Hallo JND,
JND hat geschrieben:Es ist wichtig, das Richtungshören mit einem Ohr von dem Richtungshören mit zwei Ohren zu unterscheiden.
Das mag vielleicht für Dich wichtig sein (aus welchen Gründen auch immer), für die Beantwortung meiner Frage (ob Richtungshören nur mit einem Ohr möglich ist) ist es völlig irrelevant*. Da Du jedoch Deine weitere Argumentation vor allem auf einem Vergleich mit dem binauralen Hören aufbaust, erübrigt sich für mich eigentlich, dass ich noch weiter auf Deinen Beitrag eingehe, zumal Du ja die Frage bereits selbst mit ja beantwortet hast - denn Du schreibst ja selbst vom Richtungshören mit einem Ohr.
*) es sei denn, man definiere das Richtungshören ausschliesslich als basierend auf allen Mechanismen, welche sowohl mit ausschliesslich einem als auch ausschliesslich mit zwei Ohren möglich sind, was Du offenbar in einem gewissen Sinne machst (denn dieses Richtungshören nimmst Du als Massstab); dann ist es jedoch relativ witzlos, darüber noch zu diskutieren (somit kommt es einem Widerspruch in sich gleich, da ja die Frage bereits beantwortet ist). Hieraus wurde in den von Dir genannten Studien offensichtlich nicht ausgegangen, da man dann gleich auf deren Durchführung hätte verzichten können.
Trotzdem noch ein paar Uebelegungen:
Ich zitiere nur kurz aus der von Dir verlinkten Studie:
"Some of these studies reported near-normal localization performance in these monaural listeners (Newton, 1983; Slattery and Middlebrooks, 1994), a finding that is not supported by our results (Fig. 3C,D)."
Das kann mir eigentlich relativ egal sein, da ich nur eine Antwort auf die Frage suchte, ob Richtungshören mit einem Ohr grundsätzlich möglich sei (was ja selbst in der von Dir genannten Arbeit nicht bestritten wird) - zudem wird auf die von mir verlinkte Dissertation hin gewiesen und lediglich gesagt, dass ihre Arbeit ein anderes Resultat hervor gebracht habe (das widerlegt jedoch auch nicht das Resultat der von mir erwähnten Studie) - womöglich lag es einfach daran, dass nicht ein Proband mit entsprechenden Fähigkeiten beteiligt war (und an der Fragestellung).
JND hat geschrieben:Eine andere Frage war die nach der Genauigkeit bei diesen zwei unterschiedlichen Arten des Richtungshörens:
Dormann et al, 2016 haben dies untersucht: Ergebnis: Das Richtungshören mit einem Ohr ist knapp unter der Ratewahrscheinlichkeit, während das Richtungshören mit zwei Ohren extremst genau ist.
Hier kann ich nur müde lächeln und sagen: falsche Probanden ausgewählt - selber Schuld (oder noch besser: falsche Studie)! Ausserdem ist das beste Ergebnis eines einseitig Tauben relevant, und das liegt doch deutlich unter einem, welches durch Zufall zu Stande kommt.
Für meine Fragestellung wäre es also relevant gewesen, zu untersuchen, wie wahrscheinlich es ist, dass das beste Ergebnis durch Zufall zu Stande gekommen ist. Ohne jetzt nach zu rechnen, gehe ich davon aus, dass sie deutlich unter 0,05 liegt (und wenn ich der Gruppe der einseitig Tauben einen normal Hörenden mit ausgezeichnetem Richtungshören beifügen würde, so läge das Gesamtergebnis immer noch im Bereich der Ratewahrscheinlichkeit - was aufzeigt, dass dieses Ergebnis nichts aussagt).
Darüber hinaus bezogen sich die Resultate in den Grafiken der anderen Studie, welche ich mir angesehen habe, auf typische einseitig Taube, womit sie nicht geeignet sind, die von mir aufgeworfene Frage zu beantworten, da sie ja gerade in Bezug auf atypische (mit besonders gutem Richtungshören) keine Aussage macht (ein Vergleich (einfach formuliert): es soll die Frage untersucht werden, ob ein Mensch (aus dem Stand) eine Strecke von 100 m in weniger als zehn Sekunden zurück legen kann. Wählt man in Analogie zur Studie "typische" (bspw. mässig oder gar untrainierte) Läufer aus, ist das Resultat negativ, obwohl die Frage mit ja beantwortet werden muss).
Ein anderer Vergleich: es soll die Frage untersucht werden, ob man im Lotto gewinnen könne. Ich verweise auf eine Studie (was auch immer dort untersucht wird), in welcher fest gehalten wird, dass ein Proband einen kleinen Gewinn im Lotto erzielt hat. Somit ist die Frage bereits mit ja beantwortet.
Nun verweist Du auf diverse andere Studien, in welchen untersucht wird, ob es möglich sei, im Lotto über eine Million Euros zu gewinnen, wobei die Anzahl der zufällig ausgewählten Probanden jeweils zig Personen umfasste.
Es ist klar, dass Du mit diesen Studien das relevante Ergebnis "meiner" Studie nicht widerlegen kannst.
JND hat geschrieben:Als abshcließender Hinweis: Beide zitierten Studien untersuchen sehr einfache Richtungsaufgaben: Es muss nur ein kurzer Ton in Ruhe geortet werden.
Ist ist zu erwarten, dass bei komplexeren Aufgaben (mit Nebengeräuschen, bewegte Schallquellen, mehrere Schallquellen usw.) das Richtungshören sich verschlechtert.
Dem widerspreche ich ja gar nicht.
Mein Fazit (auf den Zusammenhang bezogen, in welchem die Frage aufgeworfen wurde): Wenn ein Kleinkind bei der Verhaltensaudiometrie den Kopf in die richtige Richtung dreht, kann man eine einseitige Taubheit deswegen nicht sicher ausschliessen.
Gruss fast-foot