Erste Eindrücke eines Neulings

Antworten
Art
Beiträge: 2
Registriert: 16. Jan 2023, 13:38

Erste Eindrücke eines Neulings

#1

Beitrag von Art »

HALLO LIEBE KOLLEG.INNEN,
ich dachte ich schreibe mal groß, weil ja hier alle schlecht hören (ho ho :D )
Dies ist mein erster Beitrag, daher ein kurze Vorstellung:
Ich bin seit 35 Jahren hauptberuflich Tontechniker (ja, noch einer :- ). Wie viele wissen, war es ja nun früher nicht so üblich, sich über laute Musik gedanken zu machen. Die vielen Touren mit lauten Rockbands haben dann Spuren hinterlassen. Obwohl ich seit 25 Jahren etwa bei lauten Konzerten den angepassten Gehörschutz von Amplifon (-15db) nutze, war es wohl schon damals zu spät. Nun habe ich mich entschlossen, ein Hörgerät zu probieren. ICh verstehe im Alltag eigentlich da meiste recht gut, aber kann mein Gehör eben auch ganz gut einschätzen und weiß, was mir seit langem fehlt. Leider musste ich hier schon viel lesen, dass Hörgeräte so gut wie gar nicht über 12kHz gehen und die Dinger eigentlich nur für den Alltag sind.
Ich habe nun seit etwa einer Woche Testgeräte von Phonak. Ich weiß leider nicht genau welche - der Akustiker sagte es seien "Analysegeräte", die irgendwas mitschreiben. Später könne man dann genau aussuchen welches.
Mein erster Eindruck ist gar nicht so schlecht. Sie sind wohl noch moderat eingestellt. Mir ist es bei der Automatik-Einstellung (App: Hearing Remote) links etwas zu viel 2k und leider habe ich den Eindruck, dass die Dinger willkürlich regeln. Manchmal klingt es blechern-hart, manchmal angenehm. Es rauscht auch etwas. ICh habe dann die Einstellung "Live-Musik" (klar - der alte Teckie ;) ) gewählt, bei der man etwas mehr einstellen, bzw ausschalten kann. Dabei scheint das Klangbild stabil. Aber die Latenz scheint auch höher. Ich habe hier gelesen, dass es Geräte gibt die unter 1ms liegen. Meins lag mit Smaart gemessen um die 6ms. Aber blöd ist es ohnehin. Auch bei 1ms beginnt der Kammfilter schon bei 1khz, erster Dip bei 1,5 - doof das. Größere Latenz könnte da fast die bessere Alternative sein, die die Auslöschungen dann so Eng liegen, dass - naja... der Teckie mal wieder. Jedenfalls hoffte ich auch auf einen "schönen Musikklang". Es ist jetzt nicht ganz übel, aber über 10k ist eben auch nix mehr. Schade. Denkt ihr dass es da in Zukunft mal Geräte gibt?
Ich hätte hier hinter jeden Satz ein Fragezeichen machen können und hoffe auf Rückmeldungen von den Expert.innen hier.
Gibt es welche aus dem Saarland hier und kennt ihr gute Akustiker, die vielleicht auf Musiker, Techniker spezialisiert sind?
Audiogramm anbei. Was empehlt ihr?
Danke für Eure Mühe,
IMG_20230116_140540-b.jpg
Audiogramm
(94.53 KiB) Noch nie heruntergeladen
Art
Richy
Beiträge: 92
Registriert: 10. Jun 2022, 15:08

Re: Erste Eindrücke eines Neulings

#2

Beitrag von Richy »

Hallo Art,
ich kenne zwar keinen von den gewünschten Profis, aber Grüße ausm Saarland zurück,
Gruß Richy
Ohrenklempner
Beiträge: 6222
Registriert: 20. Feb 2015, 13:08
7
Wohnort: Mitteldeutschland

Re: Erste Eindrücke eines Neulings

#3

Beitrag von Ohrenklempner »

Hi
da hätte ich ganz klassisch die Empfehlung: Fürs Musikhören und -produzieren nimmst du Kopfhörer oder vertraust guten Lautsprechern. Die Hörgeräte sind für den Rest des Tages, wo es um Kommunikation und Sprachverstehen geht.
In Zukunft gibt es sicherlich Hörgeräte oder ähnliche Hilfsmittel, die nicht unter den heute üblichen "Schwächen" leiden. Da sehe ich bisher aber weder eine Tendenz noch einen anderen Hinweis, der darauf schließen lässt. Das wird also noch ein Weilchen dauern.

Bei den Analysegeräten ist es so, dass dir natürlich erstmal supertolle High-End-Technik schmackhaft gemacht wird. Nach der Testphase wird dir dann wahrscheinlich gesagt, dass die günstigeren Geräte nicht für dich geeignet sind und du bitte 5000 Euro für die Hörgeräte bezahlen oder gehen sollst. :lol:
Dazu gibt's schon ein paar Themen:
search.php?keywords=analyse*

Die Phonak-Geräte haben diese Situationsautomatik, die willkürlich entscheidet, welche Features arbeiten sollen und welche nicht. Ja, das hört man. Alternativ sollte man (Achtung, rein persönliche Meinung!) zuerst den Hörakustiker wechseln und dann andere Hörgeräte testen. :D
Carreau!
Dani!
Beiträge: 2435
Registriert: 9. Mär 2012, 14:22
10
Wohnort: Landkreis München

Re: Erste Eindrücke eines Neulings

#4

Beitrag von Dani! »

Die Hörgeräte sind schon okay. Das Gebaren der Akustikerkette kann ich aber nicht gutheißen.
Dominik
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
Vorsicht bissig
Art
Beiträge: 2
Registriert: 16. Jan 2023, 13:38

Re: Erste Eindrücke eines Neulings

#5

Beitrag von Art »

Ohrenklempner hat geschrieben: 16. Jan 2023, 15:22 ...
Bei den Analysegeräten ist es so, dass dir natürlich erstmal supertolle High-End-Technik schmackhaft gemacht wird. Nach der Testphase wird dir dann wahrscheinlich gesagt, dass die günstigeren Geräte nicht für dich geeignet sind und du bitte 5000 Euro für die Hörgeräte bezahlen oder gehen sollst. :lol:
Dazu gibt's schon ein paar Themen:
search.php?keywords=analyse*

Die Phonak-Geräte haben diese Situationsautomatik, die willkürlich entscheidet, welche Features arbeiten sollen und welche nicht. Ja, das hört man. Alternativ sollte man (Achtung, rein persönliche Meinung!) zuerst den Hörakustiker wechseln und dann andere Hörgeräte testen. :D
Danke Ohrenklempner für Deine Rückmeldung,
was analysieren denn die Testgeräte?
Ja das mit der Situationskomik habe ich schon gemerkt. Doof das. Jeder sagt einem man müsse sich an das Gerät gewöhnen, aber wie soll man das, wenn es ständig regelt? ICh hab schon bei der ersten Sitzung gesagt, dass ich so wenig Regelung wie möglich will. Gerade wir Techniker mögen gar nicht, wenn wir nicht wissen, was die Geräte im Audioweg machen.
Ich werde auf jeden Fall noch so einiges testen - auch bei anderen Hörakustikern. Was empfielst Du? ( so offline bei meiner Hörkurve und den "Ansprüchen"?) Das mit der Musik ist schon klar - soweit abgehakt.
ArsMachina
Beiträge: 117
Registriert: 6. Dez 2022, 15:35

Re: Erste Eindrücke eines Neulings

#6

Beitrag von ArsMachina »

Ohrenklempner hat geschrieben: 16. Jan 2023, 15:22 da hätte ich ganz klassisch die Empfehlung: Fürs Musikhören und -produzieren nimmst du Kopfhörer oder vertraust guten Lautsprechern. Die Hörgeräte sind für den Rest des Tages, wo es um Kommunikation und Sprachverstehen geht.
Prinzipiell ja, weil ich inzwischen wohl akzeptieren muss, dass klassische Hörgeräte ihren Augenmerk primär auf Sprachverständlichkeit legen und nicht auf das möglichst angenehme Hören von Musik oder Naturgeräuschen.

Ich hatte vor einigen Jahren schon einmal ein absolutes AHA-Erlebnis in Sachen Musikhören durch sehr hochwertige InEar Monitore.
Allerdings wird das nochmal durch die aktuellen AirPod Pro 2 getoppt.
Warum?
Ganz einfach, weil ich in den AirPods mein Audiogramm hinterlegen kann und dadurch mein problematischer Frequenzbereich beim Musikhören ausgeglichen wird.

Der Unterschied ist wirklich dramatisch, man kann bei den Airpods die Audiogramme mit einem Klick aktivieren und deaktivieren und dadurch direkt vergleichen.
Ohne Audiogramme klingt es muffig und dumpf, mit Audiogrammen klingt alles kristallklar, präzise und lebendig.
Es ist als würde man einen dicken dämpfenden Vorhang beiseite schieben.

Ich frage mich, warum man nicht beides in einem Hörgerät vereinen kann, technisch muss das doch machbar sein.
Ich denke es ist die geringe Nachfragen von Leuten, die so etwas wollen, die meisten wollen einfach nur Sprache wieder gut verstehen können.

Grüße Jochen
R: -45 -40 -40 -50 -60 -70 -85 -100 -110
L: -35 -40 -50 -55 -55 -65 -100 -120 -xxx
Antworten