Rockende Rentnerin mit Hörschaden

Hier kann man sich vorstellen oder eigene Erlebnisse berichten
Antworten
beate_r
Beiträge: 8
Registriert: 27. Jan 2026, 02:37

Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#1

Beitrag von beate_r »

Hallo in die Runde,

wie oben angedeutet bin ich inzwischen Rentnerin (68), mache aber noch aktiv Musik (Bass, ein bisserl Gitarre), in einer Rockband.

Bereits vor 20 Jahren wurde bei mir links ein leichter Hörschaden gemessen, der wohl viel älter sein musste (Schulorchester, und die Violine wird regelmäßig dur die Trompeten übertönt, die ebenfallls volle Kanne ins linke Ohr pusteten...). Rechts war alles perfekt.

Das hat sich über die Jahre hinweg schleichend verschlechtert, vor allem seit ich die 60 überschritten habe. Auch hier deutet alles auf eine Schädigung durch zu viel zu lautes Musikmachen mit zu wenig Schutz hin. 9dB Elacins reichen halt in einem kleinen Proberaum nicht.

Meine Tochter (selbst HG-Trägerin) und auch meine Freundin liegen mir schon seit mehreren Jahren in den Ohren, mich endlich um Hörhilfen zu bemühen, mein Sprachverstehen sei zu eingeschränkt. Aber ich hatte das Bedürfnis, meinen Ohren zwischen den Proben auch mal Erholung zu gönnen und nicht in der ruhigen Zeit auch noch mit Hörgeräten draufzuballern.

Im November letzten Jahres erlitt ich dann ein massives Lärmtrauma ausschließlich auf dem linken Ohr. Der Arzt schickte mich ins Krankenhaus, damit ich dort hochdosiert mit Cortison versorgt werden könne. Das hat zwar geholfen, aber es bleibt leider ein sehr merklicher zusätzlicher Schaden.

Die Audiogramme zeigen jetzt auf dem besseren rechten Ohr einen "badewannigen" Verluf zwischen -35 und -55 dB, auch via Knochenleitung und auf dem linken Ohr zusätzlich einen Abfall zu den hohen Frequenzen.

Und jetzt: Sprache verstehe ich kaum noch, Musik hören klingt ebenfalls nur noch seltsam. Weniger wegen der Höhen ... der Grund- und Obertonbereich klingt merkwürdig.

Jetzt habe ich natürlich die bei Musikbegeisterten üblichen Fragen, die über das Thema Verbessern der Sprachverständlichkeit hinausgehen, also Verbessern der Wahrnehmung von Musik.

Und vor allem: wie finde ich einen Akustiker, der mit diesen zusätzlichen Fragen (also der Kür, Sprache ist in meinen Augen Pflicht) umgehen kann und auch möchte? Und wie finde ich heraus, dass er auch wirklich motiviert dazu ist und wie viel Erfahrung er damit hat?

LG

Beate
Rancher
Beiträge: 668
Registriert: 27. Okt 2023, 12:07
2

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#2

Beitrag von Rancher »

:sm(133):
Prima, dass Du Dich entschlossen hast. Toll auch, dass Du einiges zum Thema Hören schon erfasst hast.
Zu Deiner Frage: Salopp gesagt, Versuch und (im besten Fall kein) Irrtum. Geh' einfach in einen Akustikerladen, unter Vermeidung (= Empfehlung) der Kette Geers, schildere Dein Anliegen und lass Dich beraten. Dann lass Dich von Deinem Gefühl leiten. Hinterfrage kritisch bei Ketten, die einzige, die fast immer gut wegkommt, ist Fielmann, ansonsten gibt es wie überall, gute, sehr gute, brauchbare …, na Du weißt schon, Akustiker. Wenn Du uns mitteilen willst, wo Du ansässig bist, kann Dir vielleicht jemand aus derselben Gegend einen Tipp geben. Du kannst, wenn Du Dich bei einem Akustiker nicht wohlfühlst, auch zu einem anderen gehen. Denke daran, dass Du Hörgeräte viele Jahre tragen wirst, deshalb lohnt sich der Aufwand bei der Auswahl der Betreuung.
125-250-500-1k-1,5k-2k-3k-4k-6k-8k-10k
R 50- 50- 50- 45- 45-40-45-55-60-60-60
L 70- 70- 70- 65- 65-65-65-65-60-60-60
Beidseitig Phonak Audéo Lumity 90-R
beate_r
Beiträge: 8
Registriert: 27. Jan 2026, 02:37

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#3

Beitrag von beate_r »

Als ich das erste Audiogramm sah, sind mir eineige Dinge wie Schuppen von den Augen gefallen. Beipielsweise habe ich beim nachbearbeiten von Proberaummittschnitten grundsätzlich den Präsenzbereiche angehoben, und zwar oft um die 9 dB. Die am Equalizer eingestellte Kurve war nahezu spiegelbildlich zu der Senke im ersten Audiogramm. Und dann habe ich schon seit Monaten nach einem Equalizer für meinen Bass gesucht, mit dem ich den Bereich von 1200 Hz gezielt anheben konnte.

Eigentlich war ich schon so weit, dass ich sowieso zum Arzt wollte ... das Lärmtrauma und dessen Behandlung haben das verzögert, und ich hoffe, dass der Arzt nicht noch weiter verzögert. Ich habe nämlich das Gefühl, dass ich in der letzten Zeit, in der ich mein Gehör geschützt hatte, bereits begonnen hattte, etwas zu verlernen. Gerade auf dem nicht traumatisierten Ohr wirkt es jetzt, als ob ich da schlechter hören würde als unmittelbr nach dem Verlust im anderen Ohr.

Ach so: Region MTK, direkt an der Grenze zu Frankfurt, so dass auch GG oder F passen könnten, wenn es da jemanden gibt, der wirklich passt. Inhabergeführte Firmen würde ich Ketten gegenüber vorziehen, auch wenn ich die Elacins bei Geers (FFM-Höchst) habe machen lassen.

LG

Beate
gstanzl
Beiträge: 148
Registriert: 28. Okt 2022, 19:56
3
Wohnort: Bayern

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#4

Beitrag von gstanzl »

Willkommen im Forum!

Aus eigener Erfahrung würde ich mit „+1“ zum Ausprobieren raten.

Ich hatte einen sehr netten Akustiker, der mir beim Thema „Musik machen“ in keinster Weise helfen konnte/wollte, sondern gleich gesagt hat, das wäre halt so wie es ist und da könne man nichts machen, was dazu geführt hat, daß ich drei Jahre lang keine Hörgeräte mehr getragen hab, was sich nicht nicht nur auf das Sprachverständnis sondern eben auch ganz stark auf das Musizieren ausgewirkt hat.

Danach ein neuer Anlauf mit einer neuen Akustíkerin, und plötzlich gab es keine riesigen Probleme mehr, sondern Lösungsansätze und am Ende Hörgeräte mit einem Musikprogramm das für mich immer noch jeden Tag eine Freude und ein Glück ist. Also geh es fröhlich an, geb Dich nicht zu früh zufrieden und hab Spaß beim Ausprobieren (und ja, das kann auch mal gräuslich nerven, aber das gibt sich wieder)

Als jemand, der gerne auch eigene Musik im Mehrspurbetrieb aufnimmt, werf ich noch eine kurze Empfehlung für Widex-Hörgeräte in den Ring, weil die eine sehr kurze Latenzzeit haben, was manches angenehmer macht. Aber die Musiker hier im Forum haben glaub ich, mit allen Marken gute Lösungen gefunden..
Peter P.
Beiträge: 20
Registriert: 1. Dez 2025, 19:20

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#5

Beitrag von Peter P. »

Hi Beate
wiillkommem bei den Schlappohren. Ich kann dir nur Mut machen. Leider spiele ich selbst kein Instrument, habe aber über 20 Jahre am Mischpult (Livemusik) gesessen. Zurzeit bin ich auf der Suche nach DEN Hörgeräten. Bei den jetzigen Testgeräten (Audio Service quix 4 niedrigste Technikstufe) habe ich auch ein Musikprogramm, das komplett ohne Filter arbeitet. Damit höre ich wieder alles und es ist ein Hochgenuß wieder die Musik in Gänze zu genießen. Bleib dran und sei hartnäckig, bis du DEINE Geräte gefunden hast. Inzwischen ist das erste morgens, die Geräte in die Ohren und abends das letzte wieder aus den Ohren zu nehmen. Ich will sie schon jetzt nicht mehr missen.

VG Peter
beate_r
Beiträge: 8
Registriert: 27. Jan 2026, 02:37

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#6

Beitrag von beate_r »

Hab grad mal ziemlich spontan bei dem ortsansässigen HGA vorbeigeschaut. Der (tatsächlich der Chef) hatte zufällig Zeit, und er ist auf die speziellen Aspekte, die Musik betreffen, auch sofort und vorausfragend eingegangen. Fand ich recht vielversprechend. Und er betonte, vollständig herstellerunabhängig zu sein, er könne mir alles besorgen. Weil das so klingt, dass ich mit ihm zusammen eine sinnvolle Lösung finden könnte, haben wir gleich einen Termin zwei Tage nach dem HNO-Termin vereinbart. Mitte Februar geht es also los.
petrapan2000
Beiträge: 175
Registriert: 19. Jan 2024, 11:33
2

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#7

Beitrag von petrapan2000 »

Hört sich doch gut an! Viel Erfolg!
Oticon Zirkon 2 RIC beidseitig

----125--250--500--1000--1500--2000--3000--4000--6000--8000
-R- 30----30---35----40-----40-----40-----40-----45----35-----35
-L- 45----50---45----50-----55-----60-----60-----50----55-----40
gereon
Beiträge: 1114
Registriert: 5. Nov 2024, 11:27
1

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#8

Beitrag von gereon »

Hallo Beate,
vielleicht kannst Du auf mit Deinem Akustiker absprechen, dass Du für dien Anpassungen im Musikbereich CD von Deinen Lieblingskünstlern mitbringst. So kann er hier die Einstellungen gezielter an Deinem Bedarf hin ausrichten. Mein Akustiker hat es bei mir genauso gemacht.
Es gibt auch noch weitere Musiker, die entweder privat, in einer Band oder sogar im Orchester spielen. Letztere haben zur Anpassung auch mal ihre Geige oder Querflöte mitgebracht, ein wenig hierauf vorgespielt und der Akustiker hat dann anhand der Angaben von denen die Anpassungen im Musikprogramm gemacht.
Hochgradig schwerhörig (rechts), links an Taubheit grenzend schwerhörig, Schwerhörig seit Geburt, aber Hörschädigung erst mit fünf festgestellt. Zeit Mai 2021 mit Phonak Naida Marvel 30 SP versorgt
beate_r
Beiträge: 8
Registriert: 27. Jan 2026, 02:37

Re: Rockende Rentnerin mit Hörschaden

#9

Beitrag von beate_r »

Was das Instrument im Hörladen angeht: da stelle ich mir grad meinen sehr 70s-mäßigen 200W Hiwatt-Turm im Lädchen vor. Mit volle Kanne mit Bass VI und Overdrive und so ;-)

Aber sobald halbwegs klar ist, was ich will und benötige, ließe sich alles andere sicherlich umsetzen. Einschließlich ggf dem Akustikbass. (Ich kann bei Bedarf auch leise...)
Antworten