschlauch versorgbar ist. Bei schmalen Gehörgängen hat man das oft: Laut Audiogramm wäre Dünnschlauch fehlversorgt, bei der Anpassung kann sich aber herausstellen, dass es wohl funktioniert. [Nähkästchen] Ich hatte mal eine Kundin, bei der war es genau so. Mit Intuis 2 S versorgt, Dünnschlauch, obwohl audiometrisch hochgradig. Insitu gemessen hatte das Hörgerät aber locker 25 dB Reserve. Die Kundin zog um und war dann bei Vitakustik gelandet, wo mich eine hochnäsige Jungmeisterin anrief und von oben herab fragte, wo ich denn meine Ausbildung gemacht hätte, wegen der Dünnschlauchversorgung. :lol: [/Nähkästchen]
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Kaesebrot
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#21

Beitrag von Kaesebrot »

Danke für die Aufklärung, vor dem Hintergrund erscheint mir die Erläuterung mit der Leistungsreserve schlüssig.

Achtung laienhafte Erklärung: Mir wurden Geräte vorgestellt, die etwa doppelt so groß sind wie meine Alten aus 2014. Für die hatte ich damals nur minimal zugezahlt. Das kam mir, weil mein Hörverlust sich nicht verändert hat, komisch vor.

Ich kenne die dünnen Schläuche, durch die quasi nur ein Draht passt von Ex-Hörern, dann recht dünne Schläuche (laut Google etwa 0,9mm) und die dickeren Schläuche (Google sagt 2,1mm)

Meine leichte bis mittelgradige Hochtonschwerhörigkeit könne laut Akustiker nur mit den 2,1mm Schläuchen in Kombination mit Hörwinkel (dieses Hartplastikteil oben am Gerät) und einer möglichst dicht abschließenden Otoplastik in Schalenform, die die ganze Ohrmuschel ausfüllt, versorgt werden. Oder eben mit einem System mit Ex-Hörern, was grundsätzlich aufpreispflichtig sei. Laienhafte Erklärung Ende.

In den nächsten Tagen habe ich einen Termin bei einem anderen Akustiker, ich hoffe der verläuft etwas weniger frustrierend.
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#22

Beitrag von tabbycat »

Moin Käsebrot :)

ich bin auch hochtonschwerhörig und hatte bei meinen beiden vorherigen Hörgeräten zwar einen dicken Schlauch, aber nur eine unauffällige Stöpsel-Otoplastik, später dann mit einem Ring für besseren Halt daran.
Das hat prima funktioniert.

Übrigens hat mein früherer Akustiker in 2019 die gleichen Tricks bei mir probiert: Erst ein schlüpferfarbenes, klobiges Phonak Vitus, dann ein ähnliches Gerät von Unitron. Danach die Aussage, das Geräte mit Exhörer erst ab 1000€ zu haben wären.
Danach bin ich woanders hingegangen.

Ich wünsche dir, daß der neue Akustiker kein weiterer Griff ins Klo wird...
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#23

Beitrag von Kaesebrot »

Hallo Tabbycat, vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Auch wenn es für dich vermutlich eine echt ätzende Erfahrung ist, ist es schön zu hören, dass ich nicht allein bin.

Gestern hatte ich einen Termin bei einer anderen Akustikerin, Ein-Frau-Unternehmen, verschiedene Hersteller im Programm und mir am Telefon direkt sehr sympathisch. Wir hatten vorab schon etwa eine halbe Stunde telefoniert und ich den Teil meiner Verordnung mit den Audiometrien eingescannt und verschickt.

Nachdem die Messung des HNO verifiziert wurde (Ton- und Sprachaudiometrie, Messung der Knochenleitung), haben wir ausführlich darüber gesprochen, was mir bei einem Hörgerät wichtig ist. Das ist im Prinzip erstmal nur, dass sich die Rückkopplung in Grenzen hält, mir die Töne nicht blechern vorkommen und ich auch in geselligen Situationen mit Hintergrundgeräuschen gut verstehen kann. Im Idealfall kann sich das Hörgerät mit meinem Handy verbinden und Musik abspielen, aber auch mit einem Wechsel auf Kopfhörer habe ich kein Problem.

Von IdOs riet sie mir ab, die seien aus ihrer Sicht rausgeschmissenes Geld, weil man für den gleichen Preis HdOs mit besserer Ausstattung bekäme. Der einzige Vorteil, den sie für mich sähe sei der, dass ich hinter den Ohren recht wenig Platz habe und ich Brillenträgerin bin. Sollte das Probleme geben, würde sie mir empfehlen entweder ein flacheres HdO zu wählen, oder zu schauen, ob ich eine Brille mit dünneren Bügeln fände. Da meine Gehörgänge wohl auch recht eng sind, meinte sie IdOs wären aus ihrer Sicht die schlechteste mögliche Lösung für mich.

Zum ersten Testen hat sie mir die Phonak Vitus Plus RIC mit Standard Reciever angepasst, das würde die Kasse vollständig übernehmen. Also bis auf die 20€ Zuzahlung eben. Die Anpassung empfand ich als sehr angenehm, wir waren sowohl im Büro der Akustikerin, als auch auch in einer Nebenstraße und an der Hauptstraße unterwegs. An jedem Halt wurde ich gefragt, ob mir das Hören so angenehm wäre, ob ich mir eine Veränderung wünschen würde. Und beim Wunsch nach Veränderung ging es direkt zurück ins Geschäft um diese umzusetzen und danach in der Situation selbst anzuhören.

Aktuell schwanke ich zwischen leichter Reizüberflutung und dem beeindruckt sein wie laut die Welt eigentlich ist und wie viele Geräusche ich bisher gar nicht, oder nur sehr am Rande wahrgenommen habe. Gefallenes Laub ist schon eine echte Geräuschbelästigung, sagt zumindest mein Gehirn. Sehr zufrieden bin ich damit, dass die Geräte (bis jetzt) null Rückkopplung haben. Ich kann eine Mütze tragen, ich kann damit auf dem Sofa lümmeln und den Kopf leicht seitlich auf einem Kissen ablegen. Ich kann einen Fahrradhelm tragen und beim Einkaufen das Gespräch der anderen Menschen in der Kassenschlange verstehen. Gespräche fallen mir deutlich leichter, ich muss mein Gegenüber nicht anschauen oder mich doll konzentrieren. Aktuell empfinde ich das Rascheln von festen Plastikverpackungen als sehr laut, da möchte ich nachfragen, was an Optimierung drin ist. Die Tonqualität ist im Vergleich zu meinen alten Krücken deutlich besser und ich immer noch total überrascht. Wie die Geräte sich in richtig schwierigen Umgebungen wie Cafés oder Bars schlagen habe ich noch nicht getestet.
Heute morgen habe ich gleich drei Mal mein untermotorisiertes Schrottauto abgewürgt. Ich wollte nach Gehör hoch schalten - leider höre ich das Auto jetzt schon bei niedriger Drehzahl deutlich lauter :D

Der einzige richtig negative Punkt ist, dass mir nach 8+ Stunden Tragzeit die Ohrmuschel schmerzt. Nicht stark, aber durchaus unangenehm dort, wo Brillenbügel und Hörgerät sitzen und von außen gegen die Ohrmuschel drücken. Das Problem hatte ich bis jetzt bei allen Hörgeräten, es aber erfolgreich verdrängt.
Ich bin gespannt, was noch kommt.
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Pfadi_
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#24

Beitrag von Pfadi_ »

Hallo Kaesebrot,

diese Erfahrungen klingen doch ganz anders als die vorausgegangenen und sehr positiv.

Dem Geraschel von Plastikverpackungen würde ich etwas Zeit geben. Ich gehe davon aus, dass du es in 2 Wochen nicht mehr registrierst. Das dürfte das Gehirn klären.

Was die Schmerzen an den Ohren angeht, hilft ggfs. eine schlankere Bauform, vielleicht auch Gewöhnung. Bis du dich für ein Gerät entscheidest, müssen die Schmerzen aber definitiv weg sein

Ein ähnliches Erlebnis wie du mit dem Auto hatte ich gerade mit der Waschmaschine ich habe die Tür nicht mit dem richtigen "Wums" zubekommen.

Viel Erfolg

Pfadi
svenyeng
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Re: Hörgeräte nach langer Pause

#25

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Das klingt doch sehr gut.
Vor allem ist das mal eine vorbildliche Akustikerin die sich sehr viel Zeit nimmt.
Auch das sie von idO abrät ist der richtige Weg.
Das ist ja das, was wir hier immer wieder sagen, also das HdO immer die bessere Wahl ist, weil die eben technisch immer weiter und besser sind.

Das jetzt alles lauter ist, ist ja logisch. Du hörst jetzt Dinge, die Du vorher ohne HG nicht gehört hast.

Das es mit den HGs hinter den Ohren erstmal ungewohnt ist, sollte klar sein.
Ich denke aber das die Schmerzen bald weg sind. Da ist eben etwas, was vorher nicht da war.
Jeder Mensch ist da eben auch anders empfindlich. Du merkst es und anderen merken da gar nichts.

Gruß
sven
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