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Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 11:50
von cowfarmer
Hallo zusammen,

kam heute erst auf die Idee nach einem Forum für HG-Besitzer oder Schwerhörige zu suchen und bin hier fündig geworden.
Laut dem GdB-Rechner habe ich eine geringgradige Schwerhörigkeit (27% Hörverlust) am rechten Ohr, laut Hörakustiker sind es 65% Hörverlust, möchte aber nicht ausschließen, dass ich etwas verwechsle.
Für mich ist der Hörverlust insofern störend, dass ich bei Gesprächen nicht die Hintergrundgeräusche rausfiltern kann (Cocktailparty-Effekt) und nichts verstehe oder es extrem anstrengend ist. Außerdem kann ich rechts nicht telefonieren, da ich wie durch einen Vorhang (analog zum Sehen) höre.

Wie es zu dem Hörverlust kam, weiß ich leider nicht. Als Kind wurde ich mal am Ohr deshalb operiert, weil ich "zu viele Mittelohrentzündungen hatte" (hatte ich imo nicht). Bei der Operation wurde der Steigbügel mit Gold und Titan ersetzt(?)/verstärkt. Ob das was gebracht hat, kann ich leider nicht mehr sagen. Erst 20 Jahre später bin ich selbst nochmal zum HNO-Arzt und habe ein Hörgerät (Bernafon Zerena 7 miniRITE) bekommen (bin jetzt 30).

Das Hörgerät ist ziemlich gut (habe nie ein anderes probiert) und habe es als Verbesserung empfunden. 100% höre ich natürlich nicht, aber schon ein Stück besser. Nach einer Weile Tragen ist mir allerdings aufgefallen, dass ich den restlichen Tag ziemlich Aggressiv bin oder mein Gehirn einfach überfordert ist mit den vielen Geräuschen.
Bin deshalb auch in diesem Forum um Erfahrungsberichte zu finden (Gerne her mit einschlägigen Threads). Ich hatte zwischenzeitlich nach dem Tragen des Hörgeräts auch das Gefühl, dass ich mich besser konzentrieren kann, aber konnte das nie so ganz reproduzieren (gerne auch hier einschlägige Threads), auch da ich das Hörgerät nie z.B. 30 Tage am Stück getragen habe.

Mittlerweile ist es leider so, dass ich wegen Homeoffice mein Hörgerät nicht mehr trage. Am PC verwende ich EqualizerAPO und habe in dem Programm so gut wie möglich, die Kurve für das Headset angepasst/verstärkt. Evtl. habt ihr ein paar Punkte, warum es wichtig ist, das Hörgerät zu tragen. Häufiger liest man, dass Hörverlust zu sozialer Abkapslung sorgt und auch eine leichte Schwerhörigkeit Demenz fördern kann.

Ich freue mich darauf hier einiges lesen zu dürfen.
Liebe Grüße

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 13:19
von Ohrenklempner
Hallo 10001. Forenmitglied (die Nr. 10000 hat sich noch nicht zu Wort gemeldet :D )

ich kann dir nur auf die audiologischen und technischen Fragen antworten.
Die 27% Hörverlust aus dem GdB-Rechner haben mit den 65% beim Akustiker nicht wirklich was zu tun. Vermutlich sind die 65% der Diskriminationsverlust für einsilbige Wörter bei 65 dB. Von den 20 vorgespielten Wörtern hast du 13 Wörter (also 65%) nicht verstanden. Im Ton- und Sprachaudiogramm gibt es einmal den Hörverlust (HV) in dB für einzelne Frequenzen und dann noch den HV in dB für Zahlwörter. Diese Hörverlust-Angaben sagen, wie viel im Vergleich zum gesunden Standardohr "lauter" gemacht werden muss, damit das gleiche Ergebnis erreicht wird.

Was das Hörgerät bzw. die Überforderung angeht: Da hilft es, einfach mal leiser zu machen. Wenn zu viele Eindrücke auf die Ohren einprasseln, geht das aufs Nervenkostüm. Man sollte auch während der gleitenden Anpassphase diese Dinge beim Akustiker ansprechen und nachbessern lassen. Ich mache es bei Neuversorgungen i.d.R. auch so, dass die leisen Signale nicht sehr viel mehr verstärkt werden als der Rest. Damit klingt das Hörgerät ruhiger und das Gehör wird weniger strapaziert. Nach ner Weile wird dann bei Bedarf weiter aufgedreht und der maximale Hörerfolg kommt mit der Zeit von alleine.

Soziale Isolation muss man erst dann befürchten, wenn man wegen des schlechteren Hörens andere Menschen meidet. Das Demenzrisiko steigt auch, wenn das Hörorgan anfängt sich zu langweilen, kaum noch Input kommt und immer mehr Gehirnregionen brach liegen. Wenn man's mal mit dem Bewegungsapparat vergleicht: Du brichst dir ein Bein, lässt es aber nicht versorgen und verbringst Wochen, Monate, Jahre auf dem Sofa. Dass das auf Dauer nicht gesund ist für den Gesamtzustand, kann man sich vorstellen. ;)

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 13:27
von FotoJunkie
Hi, cowfarmer,

willkommen im Forum.

Seit wann trägst du die neuen Hörgeräte?
Gib Deinem Gehirn die Möglichkeit, sich an die neuen Eindrücke zu gewöhnen.
Vieleicht stellst du die Höries fürs alltägliche Leben für den Anfang ein wenig leiser oder lässt dir das beim Akustiker anpassen, weil du ja somit ein Erstversorgter bist.

Ja, ich genieße ab und an die Ruhe, wenn ich die Hörgeräte mal draußen habe, aber um so mehr dann auch das Vogelgezwitscher, wenn sie.wieder drin sind.
Auch wenn dann Mikrowelle und Geschirrspüler mit ihrem Gepiepse nerven....

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 13:39
von Ohrenklempner
Es sind Zerena 7, die kamen vor etwa sechs Jahren auf den Markt, 2019 kam der Nachfolger "Viron". Ich glaube also, dass die Versorgung schon einige Zeit zurückliegt.

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 15:20
von cowfarmer
Vielen Dank für eure Rückmeldungen :). Wäre natürlich gerne der 10000e Nutzer gewesen. Wahrscheinlich hast du (@Ohrenklempner) mit deiner Analyse der 65% recht. Ich habe einen solchen Wörtertest gemacht und ziemlich viele Wörter falsch geraten, obwohl ich mir absolut sicher war, dass es richtig war wie ich es gehört habe.
Bzgl. der Überforderung: Danke für die Info, werde ich mit dem (zukünftigen) Akustiker so besprechen, oder meinst du die Lautstärke einfach in der App runterstellen oder wirklich beim Akustiker direkt?
Ohrenklempner hat geschrieben: 26. Mai 2023, 13:39 Es sind Zerena 7, die kamen vor etwa sechs Jahren auf den Markt, 2019 kam der Nachfolger "Viron". Ich glaube also, dass die Versorgung schon einige Zeit zurückliegt.
Ja, die Versorgung liegt (s.u.) schon einige Jahre zurück, das Hörgerät funktioniert allerdings noch tadellos, habe es gerade auf und möchte es diesmal kontinuierlich tragen.
FotoJunkie hat geschrieben: 26. Mai 2023, 13:27 Seit wann trägst du die neuen Hörgeräte?
[...]
Seit 2018 habe ich das Hörgerät. Nachdem ich dann mehrfach umgezogen bin, bin ich auch nicht mehr zum Akustiker. Ich werde die nächsten Monate mal vorbeischauen, da ich wahrscheinlich auch wieder ein neues Hörgerät bekomme (nach 3 oder 5 Jahren). In Österreich hat man ja das Glück, dass die Krankenkasse 2300 € (waren es glaub ich), dazubezahlen.
Ist "Viron" gerade DAS Ding (ein kurzer Blick zeigt noch das Alpha XT)? Hatte nur mal gelesen, dass es Hörgeräte mit automatischem Übersetzer gibt, aber denke nicht dass es so gut für mich klappen würde. Sobald ich mit dem Zerena 7 über mein Handy telefoniert hatte (ist ja nur eine Seite) habe ich kaum was verstanden, was natürlich auch daran liegt, dass mein Gehirn nicht dran gewöhnt ist, rechts zuzuhören :| .

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 15:49
von Ohrenklempner
Viron ist schon bissl älter, wie gesagt von 2019. Nach Viron kam Alpha, aktuell (seit neulich) ist Alpha XT erhältlich.

Für die Grundeinstellung zum Eingewöhnen nehme ich immer eine Einstellung, die erst einmal ganz gut akzeptiert wird. Du kannst natürlich das Hörgerät auch so ein, zwei Stufen leiser machen -- das ist vielleicht die beste Wahl, denn so wirst du bei jedem neuen Einschalten in die richtige Einstellung geschubst, und bestenfalls hast du immer seltener das Bedürfnis, leiser zu machen. ;)

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 26. Mai 2023, 16:26
von Apfelschorle
Hallöchen cowfarmer,
Ich kann Dir zu diesen Testgeschichten nicht viel schreiben da ich da selbst nicht durchblicke.
Was ich Dir aber raten würde ist: Trag dein HG jeden Tag mehrere Stunden.
Nur so gewöhnt sich dein Ohr und Dein Gehirn daran.
In der Schublade bringt es Dir nichts ,und auch eine neue Versorgung bringt Dir nichts wenn das Gerät wieder nur in der Schublade liegt.

Mit dem HG hören lernen benötigt viel Zeit Geduld und dann wird sich alles finden.
Aber dazu musst du es täglich tragen.

Ich tue mein Gerät moins halb sechs rein und abends halb 11 raus.

Der Rat ist nicht böse gemeint,aber nur so bringt es dir was.

LG Apfelschorle

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 12:50
von cowfarmer
Hallo Apfelschorle,

fasse ich nicht böse auf. Es ist auch mein Plan es ab sofort eben häufiger zu tragen. Manchmal ist es eben komplizierter mit Kopfhörern (in ear) in der U-Bahn, oder wenn man es einfach nicht in Sichtweite hat. Hatte eine Zeitlang es neben dem Bett stehen, aber reinigen muss man es dann doch wieder (bin abends zu faul).
Aber ja, der Wille zählt. Wie lang hat es bei dir/euch gedauert bis ihr das Gefühl hattet, besser zu verstehen bzw. Das Gehirn sich dran gewöhnt hat? Oder war das einfach ein fließender Übergang?

@Ohrenklempner: aktuell (seit ich mich hier angemeldet habe) trage ich das Hörgerät den ganzen Tag und bisher keine Überlastungserscheinungen... Wahrscheinlich wird es anstrengender, wenn mehr Gruppengespräche/Lärm entstehen. Bin mal gespannt was der Akustiker zu dem alpha sagt.

Liebe Grüße

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 14:08
von Dirk27
cowfarmer hat geschrieben: 27. Mai 2023, 12:50 ...
Aber ja, der Wille zählt. Wie lang hat es bei dir/euch gedauert bis ihr das Gefühl hattet, besser zu verstehen bzw. Das Gehirn sich dran gewöhnt hat? Oder war das einfach ein fließender Übergang?
...
Liebe Grüße
Ich bin jetzt in den ersten 4 Wochen mit den Eigenen. Das bessere Sprachverstehen konnte ich sofort merken. Da gibt's keine Eingewöhnung. Gewöhnen muss ich mich aber immer noch an den allgemeinen Klangeindruck, besonders an die Geräusche, die es ohne HGs nicht gäbe: röhrenförmiger Hall, Impulsschall-Reflexe, Windgeräusche ..., aber natürlich auch an die hohen Frequenzen, die ich vorher nicht mehr hören konnte. Das dauert noch ...

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 14:57
von tabbycat
cowfarmer hat geschrieben: 26. Mai 2023, 11:50 Als Kind wurde ich mal am Ohr deshalb operiert, weil ich "zu viele Mittelohrentzündungen hatte" (hatte ich imo nicht). Bei der Operation wurde der Steigbügel mit Gold und Titan ersetzt(?)/verstärkt. Ob das was gebracht hat, kann ich leider nicht mehr sagen.
Das liest sich ähnlich wie bei mir:
Bei mir kam es als als Jugendliche in Folge einer Mittelohrentzündung/ perforiertem Trommelfell zu einer Knocheneiterung/ "Cholestaetom" im rechten Mittelohr. Auch mir wurde ein Gehörknöchelchen ersetzt, was zu einem Hochton-Steilabfall führte.
Gut 25 Jahre hab ich irgendwie damit gelebt, dann merkte ich gewisse Einschränkungen und kam so zu meinem ersten HG.

Mich hat das "asymmetrische" Hören manchmal ein bisschen auf die Palme gebracht. Bis ich mit dem HG-Ohr einigermaßen Sprache verstand, hat es übrigens ca. ein Jahr gedauert. Wirklich sicher von der betroffenen Seite ansprechbar fühle ich mich erst, seit ich auch links ein HG trage - die binaurale Technik leistet wohl ihren Teil dazu ...

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 15:11
von Richy
Dirk 27.hast du immer noch den „röhrenförmigen Hall ? Auch beim den 7ner AX ?

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 15:31
von Dirk27
Richy,
ja, leicht.
Und zwar hatte meine AkuIN die Schalldämpfung beim letzten Mal erstmals auf "Medium" gestellt.
Komischerweise war das ohne diese Einstellung schon fast weg! Verstehe ich nicht.
Muss sie wieder raus nehmen ...

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 15:44
von Richy
Schalldämpfung ? Medium? Interessant! Die Frage ob das wirklich so heißt?
Gruß Richy

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 15:49
von Dirk27
Richy hat geschrieben: 27. Mai 2023, 15:44 Schalldämpfung ? Medium? Interessant! Die Frage ob das wirklich so heißt?
Gruß Richy
Ich weiß nicht genau. Wir sprachen über Schallreflexe und dann hat sie einen Schieberegler von Aus auf Medium geschoben. Sollte ich mal probieren. Muss ich noch mal genauer nachfragen, was das ist ...

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 16:20
von Richy
Ja , vermute Störschallreduzierung ? Oder ? Hab ich auch auf „Medium“

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 16:37
von Dirk27
Richy hat geschrieben: 27. Mai 2023, 16:20 Ja , vermute Störschallreduzierung ? Oder ? Hab ich auch auf „Medium“
Ja, ich nehme es an.

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 21:05
von cowfarmer
tabbycat hat geschrieben: 27. Mai 2023, 14:57 Mich hat das "asymmetrische" Hören manchmal ein bisschen auf die Palme gebracht. Bis ich mit dem HG-Ohr einigermaßen Sprache verstand, hat es übrigens ca. ein Jahr gedauert. Wirklich sicher von der betroffenen Seite ansprechbar fühle ich mich erst, seit ich auch links ein HG trage - die binaurale Technik leistet wohl ihren Teil dazu ...
Das zweite Hörgerät trägst du, obwohl du auf dem anderen Ohr nicht schlechter hörst bzw. wegen der binauralen Technik? Oder hörst du auf beiden Ohren schlecht?

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 27. Mai 2023, 21:39
von tabbycat
Auf dem "guten" Ohr bin ich mittlerweile leicht altersschwerhörig, daher trage ich seit etwas mehr als einem Jahr das zweite Hörgerät.

Re: Geringgradige Schwerhörigkeit

Verfasst: 28. Mai 2023, 12:10
von Ohrenklempner
Als Tipp für den Röhrenhall, vielleicht könnte die Schwarze mal einen Blick auf die Tieftonverstärkung werfen. Die wird bei Signia immer unverhältnismäßig stark vorberechnet. Wenn die reduziert wird, wird auch der Röhreneffekt viel besser.