Komplettes Thema anzeigen 29.03.2016, 12:01
Momo Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.07.2002
Wohnort: Niedersachsen


Betreff: Re: Weiterführende Schule in Niedersachsen
Liebe Moni,

also in Niedersachsen ist es üblich, dass ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf zum Wechsel in Klasse 5 neu festgestellt werden muss. Also insofern nichts ungewöhnliches. Zuständig dafür ist die örtliche Regelschule, die sich dann von der zuständigen Förderschule beraten lässt bzw. die beiden zusammen schreiben das erforderliche Gutachten. Dafür müssen sie natürlich das Kind sehen, um den benötigten Unterstützungsbedarf einzuschätzen.

Ist das Gutachten fertig, wird es euch zugeschickt, zusammen mit einer Einladung zur Sitzung der Förderkommission. Zu der Förderkommission dürft ihr auch eine Person eures Vertrauens mitnehmen, wenn ihr das wünscht. Dann sollte man das der Schule mitteilen, damit diese Person auch eingeladen wird.

In der Förderkommission wird dann über das Gutachten gesprochen und noch mal genau festgelegt welche Rahmenbedingungen ein Kind braucht, um erfolgreich beschult zu werden, z.B. Sitzplatz, technische Hilfsmittel, räumliche Begebenheiten usw. Abschließend gibt die Förderkommission eine Empfehlung ab, ob ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf in einem best. Bereich, z.B. Hören, festgestellt werden sollte. Sind sich die Teilnehmer uneinig, wird das vermerkt (kommt aber selten vor).

Das Protokoll wird dann an die Landesschulbehörde geschickt und die stellen dann den sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf endgültig fest (oder eben nicht). Ihr bekommt dann einen Bescheid mit dem Ergebnis und einer „Belehrung“ wie ihr weiter verfahrne könnt (hier besonders Elternwille bei der Schulwahl). Auch die zuständige Regelschule bekommt diesen Bescheid.

Meine Empfehlung wäre schon das Verfahren zu durchlaufen, denn man kann nie wissen was kommt und es wird schwer sein Forderungen/ Rücksichtnahme durchzubekommen, wenn es ja keinen offiziellen Bedarf gibt.

Außerdem hilft es auch der zuständigen Schule schon, da die mehr Lehrerstunden bekommen, wenn sie Kinder mit sonderpädag. Unterstützungsbedarf haben, d.h. u.a. die Klasse wird kleiner (Kinder mit Unterstützungsbedarf zählen, wie du ja schon schreibst, doppelt). Das klingt zwar erstmal banal, aber eine Schule ist sicher eher bereit sich mehr zu kümmern, wenn auch sie was davon haben (und Lehrerstunden sind ja eher knapp). Und wenn mehrere Kinder einer Schule drauf verzichten würden, dann macht das schon was aus…

Zusätzlich stehen einem Kind mit einem Unterstützungsbedarf im Bereich Hören ab Klasse 5 3,5 Stunden zus. zu, die entweder als Förderstunden oder aber auch als Doppelbesetzung/ Arbeit in Kleingruppen genutzt werden können, je nachdem wie es am besten für das Kind ist. Auch das ist für Schulen nicht unerheblich!

Mit Unterstützung des Mobilen Dienstes (und der kommt auch nur dann) kann ein evtl. notwendiger Nachteilsausgleich deutlich einfacher und gezielter festgelegt werden.
Ggf. können auch mal Stunden zum Thema Hörschädigung in der Klasse erteilt werden und die Lehrer können an den Fortbildungen und dein Sohn an den Kontaktseminaren teilnehmen, sind auch bei Problemen erreichbar und hospitieren und beraten ggf. mal (macht insbes. bei Fremdsprachen manchmal Sinn, ich denke da insbes. an Höraufgaben…).
Das ist alles freiwillig, aber eben möglich.

Das heißt aus meiner Sicht hat es nur Vorteile das Verfahren zu durchlaufen, weil es einem Möglichkeiten eröffnet, die man in Anspruch nehmen kann – nicht muss. Denn einen Unterstützungsbedarf erst dann feststellen zu lassen, wenn es Probleme gibt, kann zu spät sein, weil das nicht von heute auf morgen geht. Das wäre dann ein echter Nachteil.

Dass der Termin abgesagt wurde, hat sicher nichts mit euch zu tun. Die Mobilen Dienste Hören in NDS sind einfach total überlastet, weil sie mit zu wenig Leuten viel zu viele Schüler betreuen müssen. Da muss sich das Land mal was einfallen lassen, denn das für Regelschulen zuständige Kultusministerium hat so gut wie keine eigenen Hörgeschädigtenpädagogen und zwingen damit die HG-Schulen der LBZH, die einem anderen Ministerium angehören, ohne ausreichenden Ausgleich Stunden abzugeben. Komplizierte Geschichte. Problem ist halt, dass in NDS keine Förderschullehrer Hören ausgebildet werden….

Gerne können wir aber auch telefonieren.

Liebe Grüße
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI