Plötzlicher Hörverlust rechts mit 34 - jetzt CI?

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Goldmund
Beiträge: 3
Registriert: 01.04.2022

Plötzlicher Hörverlust rechts mit 34 - jetzt CI?

#1

Beitrag von Goldmund »

Hallo zusammen,

ich stelle mir gerade mal wieder die Frage, ob ein CI das Richtige für mich ist und ich hoffe, hier Rat zu finden.

Zu meiner Situation: Ich hatte vor gut einem Jahr einen Hörsturz auf dem rechten Ohr. Ich war 34. Seitdem höre ich auf dem rechten Ohr fast nichts mehr (70 - 100 dB). Vorher hörte ich auf beiden Ohren immer sehr gut. Die Untersuchungen und Beratungen, die ich hatte, würde ich so zusammenfassen: Objektiv spricht alles für ein CI mit gutem Ergebnis, aber es kann auch sein, dass das Hörgefühl enttäuschend ist. Der Audiologe war anfangs recht eindeutig mit seiner Empfehlung für ein CI, aber bei einem späteren Termin hat er die Einschätzung relativiert und auch der Hörakustikerin gegenüber gesagt, dass ich nach Möglichkeit noch warten solle. Ich habe auch schon Hörgeräte ausprobiert, aber die bringen praktisch keine Verbesserung.
Ich persönlich habe ziemlichen Respekt vor dem Eingriff, der mit dem CI verbunden ist.
Was mich unsicher macht ist, dass ich im Alltag ganz gut zurecht komme. Allerdings arbeite ich auch seit einigen Monaten nicht mehr und kann mich also ganz gut auf mein Hören einstellen. Wenn ich dann doch in Situationen komme mit mehreren Geräuschquellen, Hintergrundmusik und Ähnliches, dann spüre ich den Hörverlust schon deutlich. Lockere Gespräche nebenbei sind schwierig.

Ist ein CI in solchen Fällen vielversprechend?
Hat hier jemand Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation?
Habt ihr konkrete Tipps, wie ich mehr Klarheit bekommen und eine Entscheidung treffen kann?

Ich freue mich auf eure Antworten,

Viele Grüße
Goldmund
Jackie1
Beiträge: 43
Registriert: 21.11.2018
3

Re: Plötzlicher Hörverlust rechts mit 34 - jetzt CI?

#2

Beitrag von Jackie1 »

Hallo Goldmund,
deine Entscheidung für oder gegen CI kann ich nicht treffen, dir aber einige Infos an die Hand geben.
Du hast bislang gut auf beiden Ohren gehört. Du weißt dadurch, wie sich alles anhört/anhören soll. Weshalb du in ruhigen Situationen keine großen Einschränkungen bemerkst. In solchen Situationen reicht ein Ohr aus.
Durch deinen einseitigen Hörverlust, ist dein Richtungshören (fast?) nicht mehr vorhanden: Du kannst nicht auf Anhieb feststellen, woher ein Geräusch kommt.
Eine weitere Einschränkung, die du auch schon beschrieben hast, ist das "Filtern". In unruhigen Gesprächssituationen, kostet es dich wahnsinnig viel Anstrengung, dich auf deinen Gesprächspartner zu konzentrieren und die anderen Geräusche auszublenden.
Insgesamt wird das Hören für dich deutlich anstrengender sein als vorher, weil es viel mehr Konzentration als vorher erfordert.
Das Hören funktioniert ein bisschen ähnlich wie ein Muskel: es muss trainiert werden. Daher verlängert sich im Falle einer CI-OP die Reha umso mehr, je länger dein Hörverlust her ist.
Ja, das Hören mit einem CI unterscheidet sich vom natürlichen Hören, aber es könnte dir wieder mehr Teilhabe, vielleicht auch im Arbeitsleben, ermöglichen. Das Gehirn ist relativ flexibel und wird sich mit der Zeit an die veränderten Klänge vom CI gewöhnen.
Bei einem Hörsturz sterben die Haarsinneszellen im Innenohr ab, was eine Versorgung mit Hörgeräten ab einem bestimmten Grad der Hörbeeinträchtigung nahezu unmöglich macht. (Da hilft einfach lauter nicht.)
Bei einem guten Reha-Erfolg mit CI bist du auf der betroffenen Seite "nur noch" leichtgradig schwerhörig und dürftest zusammen mit dem gesunden Ohr insgesamt über ein Hören verfügen, was zwar nicht ganz so gut wie vor dem Hörsturz ist, aber doch um einiges besser als jetzt.
Vielleicht hilft es dir ja, eine Zweitmeinung einzuholen.
Außerdem kann ich dir Beratung durch Gleichbetroffene empfehlen. Das ist z.B. an der MHH in Hannover möglich.
So oder so, solltest du nicht zu lange warten...
Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg!
Herzliche Grüße
Jackie
Goldmund
Beiträge: 3
Registriert: 01.04.2022

Re: Plötzlicher Hörverlust rechts mit 34 - jetzt CI?

#3

Beitrag von Goldmund »

Hallo Jackie,
vielen lieben Dank für deine Erläuterungen, das hilft mir schon! Ich werde bei der MHH anfragen und auch in meiner näheren Umgebung weiter nach Möglichkeiten zum Austausch suchen (ich wohne aktuell in Stralsund).
Deine Beschreibung meines Hörgefühls ist ziemlich zutreffend. Das Richtungshören ist praktisch nicht mehr vorhanden und in unruhigen Situationen ist es sehr anstrengend, einem Gespräch zu folgen. Ein leichter Tinnitus kommt noch dazu, aber der macht mir keine großen Probleme.

Ich habe gehört, dass in Güstrow ein gutes Reha-Zentrum ist, mit dem die Uniklinik in Rostock zusammenarbeitet. Bei letzterer war ich zu den Untersuchungen und Beratungen. Vielleicht kann ich mir ja in Hannover eine Zweitmeinung einholen.

Kann jemand noch andere Kliniken (im Norden?) empfehlen, bei denen ich mich mal vorstellen könnte?

Danke dir nochmals, Jackie.

Viele Grüße
Goldmund
Honigtopf1234
Beiträge: 5
Registriert: 08.07.2022

Re: Plötzlicher Hörverlust rechts mit 34 - jetzt CI?

#4

Beitrag von Honigtopf1234 »

Hallo,

habe genau das gleiche Problem wie du. Letztes Jahr Hörsturz mit erst völliger Ertaubung und dank schneller OP kam ein Teil der Hörens (leider nur sehr tiefe Frequenzen) zurück. Aber in lauteren Umgebungen geht gar nichts; habe auch schon Hörgeräte getestet. Berichte gerne mal, wie du dich entschieden hast - würde mich sehr darüber freuen. :-)

Liebe Grüße!

(Musste gerade den Text ändern; wer ein Audiogramm verstehen kann ist klar im Vorteil :))
Goldmund
Beiträge: 3
Registriert: 01.04.2022

Re: Plötzlicher Hörverlust rechts mit 34 - jetzt CI?

#5

Beitrag von Goldmund »

Hallo Honigtopf,

ich bin im Juli die Sache angegangen, habe einen OP-Termin bekommen und etliche vorbereitende Termine. Aber letztendlich habe ich die OP kurzfristig abgesagt. Zu den Voruntersuchungen kann ich also gerne noch berichten, wenn du magst, aber CI habe ich erstmal nicht.

Viele Grüße
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