Hallo allerseits,
wegen meiner einseitig beginnenden Schwerhörigkeit (Meniere, bzw. Cochlea-Hydrops) war ich heute bei Geers. Das betroffen Ohr hört bei 0,5, 1 und 2 kHz etwa 20 dB schlechter als das "Gute".
Im Alltag stört mich das leicht dumpfe Gefühl auf der betroffenen Seite. Wenn ich bei Kopfhörerbenutzung die Balance entsprechend verstelle, klingt es für mich recht annehmbar. Allerdings ist das mit den Lautsprechern an meinem Arbeitsplatz recht schwer zu realisieren, da die Stereo-Ortung bei so einer starken Balance-Verschiebung gar nicht mehr passt. Im Grunde ist der rechte Lausprecher kaum zu hören, damit ich den Schall mittig verorte.
Die Dame bei Geers meinte allerdings, dass mir ein Hörgerät kaum weiter helfen würde, da meine Ansprüche zu hoch wären und meine Hörminderung noch nicht schlimm genug ist.
Könnt ihr das so bestätigen? Für mich ergibt das keinen Sinn. Ich arbeite als Medien- und Veranstaltungstechniker oft im Audiobereich und 20 dB sind für mich ein riesiger Pegelunterschied. Klar, schlimmer geht immer, aber sind meine "audiophilen" Ansprüche tatsächlich zu hoch?
Cheers
Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos
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Der Akustiker
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos
Guten Morgen.
Kannst du bitte einmal dein Audiogramm (Messdaten deiner Schwerhörigkeit) hochladen. Dann können wir besser helfen und bessere Tipps geben.
Zu Geers selber sage ich lieber nichts
!
Kannst du bitte einmal dein Audiogramm (Messdaten deiner Schwerhörigkeit) hochladen. Dann können wir besser helfen und bessere Tipps geben.
Zu Geers selber sage ich lieber nichts
Hören kann man mit jeden System...Verstehen nur, wenn das Gehirn es akzeptiert und trainiert ist! Akustiker aus Leidenschaft...
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Ohrenklempner
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos
Hi,
die Dame bei Geers hat dahingehend Recht, dass Hörgeräte den Zweck haben, ein eingeschränktes Sprachverstehen so gut wie möglich wieder herzustellen. In deinem Fall geht es aber eher nicht darum, wofür ein Hörgerät gebaut wurde, sondern vielmehr darum, was es kann. Und das Hörvermögen deines rechten Ohres an dein linkes Ohr anzugleichen, wird wahrscheinlich gut möglich sein.
Fraglich wäre nur die Kostenübernahme. Wenn du eine beruflich bedingte Notwendigkeit nachweisen kannst, kann die Rentenversicherung möglicherweise einen Teil der Kosten erstatten. Die Krankenkassen sind leider raus aus der Geschichte, wenn das Sprachverstehen nicht wesentlich eingeschränkt ist. Privatkauf wäre auch eine Option. Hast du schon einmal Ohrhörer wie die AirPods Pro ausprobiert, oder ähnliche, deren Frequenzgang an deinen Hörverlust anpassbar ist?
die Dame bei Geers hat dahingehend Recht, dass Hörgeräte den Zweck haben, ein eingeschränktes Sprachverstehen so gut wie möglich wieder herzustellen. In deinem Fall geht es aber eher nicht darum, wofür ein Hörgerät gebaut wurde, sondern vielmehr darum, was es kann. Und das Hörvermögen deines rechten Ohres an dein linkes Ohr anzugleichen, wird wahrscheinlich gut möglich sein.
Fraglich wäre nur die Kostenübernahme. Wenn du eine beruflich bedingte Notwendigkeit nachweisen kannst, kann die Rentenversicherung möglicherweise einen Teil der Kosten erstatten. Die Krankenkassen sind leider raus aus der Geschichte, wenn das Sprachverstehen nicht wesentlich eingeschränkt ist. Privatkauf wäre auch eine Option. Hast du schon einmal Ohrhörer wie die AirPods Pro ausprobiert, oder ähnliche, deren Frequenzgang an deinen Hörverlust anpassbar ist?
...zufällig bin ich Experte auf diesem Gebiet... 
Zu audiologischen Ratschlägen, Anpassberatungen oder Hörgeräte-Offerten fragen Sie nicht mich sondern Ihren Hörakustiker (m/w/d)!
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos
Schon mal vielen Dank für eure ersten Einschätzungen.
Um Zusendung des Audiogramm habe soeben gebeten. Hatte vor Ort vergessen danach zu fragen. Mein selbst erstelltes Audiogramm habe ich aber schon mal hochgeladen. Die Kurve deckt sich ziemlich genau mit der bei Geers erstellten.
Natürlich habe ich selbst keine absoluten, sondern lediglich relative Werte gemessen, aber die Differenz in dB zwischen den beiden Ohren ist korrekt. In dem bei Geers gemessenen Bereich also etwa 20 dB.
Die Kostenübernahme ist erst mal nicht so wichtig. Wenn ich links so hören könnte wie rechts, wäre mich das schon viel wert. Ich hätte auch die Möglichkeit, kaum benutzte Hörgeräte (Signia Pure Charge&Go 5AX) des kürzlich verstorbenen Vaters eines Freundes zu erwerben. Die Software zum Programmieren habe ich bereits besorgt und angeschaut. Nach 40 Jahren in der Audiotechnik stellt die für mich keine große Herausforderung dar. Lediglich das Bluetoth-Modul um die Software mit dem Hörgerät zu verbinden müsste ich mir dann noch zulegen. Ist mit etwa 200 Euro aber auch überschaubar.
Den Tipp mit den AirPods Pro hat mit ein befreundeter Apple Softwareentwickler auch gegeben. Die werde ich sicherlich demnächst ausprobieren. Falls das mit dem Hörgerät nicht so funktioniert wie ich mir das wünsche, wäre das eine gute Option für Events, bei denen ich am Mischpult stehe und die Mikrofone einrichte. Audiomischpulte haben, so weit ich das kenne, nämlich keinen Balance-Regler für den Kopfhörer Ausgang. Aber wenn ich diesen mit einem Bluetooth-Modul verbinde könnte ich das Signal mit den AirPods bestimmt gut abhören.
Um Zusendung des Audiogramm habe soeben gebeten. Hatte vor Ort vergessen danach zu fragen. Mein selbst erstelltes Audiogramm habe ich aber schon mal hochgeladen. Die Kurve deckt sich ziemlich genau mit der bei Geers erstellten.
Natürlich habe ich selbst keine absoluten, sondern lediglich relative Werte gemessen, aber die Differenz in dB zwischen den beiden Ohren ist korrekt. In dem bei Geers gemessenen Bereich also etwa 20 dB.
Die Kostenübernahme ist erst mal nicht so wichtig. Wenn ich links so hören könnte wie rechts, wäre mich das schon viel wert. Ich hätte auch die Möglichkeit, kaum benutzte Hörgeräte (Signia Pure Charge&Go 5AX) des kürzlich verstorbenen Vaters eines Freundes zu erwerben. Die Software zum Programmieren habe ich bereits besorgt und angeschaut. Nach 40 Jahren in der Audiotechnik stellt die für mich keine große Herausforderung dar. Lediglich das Bluetoth-Modul um die Software mit dem Hörgerät zu verbinden müsste ich mir dann noch zulegen. Ist mit etwa 200 Euro aber auch überschaubar.
Den Tipp mit den AirPods Pro hat mit ein befreundeter Apple Softwareentwickler auch gegeben. Die werde ich sicherlich demnächst ausprobieren. Falls das mit dem Hörgerät nicht so funktioniert wie ich mir das wünsche, wäre das eine gute Option für Events, bei denen ich am Mischpult stehe und die Mikrofone einrichte. Audiomischpulte haben, so weit ich das kenne, nämlich keinen Balance-Regler für den Kopfhörer Ausgang. Aber wenn ich diesen mit einem Bluetooth-Modul verbinde könnte ich das Signal mit den AirPods bestimmt gut abhören.
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Ohrenklempner
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- Registriert: 20. Feb 2015, 13:08
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos
Erstmal cool mit dem selbst erstellten "Audiogramm". Das ist zwar für sich nicht sehr aussagekräftig, aber man bekommt etwa eine Vorstellung.
Das mit den Pure C&G 5AX finde ich keine üble Idee. Als Tipp würde ich dir empfehlen: Hol dir Sleeve-Schirmchen . Die gibt's in verschiedenen Größen. "Sleeve closed" würde ich bevorzugen. Dann schau dir die Hörer an: S, M oder P? S hat weniger Dynamik und kommt im Tieftonbereich schnell an seine Grenzen. M wäre eine gute Wahl.
Bei der Selbstanpassung machst du nix verkehrt, wenn du die Schritte in der Voreinstellung durchgehst: Akustische Anbindung auswählen, Insitu-Audiogramm durchmessen, Rückkollungstest machen. Bei der Anpassformel nimmst du bitte DSLv5 (Vollausgleich der Lautheitsempfindung) und keine andere. Bei geringgradigen Hörverlusten liefert DSL tendenziell zu kleine Verstärkungswerte, da regelst du von Hand mit den vereinfachten Reglern für "lauter", "leiser", "heller", "dunkler" nach.
Hast du die Möglichkeit, dir Schmalbandrauschen auf die Ohren zu spielen, kannst du das Lautheitsempfinden zusätzlich abstimmen. Mit Rauschen von 50 dB stellst du die Gesamtverstärkung ein, dass es links und rechts etwa gleich laut klingt. Mit 65 dB Rauschen machst du weiter mit der mittleren Zeile der Verstärkungsmatrix, bei Bedarf noch die 80 dB. Mit 90 dB würde ich die MPO einstellen, damit es nicht zu laut wird am Ohr. Ganz wichtig: Bitte Störlärmreduzierung und alle adaptiven Features ganz ausschalten, bevor du mit Rauschsignalen misst -- das Hörgerät erkennt Rauschen als Störsignal und reduziert dessen Verstärkung.
Das mit den Pure C&G 5AX finde ich keine üble Idee. Als Tipp würde ich dir empfehlen: Hol dir Sleeve-
Bei der Selbstanpassung machst du nix verkehrt, wenn du die Schritte in der Voreinstellung durchgehst: Akustische Anbindung auswählen, Insitu-Audiogramm durchmessen, Rückkollungstest machen. Bei der Anpassformel nimmst du bitte DSLv5 (Vollausgleich der Lautheitsempfindung) und keine andere. Bei geringgradigen Hörverlusten liefert DSL tendenziell zu kleine Verstärkungswerte, da regelst du von Hand mit den vereinfachten Reglern für "lauter", "leiser", "heller", "dunkler" nach.
Hast du die Möglichkeit, dir Schmalbandrauschen auf die Ohren zu spielen, kannst du das Lautheitsempfinden zusätzlich abstimmen. Mit Rauschen von 50 dB stellst du die Gesamtverstärkung ein, dass es links und rechts etwa gleich laut klingt. Mit 65 dB Rauschen machst du weiter mit der mittleren Zeile der Verstärkungsmatrix, bei Bedarf noch die 80 dB. Mit 90 dB würde ich die MPO einstellen, damit es nicht zu laut wird am Ohr. Ganz wichtig: Bitte Störlärmreduzierung und alle adaptiven Features ganz ausschalten, bevor du mit Rauschsignalen misst -- das Hörgerät erkennt Rauschen als Störsignal und reduziert dessen Verstärkung.
...zufällig bin ich Experte auf diesem Gebiet... 
Zu audiologischen Ratschlägen, Anpassberatungen oder Hörgeräte-Offerten fragen Sie nicht mich sondern Ihren Hörakustiker (m/w/d)!
Zu audiologischen Ratschlägen, Anpassberatungen oder Hörgeräte-Offerten fragen Sie nicht mich sondern Ihren Hörakustiker (m/w/d)!
Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos
Wow, das sind ja schon mal eine Menge Tipps auf einmal. Wenn es soweit ist werde ich die alle abarbeiten.
Morgen habe ich einen Termin bei KIND Hörgeräte. Hoffentlich ist das Resultat ergiebiger als bei Geers. Auf alle Fälle werde ich versuchen das Audiogramm zu bekommen und es hier hoch laden.
Es gibt (für Interessierte) noch ein Detail, das mir bei meinen Messungen aufgefallen ist:
Das obige Diagramm stellt ja den Unterschied der Hörschwellen dar. Bei einer anderen Messung habe ich sämtliche Frequenzen als Sinustöne der Terz-Bänder bei mittlerer Lautstärke in einen ordentlichen Kopfhörer (beyerdynamic DT-770 Pro) geschickt und mithilfe eines entsprechenden Equalizers die einzelnen Frequenzen auf der betroffenen Seite so verstärkt, bis ich die Schallquelle im Kopf mittig, bzw. zentriert verortet habe.
Erstaunlicher Weise waren die Unterschiede etwas geringer als bei der Hörschwellen-Messung. Im Mittel so etwa 5 dB. Vielleicht ist das aber auch normal. Aber der Klang der Musik war danach einfach phänomenal. Hatte schon ganz vergessen wir Musik klingen kann.
Das soll's erst einmal gewesen sein. Morgen berichte ich weiter.
Cheers
Morgen habe ich einen Termin bei KIND Hörgeräte. Hoffentlich ist das Resultat ergiebiger als bei Geers. Auf alle Fälle werde ich versuchen das Audiogramm zu bekommen und es hier hoch laden.
Es gibt (für Interessierte) noch ein Detail, das mir bei meinen Messungen aufgefallen ist:
Das obige Diagramm stellt ja den Unterschied der Hörschwellen dar. Bei einer anderen Messung habe ich sämtliche Frequenzen als Sinustöne der Terz-Bänder bei mittlerer Lautstärke in einen ordentlichen Kopfhörer (beyerdynamic DT-770 Pro) geschickt und mithilfe eines entsprechenden Equalizers die einzelnen Frequenzen auf der betroffenen Seite so verstärkt, bis ich die Schallquelle im Kopf mittig, bzw. zentriert verortet habe.
Erstaunlicher Weise waren die Unterschiede etwas geringer als bei der Hörschwellen-Messung. Im Mittel so etwa 5 dB. Vielleicht ist das aber auch normal. Aber der Klang der Musik war danach einfach phänomenal. Hatte schon ganz vergessen wir Musik klingen kann.
Das soll's erst einmal gewesen sein. Morgen berichte ich weiter.
Cheers
