#1 25.06.2018, 19:43
Rondomat Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.03.2017
Beiträge: 245


1  Bewertung/en: 100 Betreff: Rondo(mat) und Sonnet - eine neue Hör-Reise beginnt
Hallo zusammen,

Nun trage ich als alter Rondomat, also beidseitiger Med-El Rondo-Sprachprozessor-Träger, seit einigen Tagen die Med-El Sonnet-Prozessoren, um dem Ziel des bestmöglichen Hörens wieder einen Schritt näher zu kommen.

Die Testphase war ja im Februar, und nun endlich hat die Krankenkasse ihren Segen dazu gegeben.

Aber nun zum Thema. Wer den Unterschied der Prozessoren noch nicht kennt:

Rondo ist ein Prozessor, der aus einem Stück besteht, ohne Kabel und Spulenträger, also wie ein etwas grösserer Knopf, der per Magnet über dem Implantat haftet. Von Cochlear gibt es auch so ein Ding, "Kanso" genannt. Das ist bequem in Handhabung und Tragen, vor allem für Brillenträger. Und solide sind die Dinger auch, nach einem Freifall über eine zwanzig Meter lange Rolltreppe hat es nur kurz geblinkt .... und weiter gehört damit. Aber der Nachteil: Je nach Position des Implantats hört man eher nach hinten (in meinem Fall), es gibt nur ein Mikrofon und Richtcharakteristik ist keine vorhanden. Da muss das Gehirn richtig was schaffen, wie die Schwaben sagen. Auch ein kurzes Wischen (Scherbewegung horizontal) lässt die Rondos gerne mal herumfliegen. Gut, dass da Magnete drin sind!

Jetzt zu den Sonnets: Das ist jetzt keine absolute Neuentwicklung, aber die momentan aktuelle letzte Generation der HdO-Prozessoren von Med-El. Das klemmt man hinter das Ohr, ein kurzes Kabel führt zum Spulenträger und der sitzt über dem Implantat. Vorteil: Die 2 Mikrofone sind weitgehend in Ohrennähe, das nach vorne positionierte Mikrofon kann mit einer Richtcharakteristik konfiguriert werden, die dann dafür sorgt, dass man den Input hervorgehoben angeboten bekommt, der in Blickrichtung liegt. Das ist super und funktioniert zumindest bei mir optimal. Auch der Stromverbrauch ist annähernd um ein Drittel geringer. Nachteil: Empfindlicheres Handling wegen Kabel und Spulenträger, notwendige Filterwechsel alle paar Monate, manchmal reibt die Brille, jeden Abend in die Trockenbox, Windgeräusche sind deutlicher hörbar (aber der Windgeräuschfilter funktioniert nach kurzer Detektion der Geräusche ganz passabel). Was mir fehlt, ist ein richtiger Knopf zum An- und Ausschalten, da die Dinger jetzt spritzwassergeschützt sind, geht das wohl nicht mehr so einfach. Dafür habe ich jetzt ein Programm geopfert, das liefert mir nun Ruh' auf Knopfdruck.

Aber nun das Wichtigste - wie klingt das denn jetzt?

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass meine beiden Ohren recht unterschiedlich sind: das rechte, erstimplantierte (nach 40 Jahren Taubheit) tut sich noch sehr schwer, alles klingt verdammt weit weg. Das linke, zwei Jahre später implantierte CI hat von der ersten Minute super funktioniert. Wichtig ist das Zusammenspiel: irgendwann hat es "klick" gemacht und beide CIs arbeiten vom Höreindruck annähernd so, als ob beide gleich gut wären. Das ist erstaunlich und wird als "Verschränkungseffekt" bezeichnet. Das kommt mir jetzt zugute beim Nutzen der Richtmikrofone. Ich höre jetzt priorisiert aus der Blickrichtung, bekomme aber vom Umfeld noch genug mit. Das teste ich jetzt noch einige Zeit, vor allem, ob ich mit meiner Möglichkeit, die Mikro-Empfindlichkeit regeln zu können, das soweit beeinflussen kann, um alle Hörsituationen gut abdecken zu können. Aber es läuft wohl darauf hinaus, dass ich die Fernbedienung viel weniger benutze als zu Rondo's Zeiten. Ein neuer Höreindruck für mich ist, dass ich nun auch seitlich sich vorbei bewegende Objekte - Autos, Menschen usw. ziemlich treffsicher orten kann, wenn sie von rechts oder links hinten an mir vorbeikommen. Ein weiterer grosser Pluspunkt. An die Automatiken wie automatische Lautstärkeanpassung und noch einige andere feine Sachen muss ich mich gewöhnen - die arbeiten mit kurzer Verzögerung, aber das ist für mich akzeptabel.

Das Klangbild ist sehr weich und rund gegenüber den Rondos, die etwas "technischer" klangen. Offenbar nutzt der Sprachprozessor vor allem im Tieftonbereich seine neuere Technik, was dem Sprachverstehen zunächst entgegenläuft - alles klingt dumpfer - aber jetzt, nach einigen Tagen, habe ich mich daran gewöhnt und es ist entspannter.

Meine Sprache ist leiser geworden, ich rede viel entspannter, weil ich auch mit weniger Lautstärke genauso gut verstehe wie mit dem lauteren Input der Rondos. Das war schon in meinen Testwochen so und mein Blutdruck hat sich auch schon bedankt in Form von wieder recht ordentlichen Werten. Auf dem Rottenburger Neckarfest am Wochenende, wo es - auch Dank Deutschland-Schweden - recht laut zuging, war das ein Segen.

Das alles ist natürlich erst der Anfang von neuen Höreindrücken, da wird sich sicher noch einiges tun - und es wird noch einiges zu korrigieren sein. Aber jetzt lasse ich das erstmal auf mich wirken.

Und Telefon? Wie geht das jetzt?

Ich hatte mir für die Rondos ja eine kleine Kopfhörerlösung gebastelt, die ich nun nicht mehr brauche. Im Moment telefoniere ich per Induktion, das klingt nicht so richtig gut, aber für den Anfang ist das ausreichend. Ich nehme in Kürze an einem CI-Technikseminar teil, da teste ich mal verschiedene Möglichkeiten durch, dann sehe ich weiter.

Hat sich der Umstieg gelohnt? Es gibt ja auch CI-Träger, die mit den Sonnets gar nicht klar kamen ......

Ja! Auf jeden Fall, denn im Störschall habe ich kaum noch Probleme, es ist Dank der Richtmikrofonie, viel Training (auch schon mit den Rondos) und dem natürlicheren Klang ein entspannteres Hören und vor allem Verstehen, da wechsle ich doch gerne alle drei Monate die Filter und die neuen Trockenboxen sind auch ein prima Schlafzimmer für die beiden Racker ....
Viele Grüsse, Rainer
_________________________________

Ich habe dauernd Med-el's im Kopf ....
↑  ↓

Seiten (1): 1

Interessantes für Gäste und User ohne Beitrag in den letzten 100 Tagen ...



Alle Zeitangaben in GMT +01:00. Aktuelle Uhrzeit: 23:14.