Hörgeräte selber einstellen

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Johannes B.
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Hörgeräte selber einstellen

#1

Beitrag von Johannes B. »

moin,
da hier in den verschiedenen Strängen immer mal wieder gefordert wird, man möge doch bitte die eigenen Hörsysteme auch selbst konfigurieren dürfen (aktuell #63 im Strang "wieso die großen Preisunterschiede"), hier mein Erfahrungsbericht dazu (fragt mich nicht, wo ich das Selbstanpassungsequipment her habe ;-)
(leichter bis mittlerer Hörverlust in den hohen Frequenzen, Diskriminierung zw. 95 u. 100%, Hörsystem mit 8 frei konfigurierbaren Frequenzkanälen)
1.
mein Hörakustiker konfigurierte nach allen Regeln seiner Handwerkskunst mittels Perzentilanalyse und auf Basis der Anpassformel DSLv5, das erste Programm als Universalprogramm und bat mich dringend, dieses Programm als Referenzprogramm unangetastet zu lassen ;-)
2.
mit dieser Warnung überließ er mich - ohne jede Programmbedienungshilfestellung - meinem "jetzt mach ich´s mir selbst"-Schicksal. :wave:
3.
seither (Dezember 2018) vergeht wohl keine Woche, wo ich nicht irgend etwas Neues mit den verbliebenen 3 Programmplätzchen ausprobiere.
bisherige Lernergebnisse:
a) die Störschallunterdrückung ist ein Witz (kann aus)
b) die Rückkopplungsautomatik ist Killefitz (trotz Otoplastik viel zu frühe Rückkopplungen)
c) Windgeräuschunterdrückung ist auch mehr Schall und Rauch - kann auch weg
eigentlich kann alles weg. also: alle Automatiken aussperren.
und dann:
ab etwa 1,5 kHz die Verstärkung (in Anlehnung an das Audiogramm) ordentlich immer weiter ansteigen lassen (die höchsten Töne am höchsten)
leise Töne bevorzugen.
und jetzt kommt der Clou:
am besten verstehe ich in allen Situationen - und habe auch nur die Hälfte Blechklangbeaufschlagung - wenn ich nur EIN Hörgerät trage, und zwar stets DAS auf der nutzschallzugewandten Seite. zum Beispiel im Auto: fensterseitiges Hörsystem raus.
Anlässlich der halbjährlichen Kontrolle warnt allerdings mein Hörakustiker:
"Vorsicht mit den Höhen, Sie wollen doch nicht ihre Haarzellen noch weiter rasieren".
mein Fazit:
mit diesen Ohrquälern mag das schneidigscharfe Verstehen in ruhiger Umgebung verbesserbar sein, die Kassenanforderungen an "Verstehen ("auf Rezept") auch bei Umgebungsgeräuschen und in größeren Personengruppen" erfüllen sie nicht. ganz abgesehen von Klangvolumen und "entspanntes hören" was mit diesen Teilen absolut nicht konfigurierbar ist, aber ein versorgungspflichtiger "erheblicher Gebrauchsvorteil" ist ;-)

LG
Johns
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Mukketoaster
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#2

Beitrag von Mukketoaster »

Also wenn du RKs trotz Otoplastik hast, dann haste schlechte Otoplastiken. Somit können die Features wie Windgeräusch- und Störschallunterdrückung auch nicht funktionieren. Evtl. mein lieber Johns liegt dein Problem Tatsächlich bei den Otoplastiken.
Akustik Alex
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#3

Beitrag von Akustik Alex »

Sehe ich auch so. Und die RK-Messung wurde nicht oder falsch gemacht. Das es nur halb so blechern klingt, wenn man ein Gerät raus nimmt... Naja, ist wohl Mathematik.
Ich kann verstehen, dass man das Bedürfnis hat ggf. Kleinigkeiten nachzujustieren. Aber ich rate da zu gesunder Vorsicht, sonst wundert man sich eben, wenn Dinge nicht funktionieren oder man mit einem Gerät besser versteht als mit zwei. Das ist, als würde ich nur im 1. Gang fahren, weil ich nicht weiß, wie man schaltet. Die anderen 4 braucht man ja gar nicht.
https://infohrmationen.blogspot.com/
Johannes B.
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#4

Beitrag von Johannes B. »

Akustik Alex hat geschrieben: 25. Jan 2021, 10:30 Sehe ich auch so. Und die RK-Messung wurde nicht oder falsch gemacht. Das es nur halb so blechern klingt, wenn man ein Gerät raus nimmt... Naja, ist wohl Mathematik.
Ich kann verstehen, dass man das Bedürfnis hat ggf. Kleinigkeiten nachzujustieren. Aber ich rate da zu gesunder Vorsicht, sonst wundert man sich eben, wenn Dinge nicht funktionieren oder man mit einem Gerät besser versteht als mit zwei. Das ist, als würde ich nur im 1. Gang fahren, weil ich nicht weiß, wie man schaltet. Die anderen 4 braucht man ja gar nicht.
moin Akustik Alex,
um bei deinem Beispiel zu bleiben:
wie doof müsstest du sein, wenn du über 2 Jahre lang immer wieder andere Konstellationen der Schaltung probierst und nicht merkst, dass du 4 Gänge hast???
Und wenn der Blechdosenklang nur ein Ohr beaufschlagt und das andere hat noch die Chance auf andere Frequenzen, dann klingt´s eben auch nur halb so blechern - verschehsch?

LG
Johns
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Akustik Alex
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#5

Beitrag von Akustik Alex »

Ich weiß ja, dass ich 5 Gänge habe, bin nur zu doof um mehr als den 1. zu nutzen. Was ich damit sagen will ist, wenn man nicht weiß, wie es funktioniert, dann kann man es nicht nutzen. Hörgerät ist das eine, Hörsystem ist das andere. Und da spielen eben mehr Faktoren als "ein/aus" oder "lauter/leiser" eine Rolle. Deswegen kann man viel kaputt-reparieren. Das mit den Frequenzen stimmt zwar im jetztigen Post, aber vorhin war nur vom Herausnehmen die Rede.
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Robert Wilhelm
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#6

Beitrag von Robert Wilhelm »

Hat jemand Erfahrung mit dem Unterschied der Anpassungsformeln DSL v5a und Adaptive Phonak Digital?
Dani!
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#7

Beitrag von Dani! »

Ja. Mir hat Adaptive Phonak Digital Contrast am besten zugesagt. Die langsamere Kompression bei "Contrast" gegenüber APD ohne Contrast hat mir mehr geholfen.
Aber das muss jeder für sich ausprobieren, mit welcher Formel spontan mehr Zufriedenheit ergibt. Danach geht es immer noch in die Feineinstellung. Kann man mit beiden Formeln (DSLv5a bzw. APD ohne Contrast) von beiden Richtungen machen.
Dominik
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Robert Wilhelm
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#8

Beitrag von Robert Wilhelm »

Danke für Deinen Beitrag. Also ich war mit Digital Phonak Contrast nicht so glücklich. Im Moment versuch ich es mit DSLv5a, und bin damit eher zufrieden.
Johannes B.
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#9

Beitrag von Johannes B. »

mein Eindruck ist:
die Anpassformel DSLv5 ist dann gut geeignet, wenn man eine hohe Unbehaglichkeitsschwelle hat.
bei mir hat man nicht mehr als 120 dB ausprobiert, obwohl ich immer noch nicht zuckte ;-)
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Robert Wilhelm
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#10

Beitrag von Robert Wilhelm »

Auweia, harter Bursche. Also ich hab mir 110 dB eingestellt. erst ab 2 kHz bin ich dann in 5 dB Schritten rauf (bzw im Diagramm runter)
akopti
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#11

Beitrag von akopti »

Bei der Messung der U- Schwelle achte ich auch auf das unbewußte Zucken im Lidwinkel und nicht nur auf die bewußte Reaktion.

Gruß Dirk
Dani!
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#12

Beitrag von Dani! »

Johns hat geschrieben: 25. Jan 2021, 12:40 bei mir hat man nicht mehr als 120 dB ausprobiert, obwohl ich immer noch nicht zuckte ;-)
Ok, dann wundert es mich nicht, dass du nix verstehst. Deine Ohren sind schon kaputt. Also die Ohren, nicht nur das was dazwischen ist. Gewöhn dich langsam mal an den Gedanken eines Cochlea Implantats. Allerdings sei vorgewarnt: Da ist nix mit selber einstellen. Denn da kannst du dir unbewusst noch mehr kaputt machen als HGs das schon können.
Dominik
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muggel
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#13

Beitrag von muggel »

Huhu Dani,

bei Johns liegt die Hörschwelle noch weit weit von einer CI-Indikation entfernt. Der Herr zählt eher zu den leichtgradig Schwerhörigen.

Anmerkung: korrigiert, nachdem ich die Audiogramm-Werte gesehen habe.
Zuletzt geändert von muggel am 25. Jan 2021, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.
Johannes B.
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#14

Beitrag von Johannes B. »

moin Dani!
mein Audiogramm sieht - auf beiden Ohren ähnlich - etwa so aus: 40 - 30 - 20 - 20 - 30 - 40 - 50 - 60 dB
Diskrimination bei 95 dB zwischen 95 u. 100%.
insofern hat die Dame schon Recht ;-)
übrigens bzgl. deiner Bemerkung "zwischen den Ohren kaputt":
"kaputt" würde ich´s nicht nennen, aber dass (m)ein temporär schlecht verstehen auch etwas viel mit Psyche zu tun hat, das glaube ich schon.
Motto: "so wie Liebe blind machen kann, kann Stress auch temporär taub - oder blöd - machen" ;-)
LG
Johns
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#15

Beitrag von Dani! »

muggel hat geschrieben: 25. Jan 2021, 14:12 bei Johns liegt die Hörschwelle noch weit weit von einer CI-Indikation entfernt. Der Herr zählt eher zu den leichtgradig Schwerhörigen.
Ok, ich hab beim Lesen nun erkannt, dass ich da ein paar Denkschritte übersprungen habe.
Mein Gedanke war: Der Herr landet, was er ja tut, da er seine Geräte selbst, so nach seiner Aussage - und der glaube ich tatsächlich mal -, einstellt, wenn er die Schmerzgrenze ausreizt, weil damit versteht er ja offenbar besser, sonst würde er das nicht erwähnen, ganz schnell an dem Punkt, an dem relativ bald irreparable Schäden auftreten, die über kurz oder lang (wahrscheinlich eher kurz, da 120dB weit über der maximal empfohlenen durchschnittlichen Tagesdosis liegt, siehe dazu die umfangreichen Abhandlungen fast-foots) zum CI oder darüber hinaus führen.
Dominik
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#16

Beitrag von Johannes B. »

nee Dani!
das MPO (Lärmausstoß) liegt deutlich unterhalb der UCL (Lärmverkraftbarkeit)
LG
der Herr Johns ;-)
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#17

Beitrag von Dani! »

Johns hat geschrieben: 25. Jan 2021, 15:28 das MPO (Lärmausstoß) liegt deutlich unterhalb der UCL (Lärmverkraftbarkeit)
Na wenn du meinst, dass das HG sich stets daran hält 🤣
Du bist ja der Akustiker.
Dominik
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#18

Beitrag von Johannes B. »

ich meine, dass die Quäckehörer S mehr ohnehin nicht hergeben ;-)
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#19

Beitrag von rabenschwinge »

Dani, vielleicht ist der Herr ja dann glücklich, wenn er wirklich eine ausgeprägte Hörschädigung eingefahren hat. Wer weiß das schon.

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Johannes B.
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#20

Beitrag von Johannes B. »

rabenschwinge,
kannst du auch sachlich?
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#21

Beitrag von Johannes B. »

übrigens Dani!
dass der von dir in deinem Beitrag #15 erwähnte User fast-foot hier konzertiert weggemobbt wurde, hat auch nicht gerade zu einem Qualitätssprung dieses Forums beigetragen.
das nur mal so off topic in diesem von mir eröffneten Strang.
bevor mir wieder Strangkaperei vorgeworfen wird.

LG
Johns
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#22

Beitrag von Mukketoaster »

Also prinzipiell ist DSL die beste Wahl der Anpassformel, NAL-NL 2 ist in meinen Augen zu unruhig und zu viel Verstärkung der leisen Eingänge. DSL via Percentilanalyse einstellen, in der Herstellersoftware aber die herstellereigene Formel drin lassen. Somit geniesst du die vollen Möglichkeiten der jeweiligen Formel und hast ein schönes klares Bild.

Das kannste aber nicht zu Hause selbst einstellen, dazu brauchst eben den Profi und die notwendige technische Ausstattung.

Manchmal frage ich mich, ohne das sich jetzt jemand angegriffen fühlt, was ist die Erwartungshaltung? Also es wird verlangt, dass man immer 100% versteht, oder? Aber auch gut hörende Menschen hören und verstehen nicht immer alles.
Johannes B.
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#23

Beitrag von Johannes B. »

nun, bei mir ist das so, dass ich zufrieden bin, wenn ich 95 bis 100% Diskrimination erreiche, was bei mir bei 95 dB der Fall sein soll, lt. Audiogramm. dazu - soweit auf dem technisch aktuellen Stand möglich - ein Verstehen auch bei Umgebungsgeräuschen und in größeren Personengruppen einem Normalhörenden angeglichen. Der schöne Klang ist hierbei nebensächliches "nice to have".
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#24

Beitrag von Mukketoaster »

Alsowäre das Ziel doch die gleiche Diskrimination bei 65 dB. Das bei Umgebungslärm das Verständnis leidet, ist doch klar.
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Re: Hörgeräte selber einstellen

#25

Beitrag von Johannes B. »

Ja, 95 - 100% bei 65 dB, das ist ok in Ruhe.
ich will auch in komplizierten Hörsituationen nicht besser verstehen als meine gleichaltrigen Gesprächspartner.
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