Komplettes Thema anzeigen 19.05.2017, 20:43
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Befund der Klinik
Hallo ChristianeS,

hier meine Sichtweise:

Zitat von ChristianeS:
Kann mir jemand erklären, was das mit den Wellen, die nicht differenzierbar sind, auf sich hat?

Welle I wird angeblich vom Hörnerv generiert, Welle III "anfangs Hirnstamm". Beide Wellen sind (insbesondere bei Erwachsenen in der Regel) weniger stark ausgeprägt als die ebenfalls im Hirnstamm generierte Welle V, mit deren Hilfe man die Hörschwelle ermittelt.

Was genau mit "nicht differenzierbar" gemeint ist, weiss ich nicht; ich vermute, nicht ermittelbar. All zu grosse Bedeutung würde ich dem Umstand nicht beimessen, da der überschwellige Bereich relativ klein ist (umfasst vermutlich 10 bis 20 dB), die entsprechenden Wellen jedoch (im "Normalfalle") erst im überschwelligen Bereich erkennbar sind.


Zitat von ChristianeS:
Irgendwie habe ich auch ein bisschen Sorge, dass wir ihr Restgehör schädigen, weil die tiefen Frequenzen ja gar nicht gemessen wurden und eventuell zu laut eingestellt sind.

Wurde denn nur eine Klick-BERA durchgeführt:

Zitat:
Auf der Verordnung für die Hörgeräte waren nur ein paar Kringel zwischen 1000 und 4000 Hz zwischen 80 und 90 dB.

Wenn keine frequenzspezifische BERA durchgeführt wurde, sieht dies nach einer "Handgelenk mal PI"-Methode aus. Laut Empfehlung DGPP sollte mindestens bei einer Frequenz im Tieftonbereich eine frequenzspezifische BERA durchgeführt werden.


Zitat:
Irgendwie habe ich auch ein bisschen Sorge, dass wir ihr Restgehör schädigen, weil die tiefen Frequenzen ja gar nicht gemessen wurden und eventuell zu laut eingestellt sind.

Nun, es sind keine TEOAEs auslösbar bei unauffälligen Tympanometrieergebnissen*, also liegt vermutlich eine komplette Dysfunktion der äusseren Haarzellen vor (die bezüglich Lärm vermutlich schädigungsanfälligste Komponente beim Gehör). Des weiteren liegen die durch die Hörgeräte abgebebenen Lärmdosen eh im gehörsgefährdenden Bereich - unabhängig davon, wie die Lautstärke subjektiv empfunden wird. Nat¨rlich sollte "nur so viel verstärkt werden, wie notwendig ist (und das heraus zu finden, ist insbesondere bei Kleinkindern nicht einfach).

*) diese sind allerdings nicht all zu genau, wie bspw. auch eine BERA bei Kleinkindern sehr ungenau ausfallen kann etc.

Um die Entwicklung der retrocochleären Hörbahnen möglichst uneingeschränkt zu ermöglichen, hat man jedoch keine andere Wahl (ausser CI - und dessen Implantation ist ebenfalls mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden).


Zitat von ChristianeS:
Gibt es noch andere Eltern hier, die eine ähnliche Diagnose hatten und eventuell im Kindergartenalter verbesserte Werte messen konnten?

Ja. Sogar bereits früher (aus welchen Gründen auch immer ("systembedingte" Ungenauigkeit bei frühen Messungen, Entwicklung der retrocochleären Hörbahnen (insbesondere durch gewährleistung von ausreichend akustischem Input durch die Hörgeräteversorgung etc.)).


Bei Interesse kannst Du sämtliche Unterlagen, Berichte, Diagramme (insbesonder die Potentialkurfen ("Zick-Zack-Linien") der BERA(s)) anonymisiert hier hochladen.

Vielen Dank.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 19.05.2017, 20:54 von fast-foot.