Seite 1 von 2

Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 16. Dez 2022, 23:07
von Ohrbert
In Anlehnung an die Technikdiskussion in der mitte vom Nachbarthread "Frage an die Akustiker" möchte ich gerne in die Runde - und da speziell an die Akustikprofis - fragen, was ihr denn so in der Branche als die nächste große Neuerung seht.

Ich hatte meine ersten Hörgeräte 2012 bekommen (Phonak Audeo Smart V) und heuer dann das erste mal "upgegraded" auf die Phonak P70.
Obwohl da 10 Jahre und viele Produktgenerationen dazwischen liegen, war es eigentlich nicht die Klangqualität oder wesentlich bessere Sprachverständlichkeit, die mich zum Update bewogen haben. Den grossen Mehrwert hat mir gebracht: 1. Otoplastiken statt Schirmchen - weil sie angenehmer zu tragen sind und nicht im Ohr schmerzen. Dafür hätte es aber kein Update der HGs bebraucht. 2. Akkus statt Batterien (ja, für mich persönlich ein klares Plus). 3. Direktes Koppeln und Streamen der HGs mit dem Smartphone und PC ohne umgehängten Com Pilot. 4. Steuern über die Handy-App und nicht ein Zusatzgerät (wobei ich das nicht oft nutze).

Unterm Strich war das für mich genug Mehrwert, obwohl die alten HGs noch benutzbar waren. Aber der riesige Aha-Effekt wegen besserer Klangqualität war für mich nicht bemerkbar.

Die Technik auf die ich am Meisten gespannt bin ist Auracast. Da habe ich große Hoffnung dass das wieder einen großen Mehrwert bringen kann. Dann können sich die Hersteller auf eine Plattform konzentrieren und müssen nicht extra für iOS und Android entwickeln. Direktkopplung sollte kein Problem sein, längere Akkulaufzeiten werden kommen. Und dann ist das eine Technik, die auch eine Reihe von Anwendungsfällen für Normalhörende bringt (Stichwort Broadcast) und wohl auch in alle True Wireless Kopfhörer Einzug erhalten wird - damit dann auch ein TV Geräte, etc. Viele Zusatzgeräte dürften damit obsolet werden.

Meine zweite Hoffnung geht dahin, dass sichGeräte wie Signia Active Pro und Resound Custom durchsetzen und damit Hörgeräte von True Wireless Kopfhörern nicht mehr zu unterscheiden sind. Diese sollten funktional und qualitativ mit den jetzigen HdOs gleich sein - ich glaube bei den genannten Modellen gibt es ja schon jetzt keine Abstriche mehr zu machen.

Was ist denn sonst noch so in den nächsten 5-7 Jahren absehbar?
Bin gespannt.....

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 01:09
von ArsMachina
Meinst Du Dinge, die den Usern wirklich einen Mehrwert bringen oder das, was uns als solches verkauft werden soll? :-)

Ich denke die Geräte werden regelmässig an neue Bluetoothstandards angepasst werden.
Auch die Apps werden zulegen und deutlich mehr können als nur Laut und Leise, da gibt es ja schon den ein oder anderen Hersteller als Vorreiter.
Funktionen zur Tinnituslinderung werden sicher auch auf breiter Front Einzug erhalten.
Bei den Akkus erwarte ich schon bald LiFePo4, was auch ein Fortschritt wäre, insbesondere in Sachen Sicherheit.
Vermutlich wird man zukünftig auch Technikstufen gegen Zuzahlung upgraden können ohne die kompletten HG tauschen zu müssen.

Aber insbesondere "fürchte" ich eher unnötige Gimmicks wie Fitnessfunktionen, Sturzerkennung, Pulsmesser etc. die mit dem eigentlichen Hören nichts zu tun haben.

Aber ein echtes "big thing"?
Keine Ahnung was da kommen könnte

Grüße Jochen

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 10:52
von Kaesebrot
Da ich Brillenträgerin mit eher eng anliegenden Ohren bin, wäre schmalere Technik mit ähnlich guter Akkulaufzeit mein „big thing“.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 11:42
von Ohrbert
ArsMachina hat geschrieben: 17. Dez 2022, 01:09 Meinst Du Dinge, die den Usern wirklich einen Mehrwert bringen oder das, was uns als solches verkauft werden soll? :-)
ArsMachina hat geschrieben: 17. Dez 2022, 01:09 Aber insbesondere "fürchte" ich eher unnötige Gimmicks wie Fitnessfunktionen, Sturzerkennung, Pulsmesser etc. die mit dem eigentlichen Hören nichts zu tun haben.
Es werden Funktionen dazukommen, keine Frage. Ob diese eine Mehrwert bringen oder unnötige Gimmicks sind, ist dann wohl vom Benutzer abhängig. Sieht man ja gut hier im Forum. Für mich ist der Akkubetrieb ein klarer Vorteil und Mehrwert, für andere User ist er ein Ausschlussgrund. Das ist individuell verschieden.
ArsMachina hat geschrieben: 17. Dez 2022, 01:09 Ich denke die Geräte werden regelmässig an neue Bluetoothstandards angepasst werden.
Ja, das bestimmt. Aber Auracast hat hier wirklich Potential für neue Anwendungen und kann ein Gamechanger sein.
ArsMachina hat geschrieben: 17. Dez 2022, 01:09 Vermutlich wird man zukünftig auch Technikstufen gegen Zuzahlung upgraden können ohne die kompletten HG tauschen zu müssen.
Jep, auch das sehe ich kommen. Ich warte darauf, dass Funktionen im Abo-Modell angeboten werden. So wie die Sitzheizung bei BMW. Ich persönlich mag sowas überhaupt nicht weil der einzige Vorteil aus meiner Sicht das Generieren von dauerhaftem Einkommen für den Hersteller ist. Aber ein Upgrade der Technikstufen und vielleicht ein temporäres Freischalten von Funktionen zum Testen ist sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll da die Hardware ohnehin identisch ist.

Warten wir mal ab welche Ideen die Hersteller für eine Cloudanbindung entwickeln. Fitnesstracker sind schon der erste Schritt.

Wirklich interessant wäre aber, was sich noch audiologisch tun kann. Da habe ich keinen Einblick.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 12:06
von ArsMachina
Ohrbert hat geschrieben: 17. Dez 2022, 11:42 Wirklich interessant wäre aber, was sich noch audiologisch tun kann. Da habe ich keinen Einblick.
Ich hatte mal ein paar nach Ohrabformungen gefertigte InEar Monitore von Jerry Harvey wie sie auch von Profimusikern auf der Bühne eingesetzt werden.
Die hatten damals 3 Treiber pro Seite, also jeweils einen für Bässe, Mitten und Höhen, vergleichbar mit den Chassis in Lautsprecherboxen.

Der Unterschied zu Kopfhörern mit nur einem Universaltreiber war exorbitant.
Ich war gerade mal auf der Seite von Jerry, sein aktuelles Topmodell hat 16 Treiber pro Ohr...

Ich weiss jetzt nicht wie das mit den Treibern (Lautsprechern) in Hörgeräten ist, ich vermute aber aktuell wird da ein Universalsystem verwendet.
Hier wäre also definitiv noch viel Luft nach Oben was zu einer besseren Abbildung in allen Frequenzbereichen führen würde.

Es wird aber ein Platzproblem sein, in einem HG steckt ja noch recht viel Technik und ein Akku oder Batteriefach.
Die InEar Monitore sind kabelgebunden, brauchen also nur Platz für die Treiber und Frequenzweichen.

Aber beim aktuellen Trend zu größeren InEars wie den Resound Custom könnte so eine Entwicklung umsetzbar sein.

Es wären dann vielleicht auch mehrere Mikrofone pro Seite denkbar um das Richtungshören noch weiter zu verbessern.

Grüße Jochen

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 16:59
von svenyeng
Hallo!

Was man bei all dem nicht vergessen darf ist die finanzielle Seite.
Ich hätte gerne ein HG-Abo. Monatlich je nach HGs eine entsprechende Summe zahlen und nach 6 Jahren gibts dann neue HGs.

Gruß
sven

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 18:06
von tabbycat
@Svenyeng
Daran würde mich stören, dass ich damit dann an einen bestimmten Akustiker gebunden bin, außerdem gibt's keine Zinsen auf das Geld.

Ich habe mir für mein neues Auto gezielt über viele Jahre monatlich Geld zurückgelegt - konnte das Neufahrzeug vor gut einem Jahr bar bezahlen, deswegen noch Rabatt und Skonto aushandeln und hab noch ein paar Eurönchen Zinsen gehabt.

Genauso mache ich das auch für die nächsten Hörgeräte - der Zeitraum ist ja einigermaßen planbar, die Summe wurde großzügig von mir kalkuliert.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 18:17
von tabbycat
Nachsatz: Gut fände ich Akkus zum Selberwechseln, so daß man die Möglichkeit einer stillen Reserve hat.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 19:09
von Kaesebrot
tabbycat hat geschrieben: 17. Dez 2022, 18:06 @Svenyeng
Daran würde mich stören, dass ich damit dann an einen bestimmten Akustiker gebunden bin, außerdem gibt's keine Zinsen auf das Geld.

Ich habe mir für mein neues Auto gezielt über viele Jahre monatlich Geld zurückgelegt - konnte das Neufahrzeug vor gut einem Jahr bar bezahlen, deswegen noch Rabatt und Skonto aushandeln und hab noch ein paar Eurönchen Zinsen gehabt.
Bei der aktuellen Inflation würde ich lieber einen Kredit bedienen, als ein sich möglicherweise immer weiter verteuerndes Abonnement zu bezahlen.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 21:29
von Carla
Ein HG Abo finde ich nicht gut. 1. Ist man an einen Akustiker gebunden. Und wie der sich entwickelt, weiß man nicht. 2. Es könnte sein, dass der sein Geschäft verkauft, uU an eine Kette. Die würden die bestehenden Verträge übernehmen. Und dann wäre man vom privaten Akustiker ohne Zutun Kunde bei einer Kette. 3. Wenn es geht, so wenig Abos wie möglich. Aus kaufmännischer Sicht ist das schlecht, lieber was zurücklegen, wo auch immer.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 17. Dez 2022, 23:17
von Akustik Alex
Moin zusammen,

also ich glaube nicht, dass sich in naher Zukunft technisch so viel tun wird. Auracast sehe ich auch als nächsten Schritt, was auch Ringschleifensysteme mal endlich ablösen könnte. Somit wäre die Telefonspule noch überflüssiger. Oticon brabbelt schon seit Jahren von "Sensorischem Hören" (oder wie auch immer die das mittlerweile betiteln). Die Geräte sollen, anhand von Hirnstrommessungen, irgendwann erkennen können, worauf der Träger sich fokussieren will (nein, ich gender nicht!). Das wäre ein 'Big Thing'. Ob das dann so gut funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Da die das schon seit Jahren erzählen, klappt das offensichtlich nicht so leicht. Das Thema KI wird sicherlich auch immer mehr in den Fokus rücken. Ansätze wie Eralens und die Hörkontaktlinse (m.E. beides ziemlicher Mumpitz), könnten vielleicht irgendwann mal so ausgereift sein, dass das gesamte System im Ohr verbaut wird. Ich provezeihe übrigens, dass die Hörkontaktlinse sich schon gegen die Wand fährt, bevor sie an den Start geht. Wenn nicht, dann kurz danach. Ansonsten wird alles immer schneller und schneller und schneller und *gähn*... aber sicherlich auch immer kleiner. Physikalisch gibt es da, zumindest bei Mikrofonen und Lautsprechern, Grenzen, aber bei allem anderen nicht. Und ja, es wird garantiert auch einen Trend für Hearables geben. Nicht umsonst hat Phonak selbige Sparte von Sennheiser übernommen. In 10 - 15 Jahren sehe ich außerdem kaum noch inhabergeführte Betriebe. Die Hersteller kaufen langsam aber sicher alles weg. Sonova schon lange, Oticon und Co ziehen aber seit geraumer Zeit nach. Das steigert die kaum zu beziffernden Umsätze der Industrie noch mehr und man kauft quasi direkt beim Hersteller. Man kann dann nicht mehr in einen Laden mit allen Marken, sondern nur noch zu Flagshipstores vom Hersteller. Übrigens auch gut gelöst ist, dass mindestens zwei Kassensysteme vorgehalten und angepasst werden müssen. Das ist aber weiterhin realisierbar, da beide aus dem gleichen Hause kommen dürfen. Ein aufzahlungsfreies System von Unitron, eins von Phonak und schon ist der Drops gelutscht (beides Sonova). Man muss also nur eine Marke erfinden, um diese Anforderung zu erfüllen. Interesannt wird auch, ob die Kassen irgendwann aussteigen. Die Brille wurde auch so zu einem Modeobjekt gemacht, dass sie da irgendwann raus waren (außer bei spezifischen Dingen). Gleiches ist in der Hörakustik zu beobachten. Hörgeräte werden aber nicht nur zu Hearables, sonder auch andersrum. Es wird also sicher bald noch mehr Bigplayer auf dem Markt geben. Jabra ist schon von einem Hörgerätehersteller, Sennheiser jetzt auch (zumindest die Sparte), es werden aber sicher noch welche, wie bspw. Teufel, Bang und Olufsen usw. usf. folgen. Hier liegt noch vieeeeel ungenutztes Kapital rum. Das "Buffet-Hörsystem" wird irgendwann auch kommen und ist m.E. eine Sache, mit der sich Hersteller DEUTLICH abheben könnten. Soviel aus meiner Glaskugel ;)

Besten Gruß,
Alex

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 09:20
von svenyeng
Hallo!
Akustik Alex hat geschrieben: 17. Dez 2022, 23:17 In 10 - 15 Jahren sehe ich außerdem kaum noch inhabergeführte Betriebe. Die Hersteller kaufen langsam aber sicher alles weg. Sonova schon lange, Oticon und Co ziehen aber seit geraumer Zeit nach. Das steigert die kaum zu beziffernden Umsätze der Industrie noch mehr und man kauft quasi direkt beim Hersteller. Man kann dann nicht mehr in einen Laden mit allen Marken, sondern nur noch zu Flagshipstores vom Hersteller. Übrigens auch gut gelöst ist, dass mindestens zwei Kassensysteme vorgehalten und angepasst werden müssen. Das ist aber weiterhin realisierbar, da beide aus dem gleichen Hause kommen dürfen. Ein aufzahlungsfreies System von Unitron, eins von Phonak und schon ist der Drops gelutscht (beides Sonova). Man muss also nur eine Marke erfinden, um diese Anforderung zu erfüllen.
Für den Kunden ein riesengroßer Nachteil.
Der läuft am Ende zu mehreren Geschäften um eben HGs von verschiedenen Herstellern zu testen.

Gruß
sven

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 10:02
von Dani!
Ein zwanghaftes Abo System würde ich auch kritisch betrachten. Wenn man das aber möchte, warum nicht. Ich würde kein Abo haben wollen. Andere leasen ihr Auto auch lieber, als dass sie es kaufen. Diesem Wunsch kann man meinetwegen also tatsächlich nachkommen

Auracast würde ich auch sehr begrüßen. Ich fürchte allerdings, dass noch viele Jahre ins Land gehen werden, bevor dieses System in der breiten Fläche von den Inhalte Anbietern wie Kino oder Bühnen verfügbar ist. Ich sehe da ein Henne-Ei Problem.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 10:06
von Dani!
Was mich aber am meisten reizen würde wäre ein zusätzlicher Speicherbaustein, der die Umgebungsgeräusche der letzten 5 Sekunden aufzeichnet, das man auf Knopfdruck noch mal abspielen lassen kann. Sozusagen zeitversetztes hören. Das hat mich früher regelmäßig wahnsinnig gemacht, wenn ich zu Hause unvermittelt zugetextet wurde, ohne dass man vorher meine Aufmerksamkeit eingeholt hat. Die ersten wertvollen 2 Sekunden gingen dann im Nirvana verloren.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 10:53
von Dani!
Bezüglich Inflation noch eine Anmerkung von einem Laien:
Diese ist dieses Jahr sehr hoch, richtig. Der Grund liegt mit Abstand in der Verteuerung der Energieträger. Eine weiterhin hohe Inflation würde im Moment bedeuten, dass die Preise für Primärenergie(!) weiterhin im selben Maße steigen werden wie bisher. Das tun sie seit etlichen Wochen aber nicht mehr, ganz im Gegenteil sinkt das aktuell wieder.

Die Endkundenpreise werden meines Erachtens zwar nicht mehr sinken. Aber auch nicht wie im Maße der vergangenen 10 Monate verteuern, die Inflation mithin wieder deutlich sinken. Das spätestens am Jahrestag des explosionsartigen Anstiegs. Denn Inflation wird als Teuerungsrate von Produkten im Vergleich zum Vorjahresmonat angegeben.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 12:56
von Ohrbert
Bezüglich Abo-Modell:
Das was @svenyeng möchte klingt für mich nach einem klassischen Leasingmodell so wie be Autos. Man könnte die Hörgeräte auf 3-5 Jahre leasen. Am Beginn steht ein einmaliger höherer Betrag, danach ein monatlicher Betrag und nach Ablauf kauft man dann entweder die Geräte gegen Zahlung eines Restbetrages oder gibt sie zurück und bekommt neue Geräte. Man müsste in dem Modell aber irgendwie den KK-Zuschuss einbeziehen. Außerdem haben solche Leasing-Modelle meistens steuerliche Gründe, das müsste man sich ansehen wie man das in der Steuererklärung unterbringt.
Im Grunde ist das aber eine Entscheidung der Akustikbetriebe ob die so etwas anbieten wollen. Hängt von der Nachfrage ab, ob es viele Anwender gibt die so ticken wie @svenyeng.

Zu den Beiträgen von @Dani!:
#13 Auracast: Ich bin da optimistischer: Das Interesse nach einer Verbreitung der Technologie kommt einerseits von den Smartphone-Herstellern (Apple-iOS, Google-Android) und andererseits von den Kopfhörer-Herstellern (Apple, Bose und was es da sonst noch so gibt). Hörgeräte sind eher eine Nische wo die Hersteller auf den Zug aufspringen und davon profitieren können. Ich kann mir auch gut vorstellen (und finde es auch wünschenswert) was @AkustikAlex in #11 geschrieben hat: dass Wearables (also high-end Kopfhörer in dem Fall) mit klassischen Hörgeräten verschmelzen. Sieht man sich die Preise von Hörgeräten an dann bekommt man da schon sehr anständige Kopfhörer dafür, da ist also durchaus Spielraum für High-End. Andererseits ist das auch der Spezialisierung und den relativ kleinen Stückzahlen geschuldet, was sich natürlich ändert wenn der Markt um die audiophilen Kopfhörerbenutzer erweitert wird. Das ist schon jetzt gut sichtbar: das Innenleben von iPod Pros ist von der Leistungsfähigkeit vermutlich mindestens auf dem Level von guten Hörgeräten, kostet nicht einmal 1/10 davon. Hat nichts mit "über den Tisch ziehen" zutun sondern ist einfach eine ökonomische Kalkulation.

#14 Speichermodus: Das ist eine interessante Idee, obwohl ich in der Praxis nicht genau weiß wie das umzusetzen wäre. Ist so ähnlich wie zeitversetztes Fernsehen. Das Problem ist nur, dass die Konversation in der Zwischenzeit weiterläuft. Wenn mich also wer anquatscht und ich die letzten 5 Sekunden zurückspule dann redet die Person zwischenzeitlich weiter - oder sie wartet auf die Antwort von mir. Dann könnte ich gleich nachfragen was die Person gerade gesagt hat und wir reden normal weiter....
Was ich mir aber vorstellen könnte das ist so ein Knopf für's automatische Lernen der Geräte über eine KI. Grundsätzlich wird das Audiogramm hinterlegt, daraus ergibt sich der First Fit. Dann läuft man durch die Welt und befindet sich in verschiedenen Hörsituationen. Wenn es nun eine Situation gibt wo ich die Einstellungen besonders mag oder nicht mag dann drücke ich einen Knopf und gebe eine Bewertung ab. Daraus kann die KI dann Verbesserungen ableiten.
Aber soetwas gibt es in ähnlicher Form jetzt schon - ich weiß jetzt nicht mehr bei welchem Hersteller ich das hier im Forum gelesen habe. Phonak macht da die Sparvariante und zeichnet nur auf, in welchen Programmen der Nutzer wie oft eingegriffen hat. Das soll dann der Akustiker dazu verwenden um die Einstellungen zu optimieren.

Nimmt man die beiden Punkte zusammen dann könnte sich die Rolle von Akustikern auch ziemlich ändern. Der Kundenkreis wird um anspruchsvolle Kopfhörerbenutzer erweitert, die Detaileinstellungen der Geräte welche jetzt viel Erfahrung erfordern wird aber direkt von den Geräten übernommen.
Wenn ich mir ansehe welche Personen so bei meinem Akustikbetrieb hineinspazieren während ich warte dann ist der Job derzeit zu 80% ein Sozialjob weil die ältere Kundschaft einfach mit der Technik überfordert ist. Das wird sich aber auch ändern wenn die Smartphone-Generation auf Hörhilfen angewiesen sein wird.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 13:29
von Yak
ich halte es für möglich, dass es, auf Basis der einmal gemessenen Hörkurve oder auch durch eine Selbstestung mit den Hörgeräten , gerade auch im Hinblick auf die OTC Zulassung in Amerika, HGs geben wird, die eine Art Percentilmessung (mit einem Mikro innenseitig) durchführen und dann selbstständig eine Optimierung durchzuführen.
eine Art Anti-M@ry sozusagen :)
und sicher wird sich auch noch was in der Raumakustikerkennung ändern, sowas wie zB Verstärker mit Raumeinmessung machen, sollte auch für HGs möglich sein in Räumen, in denen man sich oft aufhält und Probleme hat, Starkey hat ja schon sowas mit "Programm gebunden nach Koordinaten", warum dann nicht auch gleich dafür ein speziell optimiertes Programm , das auf die genau Situation angepasst wurde, sozusagen der optimierte Edge Modus für dies Lokalität oder eine speziell vom USer optimierte Einstellung.Viel wird sich sicher in den Apps ändern, da hier sehr viel Potential verschenkt wird und auch bei nicht stark fortschreitender HG Technik einiges an Komfort zu machen ist.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 14:34
von svenyeng
Hallo!
Ohrbert hat geschrieben: 18. Dez 2022, 12:56 Bezüglich Abo-Modell:
Das was @svenyeng möchte klingt für mich nach einem klassischen Leasingmodell so wie be Autos. Man könnte die Hörgeräte auf 3-5 Jahre leasen. Am Beginn steht ein einmaliger höherer Betrag, danach ein monatlicher Betrag und nach Ablauf kauft man dann entweder die Geräte gegen Zahlung eines Restbetrages oder gibt sie zurück und bekommt neue Geräte. Man müsste in dem Modell aber irgendwie den KK-Zuschuss einbeziehen. Außerdem haben solche Leasing-Modelle meistens steuerliche Gründe, das müsste man sich ansehen wie man das in der Steuererklärung unterbringt.
Im Grunde ist das aber eine Entscheidung der Akustikbetriebe ob die so etwas anbieten wollen. Hängt von der Nachfrage ab, ob es viele Anwender gibt die so ticken wie @svenyeng.
Also, bisher ist es so, das mein Akustiker mir eine 0% Finanzierung anbietet, die über max. 3 Jahre geht.
Das ist aber eben zu wenig. Wenn ich 100 Euro ürp Monat abzahlen, sind das in 3 Jahren also 3600 Euro Eigenanteil.
Für 2 gute HGs schon knapp. Aber mehr als 100 Euro / Monat will ich auch nicht abzahlen.
Gut, man könnte noch eine ggf. kleine Summe anzahlen.
6 Jahre wären für mich da eben sinnvoll, da man eben alle 6 Jahre den KK Anteil für neue HGa bekommt (jedenfalls bisher).

Leasing wäre cool, keine Frage. Aber eine Rückgabe nach der Leasingzeit macht wohl wenig Sinn.
Die HGs dürften ja eh nicht weiter verkauft werden.
Wobei, wenn man das mit so einem Modell ermöglichen könnte ...
Also ich sag mal 3 Jahre Leasingzeit und dann HGs zurück und neue her.
Dann können die zurückgegebenem grünlich geprüft und gewartet werden und wieder ins Leasing für kleines Geld gehen.
Vorteil: weniger E-Schrott und gute HGs zum guten Preis.
Den KK Anteil integrieren sollte doch irgendwie möglich sein. Die KK dürfte da auch günstiger bei weg kommen.

Gruß
sven

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 15:19
von Blümle
Einer der vielen Akustiker, bei denen ich war, hat jetzt schon so ein Abo, - für 89.-/Monat in der Höchstklasse: Alle drei Jahre das neueste Hörgerät. Aber was der dann mit den „alten“ Dingern macht und wie es genau funktioniert, erfährt man, - wie so oft in der Branche -, erst beim „persönlichen Beratungstermin“.
Für mich persönlich wären die absoluten Hörgerätetechnik-Highlights HGs ohne Otoplastiken. 🙄😂 . Oder halt mit wirklich passenden Ohrpasstücken aus so flexiblen Materialien, dass sie die Ohren-/Gehörgangsbewegungen verrutschungssicher und schmerzfrei mitmachen können und Lautsprecherkabel, die wirklich individualisiert hinsichtlich Länge und Biegung angepasst werden können. Was nützt die tollste HG-Technik, wenn die Dinger mangels dieser 2 Schwachstellen kaum bzw. nur mit allabendlichen Schmerzen tragbar sind.
Aus diesen Ohranatomiegründen dürften (leider) die auch noch so „coolen“ schwarzen Bollen-Hearables nicht für alle tragbar sein. „Okklusion“ ist bei dieser Bau-und Modellweise das fiese Antiwort.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 18. Dez 2022, 16:58
von tabbycat
Ich frage mich zudem, wie lange die schwarzen Klötze im Ohr noch als cool und hip gelten. Sechs Jahre sind eine lange Zeit... 8)

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 19. Dez 2022, 09:29
von svenyeng
Hallo!
Blümle hat geschrieben: 18. Dez 2022, 15:19 Einer der vielen Akustiker, bei denen ich war, hat jetzt schon so ein Abo, - für 89.-/Monat in der Höchstklasse: Alle drei Jahre das neueste Hörgerät. Aber was der dann mit den „alten“ Dingern macht und wie es genau funktioniert, erfährt man, - wie so oft in der Branche -, erst beim „persönlichen Beratungstermin“.
Genau sowas meine ich. 89 Euro sind ja ein super Preis und dafür dann die Höchstklasse. Was bitte will man mehr?
Das einzige wären jetzt noch 6 Jahre für 45 Euro / Monat.
Aber die 89 Euro sind super. Vor allem hat man alle 3 Jahre neue HGs und mit Reparaturen so keinerlei Probleme.
Garantie wird dann auch über die 3 Jahre laufen und man hat damit das rundum Sorglospaket.
Da muss ich meinen Akustiker mal drauf ansprechen.

Gruß
sven

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 19. Dez 2022, 09:49
von Ohrenklempner
Wenn ich mal die 89 Euro pro Monat auf drei Jahre rechne, dann ist das wahrscheinlich nur für ein Hörgerät, nicht für zwei. Das könnte eine ganz normale Finanzierung sein. Mit "Abo" kann eben auch ein Finanzierungsprodukt gemeint sein, z.B. gibt's ein "Gesundheitsabo", welches von der Optica (Abrechnungsdienstleister für Hilfsmittel) als Finanzierung angeboten wird.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 19. Dez 2022, 10:05
von Ohrbert
Das was Ohrenklempner schreibt ist sehr plausiebel. Wenn ich mal die Leistung der KK weglasse und schaue, was ich ich für die P70 (also obere Mittelklasse) inkl. 5 Jahre Versicherung gezahlt habe, dann würde sich das ungefähr auf die 90EUR pro Monat und Ohr ausgehen.

89EUR für beide Ohren wäre dann ein Superpreis weil nur 50% von dem was ich gezahlt habe.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 19. Dez 2022, 10:28
von Blümle
Ja klar, - natürlich nur für ein Hörgerät. In der Branche ist es doch üblich, den Preis immer nur einzeln anzugeben. Wer braucht schon zwei HG? 😂
Hier https://hoergeraete-info.net/hoergeraet ... bonnement/ hat jemand auch schon ausführlicher zum HG-Abo geschrieben.

Re: Hörgerätetechnik - was ist das nächste "big thing"?

Verfasst: 19. Dez 2022, 11:21
von cherusker
Ich war ebenfalls kurzzeitig bei einer Akustikerkette, die ein Abo im Angebot hat bzw. damit wirbt. Da lag der Preis für beide Seiten bei ca. 210€ pro Monat bei den Spitzengeräten, für 3 Jahre. Da kommen doch schon 7500€ zusammen. Sind zwar noch irgendwelche Versicherungen mit drin und Rabatte auf Reparaturen, aber "All-Inclusive" war das auch nicht.
Nach Ablauf des Abos konnte man die HG's für 300€ übernehmen oder eben zurückgeben, bzw. das Abo verlängern.
Voraussetzung war jedoch der Zuschuss der KK alle 6 Jahre. Scheinbar muss man diesen regelmäßig abtreten. Ob sich das finanziell allerdings lohnt, kann ich nicht beurteilen. Gehe aber stark davon aus, dass die Ketten da nichts verschenken.