Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

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wsbreaker
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Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#1

Beitrag von wsbreaker »

Hallo zusammen,

kurz meine Vorgeschichte:

Bei mir wurde 2017 (mit 25 Jahren) Schwerhörigkeit diagnostiziert. Da hab ich aber noch relativ gut gehört, also habe ich mich vorerst noch nicht nach Hörgeräten umgeschaut. Mit den Jahren wurde es schlimmer und ich habe mich im Frühjahr 2021 auf die Suche nach Hörgeräten begeben.

Die ersten Hörgeräte, die ich getragen habe waren IICs. Ich wollte zu dem Zeitpunkt auf keinen Fall, dass man sie sieht. Nach einigen Einstellungen vom Akustiker hat mir die Hörqualität nicht zugesagt. Ich bin dann zu einem anderen Akustiker gewechselt (Pavel), weil dieser unter anderem mit dem Natural Hearing geworben hat. Hier habe ich CICs ausprobiert. Das Natural Hearing hat mir die Dame aber erst einstellen können, nachdem ich die HGs gekauft hätte. Somit konnte ich diese Funktion nicht ausprobieren. Nachdem mir die CICs auch nicht zugesagt hatten, habe ich nun nochmal den Akustiker gewechselt, der bei mir in der Nähe wohnt.

Hier hatte ich zum ersten Mal HDOs (Phonak Paradise P90) getestet, dessen Hörqualität mir bis jetzt am besten gefiel, auch wenn sie noch nicht optimal war. Auch mit dem Service war ich sehr zufrieden. Also hab ich die Hörgeräte hier gekauft, in der Hoffnung nach einigen Anpassungen endlich wieder gut hören zu können.

Mittlerweile sind wir an dem Punkt angelangt wo ich in 1 zu 1 Gesprächen in ruhiger Umgebung eigentlich sehr gut verstehe, bei Hintergrundlärm, oder beim spazieren gehen wird es schon schwieriger.

Und hier beginnt eigentlich meine Verzeiflung: Ich habe schon so viele Hörgeräte durchprobiert, am Ende eine Riesen Stange Geld ausgegeben und höre doch nicht richtig. Ich kann in keine Bar gehen, nicht unter Leute kommen. Nur 1 zu 1 in einem ruhigen Raum klappt es gut. Das war aber nicht mein Anspruch an die Hörgeräte. Ich wollte zumindest annähernd an das Hörvermögen herankommen, als ich noch gut gehört hatte. Gestern hatte ich zum ersten Mal Ohrpassstücke ausprobiert, die laut meiner Akustikerin die Hörleistung verbessern würden. Die machen aber alles nur noch schlimmer.

So langsam verliere ich die Hoffnung, je wieder anständig hören zu können... oder mache ich grundsätzlich etwas falsch? Ich habe mir extra die hochwertigsten Hörgeräte auf dem Markt gekauft, um wieder gut hören zu können.

Kann mir da jemand einen Rat geben? Ich denke ich bin nicht der einzige mit so einem Problem... werde ich je wieder gut hören können?

Mit freundlichen Grüßen
wsbreaker
svenyeng
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#2

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Hörgeräte sind Hörhilfen und können das natürliche, menschliche Gehör nicht wieder zu 100% herstellen.
Das sollte einem klar sein.

Du schreibst, das Du viel Geld ausgegeben hast.
Warum hast Du gekauft, wenn Du nicht zufrieden bist?
Testen ist immer unverbindlich ohne Kaufzwang

Das man Natural Hearing erst einstellen kann nach dem Kauf der HGs, ist für mich Betrug.
Man muss alles testen können, die Katze im Sack kaufen muss niemand.

Gib nicht auf und teste weiter.
Welche Hersteller ausser Phonak hast Du denn bisher getestet?

Gruß
sven
Chromobotia
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#3

Beitrag von Chromobotia »

wsbreaker hat geschrieben: 24. Sep 2022, 18:05 Gestern hatte ich zum ersten Mal Ohrpassstücke ausprobiert, die laut meiner Akustikerin die Hörleistung verbessern würden. Die machen aber alles nur noch schlimmer.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlst; aber ich denke, ich kann Dich da auch etwas beruhigen:
Ich hatte viele Jahre lang Schirmchen, vor einiger Zeit bin ich auf Otoplastiken gewechselt, weil das ja besser sein soll. Die kamen dann, ich hatte irgendwie hohe Erwartungen, aber meine ersten Tage nach der Anpassung der Otoplastiken waren furchtbar: Wirklich fast alles war schlechter als mit den Schirmchen: Mehr Okklusion, feucht im Ohr, Sprachverstehen schlechter, Musikstreaming schlechter, Höhen irgendwie nicht so richtig da, ....

Meine erste Reaktion war, ok, gib der Sache wenigstens einige Tage, man muss sich da vielleicht einfach dran gewöhnen. Das ging aber einfach gar nicht, daher zurück zum Akustiker: Dort wurde die Bohrung vergrößert und einige Einstellungen geändert. Das hat mit etwas Gespräch nebenher ca. 15 Minuten gedauert, und siehe da, es ging viel besser als vorher.

Wichtig ist hier aber, dass Du Deiner Akustikerin möglichst genau sagen kannst, was nicht gut funktioniert, sonst ist das für die ja stochern im Nebel. Ich beobachte das Verhalten der HG bei solchen Testphasen immer sehr genau, damit ich das tun kann.
Akustik Alex
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#4

Beitrag von Akustik Alex »

Hey wsbreaker,

ich habe deinen Beitrag ehrlicherweise nur überflogen, es scheint mir aber so zu sein, dass die Geräte einfach falsch justiert wurden. Und zwar offensichtlich alle. Ich glaube weder, dass ein IIC, noch ein high-end-Gerät die richtige Wahl sind. Es wäre natürlich hilfreich einen Hörverlust zu kennen. IICs können aber nur leichtgradige Hörminderungen ausgleichen, wodurch ich schon einen Anhaltspunkt habe. Die Ohrstücke sind prinzipiell nicht verkehrt, aber auch hier vermutlich falsch abgeformt und/oder justiert worden. Das was dich hier zusätzlich beeinträchtigt, wird ziemlich sicher die Okklusion sein.
Um da mal ein bisschen mehr (Hör-)Erfolg zu generieren, würde ich dir, unabhängig von deinem Hörverlust eine InSitu-Anpassung ans Herz legen. Ergänzend oder Alternativ eine Insitu-Audiometrie, die eigentlich auch Standard sein sollte, aber immer noch zu wenig durchgeführt wird. Der Grund, warum ich dir zusätzlich von High-End-Geräten abrate ist der, dass du jung bist und ich mal unterstelle, dass du kognitiv nicht eingeschränkt bist. Dein Kopf kann also noch viel selbst, auch selektieren, ignorieren und konzentrieren. Die Dinge übernehmen hochpreisige Hörgeräte nämlich technisch immer mehr, je teurer es wird. Das macht allerdings wenig Sinn, wenn der Hörverlust nicht all zu stark ist und man eben selbst noch kognitive Leistung erbringen kann. Ich pauschalisiere jetzt etwas, aber: Wenn du bspw. 30% Hörverlust hast und ein Gerät mit zig Features, dann kann das Gerät dennoch nur diese 30% bearbeiten. Die anderen 70% kommen nach wie vor naturell an. Also hast du von 4000€ (oder wieviel auch immer) nur 1200€ sinnvoll investiert. Das ist wie gesagt pauschalisiert, aber verdeutlicht was ich meine ;)
Die Insutimessungen würden dir in sofern helfen, als das das komplette versorgte Ohr dabei berücksichtigt wird. Man sieht also grundlegend gesagt, was ankommen sollte und was tatsächlich ankommt. So kann man das abgleichen und optimaler justieren.

Beste Gruß,
Alex
Ohrenklempner
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#5

Beitrag von Ohrenklempner »

Hi,

hier mal meine Sichtweise des Problems.
Ich fürchte, du erwartest von Hörgeräten zu viel.
wsbreaker hat geschrieben: 24. Sep 2022, 18:05 Ich wollte zumindest annähernd an das Hörvermögen herankommen, als ich noch gut gehört hatte.
Das ist möglicherweise kaum zu erreichen. Ohne jetzt deine Hörschädigung beurteilen zu können, mag es sein, dass deine Ohren einfach nicht mehr in der Lage sind, mit komplexen Hörumgebungen fertig zu werden. So etwas kann im Lauf der Zeit besser werden, wenn das Hörorgan wieder an die Hörgeräte trainiert ist. Es ist aber mitnichten so, dass man sich mit Hörgeräten einen neuen Satz Ohren zulegt. Die Erwartung, dass es sehr teure Hörgeräte sind, mit denen es wieder annähernd so sein würde wie früher, ist einfach zu hoch gesteckt.
Was ich auch nicht optimal finde: Du testest ein Hörgerät bei Akustiker A, das gefällt dir nicht zu und du wechselst den Akustiker. Das Ganze zwei Mal. Beim Dritten, so kommt es mir vor, hast du dann überstürzt das Teuerste gekauft, womit du aber nun nicht zufrieden bist.
So ein Verhaltensmuster ist aber nichts Ungewöhnliches. Sorry, dass ich das jetzt alles in eine Schublade stecke, aber laut der Krisenbewältigungsspirale von Schuchardt ist -- fast wie nach Lehrbuch -- folgendes passiert:
1. Ungewissheit: Diagnose Schwerhörigkeit 2017, aber es klappte ja alles noch halbwegs, also hast du nichts unternommen.
2. Gewissheit: Frühjahr 2021: Es wird kritisch, die Diagnose stimmt, du machst sich auf die Suche nach einer Lösung.
3. und 4., Aggression und Verhandlung: "Wenn ich mir die besten Hörgeräte kaufe, wird es wieder so wie früher", bzw. bei Akustiker A und B hat's nicht geklappt, "So ein Mist, ich geh woanders hin!"
5. Depression, das ist deine momentane Verzweiflung, dass es trotz bester Technik am Ohr nicht so funktioniert wie erhofft.
Was folgt, wäre die 6. Phase der Annahme, in der du erkennst, dass es einfach nicht mehr so werden kann wie es früher einmal war. Oder/und dass die von dir aus der Not heraus gekauften High-End-Hörsysteme vielleicht nicht die Richtigen sind und andere Geräte vielleicht besser geeignet wären.
7. Aktivität: Beim nächsten Mal machst du es besser. Nicht gleich das Handtuch bei einem Akustiker werfen, nur weil das erste angepasste Hörsystem nicht das Richtige war. In Ruhe und intensiv testen. Es gibt viele Alternativen. Bevor ein neuer Kollege dich und deine Ohren neu kennen lernt und wieder von vorne anfängt ("Schuss ins Blaue"), vertraue erst einmal auf die wachsende Erfahrung im gesamten Anpassprozess.
Eine erfolgreiche Hörgeräteversorgung besteht aus drei Teilen, die gleichsam zusammenspielen müssen:
1. Das richtige Hörsystem,
2. eine gute Anpassung und die Begleitung/Nachjustierung im Akklimatisierungsprozess,
3. Du selbst! Dein Wille und deine Einsicht, sich wirklich damit auseinanderzusetzen. Zu akzeptieren, dass nicht alles sofort perfekt funktioniert, sondern dass die Hörverbesserung erst nach einiger Zeit ihr Optimum erreicht.

Es wird schon werden, bleibe geduldig und senke die Erwartungen! Es wird nicht alles super werden, aber es wird mit der Zeit besser. ;)

So eine Hörgeräteanpassung ist ein Prozess, und neue Kollegen im anderen Fachgeschäft müssen jedes Mal von vorne anfangen, da sie dich und deine Ohren nicht kennen.
Hast du es vor deiner Kaufentscheidung denn einmal mit anderen Geräten probiert?
Carreau!
Chocolate
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#6

Beitrag von Chocolate »

Hallo wsbreaker,

Ich musste mich leider auch viel zu früh mit dem Thema HG auseinandersetzen, ich habe nach 2 Jahren aktiver Verdrängung des Problems 2013 mit 19 Jahren die ersten Hörgeräte bekommen. Ich kann deine Probleme gut nachvollziehen, ich hatte sie ja damals selbst auch. Ich habe mal normal gehört früher, kann es also zumindest annähernd vergleichen (warum nur annähernd, dass erklär ich später).
wsbreaker hat geschrieben: 24. Sep 2022, 18:05 Ich wollte zu dem Zeitpunkt auf keinen Fall, dass man sie sieht.
Den Punkt kann ich zwar absolut verstehen, aber ich hatte zu dem Zeitpunkt als ich die HG bekam mich schon soweit damit abgefunden, dass mir das nicht mehr wichtig war, ich wollte nur endlich wieder besser hören. Ich bin allgemein kein unauffälliger Typ und ob man die Geräte nun sieht oder nicht war mir dann auch relativ egal geworden.
wsbreaker hat geschrieben: 24. Sep 2022, 18:05 Hier hatte ich zum ersten Mal HDOs (Phonak Paradise P90) getestet, dessen Hörqualität mir bis jetzt am besten gefiel, auch wenn sie noch nicht optimal war. Auch mit dem Service war ich sehr zufrieden. Also hab ich die Hörgeräte hier gekauft, in der Hoffnung nach einigen Anpassungen endlich wieder gut hören zu können.
Das ist ja erstmal schon als Erfolg zu verbuchen, dass du Geräte gefunden hast, mit denen du im Vergleich zu den vorigen zufrieden bist. Das ist am Anfang definitiv eine lange Reise, jeder Hersteller klingt anders, die verschiedenen Möglichkeiten von CIC bis HDO, mit oder ohne Passstück und so weiter.
wsbreaker hat geschrieben: 24. Sep 2022, 18:05 Ich wollte zumindest annähernd an das Hörvermögen herankommen, als ich noch gut gehört hatte. [...]
So langsam verliere ich die Hoffnung, je wieder anständig hören zu können... oder mache ich grundsätzlich etwas falsch? Ich habe mir extra die hochwertigsten Hörgeräte auf dem Markt gekauft, um wieder gut hören zu können.
Hier kommt meine Erklärung, warum ich nur annähernd den Vergleich zu normalem Hören machen kann, ich kann mich nicht (mehr) zu 100% daran erinnern, wie "normales" Hören denn genau ist. Vor der Versorgung mit HG habe ich (und du ja auch) schon eine ganze Weile nicht mehr "normal" gehört.
Die ganzen Begriffe wie "gut" Hören, oder "normal" oder "anständig", die sind alle relativ. Es wird nicht wieder so einfach wie früher, das Hören ist mit einer Schwerhörigkeit, auch wenn diese mit HG versorgt ist, ist nicht mehr so einfach, natürlich oder "nebenher" machbar. Daran muss man sich erst gewöhnen.
Es ist auch leider nicht möglich, sich mit den teuersten Geräten ein normales Gehör zurückzukaufen. Aber deine HG bieten sehr viele Einstellmöglichkeiten um es für dich so angenehm wie möglich zu machen, das solltest du nutzen. Man kann auf jeden Fall mit HG wieder "gut" hören, halt im Rahmen der Möglichkeiten.
Beidseits mittlerweile bis an Taubheit-grenzend SH
(Progredient, "Wannen"kurve)
Momentan versorgt mit Phonak Naida B70 SP
rabenschwinge
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#7

Beitrag von rabenschwinge »

Wie normal hört ein Schwerhöriger mit Hörgeräten?
Wie gut oder anständig hört er?
Für mich Begriffe, mit denen ich schon lange nichts mehr anfangen möchte.
Was Du ansprichst ist die Kür des Hörens, gerade im Club.
Um mit Hörgeräten zu hören und vorallem zu verstehen bedarf es ( anders als bei der Brille ) Übung und Training.
Viel Übung und Training.
Auch bedingt durch das Vergessen unseres Gehirns, wie die uns durch die Schwerhörigkeit fehlenden eigentlich klingen. Ein Hörgedächtnis haben wir nicht.
Und: Je müder, gestresster, nervöser, aufgeregter oder auch angespannter wir sind desto weniger verstehen wir.
Ebenfalls wenn wir in unserem Anspruch an unser Verstehen zuviel Druck aufbauen.
Angelo-Jerome
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#8

Beitrag von Angelo-Jerome »

dein beitrag erklärt mir bei mir persönlich so einiges hehe

kann das auch unterbewusst sein, das man sich zu viel Stress macht alles verstehen zu wollen und dadurch dann sich verhaspelt bzw nicht viel hört/ mitbekommt ?


rabenschwinge hat geschrieben: 27. Sep 2022, 14:04 Wie normal hört ein Schwerhöriger mit Hörgeräten?
Wie gut oder anständig hört er?
Für mich Begriffe, mit denen ich schon lange nichts mehr anfangen möchte.
Was Du ansprichst ist die Kür des Hörens, gerade im Club.
Um mit Hörgeräten zu hören und vorallem zu verstehen bedarf es ( anders als bei der Brille ) Übung und Training.
Viel Übung und Training.
Auch bedingt durch das Vergessen unseres Gehirns, wie die uns durch die Schwerhörigkeit fehlenden eigentlich klingen. Ein Hörgedächtnis haben wir nicht.
Und: Je müder, gestresster, nervöser, aufgeregter oder auch angespannter wir sind desto weniger verstehen wir.
Ebenfalls wenn wir in unserem Anspruch an unser Verstehen zuviel Druck aufbauen.
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KatjaR
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#9

Beitrag von KatjaR »

Ich bin beeindruckt Ohrenklempner, dass du dich mit Erika Schuchardt beschäftigt hast. ;)

Schön fände ich es, wenn sich mehr Menschen auch bis zum Stadium 8 der Krisenbewältigung weiter entwickeln würden,
welches Solidarität mit anderen Betroffenen beinhaltet.
Das Engagieren in Selbsthilfegruppen, die Beratung ebenfalls Betroffener und Kontakt mitselbigen zu suchen, anstatt das
Hörgerät möglichst zu verstecken und den Kontakt mit anderen scheuen, da die fehlende Annahme der Behinderung auch eine
Solidarisierung mit anderen leider oftmals verhindert.
Dadurch beraubt man sich der Möglichkeit, die Krise auch als Chance zum Wachstum zu benutzen, und Kontakte mit vielen tollen
Menschen zu bekommen. Der Austausch mit Betroffenen kann das Durchlaufen der Phasen auch enorm positiv beeinflussen.

Für mich hat das dazu geführt, dass ich mich mit der beidseitigen Taubheit ausgesöhnt habe, da ich durch die CI-Selbsthilfe
tolle Menschen kennen gelernt und Freundschaften geknüpft habe, die für mich eine besondere Quailität haben.
Langjährige CI-Trägerin (AB) Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.
(Rainer Maria Rilke)
Ohrenklempner
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#10

Beitrag von Ohrenklempner »

Erikas "Spirale" war Berufsschulstoff und dürfte eigentlich jedem Akustiker was sagen.
Wobei viele Kolleginnen und Kollegen damals womöglich gar nicht geschnallt haben, was das alles soll. Auswendig lernen, in der Klausur wieder auskotzen und fertig. Dass viele Themen im Fach Psychologie/Kommunikation tatsächlich einen realen Bezug zum echten Leben haben und (man staune!) bei der Arbeit auch weiterhelfen können, haben einige leider nicht kapiert.
Carreau!
rabenschwinge
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#11

Beitrag von rabenschwinge »

Angelo-Jerome, ja das kann durchaus passieren.
Jenne
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#12

Beitrag von Jenne »

wsbreaker hat geschrieben: 24. Sep 2022, 18:05 ...ich in 1 zu 1 Gesprächen in ruhiger Umgebung eigentlich sehr gut verstehe, bei Hintergrundlärm, oder beim spazieren gehen wird es schon schwieriger
Hallo wsbreaker,

ich kenne Deine Geräte nicht, trage aber auch Phonak. Und die "90" steht doch für die höchste Technikstufe, oder nicht? Die habe ich ebenfalls und ich kann Dir für laute Umgebungen diesen Zoom (Richtmikrofon-Charakter) wärmstens ans Herz legen. Oder andersrum: Mir ging es, als ich Hörgeräte bekommen habe, so wie Dir. In ruhiger Umgebung habe ich super gehört, aber hatte da vorher auch keine riesen Probleme. Und die schwierigen Situationen (Kneipe, Club, Bus, Bahn usw.), deretwegen ich ja überhaupt zum HNO gegangen bin, blieben auch mit Hörgeräten schwierig. Was macht man also? Genau, nicht mehr tragen.
Und ich finde das auch legitim, sie nicht zu tragen, wenn es nichts bringt. Dabei muss man aber aufpassen, dass man nicht allzu schnell den Kopf in den Sand steckt und sich vor allen Dingen auch keinen in die Tasche lügt. Bei mir waren es diese vier Punkte, die mich letztendlich doch zum Hörerfolg geführt haben:

1. Wie andere schon schrieben, braucht es seine Zeit, bis sich so eine Art Normalität mit den Geräten einstellt, d.h. bis man sie nicht mehr als etwas Fremdes am Ohr wahrnimmt und bis man beim Hören vergisst, dass man durch etwas hört und stattdessen einfach nur hört. Das heißt nicht, dass dann plötzlich alles toll wird. Aber vorher ein Urteil über die Geräte zu fällen, bringt nicht viel. Ich finde, einen guten Monat sollte man die Geräte dauerhaft getragen haben.

2. Auch wenn DU denkst, die Geräte bringen nichts: Andere um Dich herum können das durchaus anders erlebt haben. Bei mir war es z.B. meine Freundin, die mich irgendwann zur Seite nahm und mich bat, die Geräte doch bitte wieder zu tragen!

3. Mal andere Einstellungen ausprobieren. Mich stören z.B. überbetonten Mitten. Ich weiß, die sind sprachrelevant etc. Aber sie machen vieles unangenehm. Und wenn man bei den Verständlichkeitstests mit einem Klang, den man als angenehmer empfindet, ähnlich gut abschneidet wie mit dem Vollbrett in den Mittenfrequenzen, ziehe ich besseren Klang vor. Bei einem anderen Termin fand meine Akustikerin zufällig die Funktion "Bass Boost". Und der klang gut! Und ich würde Dir empfehlen, die Änderungen der Einstellung immer so deutlich zu machen, dass es ein offensichtlicher Unterschied ist. Dann merkt man eher, OK, geht in die richtige Richtung oder nicht. Finetuning kann man später noch machen. Auch da ein lustiges Erlebnis mit einer anderen Akustikerin, die sagte, sie habe den Klang jetzt so und so verändert. Auf meinen Einwand hin, dass das aber nicht zu hören sei, entgegnete sie, doch, doch, der Klang sei jetzt anders. Daraufhin bat ich sie, mal eine richtig übertriebene Änderung vorzunehmen, die man auf keinen Fall überhören könne, z.B. einfach mal irre laut zu stellen. Gesagt, getan, aber keine Änderung zu hören. Daraufhin sie: "Doch, doch, da müsste jetzt..., oder muss ich da etwa immer auch hier klicken, ..., KLICK". Und bei mir: "FIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEP!!!" Hinterher hat sie mir lachend erzählt, bei wie vielen Kunden sie das offensichtlich immer falsch gemacht hat, aber jeder trotzdem immer artig genickt habe bei der Frage "Jetzt besser?" Also: Änderungen immer so, dass man sie auch wahrnimmt und nicht vorschnell alles abnicken.

4. Richtmikrofone bei lautem Hintergrund. Das war für mich der "Game Changer". Der Richtmikro-Zoom der Phonaks in der höchsten Ausbaustufe. Mach Dir ein Programm mit ganz betont diesem Zoom. Und wenn es irgendwo zu laut, zu schwierig ist, Dein Gegenüber zu verstehen, dann manuell auf Zoom schalten (nicht auf die Automatk im Hauptprogramm vertrauen), Deinen Kopf auf Dein Gegenüber ausrichten und verstehen...
Hat aber auch einen Nachteil: Wenn Dich jetzt jemand von der Seite anspricht, bekommst Du es nicht mit. Aber für das Vieraugengespräch top!
CFDinsl
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Registriert: 4. Sep 2022, 09:36

Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#13

Beitrag von CFDinsl »

Hallo wsbreaker,
auch ich möchte dich dazu ermuntern, nicht aufzugeben. Dein Hörvermögen kommt vielleicht nicht vollständig zurück. Aber es wird besser werden. Der Anpassungsprozess braucht Zeit. Versuche, möglichst viele verschiedene Situationen mit den Geräten zu erleben und zu analysieren, wie es dir damit geht. Gibt es Nachbesserungsbedarf bzgl. Lautstärke oder bei bestimmten Frequenzen? Je genauer du das dokumentierst, desto eher kann dir ein Akustiker deine Geräte nach Wunsch einstellen. Ich wünsche dir Durchhaltevermögen.
Dani!
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Wohnort: Landkreis München

Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#14

Beitrag von Dani! »

Jenne hat geschrieben: 3. Okt 2022, 17:47 4. Richtmikrofone bei lautem Hintergrund. Das war für mich der "Game Changer". Der Richtmikro-Zoom der Phonaks in der höchsten Ausbaustufe. Mach Dir ein Programm mit ganz betont diesem Zoom. Und wenn es irgendwo zu laut, zu schwierig ist, Dein Gegenüber zu verstehen, dann manuell auf Zoom schalten (nicht auf die Automatk im Hauptprogramm vertrauen), Deinen Kopf auf Dein Gegenüber ausrichten und verstehen...
Ich hatte in meinen letzten Phonak-Hörgeräten B70 als langjährig Schwerhöriger auch regelmäßig auf das manuelle Programm "Sprache im lauten Störgeräusch" in entsprechender Situation umgeschaltet. Und es hatte mir tatsächlich eine deutliche Verbesserung gebracht.
Allerdings habe ich es immer wieder mal vergessen, in der Kantine dieses Programm zu wählen. Im Laufe der Zeit ist mir dann aufgefallen, dass ich mit dem Kantinen-Programm doch gar nicht mehr besser verstehe als mit meinem Alltagsprogramm "Musik" (d.h. sämtliche Verbesserungen deaktiviert).

Meine Schlussfolgerung: Auch das ungefilterte Hören möchte gelernt sein. Im ersten Moment ist der Kopf mit dem Klangbrei überfordert. Das Gehirn ist in dieser Disziplin aber phänomenal anpassungsfähig. Dennoch braucht es durchaus seine Zeit - bei mir waren das mehrere Monate, obwohl ich ganztägig HGs getragen habe, weil ich zwingend auf Hörgeräte angewiesen bin/war.

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Diesen Beitrag habe ich für die Mitleser geschrieben, nicht für wsbreaker. Denn dieser hat seit Erstellung des Eingangspost noch keinen einzigen Beitrag hier im Thread gelesen, geschweige denn darauf geantwortet.
Dominik
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
Nohrbert
Beiträge: 59
Registriert: 17. Sep 2022, 08:45

Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#15

Beitrag von Nohrbert »

Dani! hat geschrieben: 4. Okt 2022, 12:18
Jenne hat geschrieben: 3. Okt 2022, 17:47 4. Richtmikrofone bei lautem Hintergrund. Das war für mich der "Game Changer". Der Richtmikro-Zoom der Phonaks in der höchsten Ausbaustufe. Mach Dir ein Programm mit ganz betont diesem Zoom. Und wenn es irgendwo zu laut, zu schwierig ist, Dein Gegenüber zu verstehen, dann manuell auf Zoom schalten (nicht auf die Automatk im Hauptprogramm vertrauen), Deinen Kopf auf Dein Gegenüber ausrichten und verstehen...
Auch das ungefilterte Hören möchte gelernt sein. Im ersten Moment ist der Kopf mit dem Klangbrei überfordert. Das Gehirn ist in dieser Disziplin aber phänomenal anpassungsfähig. Dennoch braucht es durchaus seine Zeit - b
Das sagt mir mein HA auch immer, dass mein Allroundprogramm möglichst jede Situation abdecken soll. Ich habe zwar auch andere Programme (Restaurant, Musik, Sitzungen), trotzdem merke ich mit den Oticon OPN S, dass ich die Zusatzprogramme immer weniger nutzen muss. Das Richtungshören bei Sprache brauche ich nicht mehr, weil ich gelernt habe mich auch so auf unterschiedliche Sprachquellen zu konzentrieren. Es scheint also wirklich eine Sache der Übung zu sein. Etwas müssen die HGs allerdings auch leisten können. :)
Miscanthus
Beiträge: 29
Registriert: 7. Jun 2021, 15:42
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Re: Langsam verzweifelt mit Hörgeräten

#16

Beitrag von Miscanthus »

Ich bin auch noch relativ jung und gehe da inzwischen sehr pragmatisch dran: Die Musik im Club war mir schon früher viel zu laut und ist sie auch heute noch. Ich stelle dann auf Störschall/Party um und mache die Lautstärke auf 1 oder sogar 0, dann ist es wie mit Oropax. Da im Club eh alle schreien müssen, höre ich es idR trotzdem.😄 Finde das sehr angenehm. In der Kneipe stelle ich auch auf Störschall und dann etwas leiser, dann ist mein Gehör nicht so überfordert vom Krach und ich verstehe besser. Habe zusätzlich auch Tinnitus, der das Orten von Geräuschen teils noch erschwert. Bin aber recht zufrieden. Löst dein Problem aber leider nicht ganz, allerdings ist es schon auch etwas die eigene Herangehensweise, die Stress erzeugt. Beim Spaziergang, da gebe ich dir Recht, sollte man schon auch gut hören. Das gelingt mir mit den billigsten Imohrgeräten. Ich habe mich nach reichlich Probehören sogar bewusst für die günstigste Klasse entschieden, da mir keine extra Technik einen Mehrwert gebracht hat bzw mich teils sogar gestört hat (zB Impuls-Schall-Unterdrückung). Ich mag es, einfach ein anderes Programm bewusst einzustellen als eine Automatik, die dann evtl doch nicht passt. Bei mir war weniger tatsächlich mehr. Aber genau so hören wie vorher, das bleibt technisch wahrscheinlich noch nicht ganz machbar, aber da ist die Zeit bestimmt auf unserer Seite! :)
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