Isolation Schwerhöriger...

Für Ratsuchende, Erfahrungsaustausch, Hilfestellungen
Edda
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#76

Beitrag von Edda »

Das jeder auf seine Art mit seiner Hörschädigung umzugehen lernen muß, glaub ich, ist bei jedem schon angekommen. Was mir einfach wieder gut getan hat, wenn man bestätigt bekommt, dass man sich die Begleiterscheinungen, wie Müdigkeit usw , nicht nur einbildet.
Hab längere Zeit nicht mehr ins Forum geschaut, aber heut könnt ich auch einen kleinen Rat brauchen.
Hab mich die ganzen Jahre über irgendwie immer durchgeschmuggelt. Trag keine Hörgeräte, weil ich einfach nicht damit klar komme und hab mich sehr aufs Lippenlesen konzentriert.
Was natürlich zu Zeit sehr kontraproduktiv ist.
Hat von Euch jemand eine gute Lösung parat, wie man dem Gegenüber es am einfachsten erklärt, dass man nichts verstehen kann, da ich die Lippenbewegung nicht sehen kann.
Seit dieser Zeit mit Maskenpflicht, was ich nicht verurteilen will, dafür hab ich viel zu viel Respekt vor der ganzen Geschichte, nimmt meine Einschränkung großen Raum ein.
Wo ich früher mich garned " outen " hab müssen, sag ich in letzter Zeit fleißig mein " Verserl" runter.
Wie bringt Ihr da am Besten rüber, dass euer Gegegnüber die Maske kurze Zeit abnimmt?
Grüße
Edda
rabenschwinge
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#77

Beitrag von rabenschwinge »

Indem ich ganz einfach sage, was Sache ist: Ohne Mundbild kann ich Sie nicht verstehen!

Meist reicht das damit die Leute in der Uterhaltung mit mir die Maske absezen.

Oder es wird auf das Schreiben ausgewichen. In letzter Zeit begleiten mich aufgrund der Maskenpflicht Zettel und Stift damit bei Bedarf die Kommunikation schriftlich erfolgen kann.
rhae
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#78

Beitrag von rhae »

Edda hat geschrieben: Hat von Euch jemand eine gute Lösung parat, wie man dem Gegenüber es am einfachsten erklärt, dass man nichts verstehen kann, da ich die Lippenbewegung nicht sehen kann.
Das Thema hatten wir erst kürzlich. Hanna hat coole Kärtchen dazu entworfen:

Bild

Siehe hier viewtopic.php?t=11276

VG Ralph
Edda
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#79

Beitrag von Edda »

Danke für die Hinweise, das mit Stift und Zettel hab ich noch nicht dran gedacht.
Gute Idee.
Danke auch für den Hinweis mit den Kärtchen.
Probier ich diese Woche aus

Grüße
Edda
Hilfesuchende45
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#80

Beitrag von Hilfesuchende45 »

Es ist aber immer öfter der Fall, das einige Leute ihre Maske eben nicht abnehmen wollen. Obwohl ich mir denke, wenn Abstand gehalten wird, kann die Maske doch abgenommen werden, oder nicht?
Wenigstens gibt es noch die Alternative mit Stift und Papier, wie bereits erwähnt wurde. Aber hat man immer Stift und Papier dabei? Einige wollen, das auch nicht zur Verfügung stellen auch wenn sie merken, das man es benötigen würde.
Es kommt darauf an, den Körper mit der Seele und die Seele durch den Körper zu heilen.
Musihu
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#81

Beitrag von Musihu »

Hallo,
Die seit zwei Jahren bestehende, teilweise hochgradige
Schwerhörigkeit durch zwei Hörstürze haben mein gesamtes ehemaliges „Ich“ verändert, ich bin nicht mehr der „Alte“ , lebensfrohe, kommunikative, lustige wie damals .. Das Leben funktioniert nicht mehr so wie früher und die Erfahrungen
anderer User hier kann ich größtenteils teilen.
Es ist alles unheimlich anstrengend geworden und es fehlt auf vielen Ebenen die Motivation. Jeden Morgen
muss sich meine Frau mein Jammern anhören und ich könnte sie heute so beneiden um ihr noch hervorragendes
Gehör. Sie zeigt viel Verständnis für mein Problem ,
doch leider gehen wir nun oft auch getrennte Wege,
sei es bei irgendwelche Events, Konzertbesuche ect.
Ich möchte nicht, dass sie drauf verzichten muss.
Sie schließt sich dann eben Freunden an.
Mir ist vieles zu laut , zu undeutlich, meine Innenohrschwerhörigkeit, bzw. Tieftonschwerhörigkeit
auf dem einen Ohr bringt alles verzerrt rüber und ich verfüge über keinen sauberen Raumklang mehr.
Die HG verstärken das alles noch, die Missempfindung
eben, ganz zu schweigen von Tinnitus der stetig ist.
Man zieht sich da automatisch zurück und in so einer Kleinstadt geht das rum wie ein Lauffeuer, man gilt plötzlich bei vielen als krank. Die Gesellschaft weiß
dann oft nicht mehr wie sie mit dir umgehen soll.
Ich kenne allerdings viele, welche eher an einer Art Altersschwerhörigkeit „leiden“ jedoch mit ihren Hörgeräten ganz gut zurecht kommen, bei denen
sind meist die hohen Frequenzen verloren gegangen, ohne Tinnitus. Die rennen noch von einem Konzert zum nächsten. Das macht den Unterschied, nämlich welche Art Schwerhörigkeit man hat, Schallempfindungsschwerhörigkeit/Schallleitungsschwerhörigket oder sogar beides, wie’s mich eben erwischt hat. Nun finde mal jemanden zum Erfahrungsaustausch, außer vielleicht hier im Forum. Die Zukunftsangst ist auch nicht
zu unterschätzen, da das Gehör eines Tages immer schwindet und Richtung CI geht, wieder ein ewiger Lernprozess. Es ist schon schlimm, wenn die ganze
CD und Plattensammlung nur noch im Regal steht, oder man das Zimmer verlassen muss wenn ein anderer
Musik hören möchte und du es beinahe als qualvoll
empfindest. Musik gehört mit zum Leben und ich habe selbst aktiv Musik- Klavier/Gitarre gespielt.
So, nun bin ich gezwungen auf viele Dinge zu verzichten
und mein Alltag neu gestalten und das fällt einem schwer.
Dieses Gejammer von mir wollen die meisten meiner
Freunde, Verwandte und Bekannte gar nicht mehr
hören, deshalb lasse ich es immer mehr sein, muss selbst damit klar kommen, vielleicht zukünftig immer besser.
Damit seid alle gegrüßt und danke fürs lesen, Musihu
Wallaby
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#82

Beitrag von Wallaby »

Hallo Musihu,
da du länger nicht mehr hier warst, weiß ich nicht mehr inwiefern du inzwischen versorgt bist. In einem Thread schrieb Du das CI aufgrund deines HNO Arzt noch keine Option sei. Inwiefern kommst du mit HG aus, kannst du in kleine Gruppe noch die Gespräche verfolgen, verstehst du den TV noch o.ä? Da würde ich auch wenn du privat versichert bist in CI Klinik untersuchen zu lassen. Hier und auch im DCIG Forum gibt privat Versicherte die ein CI implantieren ließen.
Hast du an eine Reha zb in Rendsburg nachgedacht, um dort bzgl. Umgang mit eigener Hörschädigung und Mitmenschen lernt umzugehen. Ehepartner können ebenso an Reha teilnehmen. Es wird dennoch hier und da Barrieren geben aber wenn man umgehen lernt und Grenzen kennt - kann man je nach Situation damit gut umgehen.
Andere CI Träger kann man in Selbsthilfegruppen und auch bei CI Veranstaltungen kennenlernen. Der Austausch zur Entscheidung zum CI fand ich damals sehr gut wenn man mit div. CI Träger trifft.
Gruß
Wallaby
Musihu
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#83

Beitrag von Musihu »

Hallo Wallaby,

Vielen Dank für Deine Rückantwort. Meine Hörgeräte sind von Phonak, Preis um die 5800 Euro, private Krankenversicherung hat 2000 dazu bezahlt.
Fernsehen ohne HG gleich null, mit HG über einen Connector geht einigermaßen, leider fehlen mir die tiefen Und Mittleren Frequenzen durch meinen Innenohrschaden und ich kann somit bestimmte Konsonanten nicht verstehen. Zur Kur war ich noch nicht, da meine Versicherung diese nicht vollständig übernimmt, also Schlafen und Essen bezahle ich aus eigener Tasche. Wie es mit der ärztlichen Behandlung verhält bedarf es eines Kostenvoranschlag von der Klinik. Jedenfalls kommen da immense Kosten auf mich zu und da wird’s schon eng. Nach den beiden Hörstürzen im Krankenhaus gleich wieder weiter gearbeitet, keine Reha, nix . Gruppengespräche verfolgen ist auch nicht so einfach. Ende des Jahres möchte ein CI Unternehmen mich an eine Uni HNO, wahrscheinlich Leipzig vermitteln zur Untersuchung, dies werde ich wahrnehmen, mal sehen was dabei rauskommt. Ich kenne übrigens bereits, sogar aus dem näheren Bekanntenkreis, die ein CI tragen. Die haben jedoch noch ein gut funktionierendes Ohr auf der anderen Seite, das ist natürlich noch von Vorteil. Bei mir ist das Zischen und Brummen oft ähnlich laut wie meine Umgebung. Wenn dies nicht wäre, könnte ich besser verstehen. Aber wem will man das so erläutern, wer’s nicht kennt der versteht kann’s nicht nachvollziehen. Ich habe einem Kumpel, der sich schon Jahre damit herumplagt und ich habe damals auch nicht verstanden was eigentlich sein Problem ist, man hat’s ihm ja nicht angesehen. Er war zeitweise sehr verzweifelt, war auch zur Kur, dann Psychiater, schläft nur mit Kopfhörern usw.. ich glaube er hat sich wieder einigermaßen gefangen, es gibt keine Heilung nur Hilfsmittel zur Linderung.
Liebe Grüße Musihu
Chocolate
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#84

Beitrag von Chocolate »

Halllo Musihu,
voweg erstmal: ich kann deinen Verdruss, dass das alles nicht so läuft wie du es gerne hättest oder dir wünscht, kann ich vollkommen verstehen.
Ich hab auch einen eher ungewöhnlichen Hörverlust, höre ohne HG stark verzerrt. Ich sage bewusst ohne HG da ich den Klang mit aufgrund der Anpassung gemäß der Hörkurve als das "richtige, unverzerrte" betrachte.
Mein Tieftonbereich funktioniert zwar im Verhältnis zum Rest noch etwas besser, aber dadurch höre ich sehr dumpf und absolut unverständlich.
Ich hab beim selbst musizieren auch festgestellt, dass es nicht so "gut" klingt mit HG (Querflöte), aber das lag wohl auch daran, dass ich vorher immer ohne HG gespielt habe. Bei meiner Gitarre hatte ich nicht so starke Probleme. Spielen ohne HG ist halt auch keine Alternative, wenn man die Töne dann gar nicht hört.
Ich gehe auch auf Konzerte, es ist nicht so wie früher, aber ich genieße das, was ich noch mitnehmen kann.
Die Isolation erlebe ich hauptsächlich in Gruppen, weil ich da einfach nicht mehr hinterher komme. Aber auch wenn zuviel Störgeräusche da sind bin ich schnell aufgeschmissen.

Ein Teil deines Problems könnte leider in deiner Einstellung dazu liegen. Da spielt leider die Psyche auch sehr viel mit. Wir können uns es leider nicht erlauben, im Jammern zu versinken. Das ist bestimmt der schwierigste Schritt, den Mist mit dem man jetzt klarkommen soll auch anzunehmen. Vielleicht wäre es für dich hilfreich, dir da professionelle Unterstützung zu holen, seitens Psychologen oder einer passenden Kur oder Reha.
Ich hoffe, dass du einen Weg findest konstruktiv mit der jetzigen Situation umzugehen.
Beidseits mittlerweile bis an Taubheit-grenzend SH
(Progredient, "Wannen"kurve)
Momentan versorgt mit Phonak Naida B70 SP
Edda
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#85

Beitrag von Edda »

Hallo Mushiu,
kann Dich mehr als gut verstehen, da ich mich auch in der Situation befinde.
Habe jetzt eine Hörgeräteanpassung hinter mir, mach grad Erhohlungspause, da es mir ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen hat, und ich jetzt auch fast keine Stimme mehr habe.
Meine Akustikerin die sehr viel Geduld aufbringt, vermutet , dass bei mir das Lautheitsausgleichs-Recruitment da ist. Hab davon noch nie was gehört, aber als ich mich schlau gemacht hab, kann ich dem voll zustimmen. Sie hat mich auch auf das Costen Syndrom hingewiesen, und evtl Paukenröhrchen eine Option sein könnten, da mein Belüftungssystem nicht richtig funktioniert.
Hab jetzt Zweimeinung eines andren HNO eingeholt, Paukenröhrchen nein, er möcht es erstmals mit Medikamente versuchen.

Hab mich jetzt total zurückgezogen, isoliert, wie Du so schön schreibst, weil ich es leid bin ,ewig zu erklären, und auch " dem Versagen" bei andren funktioniert es doch auch.......standzuhalten.
Und ich gesteh, ich hab echt am Schluß schon Panik geschoben, die Teile in Ohr zu setzen, da ich mit der ganzen Akustik überfordert war...........

Mushiu, Du bist nicht allein mit dem Problem, aber bitte bleib dran. Hab jetzt echt eine sehr doooooofe Zeit hinter mir und bin grad dabei wieder aufzustehen, Krone sitzt noch nicht richtig, aber das hoffe ich, klappt auch bald.

Bitte bleib dran, ich mach auch tapfer weiter, sag ich mal ganz vorlaut.
Geb die Hoffnung immer noch nicht ganz auf...........

Wünsch Dir vui Kraft zum Durchhalten

L g Edda
Hups
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#86

Beitrag von Hups »

Hallo Musihu,

ich denke, Dein "Blues" ist völlig normal und nachvollziehbar. Umso mehr kann ich Dich nur ermuntern und bestärken, Dich um professionelle Hilfe im Mentalbereich zu kümmern.

In meinem engeren Bekanntenkreis gibt es eine Person, die durch eine abrupte und andauernde gesundheitliche Verschlechterung, eine Depression ausgebildet hat, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommt. Und das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern völlig normal.

Manche Herausforderungen kriegt man alleine auf die Reihe, bei anderen benötigt man eben Unterstützung von außen. Laß Dir helfen!

Liebe Grüße
Hubert
leichte Hochtonmacke, gelöst mit Widex Moment 330
125 - 250 - 500 - 1k - 2k - 3k - 4k - 8k
R: 10 - 15 - 15 - 20 - 20 - 40 - 70 - 60
L: 5 - 10 - 10 - 10 - 30 - 60 - 70 - 50
Musihu
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#87

Beitrag von Musihu »

Hallo Freunde, ich danke Euch für Eure verständnisvollen und hilfreichen Worte. Die Außenwelt bzw. unser Gegenüber kann unsere Situation schlecht nachvollziehen oder verstehen, wir soll sie auch. Das Fazit bedeutet für sie Schwerhörigkeit plus Hörgeräte, basta. Die verschiedenen Differenzierungen und Arten von Hörminderung sind spanische Dörfer und man braucht sich keine Mühe zu geben diese zu erläutern, man spricht gegen die Wand. Diesen Umstand empfinde ich als schlimm. Gestern war ich zu einem Geburtstag geladen in ein gut besuchtes Lokal. Ich bin dreimal vor die Tür weil ich den Tumult kaum noch ertragen konnte, ganz abgesehen vom Verstehen. Dabei verfolgten mich rätselhafte Blicke von Angehörigen . Die Erklärung meiner Handlungsweise erhielten sie am Ende der Feier und ich wurde bedauert. Diese Erfahrung der passiven Teilnahme eines solchen Events haben mich wieder tüchtig runtergezogen und ich Befürchtung habe, dass es sich beim nächsten „Fest“ wiederholt, wo ich doch früher eine richtige Partykanone war und man mich auch noch so in Erinnerung hat. Eine Heilung wird es nicht geben und die Ertaubung könnte die nächsten Jahre eintreten, zumindest auf dem am meisten betroffenem Ohr. Das alles könnte ich nun genau so einem Psychologen darlegen, doch in dieser Rubrik haben die meisten kaum Erfahrung und verschreiben dir Psychopharmaka, ein Teufelskreis. Anfangs wurde mir, also nach dem Hörsturz, eine Psychologin an der Uni empfohlen. Sie schmetterte mir Statistiken über Tinnitus und Schwerhörigkeit entgegen welche ich schon länger aus der Literatur kannte, ihre Therapieempfehlungen haben mich auch nicht überzeugt. Ich war übrigens lt. ihrer Aussage ihr erster Privatepatient und sie über die Honorierung nicht Beischeid wusste. Ich denke, dass einzig hilfreiche wäre ein Kuraufenthalt, doch ich müsste sehr viel dazu aus der eigenen Tasche bezahlen. Deshalb bin ich froh, in diesem Forum Mitbetroffene gefunden zu haben, mit ähnlichen Problemen und deren Verarbeitung. Ich danke Euch für Eure Beiträge und wünsche Euch alles Gute.
Musihu
KatjaR
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#88

Beitrag von KatjaR »

Hallo Musihu,
wenn man eine eine schwere Hörschädigung bekommt,hat das leider für die meisten einschneidende Auswirkungen auf das bisherige Leben welches man mit gutem Gehör kannte. Die Behinderung wird dauerhafte Folgen haben, egal wie teure Hörgeräte man sich anschafft. Dementsprechend finde ich es wichtig eine individuell passende Mischung aus Akzeptanz, Strategien im Umgang mit Hörschädigung, technischen Aspekten und weiteren Möglichkeiten zu finden.
Eine Reha wäre ein guter Schritt, um Austausch mit Betroffenen zu bekommen. Als privatversicherter ist das nicht preiswert, kenne ich auch, einmal habe ich mir das aber gegönnt und es hat mir sehr gut getan.
Für mich stellt sich die Frage, was erwartest du von psychologischer Unterstützung? Sind die Erwartungen realistisch und im Kompetenzbereich dieser Fachrichtung angesiedelt?
Ich war am Wochenende auf einer Feier mit 80 Personen, die zum größten Teil taub waren, es handelte sich um eine Jubiläumsfeier von CI-Trägern, das war schon die 2. Veranstaltung dieser Art dieses Jahr. Dort wurde sich auch munter unterhalten, auch mit Ertaubung und CI kann man lernen Wege zur Kommunikation wiederzufinden.
Was allerdings nicht geht ist, zu glauben es würde wieder so wie es einmal war.
Helfen kann vieles, technisches Zusatzbehör um mit EINER Person besser im Partylärm kommunizieren zu können, Ortswechsel um in Ruhe mit jemandem sich zu unterhalten, mit der Zeit lernt man auch das Mundbild zu nutzen. Ich zum Beispiel gehe meist mit den Rauchern nach draußen, obschon ich selbst nicht rauche, da ich dort mehr mitbekomme. Ich dosiere auch größere Feiern mit Hörenden, da ich diese halt oft auch nicht richtig genießen kann.
Das ist nicht schön, aber Schwerhörigkeit ist leider eine der häufigsten Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft.
Austausch mit Betroffenen kann man zum Glück heutzutage fast überall finden, dafür gibt es die Selbsthilfe, mit zahlreichen Gruppen bundesweit.
Ich wünsche dir, dass du Wege findest auch mit Hörbehinderung ein gutes Leben zu haben. Dass das geht, erlebe ich seit langer Zeit im Kontakt mit sehr vielen Spätertaubten in der CI-Selbsthilfe.
Gruß Katja
Langjährige CI-Trägerin (AB) Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.
(Rainer Maria Rilke)
rabenschwinge
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#89

Beitrag von rabenschwinge »

Ein Trauern um Vergangenes ist okay, aber dann sollte man wieder nach vorn blicken.
Ich bin hochgradig schwerhörig, im Hochtonbereich an Taubheit grenzend. Kommunikation ohne Hörgeräte ist mittlerweile sehr, sehr anstrengend geworden.
Durch das Hobby meines Partners sind wir im Verein unterwegs. Was auch Essen in großer Gesellschaft, Proklamationen, Bälle und ähnliches beinhaltet. Alles so alles Dinge, wo es laut und husselig ist.
Eine Herausforderung und anstrengend für mich.
Ich weiß es und nehme mir bewusst da auch Auszeiten.
Mir hilft meine eigene Akzeptanz meiner Hörbehinderung und Achtsamkeit mir und meinen gegeben Grenzen gegenüber sehr.
Wichtig ist was ich kann und wo meine Grenzen sind. Ein Orientieren an dem was andere können und wo deren Grenzen liegen ist da kontraproduktiv.
Musihu
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#90

Beitrag von Musihu »

Hallo , ich danke Euch für Eure Beiträge bzw. Kommentare. Schön, das man sich hier mit Mitbetroffenen austauschen kann. Ich glaube, es benötigt noch einige Zeit mit solch einer Behinderung ( das Wort gefällt mir überhaupt nicht ) zurecht zu kommen. Gleichzeitig plagt mich ein permanenter Tinnitus und ich blicke auf schlaflose Nächte zurück. Schwerhörigkeit und Tinnitus von heute auf morgen, zwei Jahre nun schon. Die Hörgeräte trage ich den ganzen Tag, damit kann ich den Tinnitus etwas maskieren. Letzten Freitag war ich zu einem Rockkonzert in einem Festzelt, ein guter Freund mischte in der Band als Gitarrist mit, habe meiner Frau dies nicht abschlagen wollen, obwohl sie Verständnis hätte die Veranstaltung sausen zu lassen. Wir standen relativ weit vorn vor der Bühne, massig Publikum und laut. Ich steckte mir simple Gehörstöpsel von Rossmann in die Ohren, so tief es ging und erfuhr eine top Dämpfung, dies für rund acht Euro. Wir sind aber nur zwei Stunden geblieben, hat dann doch gereicht. Ich hätte es ohne die Stöpsel nicht eine Minute ausgehalten durch meine gleichzeitige Hyperakusis. Ich werde nun weiterhin viel herumexperimentieren müssen was das Steuern von akustischen Signalen angeht. Ich bewege mich in einem Raum zwischen Geräuschpberempfindlichkeit und Schwerhörigkeit, ganz abgesehen vom Tinnitus. Als nächstes versuche ich einen Kinobesuch zu starten und auch das wird eine Herausforderung werden. Die Neuverfilmung von „Im Westen nichts Neues“ würde ich mir schon gerne anschauen. In diesem Film wird sicher viel geballert und ich weiß nicht was da auf mich zukommen wird. So versuche ich mehr und mehr den Schalter umzulegen und bin mir bewusst, dass es nicht einfacher werden wird mit Voranschreiten der Gehörproblematik . Hauptsache die Nerven halten durch und mit dem Schlafen wird’s besser. Habt Ihr eigentlich auch Schlafprobleme in Verbindung mit Tinnitus und wenn ja, was tut Ihr dagegen. Vielleicht sollte ich bei dieser zusammenhängenden Thematik im Tinnitusforum blättern.
Lasst es Euch gut gehen, bleibt gesund, Musihu.
Pfadi_
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#91

Beitrag von Pfadi_ »

Hallo Misihu,

Ich habe einen beidseitigen Tinnitus, seit ich 20 bin. Warum es dazu kam, ist vollkommen unklar (ich lag entspannt auf dem Bett, schöner Tag, kein Stress, plötzlich ging es los).
Im Alter von 25 Jahren hatte ich zwei Hörstürze, der beidseitige Tinnitus wurde sehr laut.

Ich glaube, es ist wichtig, ihn zu akzeptieren. Ich weiß, dass klingt ggfs. unvorstellbar. Es ist nur so, dass er in den Hintergrund rücken kann, wenn wir ihm möglichst wenig Beachtung schenken.

In den besonderes schlimmsten Phasen, hat mir Radio geholfen, auch zum Einschlafen. Indem ich mich auf das Radio konzentriert habe, ist der Tinnitus in den Hintergrund gerückt. Ich war entspannter, und konnte einschlafen. Ich habe die Funktion meines Radioweckers genutzt, so dass er von selbst ausging.

Alles Gute

Pfadi
Musihu
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#92

Beitrag von Musihu »

Hallo Pfadi
Das ist natürlich bewundernswert wie Du mit dem Tinnitus
umgehst und Dir zu helfen weißt. Zu Anfang, also unmittelbar nach dem letzten Hörsturz nutzte ich auch viel die Kopfhörer, meist aber bediente ich mich mit den verschiedensten Apps, Noiser, Regengeräusche ect. Über Bluetooth vom Handy aus. Leider hat’s mein Gehör auf einer Seite so erwischt, auf einer Seite, dass ich nur noch verzerrt und leise empfange und es kein Genuss ist Musik zu hören, man kann es einfach schwer beschreiben. Mir hilft dann nur noch das andere Ohr mit 40 Prozent Hörvermögen. Das ist vielleicht ein Dasein, wenn man keine Musik mehr genießen kann wie in alten Zeiten.
Ich danke Dir für Deinen Kommentar , Musihu
Dani!
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#93

Beitrag von Dani! »

Keine Musik (mehr) genießen zu können ist jetzt doch aber das geringste Problem. Finde ich. Da gibt es noch ein paar schwerwiegendere (Gehör-)Probleme, die das Dasein weitaus mehr zusetzen können.
Tinnitus ist je nach Ausprägung schon sehr belastend. Dennoch ist das beste Mittel dagegen, dies als Teil des Lebens auch wahrhaftig zu akzeptieren (und sich das nicht immer nur einzureden).
Dominik
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
Brittany
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#94

Beitrag von Brittany »

Dani!: hat geschrieben:Dennoch ist das beste Mittel dagegen, dies als Teil des Lebens auch wahrhaftig zu akzeptieren
Das ist absolut richtig. Trotzdem ist es immer wieder auch eine ziemlich anstrengende Aufgabe. :-(

Brittany
Hörgräte
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#95

Beitrag von Hörgräte »

Ich hatte vor gut einem Jahr ein Lärmtrauma. Geblieben ist mir u.a. ein durchgehender Tinnitus links, ab und zu mischt sich die rechte Seite auch mit ein. Ist lustig dann, auf beiden Ohren verschiedene Geräusche, besonders wenn es ganz still ist. Ich hab mich schnell damit abgefunden, bleibt einem ja nichts anderes übrig. Und jammern will sowieso niemand hören.
Schlimmer habe ich es empfunden, dass ich Gespräche nicht mehr richtig verstehe in der Menge, in größeren Räumen, auch neuere Fernsehfilme sind seither gestrichen.

Aber im Gegensatz zu manch anderen Betroffenen hier bin ich wirklich gut dran!
Schlecht hören tu ich gut
Musihu
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#96

Beitrag von Musihu »

Hallo SveaS.

Die gleiche Erfahrung wie Du habe ich auch gemacht und erlebe die fortschreitende Isolation weiterhin. Man fühlt sich wirklich oft wie das fünfte Rad am Wagen.
Freunde, Bekannte und Verwandte wollen es einfach
nicht „fressen“ , dass man im Prinzip eine Behinderung hat. Ich trage seit zwei Jahren Hörgeräte von Phonak und es hat nichts mit normalen Hören zu tun, bin aber mehr und mehr drauf angewiesen. War kürzlich im Globus Baumarkt und habe nach was gefragt, die Antwort habe ich nicht verstehen können, der Verkäufer war auch nicht besonders freundlich. Darauf hin zog ich mir ein Hörgerät aus dem Ohr und machte ihm deutlich das ich schwerhörig bin. Mit einem Schlag wurde er scheiss freundlich, rief eine Mitarbeiterin herbei die mir alles zeigte. Ich weise immer häufiger drauf hin das ich Schwerhörig bin und das funktioniert. Seine eigene Wertschätzung ist sehr wichtig finde ich. Oft wird man ja auch als krank hingestellt, sogar von der eigenen Familie. Ich seile mich gern ab, fahre zum Sport, drehe eine Runde mit dem Fahrrad und suche natürlich trotzdem die Kommunikation und die Leute dies wissen behandeln einen eigentlich ganz normal, wenn man direkt auf sie zugeht. In der Gruppe, bei Events oder Kneipenbesuchen steht man allerdings schon etwas im Abseits und ist eher unbeteiligt. Da werde ich oft depressiv und gehe vor die Tür. Die Nebengeräusche machen mich fertig. Ich hoffe mal, mit der Zeit findet man einen für sich akzeptablen Weg, irgendwann hat ja sowieso alles mal ein Ende und bis dahin sollten wir das Beste draus machen, mir ist klar, dass es nicht einfach ist, aber lohnenswert. Wir haben nur das eine Leben. Wünsche Dir alles Gute und viele Grüße Musihu
Dani!
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#97

Beitrag von Dani! »

Nur zur Info:
SveaS hat den Startpost vor 13 Jahren verfasst und hat sich zuletzt 2020 angemeldet. Es ist nicht mit einer Reaktion zu rechnen.
Nichtsdestotrotz ist dieses Thema durchaus nach wie vor aktuell.
Dominik
R: 20.2.20: Med-el Sonnet2
L: 16.12.20: Med-el Sonnet2
mirochen
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#98

Beitrag von mirochen »

Wenn ich die Hörgeräte trage, merke ich auch, dass meine Frau so "Macken" hat, die es mir manchmal sehr schwer machen. Bspw. redet sie gerne von mir abgewandt. Das ist ohne Hörgeräte schon schlecht (ich frage dann halt so oft nach, bis sie endlich völlig genervt in meine Richtung brüllt...), mit Hörgeräten ist es noch schlechter (und dann kommt bei der dritten Nachfrage, da ich beim Einkaufen in dieser Situation auch praktisch nichts verstehe, auch gerne so ein Satz wie "na, dann bringen die Teile wohl doch nix").

So eskaliert das bei uns ständig. Ich rede gütig wie Jesus (er möge mir diese Anmaßung verzeihen) immer wieder mit ihr - es bringt nichts... außer, dass sie dann halt das RogerMic umhängt und dann reden kann, wo und wie sie will und ich sie super verstehe.

Ich weiß, ist nicht optimal und sollte so eigentlich nicht nötig sein, aber schon mal in die Richtung gedacht, dass du "aufrüstest" mit externem Mikro oder so etwas, um den Unwillen der Menschen um dich herum zu kompensieren?
42
Musihu
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Registriert: 26. Aug 2020, 13:33
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#99

Beitrag von Musihu »

Hallo Mirochen,

Das sind schon extreme Situationen die man mit
seinen Mitmenschen erlebt . Wenn dann im familiären Umfeld solch Reaktionen erlebt werden möchte man abhauen. Meine Frau hat’s natürlich mit mir auch
nicht immer einfach und das Zusammenleben ist
zeitweise eine ganz schöne Herausforderung und Bewährungsprobe. Auch ist es beschämend wie man
manchmal in der Öffentlichkeit auf Missverständnisse
stößt als Schwerhöriger. Mich belastet meine Schwerhörigkeit nebst Tinnitus und Schlafdefizit
sehr. Das war vor drei Jahren alles kein Thema und
dann eben zweimal Hörsturz. Jetzt wurden mir Kärtchen zugespielt mit der Aufschrift „Ich bin schwerhörig, bitte
deutlich reden und in meine Richtung...“, man
ist behindert, irre. Die Behinderung ist ja bei uns zunächst nicht sichtbar und wird oft bagatellisiert. Ich habe
keine Ahnung wie lange ich noch brauche um mein
altes, vorheriges Leben, sprich Hören, zu vergessen.
Ich weiß aber jetzt schon, dass es zu einem seelischen
Abbau kommen wird, es ist einfach alles so anders wenn
einem dieser bedeutungsvolle Sinn genommen
wurde. Es strengt auch sehr an, kostet Konzentration
und birgt weitere gesundheitliche Nachteile in sich.
Die Konzentration und das Gedächtnis leidet ganz
schön drunter. Das kann was werden !
mirochen
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Re: Isolation Schwerhöriger...

#100

Beitrag von mirochen »

Ich finde es auch manchmal beschämend, dass man, wenn man um lauteres Sprechen bittet, ganz oft auf völliges Unverständnis trifft. Durch die Plexiglasscheiben und Masken hören ja selbst Normalhörende nur noch sehr schlecht, aber als Schwerhöriger...

Letztens wieder, in einer Apotheke. Bedient worden von einem jungen Mann, der extrem leise gesprochen hat. Selbst meine normalhörende Frau hat ihn kaum verstanden. Ich frage dann halt ständig nach, meine Frau fällt mir ins Wort und beide behandeln mich, als wäre mein Problem nicht in den Ohren, sondern zwischen den Ohren. Das fällt denen noch nicht mal auf... und ja, meine Frau hat es mit mir sicher nicht immer einfach, da ich auch noch zu den schlechtgelaunten Menschen zähle, wenn man mich so behandelt... mein Selbstbewusstsein ist nämlich meistens voll intakt und damit rechnen die oft nicht. Aber der Apotheker hat das stoisch ausgesessen. Hat sich einfach geweigert, lauter zu sprechen... eigentlich hätte ich da einfach gehen sollen, aber war ja nicht alleine (alleine wäre ich gegangen, bleibt einem ja nix übrig).

Klar ist man behindert, aber man ist an den Ohren behindert und nicht im Kopf.

Manchmal fühle ich mich wie 80... und so behandelt man mich dann auch... "schön" ist anders.

Meinst du so etwas in der Richtung?
42
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