Komplettes Thema anzeigen 25.05.2015, 12:58
Kaja Abwesend
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Betreff: Re: Sie ist nicht Lernbehindert weil sie HG versorgt ist!!!
Hallo Norbert,

Zitat von Norbert_S:
Freiwillige Wiederholung der 2. Klasse ist jedenfalls kein Persilschein für ein sicheres Abitur mit anschließendem Medizinstudium … Klingt für mich einfach nach Klärungsbedarf. Ein verlorenes Jahr der richtigen Förderung ist oft nicht wieder rein zu holen.

Wenn die Schule mit der Behandlung des Kindes unsicher ist, wird oft eine freiwillige Wiederholung empfohlen, "um dem Kind mehr Zeit zu geben". Diese Unsicherheit kann aus einer Lernschwäche resultieren, muss es aber nicht. Bei Sandrines Tochter hat man nur festgestellt, dass das Lesen und Schreiben nicht klappt, nicht aber, warum dies so ist. Sicher wäre eine gezielte Förderung deutlich besser gewesen, aber eine sofortige Beschulung in der 3. Klasse hätte vielleicht zur Überforderung geführt. Dann erscheint mir das freiwillige Wiederholen als die bessere Alternative - gerade, wenn das betreffende Kind nicht das einzige ist, sondern mehrere Mitschüler dieses Angebot nutzen.

Übrigens, meine Tochter (andere Behinderung) hat ebenfalls die Schuleingangsphase in drei Jahren absolviert, erfolgreich Abitur abgelegt und studiert jetzt (wenn auch nicht Medizin, sondern "nur" Informatik). Die Nutzung des zusätzlichen Jahres ist also kein Ausschlussgrund für Abitur und Studium.

Zitat von Norbert_S:
Veto-Recht? Nee, aber das ist ein Verwaltungsakt (Einzelfall-Entscheidung). Da können die Betroffenen jederzeit ihren Einspruch einlegen. Da braucht man auch keinen RA für.

Das, was du meinst, ist das Verfahren nach Abschluss des Feststellungsverfahrens. In einigen Bundesländern kann man bereits die Einleitung des Feststellungsverfahrens verhindern, wenn man als Eltern(teil) diesem nicht zustimmt. Diese Möglichkeit war mit Veto-Recht gemeint.

Zitat von Norbert_S:
Du schreibst:
<< Auch ein Zulassen der Überprüfung führt nicht immer zum "richtigen" Ergebnis. Sucht die Schule, die die Überprüfung durchführt, gerade noch Schüler (z.B., um zu vermeiden, dass sie wegen zu geringer Schülerzahl geschlossen wird), dann wird auch mal ein nicht zutreffender Förderschwerpunkt festgestellt. >>
Sorry, aber diese Geschichte vom „Heldenklau“ zur Standortsicherung ist ein beliebtes Gerücht. Die Schule, die das Verfahren abwickelt, berichtet an die Schulaufsicht und nur diese entscheidet. Da die Unterstützung durch eine besondere Schule, den Mobilen Dienst usw. immer eine teure Engpasssache ist, sind sich alle Beteiligten darüber klar, dass die Feststellung eines nicht zutreffenden Förderschwerpunkts mindestens ein anderes Kind benachteiligen würde. Also bitte ein wenig Vorsicht mit solchen Geschichten.

Bei unserem Sohn lief es genau umgekehrt: weil die zuständige SH-Schule keine mehrfachbehinderten Schüler wollte, wurde mal eben mit einem (bei SH unzulässigen) sprachgebundenen IQ-Test eine (vermeintliche) geistige Behinderung festgestellt, um das Kind nicht aufnehmen zu müssen. Die dann eingeschaltete GB-Schule stellte mit einem sprachfreien IQ-Test dann eine normale Intelligenz fest (und erklärte sich ebenfalls für unzuständig).

Bei der Tochter einer Bekannten wurde einige Jahre später die GB-Schule mit der Testung beauftragt, obwohl der festgestellte IQ deutlich über 70 lag und dann genau diese Schule empfohlen, weil das Kind (angeblich) wenig belastbar sei. Tatsächlich wurde dort noch mindestens ein Kind benötigt, um eine Klasse eröffnen zu können. Die Einschaltung eines RA führte dann zur Feststellung des richtigen Förderbedarfs - und das Kind ist heute noch damit glücklich.

Also - keine Geschichten, sondern (traurige) Realität.

Viele Grüße