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Schulwechsel

Verfasst: 20. Jan 2018, 23:20
von Veronika Kram
Hallo,
ich bin neu hier und möchte mich an euch wenden. Vielleicht kann der ein oder andere mir einen Rat geben.
Bei meinem Sohn ( Adoptivkind ) wurde letztes Jahr im Juli eine Leichte Innenohrschwerhörigkeit diagnostiziert. Seitdem trägt er rechts ein Hörgerät. Vermutet wird die Schwerhörigkeit aufgrund einer CMV ( Zytomegalie Virusinfektion ) , die die leibliche Mutter in der Schwangerschaft auf ihn übertragen hat. Er hat das Hörgerät gut angenommen. Er ist mittlerweile in der 2.Klasse einer Schwerpunktschule. Leider hat er dort einige Schwierigkeiten. Traurig ist, dass seine Lehrerin in keinster Weise auf ihn eingeht oder die Schwerhörigkeit berücksichtigt. So wurde weder in der Klasse darüber gesprochen noch irgendwelche Dinge umgesetzt. Zum Beispiel sitzt er in der letzten Reihe. Die Klasse ist sehr groß, laut und schwierig und seine Lehrerin scheint generell überfordert zu sein. Er kommt mit aber verlangsamt und hat natürlich seine Auffälligkeiten im auditiven Bereich und der Konzentration. Hinzu kommt bei ihm das Adoptionsthema und er scheint sich nicht wohl zu fühlen, angenommen und dazugehörig zu fühlen. Es ist eine sehr große Grundschule und offensichtlich scheint er der einzige Hörgeräteträger zu sein......
Wir spielen im Moment mit dem Gedanken, die Festellung auf sonderpädagogischen Förderbedarf zu stellen und ihn auf die Landesschule für Hörgeschädigte Kinder zu geben. Diese Schule ist allerdings 60 km von uns entfernt und er wäre dort ganztags.
Wir haben jedoch die Hoffnung, dass er dort mehr Selbstbewusstsein aufbaut und entsprechend seiner Möglichkeiten gefördert und gefördert wird. Er selbst möchte gerne dorthin. Er freut sich auf andere Kinder mit der gleichen Problematik und endlich nicht mehr der Sonderling zu sein.
Gestern überkam mich dann ein schreckliches Tief, ob das doch der richtige Weg für ihn ist.

Hat jemand ebenso eine Entscheidung gefällt und ist diesen Weg gegangen? Ich würde mich sehr über den ein oder anderen Erfahrungsbericht freuen.
Ganz liebe Grüße von Veronika

Re: Schulwechsel

Verfasst: 21. Jan 2018, 14:29
von Kaja
Hallo Veronika,

herzlich willkommen hier.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, den Förderschwerpunkt feststellen zu lassen und trotzdem auf der bisherigen Schule zu verbleiben. Dann würde dein Sohn Unterstützung durch einen Förderpädagogen des zuständigen Förderzentrums erhalten.

Der Weg auf die SH-Schule kann aber auch der richtige sein. Günstig wäre es, wenn ihr dort mal hospitieren würdet, um zu schauen, ob der Alltag dort euren Vorstellungen entspricht. Unser Sohn hat damals das Angebot einer einwöchigen Probebeschulung mit Abschlussgespräch gern in Anspruch genommen, weil ihm sehr wichtig war zu schauen, ob und wie er mit seinen potentiellen Mitschülern zurecht kommt.

Viele Grüße

Re: Schulwechsel

Verfasst: 21. Jan 2018, 16:13
von Veronika Kram
Hallo Katja,
vielen Dank für deine Antwort. Eine Förderpädagogin haben wir schon an unserer Seite. Sie schätzt die Lehrerin genauso ein wie wir und dass sie mit der Klasse und der zusätzlichen Hörproblematik unseres Sohnes überfordert ist. Er kommt jetzt ins 3. Schuljahr. Ich habe halt Angst, dass sich für ihn nichts ändern wird weil sich grundsätzlich nichts an den Vorraussetzungen ändert und er dann im 3. Schuljahr, wenn es auch Noten gibt, gänzlich überfordert ist. Wir waren schon oft mit der Lehrerin im Gespräch, haben ihr Infomaterial mitgegeben, ihr einen ganz ausführlichen Brief geschrieben und garnichts passiert.......
Die Schule werden wir uns auf jeden Fall mal anschauen. Ich bin halt so hin und her gerissen, was denn wirklich das Beste für ihn wäre.
Lg

Re: Schulwechsel

Verfasst: 21. Jan 2018, 18:52
von Randolf
Hallo Veronika,

ich selbst habe mit mehr als mittelgradiger Sh eine normale Hauptschule besucht, habe im Anschluss eine Handwerkerlehre, Berufsaufbauschule (BAS) und Ingenieurschule (HTL) besucht.

Junge Lehrkräfte sind grundsätzlich mit den Problemen einer Hörschädigung vollkommen überfordert. Dien Sohn gehört nach vorn in Reichweite der Lehrkraft. Ich habe immer vorn gesessen. Erst in höheren Klassen wurden meine Leistungen besser, in der Berufsschule (BBS) wachte ich auf und bekam eine Empfehlung des Klassenleiters für die BAS.

Dass auch Spezial - Förderkräfte die völlig falsche Sitzordnung nicht erkennen, überrascht mich. Wie ist denn die Stimmlage der Klassenlehrerin? Ist sie für dich klar und deutlich ohne Nuscheln auch im Gespräch zu hören?
Eventuell hilft auch die Umsetzung in eine Parallelklasse. Darüber sollte man mit dem Rektor kontaktieren.

Viel Freude am Lernen
Randolf

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:19
von Randolf
Hallo Veronika,

hat sich das inzwischen erledigt?

Gruß
Randolf

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:40
von uninteressant
Zum Beispiel sitzt er in der letzten Reihe.

Ich wundere mich dass Du das akzeptierst. Ein Besuch beim Direktor und das Problem sollte geklärt sein.

Die Schule arbeitet für Dich und Dein Kind, und nicht irgendwie anders herum.

Bei aller Hilfe für das Kind sage ich aber auch - die Welt nimmt keine Rücksicht auf derartige Nachteile. Bringe Deinem Kind bei den Mund aufzumachen. Damit hilfst du ihm am meisten, denn erst dann bringt er die Umwelt dazu im vertretbaren Rahmen auf ihn Rücksicht zu nehmen.

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:40
von Veronika Kram
Hallo Randolf,
wir hatten heute ein Gespräch mit der Klassenlehrerin. Mein Sohn ist ein Kind, welches sich schnell ablenken lässt. Eine laute Umgebung trägt natürlich noch ihren Teil dazu bei. Generell gibt es an dieser Schule aufgrund von „Personalmangel“ wenig Möglichkeiten. Wir stellen jetzt den Antrag auf sonderpädagogischen Förderbedarf und schauen uns die eventuelle Schule erstmal an und verschaffen uns einen Eindruck. Mein Sohn möchte interessanterweise gerne die Schule wechseln. Er fühlt sich an der jetzigen Schule als einziger „Hörgeschädigter“ nicht wohl.
Ich bin sehr gespannt, wie sich alles so entwickelt......
Liebe Grüße von Veronika

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:41
von svenyeng
Hallo!

Habt Ihr denn mal mit den Lehrkräften und ggf. auch Rektor der Schule gesprochen?
Wenn jemand schwerhörig ist und Hörgeräte trägt gibt es gar kein Diskussion.
Die Person sitzt in der ersten Reihe! Ein Schwerhörigenschule muss doch gar nicht sein.
Auch sollte der/die Klassenlehrer/in die Mitschüler informieren und ein bisschen den Umgang mit Schwerhörigen erklären.

Weiterhin gibt's ja gute Hilfsmittel damit das Kind im Unterricht auch alles versteht.
Ein kleines BT Mikrofon welches die Lehrkraft angeclipst bekommt überträgt dann das was die Lehrkraft sagt direkt auf die Hörgeräte.

Also am besten so schnell wie möglich einen Termin in der Schule machen.

Gruß
sven

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:46
von Veronika Kram
Hallo,
was glaubst du wie oft wir schon etwas gesagt haben und wie wenig etwas passiert oder sich ändert.
Mein Sohn war im Kindergarten ein sehr liebevolles, herzliches und vor allem friedfertiges Kind. Seitdem er in der Schule ist, gerät er immer wieder in schwierige Situationen, wo er sich behaupten muss und dies auch tut. Dies ging für ihn bisher immer schlecht aus......Ich hab Sorge, dass sein Srlbstwertgefühl dort total leidet und er untergeht aber wie gesagt bin ich mir auch nicht so sicher was das Beste für ihn ist.
Liebe Grüsse

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:56
von uninteressant
Ich liess mich auf leicht ablenken. Du darfst nicht vergessen dass das Zuhören stark anstrengt. Irgendwann ist die Konzentration weg - und die erstebeste Ablenkung wird dankend angenommen.

Schwerhörigenschule - Ist Fluch und Segen zugleich. Segen, wenn es isoliert um die schulischen Leistungen geht. Fluch, wenn es um die persönliche Reifung und Entwicklung geht. Ich persönlich bevorzuge es heute, wenn man sich in der normalen Welt durchbeisst. Die Arbeitswelt kennt auch keine Schwerhörigenfirmen.

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:57
von Veronika Kram
Hallo Sven,
leider sind wir an eine Lehrerin geraten, die wirklich gar nichts umsetzt. Als ich sie gefragt habe ob sie das Thema Schwerhörigkeit mal in der Klasse thematisiert hat, zumal sie das Thema: hören in Sachkunde durchgenommen haben, wurde mir nur gesagt, dass kein Kind der Klasse nachgefragt hat und es deshalb auch nicht thematisiert hat. Auf meine Bitte hin, ob sie mir ein paar Notizen für den Akkustiker aufschreiben kann, was sie beobachtet hat, meinte sie sie hätte nichts beobachtet.
Am ersten Tag als er das Hörgerät hatte, hat ein Kind ihm einen Turnbeutel gegen das Ohr geschmissen und das Hörgerät ist rausgefallen. Er sollte dann alleine zur Toilette gehen und es wieder einsetzen.
Ich glaube dass es durchaus keine böse Absicht ist, die Lehrerin aber schlichtweg überfordert ist mit der Situation und sie dort wenige Möglichkeiten haben, ihn nach seinen Möglichkeiten zu unterstützen.
Eine andere Klasse würde wahrscheinlich auch nichts nützen, da wären ja die gleichen Gegebenheiten und im 3.Schuljahr gibt es eh einen Lehrerwechsrl. Das könnte von Vorteil sein oder aber noch schlechter werden. Bisschen verfahren alles! Mit dem Direktor haben wir allerdings noch nicht gesprochen.

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 15:58
von Randolf
Hallo,

kein Zweifel: Aus der letzten Reihe muss er raus, nach vorn. Das Gespräch mit dem Rektor, zunächst allein, dann mit der Kl.-lehrerin ist überfällig.
Über weitere Hilfsmittel kann man dann später nachdenken.
Eventuell Lehrerwechsel mit dem Rektor planen.
Vieleicht auch einen weiteren Mitschüler nach vorn mit umgruppieren!!

Alles Gute!

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 16:04
von Veronika Kram
Hallo uninteressant,
aber meinst du nicht das kann für die persönliche Reifung nicht auch von Vorteil sein, wenn man sich endlich angenommen fühlt weil jeder auf verschiedene Weise die gleiche Problematik hat? Mein Sohn ist auf der emotionalen Ebene sehr sensibel. Er will dazu gehören und anerkannt sein, im Moment erfährt er viel Ablehnung ( wird von einem Jungen im Bus ständig Spasti genannt). Das verletzt ihn sehr und würde wahrscheinlich jeden verletzen.
Aber du hast Recht, die Welt ist hart und gemein und später nimmt niemand Rücksicht mehr darauf.
Aber fürs 5. Schuljahr könnte er notfalls ja wieder wechseln.

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 16:12
von uninteressant
Lehrerwechsel wirds nicht geben. Das ist illusorisch, da geht die Kontinuität der Masse vor den Problemen einzelner vor. Ist auch meiner Meinung nach richtig so, wenn ich Eltern der anderen Kinder wäre.

Ich würde tatsächlich einen Schulwechsel in Betracht ziehen, die Erfahrung mit Schwerhörigen Kindern hat - aber keine Schwerhörigenschule ist.

Ansonsten solltest du dir noch eins durch den Kopf gehen lassen: Die Schule wird im näheren Umfeld deines Wohnortes sein. Ihn aus dieser Schule herauszunehmen bedeutet, dass er tendenziell weniger Freund in seinem Umkreis zu Hause haben wird (wenn die neue Schule weiter weg ist). Das KANN Nachteilhaft für Soziale Kontakte und die damit verbundene Reifung sein.

Re: Schulwechsel

Verfasst: 23. Jan 2018, 18:22
von Randolf
Hallo,

genau richtig. GRUNDschule wechseln, falls der Rektor nicht gesprächsbereit ist.
Vorher Schulbehörde einschalten. Das ist dann große Zange für kleines Problem.

Deshalb: Zusammensetzen. Schulleitung, Kl.-Lehrerin, Eltern. Problem lösen.
Mit mittelgr. Sh. ist eine Sh - Sonderschule im Inklusionszeitalter überflüssig.
Mit dem Abschluss einer Sh - Sonderschule verbaut ihr wichtige berufliche Chancen.

Nach der Schule muss dein Sohn ca. 50 Jahre arbeiten, in einem Beruf, der ihm nicht gefällt!

Ach so: Und Randolf hat auch Lehrerwechsel gemacht. Ging für alle Beteiligten schmerzlos vonstatten, niemand war beleidigt, alle Freunde blieben, Parallelklasse.

Randolf