Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

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Nanni
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Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#1

Beitrag von Nanni »

Hallo,
mich würde mal interessieren, wie viel Arbeitsstunden ihr so habt. ich bin aktuell bei einer 40-Stunden-Woche, was mir mittlerweile echt zuviel wird. Ich habe bei meinem Arbeitgeber schon mal angesprochen, dass ich reduzieren möchte, das hat er allerdings rigoros abgelehnt, obwohl er über meine Schwerhörigkeit und den GdB von 50 Bescheid weiß. Beim Integrationsdienst habe ich nachgefragt, was ich da machen könnte; dort sagte man mir, wenn der Arbeitgeber das begründen kann, könne man da nicht viel machen - ggf. einklagen. Das wäre dann aber wohl ein K.O.-Schlag für das Arbeitsverhältnis.
Seid Ihr auch in Vollzeit tätig? Oder wie habt Ihr eine Stundenreduzierung geregelt?

Viele Grüße
Nanni
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#2

Beitrag von Johannes B. »

moin Nanni,
ich würde erst einmal eine Reha für Hörgeschädigte in Rendsburg beantragen.
Rendsburg deshalb, weil das eine ganz besondere Reha ist, wie du sie noch nie erlebt hast ;-)
Dort erfährst du alle nützlichen Tipps die du für alle deine Fragestellung brauchst.
Nebenbei merkt dein Arbeitgeber gleich mal die Ernsthaftigkeit deines Anliegens.
Er kann auch gleich damit beginnen Ersatz zu organisieren für die Zeit an der du nicht da bist.
Schön, dass es dann eingearbeiteten Ersatz gibt, wenn du dann - auf Empfehlung der Reha - etwas kürzer treten musst ;-)

Freundliche Grüße
Johannes B.
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Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#3

Beitrag von Nanni »

Moin,
ich war Anfang Januar in St. Wendel (Ersatz zum Einarbeiten gab und gibt es bei uns nicht - das macht es alles nicht einfacher. Für Urlaub muss man alles vor- oder nacharbeiten, die Vertretung schafft das nicht alles). Die Ernsthaftigkeit sollte denen bewusst sein, zumal ich auch auf die Reha Bezug genommen habe, als ich gesagt habe, dass ich reduzieren möchte.
Viele Grüße
Nanni
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#4

Beitrag von Johannes B. »

nun, Nanni,
wenn ich deine Zeilen so lese, dann denke ich:
Ihr seid offenbar unterbesetzt, wenn absehbare Fehlzeiten (Urlaub, Krankheit) nicht abgedeckt werden können.
ich denke mir dann weiter:
dieses Problem ist aber Unternehmerproblem und nicht Schwerbehindertenproblem.
Fazit:
löse du dein Problem, dann löst er seines, weil:
ständiges Akkuleerlaufen durch Überlastung wg. Kommunikationsstress durch Höranstrengung kann auch zu häufigeren Ausfällen und Minderleistung in nicht unerheblichem Umfang führen ;-)
Lösung:
100% Teilzeitleistungsfähigkeit schafft nicht wesentlich weniger als 50% Vollzeitleistungsfähigkeit, wenn man die häufigen Krankheitszeiten aus reiner Hörerschöpfung in die Überlegung mit einbezieht.

Freundliche Grüße
Johannes B.
Zuletzt geändert von Johannes B. am 14. Okt 2021, 13:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#5

Beitrag von Nanni »

Ich möchte mein Problem - weniger Stunden - ja lösen. DIe Frage ist, wie ich das umgesetzt bekomme, ohne es mir mit meinem Arbeitgeber zu verscherzen.
Gegen die Unterbesetzung kann ich nichts machen, das wird im Büro anders gesehen und aktuell auch noch abgebaut. Ich kriege jetzt schon Panik, weil ich weiß, dass ab Januar Kollegen weg sind und bis jetzt ist noch nicht klar, wer die Arbeit dann machen soll. Mein Wunsch nach Verkürzung wurde u.a. abgelehnt, weil wir so viel zu tun hätten, gleichzeitig müssen Leute gehen - das kann und wll ich gerade nicht verstehen ....
Carla
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#6

Beitrag von Carla »

Ich sehe es nicht so, dass du dieses Problem gelöst bekommst, ohne es mit deinem Arbeitgeber zu verscherzen.

Ich sehe es genau wie Johannes, ihr seid klassisch unterbesetzt, das weiss der AG, Gesundheitsprobleme nimmt er billigend in Kauf. Wie ist seine finanzielle Lage? Genügend Aufträge bedeutet nicht, die auch erfüllen zu können.

Vielleicht findest du irgendwo anders einen Job. Aus deiner jetzigen Position heraus suchen.
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#7

Beitrag von Johannes B. »

nun, "verscherzen" ist meiner Meinung nach der schlechtestmögliche Weg.
Bei neuem Unternehmen neu beginnen, der zweitschlechteste ;-)
Also benötigt der jetzige Unternehmer "Motivationshilfe".
Motivationshilfe könnten steigende Ausfallzeiten der mit besonderem Kündigungsschutz ausgestatteten, schwerbehinderten Mitarbeiterin wegen erschöpfungsbedingter Krankheitszeiten aufgrund von Hörstressüberlastung sein.
Ich wurde aus diesem Grunde sogar bereits mit 58 Jahren frühverrentet.

Mit freundlichen Grüßen
Johannes B.
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Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#8

Beitrag von Nanni »

Das entspricht eigentlich nicht meinem Naturell. Und der Kündigungsschutz verlängert allenfalls den Rausschmiss, verhindert ihn letztendlich nicht. Selbst beim Integrationsamt sagte man mir, dass die bei betriebsbedingten Kündigungen zustimmen. Die Arbeitgeber sind ja auch nicht völlig blöd und würden was anderes schreiben.
Ich würde eine friedliche Einigung bevorzugen.
Ohrenklempner
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#9

Beitrag von Ohrenklempner »

Ich habe zwar keine Schwerbehinderung, aber ich habe in letzter Zeit etwas für mich ganz wichtiges gelernt. Familie und Gesundheit stehen an erster Stelle. Der Job kommt danach. Ich war auch immer eifrig bei der Arbeit, habe mir oft mehr aufgehalst als notwendig, einfach nur aus Loyalität zum Arbeitgeber und weil ich ja auch kein schlechter Mensch bin. :D
Das ist aber alles verkehrt.... was hab ich davon, wenn ich meinem Arbeitgeber zuliebe (mit dem ich übrigens sehr zufrieden bin) mehr als nötig arbeite, dafür mehr Umsatz generiere, aber in zehn Jahren mit Burnout und Herzinfarkt irgendwo in der Ecke liege? Nö! Meine Gesundheit geht vor, Stress ist nicht gut. Solange alle Seiten zufrieden sind (Chef mit dem Umsatz, ich mit meinem Gehalt und meine Kunden mit ihren Hörgeräten), ist doch alles gut! Warum noch mehr tun? Wenn ich krank bin, bleibe ich zu Hause. Wenn ich mich nicht gut fühle, gehe ich. Was habe ich mich früher mit Erkältungen und allen Symptomen zur Arbeit geschleppt... damit tut man niemandem einen Gefallen, und sich selbst erst recht nicht. Es ist kein Egoismus, wenn man vorrangig an die eigene Gesundheit denkt.
Allons-y!
Dani!
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#10

Beitrag von Dani! »

Hallo Nanni,
ich kann Carla und Ohrenklempner nur zustimmen. Der AG wird dir deine Loyalität nicht danken. Er tut es ja nicht mal jetzt, indem er deine Gesundheit mit Füßen tritt, dich dafür sogar mit Mehrarbeit (->Stellenabbau) bei gleicher Bezahlung "belohnt".
Wenn du dir Sorgen machst, dass du keinen neuen Job finden wirst, dann verstehe ich dich. Ansonsten ist es im Moment der AG, der es mit dir "verscherzt" - nicht du mit ihm.

P.S.
Zu deiner Frage nach der Stundenanzahl: Ich habe dieses Jahr auf 30 Wochenstunden reduziert. Zuvor hatte ich 40h, wovon ich effektiv nur 39h geschafft habe - mein AG (Kleinbetrieb) hat es mir im Nachhinein erlassen. Ob meine Überlastung nur am Hören lag, wage ich schwer zu bezweifeln. Meine persönliche Situation hat sich inzwischen auch anderweitig geändert. Auf die Reduzierung der Wochenstundenzahl möchte ich dennoch nicht mehr verzichten.
Dominik
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Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#11

Beitrag von Nanni »

:sm(4): Ohrenklempner, das ist es auf den Punkt gebracht. Ich war schon zweimal zur Reha und der ganze Schlamassel mit Tinnitus und Hörschädigung hat ja genau deswegen vor vielen Jahren mit einem Hörsturz angefangen.
Ich will so nicht weiter machen und habe ja schon vieles in der Hinsicht gelernt und nehme mir meine Auszeiten - in welcher Form auch immer - jetzt möchte ich halt noch die Arbeitszeit runterschrauben, was sich offensichtlich schwierig gestaltet.
Nur bin ich nicht der Typ, der sich einfach so krank meldet, ohne krank zu sein. Wenn es mir schlecht geht bleibe ich zu Hause ( was zum Glück nicht so oft vorkommt).

Neuerdings haben wir auch zwei Haustiere, da verbieten sich Überstunden von selbst, zum einen weil die Futter brauchen zum anderen weil ich mich viel lieber mir den zweien beschäftige, als zu arbeiten
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#12

Beitrag von Johannes B. »

nur dass hier kein falscher Zungenschlag reinkommt, Nanni,
natürlich sollst du nicht "krankfeiern" wenn du dich gesund fühlst.
meine Empfehlung lautete:
wenn du dich NICHT gesund fühlst, solltest du zuhause bleiben.
und ich betone noch einmal:
verlässliche 100% Leistungsfähigkeit bei reduzierter Stundenzahl ist für dein Unternehmen günstiger, als volle Stundenzahl bei schwankender Leistungsfähigkeit.

Freundliche Grüße
Johannes B.
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Carla
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#13

Beitrag von Carla »

„Danken“ muss dir niemand. Dein AG und du habt einen Arbeitsvertrag, beide sind zur Erfüllung desselben aufgerufen.

Dein AG geht mit seinen Angestellten fahrlässig um. Und entgegen Johanneś Meinung glaube ich nicht, dass man seinen Arbeitgeber, DU deinen Arbeitgeber motivieren kannst zur Stundenreduzierung. Er hat gesunde Kollegen gekündigt, bei dir geht es nicht so einfach. Da er weiß, dass du die Stundenzahl reduzieren möchtest, wird er dir das Leben sicher nicht einfacher machen. Vielleicht möchte er im Umkehrschluss dich zur Kündigung motivieren. Alles ist hier möglich.

Aus diesem Grund würde ich sagen, versuche es trotzdem mal mit Umschau nach einem neuen Platz. Oft geht das leichter und Angst brauchst du auch nicht zu haben.
Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#14

Beitrag von Nanni »

Als ich nach der Reduzierung gefragt habe, wusste ich noch nichts von dem Stellenabbau. Ich mache mir weniger Sorgen darüber dass er mich loswerden will - falls ja, bekäme er auch das letztendlich durch - da ich fachlich eher gefragt und nicht so leicht zu ersetzen bin, sehe ich da noch keine Probleme.
Ich möchte einfach selber Stress abbauen und für mich vorbeugend handeln, damit ich nicht noch mal zusammen klappe.
Hätte ja sein können, dass ihr ein paar Tipps habt, wie ich das „einfordern“ kann, ohne die Keule zu schwingen.
keineahnung
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#15

Beitrag von keineahnung »

Hallo,
in Deutschland gibt es immer noch eine gesetzliche Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche, bzw. so viel, wie es in Tarifverträgen geregelt ist, wenn diese zur Anwendung kommen. Da kann man ganz einfach den zuständigen Gewerkschaftssekretär fragen. Andererseits ist es Arbeitsgebern bisher immer noch gelungen, unbequeme Mitarbeiter aus dem Betrieb zu entfernen. Trotz Betriebsrat und Behindertenvertretung.
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#16

Beitrag von Johannes B. »

keineahnung hat geschrieben: 14. Okt 2021, 18:13 Andererseits ist es Arbeitsgebern bisher immer noch gelungen, unbequeme Mitarbeiter aus dem Betrieb zu entfernen. Trotz Betriebsrat und Behindertenvertretung.
das sehe ich genau so,
deshalb ist Stress mit dem Unternehmer immer halbschlau.
besser ist stets - aber das gilt überall - einen Interessenausgleich herbei zu führen.
und das Interesse des Unternehmens ist, für die bezahlte Arbeitszeit die maximale Gegenleistung zu bekommen.
und das geht nur, wenn der Mitarbeiter maximal leistungsfähig ist.
und um diese Leistungsfähigkeit zu erhalten: genau darum geht´s wohl in diesem Thread.

Mit freundlichen Grüßen
Johannes B.
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Dani!
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#17

Beitrag von Dani! »

Hm. Das Thema läuft in die falsche Richtung. Nanni sucht keine Lösung für einen Kündigungsschutz. Nanni sucht nach einer Lösung, wie man den AG davon überzeugt, dass eine Arbeitszeitreduzierung auch für den AG Vorteile bringt. Es geht nicht immer darum, den anderen zu schädigen. Konstruktive Lösungen sind meist zielführender und stabiler.
Wenn man sich partout nicht einig wird, tja. dann geht man eben getrennte Wege. Ok, leichter gesagt als getan.
Dominik
https://www.schwerhoerigenforum.de/phpbb/viewtopic.php?t=10370
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#18

Beitrag von Johannes B. »

genau so wie von Dominik beschrieben, so sehe ich das auch.
es gibt ja auch einvernehmliche Abfindungslösungen ;-)

Mit freundlichen Grüßen
Johannes B.
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svenyeng
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#19

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Was Ohrenklempner sagt trifft es auf den Punkt.
Meistens ist es so, wenn man dem AG den kleinen Finger reicht, nimmt er sich die ganze Hand.
Es gibt so einen tollen Spruch: "Man arbeitet um zu leben und lebt nicht um zu arbeiten."
Also es sollte alles im Rahmen bleiben.
Das blöde ist heutzutage, das der Mensch meistens nicht mehr zählt. Man ist nur eine Nummer.
Die Menschen stehen ja Schlange. Wenn eine nicht so will wie der Chef, der nächste steht schon vor der Tür.

Langfristig krank machen ist auch keine Alternative. Das nervt auch nur.
Immer wieder zum Arzt wegen krankschreiben.
Nach 6 Wochen geht's ins Krankengeld und dann macht die KK Druck. Gutachtertermine usw.
Habe ich alles hinter mir ach der Mobbinggeschichte damals. Und ich war richtig krank.
Und der AG macht das auch nicht lange mit. Auch bei Schwerbehinderten wird dann irgendwann die Kündigung beantragt. Wenn die einen loswerden wollen, finden die ne Möglichkeit.

Mhm, wie könnt ihr von Teilzeit leben?
So wie es aussieht habe ich die Aussicht auf ne halbe Stelle (20h).
Besser als arbeitslos und ich plane die Stelle dann auch anzunehmen.
Aber geldlich wird's zum Problem, denn von Gehalt her ist es weniger als das Arbeitslosengeld derzeit.
Nichts desto trotz möchte ich das gerne annehmen.
Somit habe ich geplant dann ein Nebengewerbe anzumelden und damit noch Geld zu verdienen.

So wie das aussieht kommt Dir der Arbeitgeber da nicht entgegen.
Warum soll er auch, wenn in dem Arbeitsbereich die 40h Woche gilt.
Denn was passiert wenn Du nun, sagen wir nur noch 30h arbeitest? Also wenn der AG das mitmacht.
Zum einen wirst Du Deine Arbeit vermutlich in der Zeit nicht schaffen.
Dies hat wiederum zur Folge, das jemand eingestellt werden muss.
Den Stress will sich der Arbeitgeber sparen.
Was passiert also? Der Arbeitgeber sagt hey, mach mal paar Wochen Überstunden.
Und das wird zur Dauereinrichtung und unterm Strich hast Du ggf. noch weniger Geld am Ende.
Es profitiert wohl nur der AG davon.

Wenn Du z.B. mit 20h klar kommen würdest, schlag dem Arbeitgeber doch mal vor Deine Stelle zu teilen.
Er stellt ne 2. Person auch mit 20h ein, mit der Du die Stelle teilst. Sowas gibts ja oft.

Ich würde an Deiner Stelle ganz in Ruhe schauen was es für Dich so an Stellenausschreibungen für Teilzeitstellen gibt. Dann schreibst Du einfach mal ne Bewerbung, wenn da was bei ist.
Du hast ja nichts zu verlieren. Und wer weiß, vielleicht klappt es dann irgendwie.

Gruß
sven
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#20

Beitrag von Johannes B. »

nun ja,
ein Unternehmer ist ja auch nicht per se dümmer als ich oder du.
rechnen kann der auch.
und wenn die Rechnung bedeutet, dass er glaubwürdig die Wahl hat:
eine verdiente Mitarbeiterin in schwierigen Zeiten motiviert zu beschäftigen und zwar zu 100% bei verringerter Arbeitszeit,
oder die innere Kündigung dieser Mitarbeiterin bezahlen zu müssen, den Stress einer echten Kündigung zu riskieren und eine neue Kraft auf den Stand der erfahrenen Mitarbeiterin bringen zu müssen:
dann sagt die Lebenserfahrung und der Taschenrechner, was sinnvoller sein wird und sich besser rechnet.
das Zauberwort lautet: "glaubwürdig".
solange der Unternehmer denken muss: "was redet die denn- sie schafft´s doch", solange wird´s nix mit nachdenken.
erst dann wird´s was, wenn´s muss, weil:
Mensch kommt immer erst zur Vernunft, wenn´s anders nicht mehr geht ;-)

Freundliche Grüße
Johannes B.
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Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#21

Beitrag von Nanni »

Hallo,
vielleicht muss ich noch etwas ausführlicher schreiben. Ich für mich habe entschieden, mit der Arbeitszeit vom 40 auf 35 Stunden runter zu wollen, eben aus Gründen wie Ohrenklempner das auf den Punkt gebracht hat. Als ich das angesprochen habe, wusste ich nicht, dass schon geplant ist, dass andere gehen müssen. Ggf. hätte man das ja zusammen berücksichtigen können. Ich bin in einer Kanzlei tätig, also freie Wirtschaft, bei uns gibt es weder Gewerkschaft noch Behindertenvertreter.
So krass, wie ihr meinen Arbeitgeber einschätzt, habe ich es noch nicht empfunden, ist mal eine interessante Sichtweise. Generell macht die Arbeit ja Spaß und die Rahmenbedingungen sind nicht die schlechtesten, was z.B. das Betriebsklima angeht. Kenne ich auch anders. Auch kann ich fast zu 90% Abarbeitung flexibel gestalten, also vieles eigenständig machen. Das würde ich ungern aufgeben.
Nur will ich halt keine vollen 40 Stunden mehr arbeiten.

Ihr habt natürlich recht, wenn der Arbeitgeber jemanden loswerden will, kriegt er ihn auch los. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass das bei mir aktuell nicht der Fall ist, dafür bin ich - mit verlaub - zu gut und aufgrund meines Fachwissens nicht so leicht zu ersetzen (da stehen halt nicht reihenweise andere vor der Tür. Hört sich jetzt wahrscheinlich arrogant an, soll es nicht sein, ist einfach so.).

Ich werde das im Büro noch mal ansprechen (müssen), damit sie merken, dass mir das ernst ist. Ich denke, die machen sich einfach keinen Kopf darüber, was Schwerhörigkeit bedeutet. Ich musste ja auch während der Corona- bedingten räumlichen Aufteilung 1 Person pro Büro auf meinen angestammten Platz ‚beharren‘, weil dort die Einrichtung für meine Telefonverbindung zu den Hörgeräten angeschlossen ist. Hatten die schon wieder nicht auf dem Schirm.

In den letzten 1 1/2 Jahren habe ich so entspannt wie noch nie in all meinen Berufsjahren gearbeitet, das fühlte sich so normal an, es kamen weniger Aufträge und man hat auch mal die ungeliebten Sachen in Ruhe abarbeiten können. In Langeweile bin ich trotzdem nicht verfallen.
Ich möchte nicht mehr auf das Vor-Corona-Level zurück.

Wenn ich noch mal wechseln müsste, will ich nicht mehr in eine Kanzlei, sondern was völlig anderes machen (sonst steht nur ein anderer Name beim Arbeitgeber, die Problematik wäre die gleiche).

Und nein: mit 20 Stunden komme ich finanziell nicht über die Runden.

Viele Grüße Nanni
Nanni
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#22

Beitrag von Nanni »

Hallo,
vielleicht muss ich noch etwas ausführlicher schreiben. Ich für mich habe entschieden, mit der Arbeitszeit vom 40 auf 35 Stunden runter zu wollen, eben aus Gründen wie Ohrenklempner das auf den Punkt gebracht hat. Als ich das angesprochen habe, wusste ich nicht, dass schon geplant ist, dass andere gehen müssen. Ggf. hätte man das ja zusammen berücksichtigen können. Ich bin in einer Kanzlei tätig, also freie Wirtschaft, bei uns gibt es weder Gewerkschaft noch Behindertenvertreter.
So krass, wie ihr meinen Arbeitgeber einschätzt, habe ich es noch nicht empfunden, ist mal eine interessante Sichtweise. Generell macht die Arbeit ja Spaß und die Rahmenbedingungen sind nicht die schlechtesten, was z.B. das Betriebsklima angeht. Kenne ich auch anders. Auch kann ich fast zu 90% Abarbeitung flexibel gestalten, also vieles eigenständig machen. Das würde ich ungern aufgeben.
Nur will ich halt keine vollen 40 Stunden mehr arbeiten.

Ihr habt natürlich recht, wenn der Arbeitgeber jemanden loswerden will, kriegt er ihn auch los. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass das bei mir aktuell nicht der Fall ist, dafür bin ich - mit verlaub - zu gut und aufgrund meines Fachwissens nicht so leicht zu ersetzen (da stehen halt nicht reihenweise andere vor der Tür. Hört sich jetzt wahrscheinlich arrogant an, soll es nicht sein, ist einfach so.).

Ich werde das im Büro noch mal ansprechen (müssen), damit sie merken, dass mir das ernst ist. Ich denke, die machen sich einfach keinen Kopf darüber, was Schwerhörigkeit bedeutet. Ich musste ja auch während der Corona- bedingten räumlichen Aufteilung 1 Person pro Büro auf meinen angestammten Platz ‚beharren‘, weil dort die Einrichtung für meine Telefonverbindung zu den Hörgeräten angeschlossen ist. Hatten die schon wieder nicht auf dem Schirm.

In den letzten 1 1/2 Jahren habe ich so entspannt wie noch nie in all meinen Berufsjahren gearbeitet, das fühlte sich so normal an, es kamen weniger Aufträge und man hat auch mal die ungeliebten Sachen in Ruhe abarbeiten können. In Langeweile bin ich trotzdem nicht verfallen.
Ich möchte nicht mehr auf das Vor-Corona-Level zurück.

Wenn ich noch mal wechseln müsste, will ich nicht mehr in eine Kanzlei, sondern was völlig anderes machen (sonst steht nur ein anderer Name beim Arbeitgeber, die Problematik wäre die gleiche).

Und nein: mit 20 Stunden komme ich finanziell nicht über die Runden.

Viele Grüße Nanni
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#23

Beitrag von Johannes B. »

Nanni hat geschrieben: 14. Okt 2021, 21:32 Hallo,
vielleicht muss ich noch etwas ausführlicher schreiben. Ich für mich habe entschieden, mit der Arbeitszeit vom 40 auf 35 Stunden runter zu wollen, eben aus Gründen wie Ohrenklempner das auf den Punkt gebracht hat. Viele Grüße Nanni
nun ja,
jetzt lese ich erstmals, dass es nur um ein paar Stunden geht.
Wie ich schon schrieb, steht und fällt alles mit "Glaubwürdigkeit".
Wäre ich Chef und meine langjährige Mitarbeiterin käme mir mit dem Wunsch nach einer Arbeitszeitreduzierung um etwa 10%, dann wüsste ich, dass diese 10% zu kompensieren sein müssen. Wie denn? Von wem denn? Und warum überhaupt?
Beginnen wir mit dem letzten Punkt: "warum"?
Ist es erforderlich, oder ein Komfortwunsch?
Als glaubwürdige Gesunderhaltungsargumentation reichen diese 10% sicherlich nicht aus.
Zweite Frage:
wie soll die Fehlzeit kompensiert werden?
Durch Leistungsverdichtung, oder durch Mehrarbeit?
Leistungsverdichtung von Dir?
oder Mehrarbeit für wen?
Fazit:
ich fürchte, dass du dieses Thema nicht gut genug vorbereitet und dir deshalb mit der vorschnellen Frage an deinen Chef ein nicht mehr zu heilendes Eigentor geschossen hast.
Sein glaubwürdiges Argument ist schlicht:
"diese relativ geringe AZ-Reduzierung kann nur durch Leistungsverdichtung kompensiert werden, und Leistungsverdichtung meiner schwerbehinderten Mitarbeiterin erlaubt meine Fürsorgepflicht nicht".
Punkt. Ende Gelände.

Mit freundlichen Grüßen
Johannes B.
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#24

Beitrag von Nanni »

Moin,
ich glaube nicht, dass mein Arbeitgeber soweit darüber nachgedacht hat, das Gespräch hat nur ein paar Minuten gedauert und mein Wunsch wurde abgebügelt. Da kam noch nicht mal ein ‚wir schauen mal, was geht‘.
Eine Stunde am Tag hilft schon viel, und dann hätte ich mit weniger Zeit mehr Energie für die Arbeit, weil ich dann ausgeglichener bin.
Bei uns sind viele in Elternzeit, die nach und nach wieder zurück kommen, da wäre Ersatz da - wenn man denn mal darüber nachdenken würde.
Wenn es um Fürsorgepflicht ginge, müssten die Kollegen bleiben - eigentlich fehlt eh noch einer, der bislang nicht ersetzt wurde. „Wir suchen noch…..“ ah ja

Ich werde das im Büro noch mal ansprechen. Mal sehen, was noch kommt.
Mir ist auch klar, dass ich mir ggf. was anderes suchen muss, das sollte aber die letzte Option sein.
Mein Entschluss bezüglich der Zeitverkürzung steht fest, weil ich das auf Dauer nicht aushalte.
Viele Grüße Nanni
svenyeng
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Re: Arbeitszeiten mit Schwerhörigkeit

#25

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Nun ok, wenn es nur um 5 Stunden weniger geht, dann verstehe ich Deinen AG nicht.
Mittlerweile gibts auch genug Versuche, die klar gezeigt haben, das anders geht:
https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... -Lohn.html
Und das hat sich bewährt, ich meine diese Firma macht das immer noch so.
Mein Reden ist das schon lange, denn Fakt ist, nach der Mittagspause geht die Leistungskurve richtig in den Keller.
Vormittags schafft man richtig gut was und nachmittags hofft man das die Zeit schnell rum geht.
Und das, wie im Artikel steht, viel Arbeitszeit vertrödelt wird, ich denke die Erfahrung hat jeder gemacht.
Der Bericht zeigt ja auch klar, das die Mitarbeiter viel motivierter sind, durch mehr Freizeit, etc.
Ist auch logisch, das man dann viel ausgeglichener und fitter ist. Man hat ja auch mehr vom Tag dann.

Schlag doch Deinem AG mal vor, einen Versuch zu starten:
Du machst mal 35h für 4 Wochen und dann schaut man mal wie das funktioniert.
Dann setzt ihr Euch noch mal zusammen und reflektiert das. Wenn das gut funktioniert, sollte es doch keinen Hinderungsgrund mehr geben das nicht so weiter zu führen. Er spart dann ja sogar noch ein bisschen Geld. Wäre bei gleichem Gehalt natürlich toll, aber das verlangest Du ja gar nicht.

Wäre nicht ggf. teils Home Office eine Alternative.
Beispiel: Du machst vor Ort beim AG die 30-35h und die restlichen 5-10h verteilst Du Dir in der Woche im Homeoffice.
Mit nem Notebook sollte das doch machbar sein. zu Hause hat man seine vertraute Umgebung und da fällt eine das Arbeite meistens leichter.

Gruß
sven
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