Komplettes Thema anzeigen 01.11.2017, 09:34
FAJ Abwesend
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Betreff: Hörgerät seit 40 Jahren überfällig - Ohne Ahnung, Hilfe wäre gut
Hallo liebe Leute, (Achtung das wird länger .. Helpless )

Ich befasse mich nun erstmals (seit einer Woche) etwas intensiver mit dem Thema Hörgeräteversorgung und hoffe Rat und Unterstützung zu erhalten.
Vielleicht gibt es ja jemanden mit ähnlichem "Verlauf".

Also, bei mir ging das mit der Feststellung los "Mama, Papa macht das Licht an, denn wenn ich euch nicht sehe, höre ich euch nicht" - das war so mit 6 Jahren.

Zur Einschulung wurde ich dann ein Jahr zurückgestellt (meine Zwillingsschwester - sehr gut hörend auch) und ich bekam Hörgeräte verpasst. (Eintritt der Schädigung wurde und wird mit 3. LJ eingestuft.)

In der Schule gabs dann Ärger, das übliche Mobbing - ich schlug mich (buchstäblich) bis zu 4. Klässlern durch, zog auch den Kürzeren- die Hörgeräte habe ich nicht viel, bzw. nicht lange getragen.

Ich habe sie gehasst und alles was damit zusammenhing. Meine Eltern ignorierten das Problem, nach dem Motto "der hat nix", ich wurde auch oft zur Schnecke gemacht, wenn alle für Stunden klingelten, und ich -seelenruhig- nicht öffnete usw...

Die Schule habe ich dann, auch Dank meiner Zwillingschwester und mittels eigenen "entwickelten Systems" (Lippenlesen, Situation, Logik, Interpretation) - dies alles natürlich unbewusst - ab der 5. Klasse alleine auf der Hauptschule (Schwester ging aufs Gymi), dann Realschule, Beruf, Abi zweiter Bildungsweg, Uni alleine bewältigt.

Im Hauptstudium fingen meine Probleme an, dass ich in den Hörsäälen einfach überfordert war und nicht mehr wusste was ich lernen sollte.
Auch bei den so wichtigen, sozialen Kontakten kam ich nicht mehr mit.
Daneben gab ich als Referent freiberuflich Untericht - reden um mein Leben und dabei unterhaltsam sein, und supergut erklären um Fragen zu verhindern, sind meine Stärken.

Irgendwann ausgebrannt fragte ich schüchtern einen Prof. (Zum Ersten Mal nach Jahren), ob er ein Mic. benutzen könne, ich hätte Probleme ihn zu verstehen (Hörsaal gerammelt voll, Leute auf den Seitentreppen am Boden sitzend) - er sagte nehmen Sie doch ein Hörgerät.

Der Versuch scheiterte - habe mehr Leute beim Essen und Geräusche machen usw. gehört als ich ertragen konnte, Geräusch orten ein Riesenproblem, nicht vorhandene Menschen in meiner Wohnung usw - also warf ich hin. Alles.
Auf die Idee Hilfe zu holen bzw. Studienberatung bin ich (leider) nicht gekommen.

Ich ging ins Ausland über 12 Jahre, und habe gleichzeitig meine Angst bei Flügen usw, was zu verpassen überwunden. In Asien angelangt fühlte ich mich wohl, und Hörproblemen vermischten sich mit Verständigungsproblemen sprachlicher Art - das war tolerierbar.

Mit Familie und Kindern, musste ich dann doch wieder nach D. - habe mir wieder einen Job erarbeitet, beim Staat in gesicherten Verhältnissen und bin nun, abermals an einem Punkt (mittlerweile fast 9 Jahre wieder hier) wo ich quasi ein Stresssyndrom entwickelt habe und nur noch ausgepowert bin, beruflich, wie privat).
Niemand glaube aber bitte, dass beruflich "geschlafen" wird.
Auch meine hörenden Kollegen sind am Limit.

Langer Rede - nun die Situation:
Der Entschluss mich mit Hörhilfen versorgen zu lassen ist nun da - ich "wurde weich genug gekloppt" - der AG droht mit Dienstunfähigkeit, das ist ein Riesenthema für sich, weil ungerecht.

Ich habs auch satt ständig erklären zu müssen, warum ich funktioniere, auch wenn ich keine Hörhilfen habe. ("sieh, der hört ja doch";" wie telefoniert der" (Antwort Interpretation und ich bin nicht taub!)

... ich habe Panik vor dem Versuch.

Irgendwie habe ich beim Job so ne Art Paranoia entwickelt, die dazu führt, das ich arbeite wie ein Wahnsinniger und immer denke es sei nicht genug, und mich dabei selbst beobachte ja keine Fehler zu machen und die schiere Panik habe, die Kontrolle zu verlieren.
(Ich bin quasi ein Kontrollfreak, - woher kommts!?) Wink

Dadurch bin ich am Limit, und weit darüber hinaus ...

1. Die Panik besteht auch darin, das ich befürchte durch die Neuanpassung, und ggf (?!?) Reizüberflutung, noch zusätzlichem Stess ausgesetzt zu sein, der mich noch weit übers "am Limit" hinausträgt.
2. Wenn ich hier so, im Forum, lese - ihr habt voll die Ahnung und schmeißt mit Begriffen um euch, achtet auf Dinge, von denen ich nur Bahnhof verstehe. ... muss ich jetzt auch noch Experte auf diesen Gebiet werden ?!

3. Wie ist eigentlich mein Schaden im Laiensprachgebrauch einzustufen?

4. Ist nach so langer Zeit eine Besserung möglich - mein Hirn muss sich ja nun anders entwickelt haben, was ich so lese?

5. Die Audiogramme variieren, aber ich kapiere nicht, wenn ich meisterhaft interpretiere und mich dabei höllisch anstrenge, und richtig liege, wie diese Anstrengung dann eben nicht gemessen wird? Bei mir ist das wie beim Pavlowschen Hund. Du sagst Test, dann laufen bei mir die Motoren auf Höchsttouren.
Sowieso kapiere ich das Audiogramm erst seit einer Woche, ein wenig, dank hier.

6. Was mich noch nervt ist, wenn Kollegen über Wichtiges diskutieren, was dann auch mich betrifft (Einteilung/Urlaub o.Ä.) und ich dann gefragt werde, ob ich das ok finde, sag ich ja, weil ich das Gehörte und die Folgen/Taktik in der kurzen Zeit nicht interpretieren kann und ziehe somit die A Karte. Auch gehe ich Konfliktsituationen aus dem Weg wg. der verbratenen Energie, und habe so auch oft Nachteile, was mich ärgert.

Oft , geh ich aus so einer Besprechung raus und habe nen Teil vergessen, worum es ging, oder welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, obwohl ich dem Gespräch hochkonzentriert folgen konnte ! - Übel.

Oder jmd. legt mir Anträge/Papiere vor und stellt gleichzeitig dazu Fragen oder redet einfach, dann werd ich quasi "blöd" (so empfinde ich das) und kann den Inhalt des Papierkrams nicht erfassen, wenn die Person (quasi in Erwartungshaltung) vor mir steht - als ob diese mein Hirn wegsaugt würde, quasi Richtung Person.

Im reinen Zwei Personenmodus komme ich sehr gut klar - es sei den die Person ist unsympathisch, Vollbart, oder beißt beim Reden ... Laughing

Leider hat mich die Behinderung auch ein wenig zu empathisch gemacht, dass ich mitunter auch verdeckte Botschaften höre, oder Aggressionen intensiver wahrnehme, was nicht immer von Vorteil ist.

Hoffentlich hab ichs nicht überfrachtet, das ist mein erstes Posting, und mein erster Schritt, Kontakt zu Gleichgesinnten/- betroffenen aufzunehmen.

Bitte nicht die Schuldfrage diskutieren - das hat mir der Bertriebarzt vorgeworfen, hättste, Wennste, könnste- und mich, mit sich selbst zerstörenden Profifussballern (O-Ton) verglichen, was ich total daneben fand, aber nun ja.

Ich schaue nun in die Gegenwart und Zukunft, und hoffe es ist noch nicht zu spät.


Schöne Grüße, und lieben Dank für die Aufmerksamkeit.

Frank

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Dieser Beitrag wurde 5 mal editiert, das letzte Mal am 01.11.2017, 10:02 von FAJ.