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Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 25. Jun 2011, 10:33
von pfödi
Guten Tag, hier meldet sich ein neues Mitglied aus Hamburg.
Ich leide unter einer mittelgradigen Schwerhörigkeit mit einem chronischen Tinnitus. Ein Rauschen ist immer da und dann setzen sich immer wieder ganz hochfrequente Töne darauf. Im Alltag komme ich ohne HG nicht mehr aus. Nur: ich habe mittlerweile 7 Geräte ausprobiert, alle verstärken meinen Tinnitus, auch bei der geringsten, sanftesten Einstellung. Mein Akkustiker ist ratlos und aus wirtschaftlichen Gründen, darf ich keine weiteren mehr ausprobieren. Er bietet mit allerdings an, mich für ein Gerät zu entscheiden, zu kaufen mit der Option, es nach einem halben Jahr gegen eine Aufwandsentschädigung von € 300,00 zurückzugeben. Ich fühl mich unter Druck gesetzt und weiß nicht, was ich machen soll.
Ist diese Situation bekannt?
Freue mich sehr über eine Antwort!
herzliche Grüße
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 27. Jun 2011, 10:26
von Delchen13
Hallo Pfödi,
ich habe auch eine mittelgradige Schwerhörigkeit seit 1994, ich bin auch Hörgeräteversorgt, erst hatte ich welche von Resound. nun welche von Kind, digital.
Nun stelle ich seit ca. 2 Jahren auch fest, dass mein Tinnitus sich verändert hat, ich habe ebenfalls ein Grundrauschen, worauf sich dann ein sirenartiger hoher Ton legt, auch heute wieder so.
Meine Hörgeräte lege ich auch seitdem eher ungern an, weil ich dann feststelle, dass ich mir entweder wie unter Watte vorkomme oder ich nur noch den Tinnitus wahrnehme und die Kommunikation erschöpfend wird.
Seitdem sich der Tinnitus so stark verändert hat, merke ich, reagiere ich in Gesprächen, wenn sie schnell und anstrengend sind, auch irgendwie ungehaltener weil sich mein Tinnitus noch mehr verselbstständigt - und Aussenstehende eher unsensibel darauf reagieren.
Ich habe mich auch schon gefragt, ob der Gehörgang sich wie verkrampft - ergo ist die Durchblutung erschwert und sich so der Tinnitus verändert und durch Hörgeräte noch schneller da ja manipulativ, ich habe dies noch nicht nachprüfen lassen...
Für mich ist das ein neues Phänomen und ich danke Dir, dass Du darüber geschrieben hast.
Gerne hätte ich Dir früher geantwortet, meine geliebte Katze ist an Fronleichnam verstorben und so habe ich es leider nicht früher geschafft.
Herzliche Grüsse
Jacqueline
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 27. Jun 2011, 12:04
von Onrap73
pfödi hat geschrieben:.......
Mein Akkustiker ist ratlos und aus wirtschaftlichen Gründen, darf ich keine weiteren mehr ausprobieren. Er bietet mit allerdings an, mich für ein Gerät zu entscheiden, zu kaufen mit der Option, es nach einem halben Jahr gegen eine Aufwandsentschädigung von € 300,00 zurückzugeben. Ich fühl mich unter Druck gesetzt und weiß nicht, was ich machen soll........
Dein Akustiker darf dir keine Druck ausüben, frage am besten direkt an die Krankenkasse über diesen Situation nach und ob der Akustiker richtig verhalten hat oder nicht! Du kannst es nicht dafür, daß du aufgrund deine Leiden so lange ausprobieren musste, und der Akustiker verlangt dir 300 Euro finde ich wirklich unverschämt!
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 27. Jun 2011, 12:53
von Serik
Hallo "Pfödi", Hallo "Delchen13",
ich denke, wenn Tinnitus entsteht, ist es meiner Meinung nach eins von vielen Zeichen, die uns Körper zum einen versucht, uns von dauerhaften Folgeschäden zu bewahren, weil wir in diesem Moment etwas falsch tun, weil irgendwas irgendwo bei uns innen zu viel oder zu wenig wird. Wir sollten vielleicht sogar etwas dankbar sein, dass unsere Körper uns zu warnen versuchen, bevor etwas Schlimmes passiert. Entschuldigt mich für diese langweilige Philosophie. Versucht mal einfach regelmäßig euch ein ruhiges Plätzchen zu finden, ganz ohne Hörhilfen, wo ihr mit euren eigenen Hörorganen nur die Ruhe der Natur empfindet, und sonst nichts mehr.
Und zu der Sache...
Mein Akkustiker ist ratlos und aus wirtschaftlichen Gründen, darf ich keine weiteren mehr ausprobieren. Er bietet mit allerdings an, mich für ein Gerät zu entscheiden, zu kaufen mit der Option, es nach einem halben Jahr gegen eine Aufwandsentschädigung von € 300,00 zurückzugeben. Ich fühl mich unter Druck gesetzt und weiß nicht, was ich machen soll.
...würde ich sagen, dass ich auch meine wirtschaftliche Gründe habe, darauf nicht einzugehen.
mit Grüßen,
Sergej
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 27. Jun 2011, 14:52
von maryanne
Hallo Pfödi,
ich rate dir, wegen deines Tinnitus eine Spezialreha zu machen und das Angebot des Akustikers auszuschlagen.
Maryanne
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 00:56
von EinOhrHase
Hallo Pfödi
da ich selber an chronischem Tinnitus leide, hab ich mal bei einer Fachklinik angefragt was da definitiv machbar wäre von deren Seite aus. Laut deren Aussagen ist da nichts mehr zu machen - selbst den Tinnitus zu lindern ist ein Unterfangen das wohl kaum einem Betroffenen gelingt.
In meinem Fall tritt Tinnitus sowohl beim Tragen des BAHAs auf als auch ohne. Von mir selber kann ich nicht sagen, dass Tinnitus rein vom Hörgerät ausgeht / ausging. Auch in früheren Zeiten, als ich noch HdO-Gerät-Träger war, war kaum ein Unterschied zu merken.
Vermutlich trat der Tinnitus bei mir durch häufige Hörtests ein, die ich früher bis zu 6x / Jahr durchführen lassen musste.
Zwischenzeitlich fand ich - für mich - heraus, dass der Tinnitus etwas weniger wurde beim sogenannten Obertonsingen.
Obertonsingen ist meiner Meinung nach nicht DIE Therapie schlechthin für Tinnitus, aber durchaus eine Möglichkeit, diesen zu reduzieren.
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 11:12
von pascal2
Hallo,
ich habe schon viele Jahre Tinnitus, also chromisch auf beiden Seiten.
War auch diesbezüglich schon in Spezialrehas.
Das hat alles nichts gebracht.
Die ganzen Anwendungen gehen immer in die Richtung Thai Chi, Musikirgendwas, bei den Anwendungen, da bin ich fast bei verrückt geworden.
Denn gerade dann kommt der Tinnitus noch stärker durch.
Aber natürlich ist jeder anders und man kann es versuchen.
Zu diesem ständigen, was dem Hörgeschädigten entgegen geschmettert wird:
"Mach halt eine Reha"
Eines darf man nie vergessen.
Bei einer Reha geht es nicht nur darum, daß einem geholfen wird.
Das ist natürlich das offizielle Aushängeschild.
Sondern Rehaeinrichtungen sind auch gigantische Datensammelcentren.
Alles was dort passiert oder gesprochen wird ist auf immer verewigt.
Man sollte in jedem Fall abwägen.
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 13:21
von forgoden
geräusche/musik hören ist wie muskeltraining
in der stillen umgebung sein ist wie entspannen
muskeln verkrampfen sich oder werden schmerzhaft wenn man sie NUR trainiert oder NUR entspannt (nicht bewegen)
also kriegt man tinnitus am besten weg durch regulierung zwischen ein wenig laute musik und anschließend durch absolute umgebungsstille. z.b. im schlaf.
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 14:26
von pascal2
Tschuldigung, doppelt !
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 14:31
von pascal2
forgoden hat geschrieben:geräusche/musik hören ist wie muskeltraining
in der stillen umgebung sein ist wie entspannen
muskeln verkrampfen sich oder werden schmerzhaft wenn man sie NUR trainiert oder NUR entspannt (nicht bewegen)
also kriegt man tinnitus am besten weg durch regulierung zwischen ein wenig laute musik und anschließend durch absolute umgebungsstille. z.b. im schlaf.
Ähmmmm, ich will dich ja nicht stören.................
Aber was hat Tinnitus mit Muskeln zu tun ?
Chronischer Tinnitus spielt sich im Hirn ab und nicht in der Schnecke.
Musikgenuss gibt es für mich nicht.
Über mein
CI hört sich Musik einfach nur grauenhaft an.
In ruhiger Umgebung kommt Tinnitus bekanntermaßen noch stärker zur Geltung.
Es ist schwierig bis unmöglich für chronischen Tinnitus eine Behandlungsmethode zu finden.
Versucht wird es natürlich krampfhaft, weil man Geld damit verdienen kann.
Entschleunigung und Stressabbau, das ganze Tagespensum runterschrauben, das ist es was bei Tinnitus hilft.
Viel Sachen die angeboten werden, sind nichts weiter als Geldmacherei.
Aufgrund der suggestiven Selbsttäuschung ist es auch kein Problem, für jede Methode jemanden zu finden, der einem das gewünschte Ergebnis liefert.
Für einen Hörgeräteträger ist es ein Teufelskreis, einerseits braucht er für die Teilhabe am Leben das Hörgerät, andererseits ist die Gefahr groß, daß er gerade damit seinen Hörstatus schneller verschlechtert und noch dazu einen Tinnitus bekommt, wenn er nicht schon sowieso einen hat.
Pascal
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 14:36
von Rosemarie
Hi Pascal,
auch Muskelverkrampfungen im Schulter-Nackenbereich könnten Tinnitus machen. Grad vor 2 Wochen hatte ich mal wieder einen zusätzlichen Tinnitus, sehr nervend. Bekam eine Behandlung bei der Krankengymnastik, und.... plötzlich war auch dieser Tinnitus weg.
Gruß, Rosemarie.
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 14:45
von pascal2
Rosemarie hat geschrieben:Hi Pascal,
auch Muskelverkrampfungen im Schulter-Nackenbereich könnten Tinnitus machen. Grad vor 2 Wochen hatte ich mal wieder einen zusätzlichen Tinnitus, sehr nervend. Bekam eine Behandlung bei der Krankengymnastik, und.... plötzlich war auch dieser Tinnitus weg.
Gruß, Rosemarie.
Da spricht man dann aber nicht von einem chronischen Tinnitus.
DerTinnitus um den es hier geht, ist der Tinnitus der mit einer Hörbehinderung einher geht.
Pascal
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 15:01
von Rosemarie
Hi Pascal,
ich habe ja geschrieben, dass ich da einen ZUSÄTZLICHEN Tinnitus hatte. Meinen chronischen Tinnitus den ich seit meiner Ertaubung habe, der geht auch nie mehr weg, wird aber manchmal leiser, wenn ich mich auf eine bestimmte Seite lege und versuche, mich wirklich zu entkrampfen und mir sage, das Dröhnen wird jetzt besser.
Gruß, Rosemarie.
Re: Tinnitus durch Hörgeräte
Verfasst: 29. Jun 2011, 18:21
von forgoden
Hallo Pascal,
ich meine damit auch nicht mit der Schnecke sondern schon psychologisch. Damit meine ich das Gehirn und Hörzentrum. Sie funktionieren wie mit Muskeln, zwar nicht gleich aber vom Prinzip her schon. Wenn man jeden Tag an das gleiche denkt, so verstärken sich die Neuronen für diese Gedanken auch. Die Neuronen verhalten sich wie mit einer Strasse: Je mehr gefahren wird, desto breiter wird die Strasse. Denkt man an Tinnitus, umso lauter wird er. Töne werden auch erst dann hörbar wenn Neuronen im Hörzentrum gefeuert werden.
Darum sollte man beim Musik hören nicht dran denken und beim Schlafen einfach in der Stille sein, auch wenn man ihn noch hört. Man muss dem Gehirn nur klarmachen dass der Ton nicht von Außen kommt. Gut, ich kann das bei dir wegem CI schlechter einschätzen, weil CI für den Körper eigentlich Fremdkörper ist. Ich denke, dass man ihn schon wegkriegt, wenn man die richtige Therapie findet. Nur das dauert Jahre. Bei mir hat es 1 Jahr gedauert, als ich das gemacht habe wie oben beschrieben. Plus die alten Hörgeräte wieder genommen.