Hörgerätewerbung und die Frage:

Muss nichts mit Hören zu tun haben, kann aber ...
Ohrenklempner
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#51

Beitrag von Ohrenklempner »

Die lockige TV-Ikone mit den tanzenden Senioren sieht man nur im Rahmen von TV-Sendungen für die Zielgruppe der Best-Ager. Hab ich noch nie selbst gesehen. Da ist die Werbung aber optimal platziert, denn sie zielt auf die potenteste Zielgruppe der Altersschwerhörigen. Da würde sich auch kaum jemand von rappenden Teenagern angesprochen fühlen.
Werbung im Internet (Displaywerbung, Social Media) ist sehr produktfokussiert, da sieht man kaum Menschen.
Die Leute auf den Hörgeräte-Flyern sind sehr gut gemischt. Alle zwischen 30 und 50, würde ich sagen. Der Älteste ist der Gitarre spielende Herr auf dem Flyer unseres Finanzierungspartners, der ist mindestens 70.
Wenn ich auf die Plakate und Banner hier im Laden gucke, sehe ich einen mutmaßlichen Großvater mit Baby (Starkey), ein Babyboomerpärchen (Phonak), eine Dame um die 50 mit Hund, jeweils eine junge Dame um die 30 und eine um die 35-45 (Signia) und einen Herrn um die 35 (Signia), ein Pärchen um die 40 und eins um die 50 (Bernafon) und vier unterschiedliche Herrschaften zwischen 50 und 80 (Bernafon).
Mein Fazit: Die Leute in der Hörgerätewerbung sind etwa eine Generation jünger als die durchschnittlichen Hörgerätekunden.
Brittany
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#52

Beitrag von Brittany »

Hi Ohrenklempner,

das ist ganz interessant und auch verblüffend. Meine eigene Wahrnehmung ist tatsächlich ganz anders. Dabei sehe ich überhaupt gar nicht fern und "beschäftige" mich derzeit nicht mit Hörgeräten, nehme also keine Flyer usf. wahr. Bei mir ist es also nur das, was so "im Vorbeigehen" ankommt - die Werbung im öffentlichen Raum, die Akustikergeschäfte selbst, Werbung im Internt oder in irgendwelchen Zeitungen. Und da sind es tatsächlich eher ältere Herrschaften, die ich vor Augen habe.
Es kommt wohl wirklich auch darauf an, welche Werbung man nun genau meint. Und was ein Akustiker ins Schaufenster hängt, ist wohl auch seine Entscheidung.
Ohrenklempner
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#53

Beitrag von Ohrenklempner »

Ja, das mag schon trotzdem sein. Ich selber werbe lieber mit tollen Produktbildern und nicht mit irgendwelchen lachenden, unbekannten Leuten. ;)
Brittany
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#54

Beitrag von Brittany »

👍🏻
all_ears
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#55

Beitrag von all_ears »

Bevor ich dieses tolle Forum gefunden habe, dachte ich auch, dass Hörgeräte für "alte Menschen" sind. Deshalb hat es auch (zu) lange gedauert, bis ich den Weg zum HNO und zum Akustiker gefunden habe. Der HNO erzählte mir dann auch direkt was von Altersschwerhörigkeit. Das will man mit 48 ja nicht unbedingt haben :roll: Und der Knaller war dann eh mein Akustiker (den ich total gerne mag, also nicht falsch verstehen), der mir beim zweiten Termin direkt sagte, ich sei ja seine aktuell jüngste Kundin :lol: also zack, direkt ins Fettnäpfchen! (Er hat dann nochmal gerade so die Kurve gekriegt und fand es toll mit einer jüngeren Kundin zu arbeiten, weil ich ja so interessiert bin und er mir ganz viel Technik erklären darf.)
mein Audiogramm vom HNO
dB 125-250-500-750-1k--1,5k--2k--3k--4k--6k--8k
R: 10 - 20 - 30 - 55 - 60 - 60 - 60 - 50 - 45 - 50 - 40
L: 05 - 25 - 40 - 50 - 50 - 50 - 50 - 45 - 45 - 50 - 65
Ohrenklempner
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#56

Beitrag von Ohrenklempner »

all_ears hat geschrieben: 11. Jun 2024, 13:37 Bevor ich dieses tolle Forum gefunden habe, dachte ich auch, dass Hörgeräte für "alte Menschen" sind.
Ich habe neulich in einem Weblog gelesen, dass man das den "Fluch der Fleischbanane" nennt. :lol:
Meine "Jüngste" mit Hörgeräten ist 24.
all_ears
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#57

Beitrag von all_ears »

also das hab ich jetzt direkt mal gegoogelt und den Artikel gefunden - danke dafür - sehr schön geschrieben :lol:
mein Audiogramm vom HNO
dB 125-250-500-750-1k--1,5k--2k--3k--4k--6k--8k
R: 10 - 20 - 30 - 55 - 60 - 60 - 60 - 50 - 45 - 50 - 40
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laymer
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#58

Beitrag von laymer »

misterref hat geschrieben: 11. Jun 2024, 08:50 Eine Brille ist nun mal einfacher zu machen und ich sage dir müsste man noch einen Hörtest für die Fahrprüfung machen wären viel mehr Menschen mit HG unterwegs, es gibt viele Leute die Tragen die Brille nur deswegen.

Ich denke das ganze hat sich etwas nach unten verschoben, dank den jungen Menschen die ihr Gehör bei Raves zerstört haben, vielen Dank nochmals an diese Leute, so haben auch die "echten" Hörgeschädigten was davon, denn nun werden auch Features wie Streaming und Fitnesstracker salonfähig, die wären sicher eh mal gekommen aber wohl erst in 15-30 Jahren, wenn die Generation Walkman langsam in das Alter kommen und interessant für die HG Industrie werden.
Das kann man glaube ich getrost ins Reich der Mythen verweisen, als langjähriger Raver kenne Ich absolut niemanden, und meine eigenes Problemchen ist vor vielen Jahren durch eine Ohrinfektion enstanden.Auch wenn Ich inzwischen Ohrstöpsel reintu, aber mein Gehör ist leider schon ein bisschen angezählt. Mein Aku hat auch niemanden aus dem Grund da, und meine Stadt hat ziemlich viele solche Leute.
Es erecheint mirr auch nicht überzeugend, die Generation die huet alt ist hat massenhaft in Fabriken gearbeitet und in Kriegen gekämpft, als "Gehörschutz" noch ein Fremdwort war, und zu deren Zeit hatten noch nichtmal Motorräder Schalldämpfer. Damals war ja selbst der Verkehr lauter, man kann sich mal so ne leistungssfähigere Karre aus den Siebzigerern anhören, das knallt schon ordentlich. Cooler Sound, aber gut für die Ohren sicherlich nicht. Dass so n bisschen Disco im Alter mehr ausmacht als 40, 50h die Woche neben einer brüllenden Maschine zu stehen bezweifel Ich sehr. Und tatsächlich kenne Ich zwei drei Leute mit Lärmschäden - professionelle Musikerin, Waldarbeiter mit Kettensäge und Schiffswerftarbeiter, allesamt keine Raver. Tja.

Wo Ich dir recht gebe, ist dass es mir selbst ohne einen Besuch beim HNO aus einem völlig anderen Grund niemals aufgefallen wäre, die Minderung ist einfach zu klein um zu beeinträchtigen wenn man nicht mal wirklich drauf achtet wo man überall schon kompensiert. Das dürfte für viele andere auch gelten.
Und das wär halt so der Anstzpunkt, einen Sehtest macht man schon wenn einem kleine Probleme auffallen, ein Hörtest wird gemieden weil es schlimmstenfalls mit einem HG endet.

Was Ich bestätigen kann Ich "der Fluch der Fleischbanane", die Leute denen Ich meine Geräte gezeigt hab waren völlig überrascht und positiv angetan. Ich glaub da ist der Stand der Technik inzwischen reif für weitere Verbreitung. Mit dem Stand von vor zehn Jahren oder so wäre das für mich persönlich auch nicht in Frage gekommen, dann lebt man lieber mit einer leichten Hörminderung statt irgend so einem Analogen Riesenschinken.

Was die jungen Leute in derr HG-Werebung angeht, das habe Ich nicht so erlebt. Gerade auf den Herstellerseiten tummeln sich die Renter, junge Leute in einer Kneipe oder auf einem Konzert oder andersweitig mitten im Leben sucht man vergebens.

PS: Streaming und Fitnesstracker finde ich persönlich völlig uninteressant.
Was Ich viel lieber hätte wären ein paar ansehnliche Farben. Dann und wann sieht man die Teile ja doch, dann hätt Ichs gern wenn die nach was aussehen. Es gibt ja auch dezente und unauffällige aber trotzdem elegante Farbkombinationen.
Ohrenklempner
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#59

Beitrag von Ohrenklempner »

Der Mythos mit der hörgeschädigten 80er/90er-Generation hält sich ziemlich wacker. Ein junges, gesundes Ohr steckt eine gelegentliche Extrembeschallung gut weg. In der Summe sind das um Größenordnungen geringere Lärmexpositionen als bei jemandem, der 40 Jahre lang am Dampfhammer oder an der Kreissäge stand.
rabenschwinge
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#60

Beitrag von rabenschwinge »

Meinem Vater ( Baujahr 1943) hat die Arbeit im Hafen das Hörvermögen geschrottet.
Helm und Gehörschutz? Never ever. Ist lästig, stört beim Arbeiten im Ausleger etc.pp. .
Tja und irgendwann war dann beim Hören Ende Gelände.

Bei mir war es ein Unfall mit Pyrotechnik, der den Grundstein für meine Schwerhörigkeit legte.

Was ich persönlich mir wünsche sind ganz einfach mehr Farben und auch auffällige Farben.

Geht doch bei Brillen auch 😉👍
misterref
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#61

Beitrag von misterref »

Ohrenklempner hat geschrieben: 12. Jun 2024, 07:54 Der Mythos mit der hörgeschädigten 80er/90er-Generation hält sich ziemlich wacker. Ein junges, gesundes Ohr steckt eine gelegentliche Extrembeschallung gut weg. In der Summe sind das um Größenordnungen geringere Lärmexpositionen als bei jemandem, der 40 Jahre lang am Dampfhammer oder an der Kreissäge stand.
Ich denke nicht das dies ein Mythos ist, die 80er/90er Jahre war geprägt von Walkman auch jetzt haben viele permanent eine überlaute Beschallung ins Ohr.

Es ist klar das es immer Arbeiten oder Situationen gab die Laut waren und es Leute gab die sich dadurch das Ohr geschädigt haben, aber so extrem wie nach der Walkmanzeit wird es nicht gewesen sein. Und wenn man dann jedes Week-end direkt neben den Beat-boxen tanzt muss man sich ja dann auch nicht wundern wenn was kaputt geht
laymer
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Re: Hörgerätewerbung und die Frage:

#62

Beitrag von laymer »

misterref hat geschrieben: 12. Jun 2024, 12:38
Ohrenklempner hat geschrieben: 12. Jun 2024, 07:54 Der Mythos mit der hörgeschädigten 80er/90er-Generation hält sich ziemlich wacker. Ein junges, gesundes Ohr steckt eine gelegentliche Extrembeschallung gut weg. In der Summe sind das um Größenordnungen geringere Lärmexpositionen als bei jemandem, der 40 Jahre lang am Dampfhammer oder an der Kreissäge stand.
Ich denke nicht das dies ein Mythos ist, die 80er/90er Jahre war geprägt von Walkman auch jetzt haben viele permanent eine überlaute Beschallung ins Ohr.

Es ist klar das es immer Arbeiten oder Situationen gab die Laut waren und es Leute gab die sich dadurch das Ohr geschädigt haben, aber so extrem wie nach der Walkmanzeit wird es nicht gewesen sein. Und wenn man dann jedes Week-end direkt neben den Beat-boxen tanzt muss man sich ja dann auch nicht wundern wenn was kaputt geht
Da scheint mir doch der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein.
Statistisch ist davon nichts erkennbar.
In der Realität haben die meisten Läden heute Grenzwerte, die auch eingehalten werden. Das selbe gilt inzwischen auch für MP3-Player (siehe entsprechende EU-Verordnung) Über 85db kommt man selten, und das ist zwar die toxische Lärmschwelle - aber unetr der Bedingung, dass man dieser Lautstärke im Schnitt 40h pro Woche ausgesetzt ist. Ein Zeitmaß, das sich offenkundig nicht auf Diskobesuche bezieht.

In der Tat geht in den letzen Jahrzehnten sogar die Altersschwerhöirgkeit zurück, nicht so signifikant dass sich Akustiker sorgen um ihr Geschäft machen müssten, aber in einem statistisch relevanten Umfang. Lärmschäden sind durch enstprechende Maßnahmen im Arbeitsschutz und ein erhöhtes Bewusstsein insgesamt stark zurückgegangen. Nichtsdestoweniger stellen Berufsbedingte Schädigungen nach wie vor den größten Anteil der erfassten Lärmschäden dar, und das stellt sich auch in der realen Erfahrung so dar.

Zurück zum Kernargument: Der Weg zu einer besseren Akzeptanz geht nicht darüber, dass man anderen Hörschäden wünscht. Sondern dahin , dass man das Bild der kaum Wirkungsvollen "Fleischbanane" aus den Köpfen kriegt. Denn wie gesagt, Ich glaube dass recht viele Leute mit einer Leichtgradigen Hörminderung unbemerkt rumlaufen bzw. einfach so damit leben, da das aus eigener Erfahrung auch sehr gut und ohne wesentliche Einschränkungen geht, erst recht wenn das Hirn noch jung und die Sprachverarbeitung (noch) gut ist. Der Mensch ist zum Kompensieren gebaut, gewisse Verluste sind in unsere Physiologie schon "eingepreist" insofern sie nicht allzu groß ausfallen, da im Leben früher oder später unvermeidbar. Ich habe den Eindruck, dass viel des negativen "Erwartungsmanagements" rund um Hörgeräte daher kommt, dass auch heute noch die meisten Leute erst eine Versorgung in Betracht ziehen, wenn die Einschränkungen sehr signifikant werden, die Wirksamkeit eines HGs also begrenzt. Meiner Meinung nach kommt viel von den Erzählungen rund um Grenzen der HGs auch vom Fokus auf das Höhere Alter. Ein Siebzigjähriger wird auch mit den Ohren eines zwölfjährigen nicht mehr "wie früher" höhren, einfach weil die entsprechende Verarbeitung im Hirn im Alter zurückgebaut wird. Der Fokus aufs Alter verzerrt daher auch den Blick darauf sehr stark, was HGs für einen tun können wenn man nur so ein bisschen schlecht hört und noch jung ist, nämlich sehr sehr viel.
Mein geringgradig Kettensägengeschädigter Kumpel hört inzwischen mit den Teilen auch wieder Prima ;) , auch in Geräuschvoller Umgebung.
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