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Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 3. Dez 2017, 19:27
von rabenschwinge
Mich würde interessieren, wie andere Schwerhörige mit ihrem Alltag so klarkommen und welche Fallstricke sie so erleben.
Für mich persönlich ist es auch in der eigenen Beziehung manchmal schwierig, da mein Partner normalhörend ist und nicht immer daran denkt, dass ich zum Verstehen auch z.T. das Mundbild brauche.
Beim Sex habe ich die Wahl zwischen akustisch ziemlich allein ohne Hörgeräte und unerotischem Pfeifen mit.... was nicht nur ich sondern auch mein Partner hört. Kann zur Belustigung beitragen oder die Wirkung einer kalten Dusche haben.
Nett sind auch normalhörende Kinder im Haushalt, die auch mal Grenzen suchen und eben die Schwerhörigkeit des betroffenen Elternteils ausnutzen wollen.
Was erlebt Ihr so, was habt Ihr so erlebt und wie seid Ihr damit umgegangen.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 3. Dez 2017, 20:28
von Faber
moin rabenschwinge,
das was du schilderst, das klingt für mich so, als wäre es für dein Umfeld schnell ersichtlich, dass du schlecht hörst?
hat das nicht auch die "Neben"wirkung, dass dein Umfeld sich unaufgefordert darauf einstellen kann?
bei mir ist das genau anders herum:
ich meine noch ganz "normal" zu "hören", ich meine auch zu "verstehen"; offenbar stimmt aber - zumindest Letzteres - sooo verlässlich nicht.
das führt immer wieder zu buchstäblichen ent-Täuschungen auf beiden Seiten, wenn - nach manchmal sogar längerem - vermeintlichem - Austausch klar wird, dass ich ein komplett anderes Thema besprach als mein Gegenüber

Das führt bei mir zu besonders angespannten verbalen "Spitzfindigkeiten" (aus purer Angst vor Missverständnis) und genau diese führen dann zu DER "Missverständigung" die ja gerade vermieden werden sollte und die i.d.R. dann stets mir - als besondere "Arroganz" - ausgelegt und angelastet wird.
Daraus ergibt sich für mich die Frage:
was ist denn nun besser (genauer: "weniger schlecht"):
lieber offensichtlich schlechthörend - oder lieber "nur" "verstehbehindert"?
Übrigens: "verstehbehindert auditiv - nicht kognitiv"
LG
Gewichtl
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 3. Dez 2017, 20:52
von rabenschwinge
Süss, ich bin mittelgradig schwerhörig und ohne Hörgeräte sozusagen ne ziemlich taube Nuss

.Wobei in manchem Situationen eben auch mit.
Und warum sollte ich mit meiner Hörbehinderung nicht offensiv umgehen?
Weil es peinlich ist oder ich anders bin?
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 3. Dez 2017, 21:00
von Faber
und schon wieder "Missverständigung"

ich habe doch nirgends geäußert, dass du mit deiner Schwerhörigkeit NICHT offensiv umgehen sollst.
aus welcher Formulierung schließt du das?
ich meine genau umgekehrt:
das offensive Umgehen mit der eigenen Schwerhörigkeit halte ich für schlau und für eine Stärke

und inwiefern bist du "anders"?
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 07:43
von Treehugger
Ich bin lediglich leicht schwerhörig.
Klar habe ich es gemerkt, aber nicht wahrgenommen.
Im Alltag konnte ich das sehr gut kompensieren, Lippenlesen mit dem was ich verstanden habe hat oftmals gereicht.
Schwierig waren immer Gruppen ab 4 bis 5 Leute.
Nachdem ich den Test beim
AKU und beim HNO gemacht habe war ich erst mal eine ganze weil ziemlich verunsichert.
Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, ich bin von Anfang an sehr offensiv damit umgegangen, für mich persönlich ist das wichtig.
Einige Leute sind sehr erstaunt, einige weniger.
Was mich erstaunt ist wie viele Menschen in Meinem Umfeld mir mittlerweile "gestehen" das sie auch schlecht Verstehen, sehr viel auf einem Ohr.
Was mich freut, ist das ich den Leuten nicht mehr so auf den Mund starren muss (Bei der ein oder anderen Zahnhygiene auch eine Erleichterung Im Alltag

)
Das habe ich ja sehr lange unbewusst getan, einigen Frauen, welche da anscheinend sehr viel Sensibler sind, ist das auch "negativ" aufgefallen. Nicht das sie sich deswegen belästigt gefühlt haben, aber einigen war das halt unangenehm.
Mittlerweile trainiere ich wieder in die Augen zu schauen, was mir sehr schwer fällt.
Wenn ich Zuhause kein
HG drin habe, merke ich wie schnell mein Familie "genervt" ist, da dann die Kommunikation eben sehr viel schwieriger ist.
Aber damit kann ich gut leben - sie wissen es ja und ich mache das nicht mit Absicht.
Das auf den Mund schauen ist für mich viel der grösste Fallstrick.
Treehugger
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 08:51
von rabenschwinge
Ja, schlecht hören können manche recht gut und scheuen den Weg zum HNO und zum AKU. Ich hab da auch den einen oder anderen in meinem Umfeld bei dem genau das zutrifft..... mancher einsichtig und der andere wiederum nicht.
Was, gerade bei Frauen, auch immer wieder Thema ist: die Eitelkeit! Während die Brille mittlerweile ja zum modischen Accessoire avanciert ist hat das HG ja immer noch den alte Leute Charme. Denn klein, farbig und Co. gibt es ja noch nicht so lange.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 13:43
von Faber
moin,
warum denn "klein, farbig, und Co"?
Man hat doch heute auch sonst keinerlei Hemmungen alle möglichen "Ohrverstopfungen" "showzutragen", wie Kopfhörer, in-Ohr-Hörer, Bluetoothtelefonhörer etc.
Diesbezügliche Hemmungen waren doch wohl "gestern".
Nur Mut:
Wer sich traut zu zeigen, der kann auch ENDLICH MAL auf bessere Klangqualität hoffen.
"imho" (= meine_unmaßgebliche_Meinung_dazu)
LG
Gewichtl
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 15:19
von rabenschwinge
weil das

[/img] mir schlicht nicht gefällt.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 18:43
von Lchtschwrhrg
Also Rabenschwinge - wenn iich nicht wüste, dass, hätte ich es nicht direkt so erkannt - und wenn, wer, von den Menschen die Dich interessieren schaut Dich schon von hinten an - ??
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 19:35
von rabenschwinge
ich weiß, es eine typisch Frau Sache. Zumal..... dadurch, dass ich sehr klein bin und zusätzlich eine Brille trage gibt es da doch Gedränge hinter´m Ohr, was grad im Sommer durch Schwitzen sehr unangenehm sein kann.
Kleiner wäre da wirklich eleganter und farbig auch weil es aus einen Bug ein Feature macht.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 4. Dez 2017, 23:13
von AlfredW
Hallo,
was nützt dir ein gefälliges HG, wenn Du damit nicht gut hörst und Sprache verstehst?
Gruß
Alfred
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 5. Dez 2017, 16:55
von rabenschwinge
Ach je, deshalb hab ich ja die großen Teile. Kleiner und mit mehr Farbigkeit wäre mir trotzdem lieber.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 5. Dez 2017, 19:32
von pascal2
Endlich mal ne Hörbehinderte ohne Hemmungen.
Ich machs immer ohne Geräte.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 5. Dez 2017, 20:07
von Skunkdude
Hab in den letzten paar Jahren viele Menschen kennen lernen dürfen, denen das Aussehen ihrer Hörsysteme nicht egal war. Ganz im Gegenteil. Finde das ok - übrigens waren da erstaunlich viele Männer dabei
Muss halt beides passen denke ich. Dann ist die Chance sehr groß, dass ein
HG zum täglichen geschätzten Begleiter wird.
Nur meine Erfahrung.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 5. Dez 2017, 20:15
von Faber
moin,
dass das Aussehen NICHT gleichgültig ist, das ist ja völlig ok.
Problem ist, dass der darauf Angewiesene NICHT bekommen kann was er sich wünscht.
ICH z.B. hätte gern: Mic
hdO, MP3-Ohrenstöpsel, und die Technik im Smartphone

LG
Gewichtl
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 5. Dez 2017, 20:27
von rabenschwinge
Hmm, ich höre meinen Partner beim Sex gern und bei manchen Dingen empfiehlt es sich doch alle Sinne zu nutzen... Daher mit anstatt ohne.
Skunkdude genau so ist es.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 07:55
von Musiker_72
@rabenschwinge : Welche HG hast Du denn genau? Ich hätte gedacht, dass es für mittelgradige SH auch kleinere geben müsste. Es wundert mich auch etwas, dass Du ohne HG so wenig hörst. Hier liegt der Unterschied wohl im Detail, meine SH geht auch ins Mittelgradige, aber nur im Hochtonbereich. Vielleicht betrifft das bei Dir ja alle Frequenzen. Beim Sex höre ich auch ohne HG noch genug (auch wenn ich es natürlich mal "mit" probiert habe und dann interessante Details zu hören waren).
Ich habe das Glück, dass ich mit HG wieder "fast normal" höre, jedenfalls, was die Sprachverständlichkeit betrifft. Meine Familie hat sich auch sehr schnell dran gewöhnt, die gehen davon aus, dass ich sie auch über die Stockwerke und durch geschlossene Türen hindurch verstehe (was ich auch tue, aber nur mit HG). Wenn ich sie dann mal nicht drin habe, fällt das gleich sehr auf.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 08:34
von svenyeng
Hallo!
Also wenn rabenschwinge sich so nicht wohlfühlt muss man das akzeptieren.
Als ich meine ersten HG's bekam, wollte ich auch nicht das jemand die sieht.
Also im Ohr Geräte getestet und diese am liebsten sofort an die Wand geworfen.
War so als hätte ich nen Korken im Ohr.
Ich sagte damals so geht das nicht, dann lieber ohne.
Der Akustiker sagte dann zu mir: "Wie tragen doch eine Brille und das ist eine Sehhilfe, die sieht man auch." Ich: "Ja klar, richtig." Akustiker: "Ein Hörgerät ist eine Hörhilfe, warum soll man die denn nicht sehen. Das ist doch nichts schlimmes." Ich: "Stimmt, da haben Sie irgendwie recht!".
Ich hab dann HdO Geräte getestet und kam super damit klar.
Würde nie was anderes wollen.
@rabenschwinge:
Es gibt mittlerweile recht kleine HdO Geräte. Die haben dann die 312er Batterien. Schau Dir mal das Linx 3D in dieser Ausführung an.
Das ist sehr klein. Ich hatte das testweise, aber ich habe mich, aus verschiedenen Gründen, für die größere Version mit den 13er Batterien entschieden.
Gruß
sven
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 08:45
von Faber
moin,
das stimmt umbedingt was @svenyeng hier schreibt,
und da ja nicht jedes Hörgerät für jeden passt, hier gleich die aufzahlungsfreie Variante aus dem gleichen Hause wie das Linx:
GN-ReSound Enyo ey362-DRW

LG
Gewichtl
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 09:50
von Lchtschwrhrg
Hallo Rabenschwinge - ne, dürfte nicht nur ein Frauenthema sein - wer hängt sich schon so einen Ohrenvorfalter und dann noch Brille ein - insofern stimme ich Dir voll zu. Aber wie schreibt Alfred W. bereits, zuerst kommt der Zweck dee HGs, wieder hören und vor Allem verstehen zu können. Dann kommt die Handhabung - was nutzt einem ein Winzgerät, dass es heute schon gibt, für dass man Pinzetten als Finger bräuchte, um es bedienen bzw. z.T. bereits nur einsetzen zu können. Aber: egal ob Brille oder HG - diese Hilfsmittel braucht man zwar, aber sie "machen einen nicht aus" - und daran kann man auch gut abschätzen, wer einem wirklich "Freund" ist.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 11:27
von Jani
Da muss ich Lichtschwrhrg Recht geben! Ein HG oder auch ein CI und eine Brille machen nicht den gesamten Menschen aus. Es ist ein Teil vom Menschen.
Und wer einen so akzeptiert, wie man nun mal ist, mit solchen Menschen hat man mehr Freude als mit denjenigen, die ein Problem mit Hörschädigung usw. haben!
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 12:36
von rabenschwinge
Die Teilchen werden in nächsten Jahr 6 Jahre alt, insofern steht da demnächst eh was neues an.....
Musiker, in bin halt (noch) mittelgradig schwerhörig und habe noch ein paar andere gesundheitliche Probleme - im Zusammenspiel für mich manchmal etwas doof, da eines das andere entweder bedingt oder verstärkt.
Und bei manchen Dingen ist es mir wichtig auch kleine Lautäußerungen mitzubekommen und ggf. darauf adäquat reagieren zu können und das zeitnah.
Die Größe, meine Einstellung zum HG und alles andere: Skunkdude brachte es mit seinem Post und da dem letzten Absatz für mich wunderbar auf den Punkt.
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 12:56
von EinOhrHase
Zähle mich inzwischen zu den "alten Hasen" in Punkto
HGs & co.
Früher gabs eben nur eine Grösse, eine Farbe und man musste genau DIE Dinger tragen ob man es so wollte oder nicht - ganz abgesehen von den technischen Bedingungen.
Heute gibts so viele verschiedene Formen, Grössen, Farben und andere Möglichkeiten, dass man schon fast vom Accessoire reden könnte statt medizinisch notwendigem Hilfsmittel.
Verschlechterungsbedingt musste ich auf die knochenverankerte Hörhilfe (BAHA) umsteigen und selbst da gibts zwischenzeitlich etwas mehr Farbauswahl wie vor 20 Jahren, wobei die Grösse des Geräts technisch bedingt nicht viel kleiner machbar ist.
Zur "Selbstverständlichkeit" analog zur Brille muss ich sagen, dass viele meiner Mitmenschen es schlicht vergessen, dass ich ein
HG trage und das Gerät flog mal "versehentlich" runter (ging GsD nicht kaputt).
Aus dieser Sicht darf ein
HG schon etwas auffallen, denn wenns dann doch mal runterfliegt und geht kaputt hat man n grösseres Problem wie die Ästhetik des Geräts......
Wer mit seinem
HG "provozieren" möchte - knallige Farben stehen auch zur Auswahl
Gruss
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 6. Dez 2017, 13:09
von rabenschwinge
Oliver, gerade den Satz mit dem Runterfallen und wiederfinden finde ich super! Daran hatte ich bisher überhaupt nicht gedacht und finde, Du hast recht!
Re: Leben mit Schwerhörigkeit
Verfasst: 7. Dez 2017, 00:41
von EinOhrHase
@Rabenschwinge
das komische Gefühl, von anderen angestarrt zu werden, weil da n "Farbklecks" hinter den Ohren klebt, kenn ich zu gut.
Die Ästhetik eines
HGs soll und darf im Rahmen eine Rolle spielen - keine Frage. Die Geschmäcker sind auch hier sehr sehr verschieden.
Wie schon erwähnt, sollte die "Tragesicherheit" und das Aussehen des
HGs eben ausgewogen werden.
Laut Berichten von hier und auch aus eigenen Erfahrungen mögen viele Kinder eher knallig-bunte
HGs, wogegen die Mehrzahl der (älteren) Erwachsenen zu "Tarnfarben" neigen - oft die "Späteinseiger", da hier das Schamgefühl noch grösser ist.
Bezüglich dem Verlieren könnte ich Geschichten erzählen..... GsD hatte ich meine (damaligen)
HGs auch wieder gefunden.
Dr. Oetker würde sagen: Man nehme eine Schnur......... und binde das Teil einfach wo an
Gruss