Hallo, 35 und häufiger mal nachfragen müssen was gesagt wurde.

Hier kann man sich vorstellen oder eigene Erlebnisse berichten
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Calenberger
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Hallo, 35 und häufiger mal nachfragen müssen was gesagt wurde.

#1

Beitrag von Calenberger »

Guten Abend,

vor zwei Tagen hatte ich einen Termin beim HNO. Dabei wurde eine Innenohrschwerhörgkeit diagnostiziert. Leider gab es zu den Tests keine weiteren Erklärungen. Ich hatte kurzfristig einen Termin bekommen. Untersucht wurde ich von einer jungen Vertretung, die leider der hiesigen Sprache nicht ganz mächtig war. Daher gab es leider auch keine Erklärung, bis auf den Satz, dass ich nicht gut höre und Hörgeräte benötige.

Natürlich ist mir in den letzten Monaten aufgefallen, dass ich bei Vorträgen oä Probleme habe alles zu verstehen.

Ich hoffe, dass mir hier jemand das Testergebnis mal erläutern kann.

Übrigens bin ich 35 Jahre alt, arbeite im Büro. Im Kindesalter war ich mal in logopädischer Behandlung. Hörtest waren damals jedoch unauffällig. Die letzten Hörtest hatte ich bei meiner Musterung vor 16 Jahren und vor drei Jahren bei einer G26 Untersuchung. Damals hörte ich schon nicht gut... da ich jedoch auf die Testgeräte schauen konnte, habe ich damals regelmäßig „gedrückt“, obwohl ich nichts gehört habe. Später ist man immer schlauer.

Schon einmal herzlichen Dank für die Mühen.

Calenberger
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AndiT
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Re: Hallo, 35 und häufiger mal nachfragen müssen was gesagt wurde.

#2

Beitrag von AndiT »

Hallo Calenberger,

ich bin weit davon entfernt, dass ich dir deine Hörtest-Grafiken im Sinne einer medizinischen Diagnose erläutern könnte. Ich kann nur versuchen, aus meiner Erfahrung ein paar Dinge dazu zu sagen.

Ich selbst bin, soviel sei zu meiner eigenen Vorstellung gesagt, in einigen Punkten in einer recht ähnlichen Situation wie du, nur ein paar Wochen weiter: ich habe jetzt mehrere Hörgeräte ausprobiert und muss mich so langsam entscheiden, welches es denn werden soll.

Meine Hörtestkurve unterscheidet sich ein wenig von deiner, aber auch ich fand die Erläuterungen beim Arzt eher dürftig, hätte gern mehr erfahren. Sehr viel genauer erklärt hat mir das dann etwas später der Hg-Akustiker, bei dem ich einen Termin ausgemacht hatte: Was da wahrscheinlich passiert ist und welche Folgen das hat und wie damit umzugehen ist usw.

Wenn ich es richtig sehe, prüfen die HNOs vor allem, ob die Ursache für den Hörverlust im Gehörgang vor dem Trommelfell ist (z.B. Ohrenschmalz) oder im Mittelohr im Bereich der Gehörknöchelchen (z.B. Entzündung). Das sieht man daran, dass eine weitere Tonkurve gemessen wird, bei der der Ton nicht übers Ohr, sondern direkt auf den Knochen übertragen wird: Wenn die einen ähnlichen Hörverlust zeigt, liegt das Problem im Innenohr, und damit ist der HNO dann in vielen Fällen erstmal raus, weil er im Innenohr oft nur wenig „machen“ kann im Sinne einer Behandlung durch Spülen / Medikamente / Operation. So jedenfalls vermute ich, dass es dazu kam, dass sie dich quasi direkt ein Hörgeräterezept in die Hand gedrückt haben.

Warst du inzwischen beim Akustiker oder bist du noch am überlegen, zu welchem man am besten gehen könnte?

Viele Grüße, AndiT
Ohrenklempner
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Re: Hallo, 35 und häufiger mal nachfragen müssen was gesagt wurde.

#3

Beitrag von Ohrenklempner »

Gerne :D

also wir haben in dem oberen Diagramm die Tonaudiometrie (TA). Der Einfachheit halber schauen wir uns nur die von ganz links nach ganz rechts durchgehende Kurve an. Die Kurve sagt dir, bei welchem Schallpegel (in Bezug auf ein genormtes gesundes Gehör) du die entsprechenden Töne gerade so hörst. Links sind die tiefen Töne (125 Hz, 250 Hz...), rechts die hohen Töne (6 kHz, 8Khz...). Auf dem linken Ohr (rechtes Diagramm, klingt komisch, ist aber so) hast du in den höheren Tönen einen Hörverlust von ca 50...60 dB, das entspricht schon einer mittelgradigen Hörschädigung. Dein rechtes Ohr hört bei ein paar mittelhohen Tönen noch besser, darum würde ich es qualitativ eher noch als geringgradig einschätzen.

Dieses Defizit bei der Hörschwelle spiegelt sich auch im Sprachverstehen wieder. Die unteren Diagramme sind Sprachaudiogramme (SpA) und zeigen, bei welchem Pegel du wieviel Prozent der Wörter verstanden hast. Man sieht bei 65 dB (ruhige Sprachlautstärke) rechts 75% und links 55% Verstehensquote. Bei 80 dB (das ist schon lautere Sprache) sind es rechts 100% und links 85%.

Der Hörtest und die daraus resultierende Verordnung wollen dir sagen: Du hörst wirklich schlechter, solltest es mal mit Hörgeräten probieren, und die Krankenversicherung bezahlt auch, da TA und SpA die Indikation erfüllen.

So, ich hoffe damit schon einmal weitergeholfen zu haben und bei weiteren Fragen einfach fragen! :)
Allons-y!
Atson
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Re: Hallo, 35 und häufiger mal nachfragen müssen was gesagt wurde.

#4

Beitrag von Atson »

Als Hörgeräte-Träger mit 30 Jahren Erfahrung ergänze ich mal noch:

Du hörst schlechter, und Du kannst etwas dagegen tun. Nutze die moderne Technik, weil sie Dir Dein Leben erleichtern kann.

Ich würde an Deiner Stelle zum einen tatsächlich Geräte ohne Zuzahlung ausgiebig testen (um zu sehen, was heute schon "ohne" möglich ist, davon hätten wir vor 15 Jahren noch träumen können und wir waren damals durchaus schon begeistert). Dann würde ich einen Blick ins leicht gehobene Segment werfen und ebenso ausführlich testen. Die Spitzenmodelle kannst Du meiner Meinung nach außen vor lassen (aber wenn Du Lust hast natürlich auch testen). Ich trage seit knapp 20 Jahren jeweils die zum Zeitpunkt der Versorgung absoluten Top-Modelle. Ja, die bieten viel Technik, viel Automatik, viel "Mitdenken", aber mitunter eben auch (zu) viel Filter, (zu) viel Dämpfung, (zu) viel Selektion. Von daher: Kann man machen, muss man aber nicht. Besser hören geht oft schon ohne Zuzahlung, wirklich gut verstehen meist für relativ kleine Beträge.

Wichtig ist meiner Meinung nach: Die Geräte wirklich tragen. Egal wie "komisch" es zunächst klingt, egal wie sehr es nervt (und: JA es nervt!).

Grüße
Atson
M, 47, taub "mit Hörresten" im Tieftonbereich, 1. CI-OP geplant 12/2020 ...
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