Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

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gereon
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Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#1

Beitrag von gereon »

Infusionen bei Hörsturz bringen nichts, man hat sogar Zweifel, dass Medikamente überhaupt etwas bringen.

https://hodokort-studie.hno.org/presse.html
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ohrdnung
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#2

Beitrag von ohrdnung »

Danke fürs Teilen.
So funktioniert Schulmedizin.Ein Medikament wird seit 50 Jahren als Standardtherapie verordnet, ohne das ein Wirksamkeitsnachweis bestand.
Aber alle verdienen ganz gut daran- außer der Kranke.
Die Schuldmedizin behauptet dann aber z.B. von der Homöopathie, das diese nicht wirken kann, weil keine Wirkstoffe nachweisbar seien.
Dabei heißt ein wichtiger Grundsatz der Wissenschaft: "Nur weil man es nicht beweisen kann, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt"
Birkbot
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#3

Beitrag von Birkbot »

Also den Artikel habt ihr beide nicht gelesen, oder?

Die Gruppe, die die Standard-Therapie (also die seit 50 Jahren angewandt wird) bekam, hat am Besten der drei Gruppen abgeschnitten. Es wurde mit der Studie nicht untersucht, ob die Standard-Therapie wirkt, sondern ob eine Hochdosis-Therapie der Standard-Medikation besser wirkt. Das ist nicht der Fall.
Was im Artikel auch drin steht, ist, dass die Studienleiter sich jetzt fragen, ob die Standard-Therapie wirkt, weil nur bei 40% der Standard-Gruppe eine vollständige Besserung eingetreten ist. Das muss aber in einer weiteren Studie untersucht werden.
(Wobei das auch wieder schwierig ist: Wer möchte schon in der Kontrollgruppe sein, die kein oder nur ein Placebo-Medikament bekommt, wenn der Patient einen Hörsturz hat. "Ja, wir haben Ihnen mit Absicht nicht geholfen, viel Spaß das restliche Leben mit der Taubheit")
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#4

Beitrag von KatjaR »

Richtig Birkbot, das besagt ja auch schon die Überschrift: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung
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(Rainer Maria Rilke)
Birkbot
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#5

Beitrag von Birkbot »

ohrdnung hat geschrieben: 20. Jan 2026, 22:39 Dabei heißt ein wichtiger Grundsatz der Wissenschaft: "Nur weil man es nicht beweisen kann, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt"
Der Grundsatz lautet "Derjenige, der es behauptet, muss es beweisen".

Der Homöopath behauptet, dass seine Zuckerkugeln wirken. Der muss es beweisen.
Die Schulmediziner haben bewiesen, dass Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Es wurden Patienten in diversen Studie schulmedizinische, homöopathische oder Placebo-Arzneien gegeben, die Schulmedizin hat regelmäßig am Besten abgeschnitten, Placebo und Homöopathie gleich schlecht. Also haben die Schulmediziner bewiesen, dass Homöopathie nicht wirkt. Die Abwesenheit von Wirkstoffen im Medikament ist eine Erklärung für die Ergebnisse.
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Dani!
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#6

Beitrag von Dani! »

ohrdnung hat geschrieben: 20. Jan 2026, 22:39 "Nur weil man es nicht beweisen kann, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt"
Meines Wissens ist das der Grundsatz der Religion. Die baut genau auf diesem Fundament auf.

Nicht falsch verstehen: Ich habe trotzdem meine Zweifel, dass Medikamente bei Tinitus wirken. Zumindest beim Wirkstoff. Psychisch helfen die womöglich trotzdem.

Vom Arzt fordern akut Betroffene, dass er oder sie was tut. Tut er nichts, geht der Patient zum nächsten Arzt, solange bis irgendeiner irgendetwas scheinbar sinnvolles tut.
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#7

Beitrag von gereon »

Dani! hat geschrieben: 21. Jan 2026, 05:20 [Nicht falsch
verstehen: Ich habe trotzdem meine Zweifel, dass Medikamente bei Tinitus wirken. Zumindest beim Wirkstoff. Psychisch helfen die womöglich trotzdem.
Bisher ist die Wirkung von Medikamenten bei Tinnitus wissenschaftlich nicht nachgewiesen
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#8

Beitrag von Ohrenklempner »

Das kann ich auch nicht einfach unkommentiert stehen lassen.
ohrdnung hat geschrieben: 20. Jan 2026, 22:39 So funktioniert Schulmedizin.Ein Medikament wird seit 50 Jahren als Standardtherapie verordnet, ohne das ein Wirksamkeitsnachweis bestand.
Das ist leider nicht richtig. Medikamente werden evidenzbasiert und erst nach erfolgreichen klinischen Studien zugelassen. Medikamente ohne signifikante Wirkung (erkennbar übrigens daran, dass es auch kaum Nebenwirkungen gibt), findet man im Regal bei den Nahrungsergänzungen.
ohrdnung hat geschrieben: 20. Jan 2026, 22:39 Aber alle verdienen ganz gut daran- außer der Kranke.
Das trifft wohl vor allem auf die Homöopathie-Industrie zu. Die Wirkstoffe von Medikamenten müssen zunächst synthetisiert werden und die Forschung, Entwicklung, Rohstoffe und Vertriebswege sind in der Regel teurer als wenn man nur Zucker und Wasser verkauft.
ohrdnung hat geschrieben: 20. Jan 2026, 22:39 Die Schuldmedizin behauptet dann aber z.B. von der Homöopathie, das diese nicht wirken kann, weil keine Wirkstoffe nachweisbar seien.
Die wesentliche Kritik an der Homöopathie richtet sich gegen das Fehlen einer nachweisbaren Wirksamkeit verglichen mit Placebos. Dass keine Wirkstoffe enthalten sind, ist ein Grund dafür.
ohrdnung hat geschrieben: 20. Jan 2026, 22:39 Dabei heißt ein wichtiger Grundsatz der Wissenschaft: "Nur weil man es nicht beweisen kann, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt"
Der Grundsatz ist richtig, aber nicht in diesem Kontext. Es existieren keine unsichtbaren Einhörner auf dem Mond, nur weil man nicht das Gegenteil beweisen kann. In der Wissenschaft muss derjenige etwas beweisen, der eine Behauptung aufstellt. Hier wird der Medizin eine Unwissenschaftlichkeit unterstellt, um die Beweisnot der Homöopathie selbst zu rechtfertigen.
...zufällig bin ich Experte auf diesem Gebiet... 🤓

Zu audiologischen Ratschlägen, Anpassberatungen oder Hörgeräte-Offerten fragen Sie nicht mich sondern Ihren Hörakustiker (m/w/d)! 👍
deaf_tom
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#9

Beitrag von deaf_tom »

Wenn ich es richtig verstehe, ist Homöopathie auch für Nicht-Nutzer nicht ungefährlich.

Je höher die Potenz eines Mitteils ist, desto weniger Wirkstoff ist enthalten. Wenn ich also gar nichts davon nehme, entspricht das der gängigen Logik nach demnach einer Überdosierung, oder? 🤔

SCNR...
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#10

Beitrag von Neela »

Ohrenklempner hat geschrieben: 21. Jan 2026, 07:42 Das kann ich auch nicht einfach unkommentiert stehen lassen.

Das ist leider nicht richtig. Medikamente werden evidenzbasiert und erst nach erfolgreichen klinischen Studien zugelassen. Medikamente ohne signifikante Wirkung (erkennbar übrigens daran, dass es auch kaum Nebenwirkungen gibt), findet man im Regal bei den Nahrungsergänzungen.
Kurze Ergänzung zu deinen schönen ausführlichen Kommentaren, die ich auch nicht unkommentiert lassen kann 😉. Es gibt durchaus zugelassene Arzneimittel ohne konkret bewiesene Wirksamkeit, die laufen unter „allgemein medizinisch verwendet“ seit mehr als 10 Jahren. Ganz viele „alte“ zugelassene Arzneimittel fallen darunter, Nasenspray z.B. Die können trotzdem apothekenpflichtig sein. (Werden dann aber nicht unbedingt erstattet)
Die Darstellung der Wirksamkeit wurde in der Geschichte der Zulassung noch später eingeführt als die Ungefährlichkeit.
KatjaR
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#11

Beitrag von KatjaR »

Hörsturz ist ebenso wie Tinnitus ein bis heute nicht zur Gänze verstandenes Phänomen, was mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht monokausal verursacht wird.
Als mögliche "Kandidaten " der Verursachung gelten:
Gestörte Durchblutung im Innenohr
Stress und psychische Belastungen
Virusinfektionen oder Entzündungen
Autoimmunerkrankungen
Daher ist es logisch, dass bei der ersten mutmaßlichen Ursache durchblutungsfördernde Mittel eine Wirkung zeigen können,
bei 2. eher Schonung und bei den letztgenannten Glukokortikoiden wahrscheinlich Besserung bewirken können.
Deswegen der "Standardtherapie" jegliche Wirkung abzuschreiben ist nicht sinnvoll, auch wenn sie nicht allen hilft, da man bei "idiopathischen" (Ursache unbekannt) Erkrankungen ja nicht weiß was die jeweilige Ursache ist.
Gegen eine Viruserkrankung Antibiotika zu geben ist bekanntlich auch nicht zielführend.
Auch größeres Ausmaß des Hörstures mit schon irreversiblen Schäden kann ein Grund sein, dass Medikamente nicht wirken.
Und selbst wenn nur eine Placebo Wirkung auftritt, ist das besser als garnichts. Dass behandelt wird, kann ja auch stressmindernd wirken, und daher bei der stressverursachten Komponente Wirkung zeigen.
Daher besser nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.
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gereon
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#12

Beitrag von gereon »

@ Katja R.
Bei den ersten Zeilen Deines Beitrages bin ich voll bei Dir, da Du es super auf dem Punkt gebracht. Den letzten Zeilen Deines Beitrages ( ab Deswegen bis ausschütteln) muss ich Dir widersprechen. Denn in den von mir verlinkten Artikel ging es nicht darum der Stanardtherapie ihre Wirkung abzusprechen. Stattdessen geht es in dem Artikel darum, dass eine Therapie mit hochdositieren Medikamenten (Kortison) sich nicht als effektiver als die Standardtherapie erwiesen hat. Daher heißt ja auch die Überschrift meines Beitrages " Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber der Standardtherapie"
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#13

Beitrag von KatjaR »

gereon hat geschrieben: 20. Jan 2026, 07:51 Infusionen bei Hörsturz bringen nichts, man hat sogar Zweifel, dass Medikamente überhaupt etwas bringen.

https://hodokort-studie.hno.org/presse.html
Dann darf man das aber nicht so verkürzen Gereon und damit das Kind mit dem Bade ausschütten.
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#14

Beitrag von gereon »

KatjaR hat geschrieben: 22. Jan 2026, 13:22 Infusionen bei Hörsturz bringen nichts, man hat sogar Zweifel, dass Medikamente überhaupt etwas bringen. Dann darf man das aber nicht so verkürzen Gereon und damit das Kind mit dem Bade ausschütten.
Dann entschuldige bitte, wenn ich es zu verkürzt rübergebracht habe. Dann hätte ich nur den Link posten sollen.
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Re: Hörsturz: Therapie mit hochdosierten Medikamenten bringt keine Vorteile gegenüber Standardbehandlung

#15

Beitrag von Dani! »

Ja. Aber nur, weil die gesamte Zusammenfassung in der Überschrift steht. Die ist für die Übersicht auch schon ganz schön lang geworden.
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