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Abweichung im Audiogramm

Verfasst: 27. Aug 2011, 16:31
von WernerP
Hallo liebe Mitglieder des Forums,
ich muss mich zwangsweise mit der Hörgeräte Thematik befassen und bin froh, dieses Forum gefunden zu haben.
Ich habe zwei Hörtests hinter mir, einen bei meinem HNO Arzt und einen bei einem Akustiker. Die Ergebnisse weichen erheblich voneinander ab. Der Akustiker bescheinigt mir ein deutlich schlechteres Ergebnis. Die Ergebnisse im Audiogramm sind wie folgt:

HNO Arzt
Rechts/Links
500 Hz: 15/20
1000 Hz: 20/25
2000 Hz: 50/40
4000 Hz 75/75
8000 Hz 80/90

Akustiker
500 Hz: 30/20
1000 Hz: 35/35
2000 Hz: 70/50
4000 Hz: 70/75
8000 Hz: 75/95

Sind diese Abweichungen eigentlich normal? Trage ich die Ergebnisse in den GDB Rechner ein, dann erhalte ich einmal ein Ergebnis von 32% Hörverlust rechts und 38% links und einmal 59% Hörverlust rechts und 48% links.

Sollte ich aus Eurer Sicht eine dritte Messung machen lassen? Vielen Danke für Eure Mithilfe.

Re: Abweichung im Audiogramm

Verfasst: 27. Aug 2011, 16:39
von caddi
Hallo,

so gravierend finde ich die Abweichungen nicht. Bis zu nem gewissen Grad sind sie auch normal. Vllt hast du auch bissl n schwankendes Gehör oder warst an einem Tag auch fitter als am anderen. Oder der eine Hörtest wurde in der früh gemacht und der andere Abends. Das sind alles mögliche Gründe, für die keiner was kann.
Wenns dich zu sehr stört, kannst du ja mal bei beiden nachfragen, ob sie jeweils merken würden, dass die Gerätschaften zum Messen einen Fehler hätten. Hab ich vor ner Woche auch gemacht, als ich bei nem Hörtest mal absolut keine Schallleitungskomponente hatte und siehe da: Der Knochenleitungskopfhörer war kaputt und heute haben sie ne komplett neue, gewartete, kalibrierte Anlage bekommen und den Kl-Hörer in der Zeit nicht verwendet.

*wink*

Re: Abweichung im Audiogramm

Verfasst: 27. Aug 2011, 17:03
von franzi
Es kommt auch immer etwas darauf an wie schnell gemesssen wird. Sprich manche warte einbischen länger mit der nächsten laut stärke beim Messen und andere fahren die lautstärke schneller hoch. Und schon kann es sein das du gar nicht so schnell reagieren konntest und schon steht ein schlechterer Wert auf dem Papie.
Ansonsten wie schon cooper sagte.
Du kannst schon eine dritte Messung machen lassen, aber dann solltest du darauf schauen das die Messung zur selben Uhrzeit statt findet wie die ander Messung und wenn es geht auch die selbe Person die Messung macht.

Re: Abweichung im Audiogramm

Verfasst: 5. Sep 2011, 23:57
von asterix79
Hallo Werner,

wie caddi schon schrieb, so sehr gravierend sind die Abweichungen nicht.
Abweichungen zwischen verschiedenen Prüfern können verschiedene Ursachen haben. Auf technische Probleme werde ich hier nicht eingehen, die kommen zwar vor, aber zum Glück nur selten. Auch sollten technische Probleme am Audiometer sehr schnell gefunden werden da Audiometer wöchentlich auf ihre Funktion überprüft werden müssen.

Folgende Faktoren füren zu teilweise recht deutlichen Abweichung zwischen unterschiedlichen Prüfern selbst wenn dabei das gleiche Audiometer verwendet wird:

- die Einweisung, das heisst wie der Prüfer dem Probanden erklärt was er (der Proband) wann sagen soll. Der eine sagt: "sobald Sie es ganz leise piepen hören..." der andere sagt: "wenn sie es piepen hören...", der nächste: "sobald sie einen Ton hören..." "...geben Sie mir ein Zeichen"
Diese vielen ähnlichen aber doch immer etwas unterschiedlichen Einweisungen füren häufig zu leichten Abweichungen in der Audiometrie.

- die Reaktionsfähigkeit des Probanden ist immer unterschiedlich. Der eine ist sehr fit und reagiert sehr schnell auf den geringsten Ton den er hört, ein anderer ist, vieleicht bedingt durch sein Alter oder andere Ursachen, nicht mehr so reaktionsschnell und sagt dadurch etwas später das er etwas gehört hat. Dieses Problem kann teilweise recht gravierende Differenzen zwischen den Audiogrammen generierern, da es in vielen Fällen für den Prüfer nicht sofort ersichtlich ist, dass bei einem Probanden eine "Aufnahmeverzögerung" vorliegt.

- der "Weißkitteleffekt", unter diesem Effekt versteht man das viele Menschen einem Mediziener mehr zutrauen als einem "Nichtmediziener". Dadurch kann es vorkommen das Probanden bei der Einweisung durch den Arzt oder die Sprechstundenhilfe aufmerksamer ist und deren Anweisungen sehr genau befolgt wärend er es beim HG-Akustiker nicht so genau macht. Dies passiert in vielen Fällen durch den Probanden völlig unbewusst. In meiner Lehrzeit gab es noch viele HG-Akustik Geschäfte in denen das Personal einen weißen Kittel trug, dies wurde teilweise bewusst gemacht um ein wenig an der "unfehlbarkeit" der "Halbgötter in Weiß" teilzuhaben und hatte auf den einen oder anderen, vorallem älteren Kunden sicherlich auch eine gewisse "einschüchternde" Wirkung. Bei manchen sehr alten Kunden erlebe ich es teilweise sogar heute noch das sie mich im Geschäft mit "Hr. Doktor" ansprechen. Ich muss mir dann jedesmal ein kleines lächeln verkneifen und sie aufklären das wir keine Ärzte sind.

Ansonsten können natürlich auch andere, extere Fktoren einfluss auf das Hören haben: Stress jeglicher Art (auch / besonders Familiärer, Bluthochdruck oder auch zu niedriger, Medikamente (als Nebenwirkung).

Die Audiometrie ist ein sehr komplexes Feld und da wird auch unter Akustikern gerne mal "gestritten" wie es denn besser zu machen wäre (vorallem was die Einweisung der Probanden angeht). Wenn du dir völlig unsicher bist, bitte doch einfach deinen HG-Akustiker um einen zweiten Hörtest, beschreibe ihm deine "Sorge" und ich denke er sollte hierfür Verständniss haben und wird deinem Wunsch sicherlich entsprechen.

LG Asterix