CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

fast-foot
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CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#1

Beitrag von fast-foot »

Zur Begründung möchte ich auf einen Artikel verweisen und gewisse Aussagen kommentieren. Ich betone, dass ich in diesem Beitrag meine Sichweise darlege.

Hier zunächst der Link:

http://gehoerlosenzeitung.de/zwang-coch ... engericht/
...der Chefarzt sieht sich darin „als Garant für das Wohl“ des Kindes dazu verpflichtet.
Na ja, ich denke, er ist vor allem seinem eigenen Wohl verpflichtet.
...eine CI-Versorgung – aus Sicht des Klinikums eine medizinisch notwendige Behandlung...
Nein, die Bahandlung ist bestenfalls medizinisch indiziert (was jedoch ebenfalls längst nicht immer zutrifft, wenn eine Klinik zu diesem Schluss gelangt).
Für Kestner ist jedenfalls klar: Das Klinikum betreibt Nötigung.
Ja. Eigentlich sollte man die Kliniken verklagen für ihre dauernd produzierten Fehlleistungen und Desinformationen der Patienten bzw. Eltern.
Dies würde einen massiven staatlichen Eingriff in die familiäre Autonomie (= Selbstbestimmung) bedeuten. „Es ist eine Einmischung in unser Leben“, sagt die Mutter.
Ja. Es gibt vermutlich eine nicht geringe Anzahl von "Fällen", in welchen sich die Eltern eher wenig Gedanken (natürlich "gemessen an der meinem Eindruck zu Folge sehr sorgfältig getroffenen Entscheidung der Eltern, über welche berichtet wird") darüber machen, wie Sie mit der Hörschädigung des Kindes umgehen wollen, sondern "mehr oder weniger einfach" den Aerzten der Kliniken vertrauen. Hier sehe ich eigentlich viel eher Anlass dazu, allenfalls (mit Betonung auf "allenfalls") zum Wohle des Kindes von behördlicher Seite her ein zu schreiten, wobei gleichzeitig generell die Vorgehensweisen vieler implantierender Kliniker einer gründlichen Qualitätskontrolle unterzogen werden sollten.

Gruss fast-foot
Zuletzt geändert von fast-foot am 22. Nov 2017, 08:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Ohrenklempner
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#2

Beitrag von Ohrenklempner »

Für mich ist ein beharrliches Abraten von einer CI-Implantation unterlassene Hilfeleistung.

Die Eltern sollen selbst entscheiden, was sie ihrem Kind zumuten wollen und was nicht.
Allons-y!
muggel
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#3

Beitrag von muggel »

Hallo,

es gab gestern zu diesem Thema einen kurzen NDR-Bericht. Hier wurde gesagt, dass der Arzt das Jugendamt eingeschaltet hat, weil die Eltern eine CI-Beratung verweigert haben.

Da die genauen Anklagepunkte unklar sind (CI-Beratung vs Zwangsimplantation) sollte man diese Aussagen allesamt mit Vorsicht genießen.

Für mich ist Fakt: eine fundierte Entscheidung kann nur nach ausführlicher Beratung und Information erfolgen.
Die entgültige Entscheidung soll den Eltern obliegen, es darf keine Zwangs-Implantation geben.

Grüße,
Miriam
Ohrenklempner
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#4

Beitrag von Ohrenklempner »

Gut gesagt, Miriam.

Es ist klar, dass die Gehörlosen-Ecke die Informationen am einen Ende aufbauscht und die Klinik am anderen Ende. Eine neutrale Beurteilung können wir mit unserem Kenntnisstand kau treffen.

Ich les ja auch nicht BILD, wenn ich mich informieren will. ;)
Allons-y!
fast-foot
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#5

Beitrag von fast-foot »

Hier meine Sichtweise:

Ach komm, sowohl die "Informationen" der BILD-Zeitung als auch die der Kliniken sind doch interessengesteuert* (Auflagen-Steigerung bzw. verkauf medizinischer Leistungen) - wo soll da der grundsätzliche Unterschied bestehen?

*) bzw. besteht zumindest ein Interessenskonflikt zwischen neutraler Beratung im Sinne des Patienten und den Verdienstmöglichkeiten der Klinik
muggel hat geschrieben:Für mich ist Fakt: eine fundierte Entscheidung kann nur nach ausführlicher Beratung und Information erfolgen.
Das sehe ich anders, wenn damit die Beratung durch die Klinik gemeint sein sollte. Sie ist nämlich nicht unbedingt fundiert bezüglich allem, was die DGS betrifft. Ausserdem werden die Aussichten bezüglich der Möglichkeiten mit CI oftmals schönfärberisch dargestellt, und die Diagnostik wird auch nicht immer mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt. Auch wird die Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse nicht selten in einem falschen Licht präsentiert.

Wenn man die Beratung durch eine Klinik ablehnt, heisst dies noch lange nicht, dass man sich nicht informiert. Es kann gerade das Gegenteil bedeuten (man verfügt über weit umfassendere, neutrale und "bessere" Informationen und kann sich die einseitigen (da möglicherweise durch finanzielle Interessen geprägte (zumindest besteht diese Gefahr ganz klar, worauf ich bereits hin gewiesen habe) sparen.

Ausserdem wurde ja bereits erwähnt, dass keine "zwingende medizinische Notwendigkeit" für den Eingriff besteht (und selbst im anderen Falle liegt es grundsätzlich in der Verantwortung des Entscheidungsträgers, ob er einem Eingriff zustimmen will oder nicht (ich kann eine Herzoperation nach einem Infarkt ablehnen - operiert die Klinik trotzdem, muss sie sich wegen Körperverletzung etc. verantworten).

Nachtrag:
Trotz dieses vorsichtig-positiven Eindrucks schreibt der Sozialarbeiter dem örtlichen Familiengericht, dass eine „erhebliche nachhaltige und schwerwiegende Schädigung mit Sicherheit voraussehbar“ sei. Im sozialen Leben sowie in der Berufswahl müsse mit Einschränkungen gerechnet werden.


Das halte ich für völligen Schwachsinn. Das würde auch bedeuten, dass für die Menschen, welchen trotz medizinischer Behandlung kein ausreichendes Hören ermöglicht werden kann (gilt für viele CI-Implantierte), gilt, dass eine „erhebliche nachhaltige und schwerwiegende Schädigung mit Sicherheit voraussehbar“ wäre. Hieraus ergeben sich zwei Möglichkeiten:

1. Das trifft zu. Dann besteht enormer Handlungsbedarf, um dies zu ändern.

2. Es trifft nicht zu. Dann ist in diesem "Falle" bereits sehr vieles falsch gelaufen.

Ich denke, dass "es bezüglich Punkt 1 nicht bestens bestellt ist" und in der Tat Handlungsbedarf besteht, und zwar nicht zu knapp. Trotzdem impliziert die (insbesondere durch die Begründung des SOzialarbeiters gestützte) Vorgehensweise gegenüber den Eltern mehr oder weniger, dass aktuell Menschen mit einem Hördefizit (ab einem gewissen Ausmass) der Zugang zu Bildung, Beruf und Gesellschaft generell verwehrt bieibt - und das finde ich sehr bedenklich.

Gruss fast-foot
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Kaja
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#6

Beitrag von Kaja »

Hallo,

hier geht es um ein Kind, das zwei gehörlose Eltern hat. Eltern und Kind sprechen in einer (offiziellen) Sprache miteinander - der Gebärdensprache. Beide Eltern können - wenn es mit dem CI gelänge, das Kind in tatsächlich in die Lautsprache zu bringen (was nicht zwingend ist - es gibt einen nicht unerheblichen Prozentsatz von Implantierten, die trotz CI nicht sprechen) - die notwendige lautsprachliche Unterstützung nicht leisten. Ich denke, diese spezielle Situation der Familie wurde durch Klinik und Jugendamt nicht ausreichend berücksichtigt.

Vergleichbar ist das mit Familien, bei denen zu Hause die deutsche Sprache nicht verwendet wird. Es ist unbestreitbar vorteilhaft, in Deutschland die deutsche Sprache zu beherrschen. Nun kann man aber nicht bei allen Familien, bei denen die Umgangssprache nicht die deutsche Sprache ist, unter dem Blickwinkel Kindeswohlgefährdung ein entsprechendes familiengerichtliches Verfahren einleiten mit dem Ziel, die Kinder dieser Familien mit Zwangsmaßnahmen in die deutsche Sprache zu bringen.

Auch für ein gehörloses Kind mag es vorteilhaft sein, in der Welt der Hörenden die Lautsprache zu beherrschen. Aber es rechtfertigt nicht Zwangsmaßnahmen, um mit einer (nicht wirklich ungefährlichen und für das Kind nicht schmerzfreien) Operation ihm die Chance (nicht Garantie) zu geben, eine Sprache zu erlernen, die nicht seine Muttersprache ist und die es in seiner Familie nicht anwenden kann.

Viele Grüße
Kaja mit Sohn (hochgradige Schwerhörigkeit bds.)
Coralie
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#7

Beitrag von Coralie »

Hallo Kaja, der Vergleich hinkt in sofern, dass ein Kind, dass muttersprachlich hörend aufgezogen wird auch noch später perfekt die Sprache des Landes in dem es lebt erlernen kann. Diese Chance verbaue ich einem Kind, das keinerlei Lautsprache in den ersten Lebensjahren erlernt.
LG Coralie
CI einseitig, andere Seite mit Hörgerät versorgt bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit.
rabenschwinge
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#8

Beitrag von rabenschwinge »

Hmm, in meinen Augen ist die OP weder lebensnotwendig noch wendet sie eine drohende Behinderung ab.

Kann also warten und muss jetzt nicht dringend durchgeführt werden.

Insofern ist der Druck und der Zwang, der dahintersteht völlig falsch.

Und nur weil etwas aus medizinischer Sicht möglich ist muss man es durchaus nicht bei jedem machen.
Kaja
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#9

Beitrag von Kaja »

Hallo Coralie
Coralie hat geschrieben: der Vergleich hinkt in sofern, dass ein Kind, dass muttersprachlich hörend aufgezogen wird auch noch später perfekt die Sprache des Landes in dem es lebt erlernen kann. Diese Chance verbaue ich einem Kind, das keinerlei Lautsprache in den ersten Lebensjahren erlernt.
Es ist ja auch ein Vergleich, der naturgemäß nicht mit dem Ausgangssachverhalt identisch ist. Unabhängig davon kenne ich in meinem privaten und beruflichen Umfeld etliche "Menschen mit Migrationshintergrund", die seit ihrer frühen Kindheit hier leben, bislang fast ausschließlich ihre Muttersprache verwendeten und nun - aus unterschiedlichen Gründen - die deutsche Sprache lernen müssen. Das ist doch sehr mühsam und nur sehr begrenzt erfolgreich (und von perfekt weit entfernt)

Natürlich ist ein CI eine wunderbare Möglichkeit, erheblich hörbeeinträchtigten Menschen das Hören zu ermöglichen und gehörlos geborenen Kindern die Möglichkeit zu eröffnen, die Lautsprache zu erlernen. Das geht aber nur, wenn das Umfeld "dahinter steht" und auch im privaten Bereich die Lautsprache verwendet wird. Das ist vergleichbar mit einer Fremdsprache, die man lernt, dann aber nicht anwendet - man wird das Erlernte innerhalb kurzer Zeit wieder vergessen.

Vor diesem Hintergrund muss das Gericht im Rahmen einer Verhältnismäßigkeitsprüfung abwägen, ob die Beeinträchtigung (Schmerzen, OP-Risiko) für das Kind den Erfolg (eventuell Erlernen der Lautsprache, die im konkreten Umfeld aber wahrscheinlich kaum verwendet wird) eine Entscheidung für das CI rechtfertigt. Zweifel daran sind nicht fernliegend.

Viele Grüße
Kaja mit Sohn (hochgradige Schwerhörigkeit bds.)
rabenschwinge
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#10

Beitrag von rabenschwinge »

Eben Kaja.

Was ich auch sehe: Die gehörlosen Eltern werden in einer Art und Weise behandelt die man bei hörenden Eltern niemals anwenden würden.

Gehörlos sein heißt eben nicht geistig eingeschränkt zu sein und eine Lage nicht beurteilen zu können

gerade gehörlose Eltern, die in auch in der in diese Lande sehr an den Rand gedrängten gehörlosen Kultur verwurzelt sind, müssen in ihrer Meinung ernstgenommen und respektiert werden.
KatjaR
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#11

Beitrag von KatjaR »

Der Arzt versucht auch nur sich rechtlich abzusichern, wenn später mal der Teenager kommt und ihn fragt warum er nach Kontakt mit den Eltern nicht tätig geworden ist, obschon er um die Taubheit wusste, will der Arzt nicht dastehen und sagen müssen, das habe ich ihren Eltern überlassen. Bei Gefährdung des Kindeswohles sind Ärzte verpflichtet zu handeln. Ob es sich bei unterlassener CI-OP um eine solche handelt, wußte weder der Arzt noch das Jugendamt rechtlich zuverlssig, deswegen soll das geklärt werden. Daraus wieder eine Anti-CI-Kampagne zu konstruieren ist billig und von der Sache her nicht gerechtfertigt. Interessant fand ich Unterhaltungen mit Sehgeschädigten zu dem Thema, die waren einhellig der Meinung dass es ein Unding sei einem Kind eine Möglichkeit zu hören willentlich vorzuenthalten, weil sie eben am besten wußten wie wichtig der Sinn ist. Auch ein gehörloses Kind ist nicht vor Erblindung gefeit, und dann? Das ist eh nur "Worstcase", ich finde es schon traurig genug es von einem Großteil der Menschen abzuschirmen. Zwang kann allerdings keine Lösung sein, nur Überzeugung. Leider werden durch die Hetzerei mancher die Vorbehalte gehörloser Eltern noch mehr unterstützt. Letztendlich wird es in ein paar Jehren eh nur noch eine verschwindende Minderheit geben, die rein gebärdensprachlich kommuniziert.8 von 10 Kbetoffenen Kindern werden heute schon implantiert, und das bei einer Population von 1 Promille der Bevölkerung. Man kann sich ausrechnen wie groß der Kreis der Betroffenen ist, mit dem sich diese Menschen dann barrierefrei austauschen können.
Zuletzt geändert von KatjaR am 31. Dez 2017, 14:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#12

Beitrag von rabenschwinge »

Hmmm, genau so gut kann das aber auch andersrum laufen, Katja. Denk mal an die Kinder die nicht mit einem eindeutig zuordnungsbaren Geschlecht geboren werden. Früher hat man den Eltern geraten möglichst früh zu operieren um das Geschlecht festzulegen. Was für viele zur Folge hatte, dass sie sich ihrem Geschlecht nicht wohlfühlten bzw. zum falschen Geschlecht hin operiert wurden. Die Menschen machen sowohl ihren Eltern als auch den Ärzten von damals massive Vorwürfe.

Heute rät man den Eltern deshalb zu warten und zur Einbeziehung der Kinder bei der Entscheidung. Was ich persönlich für sinnvoll halte. Auch bei der Entscheidung CI ja oder Nein

Bei der Vorgehensweise des städtischem Klinikums Braunschweig kommt für mein Empfinden der komische Beigeschmack des Gedankens " Dank der Möglichkeiten der Implantationsmedizin muss und darf keiner mehr gehörlos durch die Welt gehen" und genau daran stößt es sich auch bei mir.
Zuletzt geändert von rabenschwinge am 31. Dez 2017, 14:50, insgesamt 2-mal geändert.
KatjaR
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#13

Beitrag von KatjaR »

Sorry Rabenschwinge, aber das kann man aus meiner Sicht nicht wirklich vergleichen. Man kann mit CI nicht solange warten bis das Kind in die Entscheidung mit einbezogen werden kann, da es dann über die sprachsensiblen Phasen hinaus ist vom Alter her. Entscheiden kann sich das Kind (ob es CI trägt oder nicht) später immer noch, man lässt ihm nur bei früher Implantatin die Wahl, ob es hören will oder nicht. Daher kann die Entscheidung für ein CI nur von den Eltern getroffen werden, was bei einem Kind ohnen nennenswertes Restgehör früh nötig ist, ansonsten werden die Ergebnisse mit CI nicht gut, da sich der Hörnerv nicht entwickeln kann, die akustischen Areale im Gehinrn umorganisiert werden und die Vernetzung des Ghirns völlig anders abläuft als bei Kindern die Hörinput bekommen. Auch die Tragweite einer Entscheidung kann von Kindern eh erst in viel späteren Jahren erkannt werden.
Zuletzt geändert von KatjaR am 31. Dez 2017, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#14

Beitrag von fast-foot »

KatjaR hat geschrieben:Daher kann die Entscheidung für ein CI nur von den Eltern getroffen werden...
KatjaR hat geschrieben:...will der Arzt nicht dastehen und sagen müssen, das habe ich ihren Eltern überlassen.
Ja watt gilt denn nu?
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#15

Beitrag von rabenschwinge »

okay und dann sitzt das Kind zwischen den Stühlen: Eltern selbst gehörlos und in der Gehörlosenkultur verwurzelt contra Ärzte die meinen das muss so weil medizinisch möglich.

Kaja weißt mit ihrem Post auf die Konsequenz der Diskrepanz und deren Problematik hin.

Du sagst, wichtig ist für die Entwicklung des Hörnerv ist der Hörinput wichtig. Wob soll der bitte herkommen bei der Ausgangslage?

Will ich den Erfolg garantieren, dann muss ich weiterführend den gehörlosen Eltern das Kind entziehen.

Ist das Sinn der Aktion?

Und: Das Gehirn reagiert auf neue Situationen mit Umbruch und Neuvernetzung es kann also auch später implantiert werden
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#16

Beitrag von KatjaR »

Es geht darum abzuklären ob er sich nicht des Unterlassens notwendiger Schritte schuldig macht wenn er die Entscheidung vollumfänglich den Eltern überlässt, obschon die sich nicht mal informieren lassen. Ich werde das aber nicht weiter diskutieren, da mir eh nur wieder das Wort im Mund rumgedreht wird.
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#17

Beitrag von Kaja »

Hallo Katja,
KatjaR hat geschrieben:Daraus wieder eine Anti-CI-Kampagne zu konstruieren ist billig und von der Sache her nicht gerechtfertigt.
Es geht hier nicht um eine Kampagne für oder gegen das CI an sich, sondern um die Frage, ob eine Kindeswohlgefährdung in Betracht kommt, wenn die Eltern von ihrem gesetzlich zugebilligten Recht, eine Operation abzulehnen, Gebrauch machen. Wenn man das bejaht, müsste man zwangsläufig die Gesundheitsorge für Kinder aus dem Bereich des Sorgerechts herauslösen und vollumfänglich dem Staat übertragen.

Auch Eltern, die beispielsweise Impfungen ablehnen, wird nicht das Sorgerecht wegen möglicher Kindeswohlgefährdung entzogen. Ein Arzt wird auch dann bei einer Weigerung der Eltern nicht impfen, wenn er möglicherweise später von dem Kind, das nun unter den Folgen der Infektionskrankheit leidet, gefragt werden könnte, warum er nicht dennoch geimpft hat.

Nicht alle Bedingungen, die Dritte als suboptimal ansehen, sind tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung. Hier kommt noch dazu, dass es keine Garantie dafür gibt, dass das konkrete Kind tatsächlich mit dem CI hört und die Lautsprache erlernt. Bei welcher Erfolgsrate möchtest du denn Eltern zwingen lassen, eine möglicherweise helfende Operation zu akzeptieren?
KatjaR hat geschrieben:Der Arzt versucht auch nur sich rechtlich abzusichern, wenn später mal der Teenager kommt und ihn fragt warum er nach Kontakt mit den Eltern nicht tätig geworden ist, obschon er um die Taubheit wusste, will der Arzt nicht dastehen und sagen müssen, das habe ich ihren Eltern überlassen.
Jede Operation ist rechtlich eine Körperverletzung und bedarf einer vorherigen Genehmigung durch den Betroffenen bzw. seine Eltern. Unterlässt ein Arzt bei einer nicht erteilten Genehmigung die OP, handelt er rechtskonform und muss sich nicht zusätzlich absichern. Eine Nichtdurchführung einer (möglicherweise) indizierten OP nach umfassender Aufklärung ist bei Verweigerung der Zustimmung auch kein Behandlungsfehler, so dass es keinerlei Bedürfnis zu einer rechtlichen Absicherung gab.
KatjaR hat geschrieben:Letztendlich wird es in ein paar Jahren eh nur noch eine verschwindende Minderheit geben, die rein gebärdensprachlich kommuniziert.
Durch den Sport meines Sohnes habe ich regelmäßig Kontakt zu den Menschen, die rein gebärdensprachlich kommunizieren. Das von dir beschriebene Szenario kann ich nicht bestätigen. Die Gruppe der Kinder, die in DGS kommunizieren, wächst hier stetig. Und so lange die Gebärdensprache eine anerkannte Sprache ist, hat der Staat kein Recht einzugreifen, wenn Eltern diese Sprache als Muttersprache für ihre Familie verwenden wollen.

Viele Grüße
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#19

Beitrag von KatjaR »

Völlig richtig Kakja, daher wird es keine Zwangsimplantation geben, die gerne von Leuten aufgeführt wird die versuchen Stimmung gegen CI zu machen. Dein Betrag und der von Rabenschwinge sind damit auch in keiner Weise gemeint. Ich habe ich mit dem Thema schon sehr intensiv beschäftigt und mich dazu auch sehr ausgetauscht. So was finde ich auch wichtig und inspirierend, aber nur mit Leuten wie euch, mit denen man so was auch sachlich diskutieren kann. Sämtlich Fachleute die dazu befragt wurden und Stellung bezogen haben lehnen Zwang zum CI völlig ab.
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#20

Beitrag von fast-foot »

Kaja hat geschrieben:Jede Operation ist rechtlich eine Körperverletzung und bedarf einer vorherigen Genehmigung durch den Betroffenen bzw. seine Eltern. Unterlässt ein Arzt bei einer nicht erteilten Genehmigung die OP, handelt er rechtskonform und muss sich nicht zusätzlich absichern. Eine Nichtdurchführung einer (möglicherweise) indizierten OP nach umfassender Aufklärung ist bei Verweigerung der Zustimmung auch kein Behandlungsfehler, so dass es keinerlei Bedürfnis zu einer rechtlichen Absicherung gab.
KatjaR hat geschrieben:Völlig richtig Kakja, daher wird es keine Zwangsimplantation geben...
KatjaR hat geschrieben:Der Arzt versucht auch nur sich rechtlich abzusichern, wenn später mal der Teenager kommt und ihn fragt warum er nach Kontakt mit den Eltern nicht tätig geworden ist, obschon er um die Taubheit wusste, will der Arzt nicht dastehen und sagen müssen, das habe ich ihren Eltern überlassen.
???
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#21

Beitrag von Lazygirl »

Nur mal so aus der Praxis...
Bei uns gegenüber wohnt eine Familie, beide Erwachsene taub. Die Tochter ist hörend. Sie spricht beide „Sprachen“ fließend.

Warum sollte ich meinem Kind, wenn es taub oder schwerhörig geboren wird und es die technischen Möglichkeiten gibt, verweigern, nur den Versuch zu starten das Kind in die hörende Umwelt zu integrieren. An unseren Grundschulen gibt es immer mehr Kinder mit Implantat und die fühlen sich wohl. Komplett gehörlos nehme ich dem Kind die Chance das zu erleben!

Welche Motivation haben die Eltern, für ihr Kind eine Ersatzumwelt aufzubauen?

In diesem Sinne, einen guten Rutsch ins neue Jahr 🙋🏼
fast-foot
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#22

Beitrag von fast-foot »

Lazygirl hat geschrieben:Warum sollte ich meinem Kind, wenn es taub oder schwerhörig geboren wird und es die technischen Möglichkeiten gibt, verweigern, nur den Versuch zu starten das Kind in die hörende Umwelt zu integrieren.
Warum Du das Deinem Kind verweigern solltest, musst Du schon selbst wissen, und ist mir, abgesehen davon, relativ egal...

Gruss fast-foot
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#23

Beitrag von Kaja »

Lazygirl hat geschrieben:Bei uns gegenüber wohnt eine Familie, beide Erwachsene taub. Die Tochter ist hörend. Sie spricht beide „Sprachen“ fließend.
warum "Sprache" in ""? Die DGS ist eine offizielle Sprache. Die Anführungszeichen sind in diesem Zusammenhang nicht angebracht.

Um beide Sprachen zu sprechen, musste die Tochter nicht - gegen den Willen der Eltern - einer schmerzhaften Operation mit nicht sicherem Ausgang ausgesetzt werden. Dein Beispiel trifft das Problem nicht so ganz.
Lazygirl hat geschrieben:Warum sollte ich meinem Kind, wenn es taub oder schwerhörig geboren wird und es die technischen Möglichkeiten gibt, verweigern, nur den Versuch zu starten das Kind in die hörende Umwelt zu integrieren.
Darum geht es hier nicht. Es ist nicht relevant, was du in dieser Situation tun würdest. Es geht darum, ob der Staat berechtigt ist, seine Entscheidung an die Stelle der Entscheidung der Eltern zu stellen und das, ohne die tatsächlichen Beweggründe der Eltern für ihre Entscheidung vollumfänglich zu berücksichtigen.

Aber wie würdest du das finden, wenn der Staat deine - sicher wohldurchdachte Entscheidung für ein CI - als Kindeswohlgefährdung betrachten und über eine familiengerichtliche Entscheidung dem Arzt die CI-Versorgung deines Kindes untersagen würde?
Lazygirl hat geschrieben:An unseren Grundschulen gibt es immer mehr Kinder mit Implantat und die fühlen sich wohl. Komplett gehörlos nehme ich dem Kind die Chance das zu erleben!
Leider fühlen sich nicht alle Kinder mit dem CI wohl. Nicht jedes Kind kann damit hören und sprechen lernen. Und natürlich gibt es auch gehörlose Kinder, die sich - ohne CI - an Schulen wohlfühlen. Das erlebe ich regelmäßig in Gesprächen mit Kindern anlässlich der Wettkämpfe im Gehörlosensport.
Lazygirl hat geschrieben:Welche Motivation haben die Eltern, für ihr Kind eine Ersatzumwelt aufzubauen?
Es ist keine Ersatzwelt, sondern die Lebenswirklichkeit der Eltern, die eine offizielle Sprache als Muttersprache sprechen und sich in dieser auch mit ihrem Kind unterhalten wollen. Und sie wissen, dass sie das, was das Kind nach der CI-Operation dringend benötigt - Kommunikation in Lautsprache - nicht leisten können und befürchten, dass dadurch das Ziel der OP - das Erlernen der Lautsprache - nicht zu erreichen ist.

Viele Grüße
Kaja mit Sohn (hochgradige Schwerhörigkeit bds.)
Faber

Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#24

Beitrag von Faber »

moin Kaja,
hier ist deiner Auffassung auch von mir vollumfänglich zuzustimmen, weil:
sämtlichen Bestrebungen Dritter - anstelle der Eltern - für minderjährige Kinder "nur das Beste" zu wollen, sind engste Grenzen zu setzen. Und zwar immer und überall.
Meine Meinung.
LG
Gewichtl
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#25

Beitrag von uninteressant »

Hui, hier gehts heiss her.

Die Diskussionen sind so alt wie es die Gräben zwischen Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit gibt.

Persönlich sage ich, einen Zwang zu einem CI halte ich für falsch. Nichtsdestotrotz, ein gehörloses Paar unterstelle ich Befangenheit und die Unfähigkeit einer objektiven Entscheidung zum Kindswohl.

Ich bin froh nicht die Entscheidung fällen zu müssen.
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