Zu Jung zum schwerhörig sein?

Antworten
Nici-Sunshine
Beiträge: 9
Registriert: 19.06.2022
Wohnort: Nord NRW

Zu Jung zum schwerhörig sein?

#1

Beitrag von Nici-Sunshine »

Guten Hallo zusammen,

war vor einiger Zeit beim HNO. Bis dahin hatte ich noch keine Ahnung, wie viel meine Ohren verpassen. Wegen meiner Allergien hatte ich Druckgefühle auf den Ohren und hörte schlechter als normal. Da mir das Sorgen bereitete, ging es für mich ab zum Arzt.
Die Untersuchung lief so ab, Arzt kam rein, fragte mich was los ist. Ich ihm also gesagt, dass ich seit ich klein bin einen Tinnitus habe, seit der Allergiezeit aber schmerzen in den Ohren, Schwindel stellenweise bei starkem Tinnitus und das schlechter höre. Der guck einmal in die Ohren, drückt mir ein Privatrezept wegen des Tinnitus in die Hand und will wieder gehen. Ich frage nach, was wegen des schlechten hören ist und er sagte mir "Das kommt vom Nacken", den er nicht untersucht hatte.
Da mir das zu blöd war und ich schon ein wenig Sorge hatte, bin ich zu meinem Hausarzt, der direkt eine leichte Schwellung im Ohr feststellte, die der HNO nicht gesehen hat. Natürlich war ich stocksauer und bin zu einem HNO in der Nachbarstadt. Der hat dann einen Hörtest gemacht und eine leichte Schwerhörigkeit festgestellt.

Kommt das öfter vor? Also haben andere auch solche Erfahrungen gemacht? Ich meine, ich bin 30, sehe aus wie 18-20 und habe das Gefühl, dass unter anderem deswegen, die Ärzte mich einfach nicht ernst nehmen. Ich bin jetzt erstmal froh, dass ich meine Hörschwäche jetzt schwarz auf weiß habe, aber das kann doch nicht normal sein.

Was habt ihr so für Erfahrungen gemacht und ich meine auch die jüngeren unter uns.
Dani!
Beiträge: 1987
Registriert: 09.03.2012
10
Wohnort: Landkreis München

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#2

Beitrag von Dani! »

Mit 75 ist man auch noch zu jung für Hörgeräte. Sehe ich gerade an meinem Vater.

Im Ernst.Ich hab mit 4 Jahren meine ersten bekommen. Zu jung? Nein, weil ich damit meine Umwelt viel besser mitkriege. Ohne HGs ist es umgekehrt - die Umwelt kriegt dann glasklar mit, dass man regelmäßig auf ganz was anderes antwortet als gesagt wurde.
Dominik
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
Brittany
Beiträge: 428
Registriert: 11.08.2021

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#3

Beitrag von Brittany »

Hi Dani!,

ich glaube, Nici-Sunshine ging es eher um eine Art "Jugenddiskriminierung" - also darum, dass Schwerhörigkeit vom HNO nicht richtig ernst genommen wird, wenn man noch nicht "alt genug" ist und nicht ins stereotype Bild eines Schwerhörigen passt. Junge haben sozusagen nicht schwerhörig zu sein.

Brittany
dixi
Beiträge: 185
Registriert: 31.01.2018
4

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#4

Beitrag von dixi »

Ein HNO der keinen Hörtest macht, sollte man generell meiden.
Gehört ja eigentlich zur Standarduntersuchung.
Wäre das selbe, wenn eine Augenarzt keinen Sehtest macht,...
Ohrenklempner
Beiträge: 5281
Registriert: 20.02.2015
7
Wohnort: Mitteldeutschland

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#5

Beitrag von Ohrenklempner »

Vielleicht hat er nen schlechten Tag gehabt... das entschuldigt natürlich nicht so einen Fehler und man kann nur hoffen, dass solche Vorkommnisse Einzelfälle sind. Ich höre manchmal auch Dinge von den Kunden, die mich an der Kompetenz oder zumindest am Enthusiasmus einiger HNOs zweifeln lassen:
- "bei ADHS verordne ich keine Hörgeräte",
- "Sie hören Ihrem Alter entsprechend, da kann man nichts machen",
- "ich schicke Sie mal zur CI-Sprechstunde" (mittelgradige Innenohr-Schwerhörigkeit)
Schön ist auch immer: "Ich soll drei Kassenhörgeräte testen, hat die Ärztin gesagt"
Oder wenn sich die HNOs beschweren, dass man die Dreistigkeit besitzt, schon vor einer Verordnung Hörgeräte anzupassen... andere wiederum stellen erst eine Verordnung aus, wenn der Patient sich für ein Hörgerät entschieden hat.
Da steckste manchmal einfach nicht drin.
Carreau!
Dani!
Beiträge: 1987
Registriert: 09.03.2012
10
Wohnort: Landkreis München

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#6

Beitrag von Dani! »

Brittany hat geschrieben: 22. Jun 2022, 10:48 Hi Dani!,

ich glaube, Nici-Sunshine ging es eher um eine Art "Jugenddiskriminierung" - also darum, dass Schwerhörigkeit vom HNO nicht richtig ernst genommen wird, wenn man noch nicht "alt genug" ist und nicht ins stereotype Bild eines Schwerhörigen passt. Junge haben sozusagen nicht schwerhörig zu sein.

Brittany
Hm, da könntest du Recht haben. Die Überschrift hat mich doch arg geblendet. Du musst wissen, ich bin sehr Blendempfindlich 8-) (Bin ich wirklich, aber das hat natürlich nichts mit hier zu tun...)

Also nochmal:

HNO-Ärzte sind halt nur AUCH Ohrenärzte. Meine Erfahrung ist, dass der "Ohren"-Teil ihrer Ausbildung etwas kurz kommt oder ein Großteil dieser Ärzte kaum an der Untersuchung einer Schwerhörigkeit interessiert ist. Dass aber nicht mal die Schwellung bei Nici gesehen wurde, lässt mich dann doch arg an der Kompetenz des Arztes zweifeiln. Sollte NICHT normal sein.
Dominik
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
Chocolate
Beiträge: 149
Registriert: 21.05.2013
9
Wohnort: Niedersachsen

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#7

Beitrag von Chocolate »

Also ich habe das Gefühl, dass viele HNOs sich wie auch sonst viele Ärzte manchmal sehr auf das "Häufiges ist häufig, seltenes ist selten" beruhen. Bei Rentnern erwarten HNOs vermutlich einen Hörverlust, bei jüngeren eher nicht.
Da Ärzte selbst auch nur Menschen sind, haben die auch durchaus gewisse Vorurteile, so wie "Junge Leute hören zu laut Musik" oder ähnliches.

Das entschuldigt aber auf gar keinen Fall, dass kein Hörtest gemacht wurde, mein früherer HNO war zwar nicht unbedingt begeistert bei einer 19 jährigen mit Hörproblemen, hat es aber wenigstens ernst genommen, und vor allem auch Konsequenzen draus gezogen (direkt HG-Verordnung nach umfangreicherem Sprachtest).
Du brauchst auf jeden Fall einen HNO, der dich ernst nimmt, auch wenn der vielleicht etwas weiter entfernt ist.

Auch das HNOs nur AUCH Ohrenärzte sind finde ich ist eine gute Beachtung. Ich hab bisher oft das Gefühl gehabt, dass mein akuteller HNO vor allem Ohrenarzt ist, aber ich denke das ein Glücksgriff. Dem ist nämlich vollkommen egal ob ich mit einer Kehlkopfentzündung, Heuschnupfen oder sonst was komme, meine Ohren sieht er sich immer an, für gewöhnlich auch gleich als erstes bevor er irgendwas anderes macht (vielleicht hat er das sich so fest gelegt bei HG Trägern).
beidseits mittlerweile hochgradig bis an Taubheit-grenzend SH ("Wannen"kurve)
versorgt mit Phonak Naida B70 SP
chefkoch82
Beiträge: 72
Registriert: 19.03.2015
7

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#8

Beitrag von chefkoch82 »

Waren wir beim selben HNO ? :lol:

Bin 39, sehe aus wie 25. Als ich das Gefühl hatte, nicht mehr gut zu hören, wurde beim HNO ein Hörtest gemacht und (oh Wunder - ich höre nicht gut). Also mit Test wieder ins Arztzimmer. Kurzer Blick auf den Test: "Sie hören nicht gut". :roll: Im Glauben, es käme seitens des Arztes noch etwas blieb ich sitzen. Aber nein, mein Termin war beendet.

Beim dritten (!) HNO musste ich aktiv ansprechen, dass ich gerne testen würde, ob mir HG etwas bringen würden und ob er mir für diesen Fall die Verordnung ausstellen würde.

Du bist also kein Einzelfall. Einfach hartnäckig bleiben. :)
Carla
Beiträge: 449
Registriert: 06.11.2020
1

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#9

Beitrag von Carla »

Was tut es denn zur Sache, ob man älter oder jünger aussieht? Der behandelnde Arzt müsste ja auch die Patientenakte vorliegen haben, aus der das Geburtsdatum ersichtlich ist.
Chocolate
Beiträge: 149
Registriert: 21.05.2013
9
Wohnort: Niedersachsen

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#10

Beitrag von Chocolate »

Carla hat geschrieben: 22. Jun 2022, 22:00 Was tut es denn zur Sache, ob man älter oder jünger aussieht? Der behandelnde Arzt müsste ja auch die Patientenakte vorliegen haben, aus der das Geburtsdatum ersichtlich ist.
Der erste Eindruck erfolgt für gewöhnlich visuell, und ich nehm es auch keinem Arzt krumm, wenn er nicht jedes mal das Alter ausrechnet. Bei vielen Dingen ist das ja auch einfach nicht auschlaggebend.

Edit: Allgemein gemeint, oft werden die es bestimmt machen, nur vielleicht nicht immer. Auch nicht speziell auf eine Arztgruppe.
Zuletzt geändert von Chocolate am 22. Jun 2022, 23:01, insgesamt 1-mal geändert.
beidseits mittlerweile hochgradig bis an Taubheit-grenzend SH ("Wannen"kurve)
versorgt mit Phonak Naida B70 SP
Carla
Beiträge: 449
Registriert: 06.11.2020
1

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#11

Beitrag von Carla »

Viele Dinge, ja. Aber der Arzt ist es gewohnt, das Alter aufgrund des Geburtsdatums auszurechnen. Es ist keine Raketentechnologie. Zumal der Patient ja auch einen Grund hat, den Arzt aufzusuchen. Das wird vorher im Anamnesebogen abgeklärt. Da mag ich nicht glauben, dass gerade HNO Ärzte nur nach dem visuellen Eindruck urteilen.
Nici-Sunshine
Beiträge: 9
Registriert: 19.06.2022
Wohnort: Nord NRW

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#12

Beitrag von Nici-Sunshine »

Erstmal danke für die vielen Antworten.
Nach dem, was ich an Bewertungen später über den Arzt, bei dem ich war gelesen habe, ist der nicht sonderlich gut. Wundert mich kein Stück, so wie der mit mir umgegangen ist. Bin sehr froh, danach nochmal zu meinem Hausarzt gegangen zu sein. Der hat wenigstens mal richtig in die Ohren geschaut und mir gesagt, dass ich mir das nicht einbilde. Das da halt wirklich was ist.
Was mich am meisten stört ist, dass der Arzt mit dem Gehör von Leuten spielt. Wenn man mit einer Schwerhörigkeit kein HG bekommt, kann das noch weiter das Gehör schädigen und das Gewöhnen an ein HG später schwerer machen.
Am Ende bin ich ja sogar zu einem anderen HNO. Der hat dann die Probleme beim Hören festgestellt, aber ein HG hab ich immer noch nicht verschrieben bekommen. Da ich schon wegen anderen Erkrankungen von Arzt zu Arzt rennen muss, habe ich mir dann erstmal privat HGs gekauft. Es wurde mir halt einfach zu viel.

Die Gründe, warum ich bei dem Arzt war, standen in dem Bogen. Hab ihm ja auch nochmal gesagt, dass ich halt mehrere Probleme habe. Als er Tinnitus gehört hat, war im Grunde ende. Für den Rest hat der sich nicht mehr interessiert. Versuche jetzt mal irgendwo einen Ohrenarzt zu finden, der mich wirklich ernst nimmt und mich nicht wegschickt. Ich meine, ohne Hörgerät verstehe ich teilweise nicht mal meinen verlobten neben mir.
akufrank59
Beiträge: 160
Registriert: 10.01.2020
2
Wohnort: Nähe Darmstadt

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#13

Beitrag von akufrank59 »

@Nici-Sunshine

Hallo und herzlich willkommen!

Ich bin jetzt seit gut 42 J. Akustiker und habe schon SEHR unterschiedlich interessierte (und ausgerichtete) HNO-Ärzte erlebt. Scheint wirklich ein Glücksfall zu sein, auf audiologisch SPEZIALISIERTE Praxen zu treffen.

In Flensburg-Mitte gab es den in dieser Hinsicht wirklich herausragenden Dr. Dr. Helmut Oehne. Leider seit mind. 10 J. im Ruhestand :-(

Geh zu deinem/deiner HNO und sage ganz klar, dass du besser hören möchtest. Viel Glück !

lG

der olle Frank
akufrank59
Beiträge: 160
Registriert: 10.01.2020
2
Wohnort: Nähe Darmstadt

Re: Zu Jung zum schwerhörig sein?

#14

Beitrag von akufrank59 »

Dani! hat geschrieben: 22. Jun 2022, 09:04 Mit 75 ist man auch noch zu jung für Hörgeräte. Sehe ich gerade an meinem Vater.
Da sagst du was ! :yes:

Wer absolut meint, er (sie) gehöre noch nicht dazu ( gemeint: zur Personengruppe "der ALTEN" ), der (die) bekennt sich eben auch nicht zu dem, was ihm (ihr) von Kabarett, Regenbogenpresse und dem "allgemeinen Volksmund" (nicht etwa: gesunden Volksempfinden :( ) als "typisches Altersattribut" LEIDER schon immer suggeriert wurde und nicht selten immer noch wird.

Leute, bleibt stark !!

lg Frank
Antworten