CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

fast-foot
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#26

Beitrag von fast-foot »

Ich möchte noch auf weiter führende Informationen hin weisen, welche unter folgendm Link abrufbar sind:

https://www.kestner.de/n/verschiedenes/ ... nahnen.htm

Ich zitiere Aussagen von Karin Kestner und hänge noch einen Kommentar an, welcher meine Sichtweise darstellt:

"Heute erschien im Stern – Zeitschrift (nicht online) ein sehr gut recherchierter Artikel, der deutlich macht, dass der Fall vor einem Gericht eigentlich nichts zu suchen hat. Erstaunlich sind die Ausreden der Klinik, nachdem sie merkten, wie groß der Aufschrei in der Gehörlosenwelt, aber auch in der Presse ist! Aus haftungsrechtlichen Gründen wollten sie die Eltern aufklären? Die Eltern zu einer Implantation zu zwingen lag nicht in deren Absicht?

Da liest sich das Schreiben der von der Klinik beauftragten Anwaltskanzlei an das Jugendamt aber völlig anders. Darin wird Druck gemacht, dass die Implantation auf beiden Seiten noch im Januar 2018 erfolgen müsste. Die Voruntersuchung mittels CT und MRT müsse noch im Jahr 2017 stattfinden. Die Anwaltskanzlei erklärt dem Jugendamt die Dringlichkeit der Operation. Der Gesundheitszustand und die Entwicklungschancen des Kindes könne mit der OP wesentlich verbessert werden. Ein normales Hören wurde in Aussicht gestellt. Und erfolgreich könne die OP nur sein, wenn sie zeitnah - innerhalb von 2 Monaten - erfolgen würde.

Was bisher auch noch nicht bekannt war ist, was Prof. Gerstner in dem „Einladungsschreiben“ an die Eltern formuliert hat. Ich zitiere einige Sätze und es wird sicher jedem denkenden Menschen klar sein, warum die Eltern diese Klinik nicht mehr betreten wollten.

Zitat auf der ersten Seite:
„Das Ergebnis dieser Abklärung (Anm. KK: gemeint die Voruntersuchung) ist mit großer Wahrscheinlichkeit, dass die Hörstörung durch ein Cochlea Implantat geheilt werden kann.“

Dass Prof. Gerstner von einer Heilung spricht, darf jeden verwundern! Schon allein dieser Satz sollte jedes Elternpaar von der nicht vorhandenen Seriosität dieses Arztes und der ihn schützenden Klinik überzeugen.

Zitat auf der zweiten Seite:
„Falls Sie bei Ihrer Auffassung bleiben sollten, dass Sie keine weitere Untersuchung und Behandlung Ihres Sohnes wollen, dann kann ich Ihnen in diesem Zusammenhang auch die weiteren Schritte erklären, die von Seiten der Solidargemeinschaft und des Gesetzgebers vorgesehen sind.“

Das ist eine unglaubliche Drohung, die auch ich zweimal lesen musste, um sie zu glauben. Weitere Schritte von Seiten der Klinik - auch vor einem Gespräch mit den Eltern - wurden angedroht.

Nun warten die Eltern und die Anwälte auf die Antworten des Gutachters Prof. Dr. T. Lenarz aus der MHH. Er soll die gerichtlichen Fragen bis 30. Januar 2018 beantworten."

Hier noch ein paar Anmerkungen meinerseits:

1. denke ich, dass die Richterin total überfordert ist mit ihrer Aufgabe. Sie muss sich "von null auf informieren". Diese Problematik ist allerdings nichts Aussergewöhnliches und deshalb muss auf die Meinung von Experten abgestellt werden. Was ich nun jedoch als sehr problematisch ansehe, ist, dass

2. offenbar niemand angehört wird/werden soll, welcher sich in der Welt der Gehörlosen auskennt (falls ich mit dieser Einschätzung falsch liegen sollte, bitte ich um entsprechende Hinweise).

Die in meinem ersten Beitrag gemachten Aeusserungen sind meiner Ansicht nach berechtigt. Ergänzen möchte ich noch die Aussage, dass die Operation bestenfalls medizinsich indiziert sei. Dies ist klar nicht der Fall.

Sollte nun das Gericht zum Schluss gelangen, dass eine Operation durchgeführt werden müsse, so würde dies einem Zwang zu einer CI-Implantation trotz vorliegender medizinischer Kontraindikation entsprechen!

Ich hoffe einfach darauf, dass Prof. Dr. Lenarz von der MHH mit der nötigen Deutlichkeit auf den vorliegenden Sachverhalt hin weist und damit die einzig richtige Entscheidung vollumfänglich unterstützt.

Gruss fast-foot
Zuletzt geändert von fast-foot am 17. Feb 2018, 09:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#27

Beitrag von uninteressant »

Naja, der Satz ist aber auch ein klassiches Eigentor vor Gehörlosenverein:

"Das ausschließliche Sich-Verlassen auf besseres Hören durch ein Implantat störe die bilinguale Sprachentwicklung"

Wie soll ein tauber Mensch eine bilinguale Sprachentwicklung zeigen, wenn man nichts hört? Die bilinguale Sprachentwicklung (Sprache und DGS) ist doch sowieso schon gestört?

https://www.aerztezeitung.de/politik_ge ... indes.html
Zuletzt geändert von uninteressant am 17. Feb 2018, 11:22, insgesamt 1-mal geändert.
fast-foot
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#28

Beitrag von fast-foot »

Hallo uninteressant,

danke für den Link. Ich kommtentiere den angefügten Kommentar aus meiner Sicht und nehme so auch Bezug auf die von Dir aufgeworfene Frage:
Das vom Gehörlosen-Bund erwähnte Hörgerät bringt bei richtig diagnostizierter Gehörlosigkeit leider nichts.
Diese wird jedoch oftmals fälschlicherweise diagnostiziert, was die Aussagekraft des Arguments stark reduziert.

Ausserdem bringt auch ein CI nicht unbedingt ein befriedigendes Sprachverstehen etc.
Urban Wiesing hat recht wenn er argumentiert, Eltern sollen Kindern Entfaltungsmöglichkeiten nicht verwehren. Dazu ist das Gehör nicht verzichtbar, man denke neben zwischenmenschlichen Kontakten z.B. auch an Musik.


Tja, so toll sind die Möglichkeiten, mittels CI Musik zu hören, nicht. Einige Träger verzichten lieber darauf, was ich verstehen kann ("wer jedoch will, darf selbstverständlich").
Der Vergleich mit dem Down-Syndrom hinkt. Dieses kann man nicht somatisch behandeln, die Gehörlosigkeit dank der immer besser gewordenen Cochlea-Implantate aber durchaus.
Trotzdem kann in vielen Fällen immer noch kein offenes Sprachverstehen erreicht werden, die Implantierten gelten als taub und sind natürlich stark behindert.
Das die Erlernung der Schriftsprache hierdurch gestört werde ist nicht zu verstehen.
Hier kenne ich mich nicht aus. Spontan fällt mir jedoch ein Erklärungsansatz ein: Wenn die Schriftsprache auf Grund der Implantation auf Basis der Lautsprache gelernt wird und diese in Folge der oftmals nicht optimalen Ergebnisse einer CI-Operation im Vergleich zur Gebärdensprache (stark) eingeschränkt beherrscht wird, ist es leicht zu verstehen, zumal ja Schulen oftmals fälschlicherweise davon ausgehen, dass durch das CI keine Einschränkung im Hören und damit im Erwerb der Lautsprache vorhanden sei.
Daher ist es durchaus ein Verstoß gegen das Kindeswohl, wenn man einem gehörlosen Kind, das noch nicht selbst entscheiden kann, ein Cochlea-Implantat verweigert.


Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass eh keine Indikation für eine Implantation gegeben ist, finde ich diese Aussage unhaltbar

Gruss fast-foot
Zuletzt geändert von fast-foot am 17. Feb 2018, 12:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: CI-Abteilung des Städtischen Klinkums Braunschweig nicht zu empfehlen

#29

Beitrag von uninteressant »

Man darf aber trotz allem nicht vergessen dass die Entwicklung bei CI sicherlich auch in den letzten Jahren vorangeschritten ist und noch nicht am Ende der Möglichkeiten ist. Einen jungen Menschen in der Phase schon zu trainieren bereitet ihn auch auf zukünftigen Fortschritt vor.
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