#1 09.08.2018, 20:55
keepitreal Abwesend
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Betreff: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
Hallo!

Bei unserem Sohn wurde mit 4,5 Monaten eine mittelgradige Schwerhörigkeit beidseits diagnostiziert.

Vor der BERA liefen im Alter von ca. 2 Monaten noch mehrere OAEs, eine Tympanometrie und ich glaube auch noch einige andere kleinere Tests. Zu dem Zeitpunkt hatte er allerdings noch eine Erkältung und es war immer unklar, ob die Tests aufgrund von Paukenergüssen nicht das gewünschte Ergebnis zeigten oder ob wirkliche ein SH vorliegt.
Dann kam die BERA im Spontanschlaf (er schlief wirklich sehr gut) und brachte hervor, dass er beidseits erst ab ca. 50 dB hört.
Leider wurde uns zum Ergebnis der BERA nicht viel gesagt.
Nun hat er seit 4 Wochen Hörgeräte, die er auch problemlos akzeptiert.
Zu Beginn (die ersten 2 Tage vielleicht) meinten wir einen deutlichen Unterschied in seiner Kontaktfreudigkeit zu bemerken. Er blieb länger 'im Gespräch' und reagierte auch auf Ansprache viel besser. Der Effekt hat allerdings sehr schnell wieder nachgelassen und wir bemerken nun eigentlich keinen Unterschied mehr in seiner Reaktion auf Geräusche und Ansprache mit und ohne Geräte. Manchmal reagiert er, manchmal nicht. Zuerst dachten wir, es liegt an der (zu) niedrigen Einstellung. Diese Woche wurden die Geräte aber nochmal neu angepasst und deutlich stärker eingestellt. Wieder dasselbe. Zu Beginn war er total aufgeregt und er klammerte sich richtig an mir fest, die Geräusche schienen nur so auf ihn einzuprasseln und er weinte auch ein bißchen aufgrund der Irritation. So dachte ich zunächst, sie wären vielleicht zu laut eingestellt. Er erprobte auch richtig seine Stimme und war sehr laut dabei, was man sonst nicht so von ihm kennt. Schon an Tag 2 allerdings konnte man keinen wesentlichen Unterschied mehr feststellen, ob er die Hörgeräte nun drin hat oder nicht. Mit und ohne Hörgeräte reagiert er oft mit Augenblinzeln auf Geräusche, die mir gar nicht so laut vorkommen und auf andere Geräusche reagiert er wiederum nicht, wo ich eine Reaktion erwarten würde.
Hat vielleicht jemand dieselbe Erfahrung gemacht? Ist das normal so?

Vielleicht kann uns jemand die Testergebnisse der BERA noch etwas erklären?

Vielen Dank schonmal!
keepitreal

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#2 09.08.2018, 20:58
keepitreal Abwesend
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Betreff: Re: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
hier noch die weiteren Ergebnisse..

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#3 09.08.2018, 21:01
keepitreal Abwesend
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Betreff: Re: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
und noch mehr..

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#4 09.08.2018, 23:00
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
Hallo keapitreal,

herzlich willkommen!

Zunächst gleich eine Frage zu den eingestellten Diagrammen: sind diese wirklich vollständig? Hilfreich wären bspw. noch die Ergebnisse der Messungen mit höheren Reizpegeln, um den Verlauf besser einschätzen zu können etc.
Insbesondere bei den Ergebnissen der Klick-BERA scheint da etwas zu fehlen, zumal ich die Hörschwellen auf Grund dieser gar nicht erkennen kann.

Hier meine Sichtweise:

Zunächst nur zu den Hörschwellen: ich finde, dass diese insgesamt eher etwas tiefer liegen, wobei ich die höchsten Werte bei um die 50 dB ansiedle.

Sind denn für die Einstellung der Hörgeräte die Hörschwellen bei mindestens einer Frequenz im Tieftonbereich angegeben? Aus den (eingestellten) Diagrammen kann ich diese jedenfalls nicht ermitteln (da entsprechende Ergebnisse fehlen). Laut Empfehlung DGPP müsste jedoch ein Wert für eine Hörschwelle im Tieftonbereich vorhanden sein.

Laut dieser Empfehlung fehlen ebenso die Ergebnisse der Tympanometrie Und die der TEOAEs bzw. die DPOAEs (es bringt nicht viel, wenn diese zu einem früheren Zeitpunkt, als vermutlich Paukenergüsse vorhanden waren, durchgeführt wurden):

Zitat von keepitreal:
Vor der BERA liefen im Alter von ca. 2 Monaten noch mehrere OAEs, eine Tympanometrie und ich glaube auch noch einige andere kleinere Tests. Zu dem Zeitpunkt hatte er allerdings noch eine Erkältung und es war immer unklar, ob die Tests aufgrund von Paukenergüssen nicht das gewünschte Ergebnis zeigten oder ob wirkliche ein SH vorliegt.


Was mir noch auffällt: es macht den Anschein, als würden die Schwellen bei den höheren Frequenzen tiefer liegen. Von daher gesehen wäre es interessant, noch Ergebnisse von Messungen mit tieffrequenten Reizen zur Hand zu haben. Dies scheint - wie bereits erwähnt - nicht der Fall (möglicherweise liegen die Hörschwellen dort höher, was eher etwas ungewöhnlich ist (jedoch natürlich vorkommen kann)).

Von daher gesehen wäre es besonders wichtig, noch die Hörschwellen bei einer Frequenz im Tieftonbereich zu bestimmen. Vielleicht müsste man die Verstärkung im Hochtonbereich etwas zurück nehmen, die im Tieftonbereich jedoch etwas erhöhen.

Dies vorerst.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#5 10.08.2018, 07:54
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
Nachtrag:

Die Hörschwellen wurden bei den Frequenzen 1 kHz, 2 kHz und 4 kHz ermittelt und liegen bei den tieferen etwas höher und insgesamt bei etwa 50 dB bzw. etwas darunter.

Die Schwellen auf Grund der Klick-BERA (ebenfalls im Hochtonbereich) kann ich nicht erkennen (scheinen aber über 30 dB zu liegen).

Es wurde offenbar keine BERA durchgeführt, auf Grund welcher sich auf die Hörschwelle bei mindestens einer Frequenz im Tieftonbereich schliessen (jedenfalls ist dies aus den Unterlagen nicht ersichtlich).

Wurden auch keine Verhaltens- und Reflexaudiometrie durchgeführt und die Stapediusreflexe überprüft?

Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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#6 10.08.2018, 09:56
keepitreal Abwesend
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Betreff: Re: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
Guten Morgen!

Vielen Dank für deine schnelle Antwort! Es hilft schon sehr, so ein bißchen Klarheit reinzubringen und sich nochmal aktiv damit auseinanderzusetzen.

Also, in dem Arztbrief mit 4,5 Monaten steht für die Klick-BERA 2-4kHz >40 links und rechts. Mehr wurde also anscheinend für die Knochenleitung nicht getestet.
Die Chirp-Messungen erfolgten bei 1, 2 und 4 kHz und liegen alle zwischen 40-50 dB. Diagnose lautet sensineurale Schwerhörigkeit beidseits.
Weitere Test wurden nicht gemacht. Mit der Knochenleitung steht aber wohl fest, dass es eine Innenohrschwerhörigkeit bzw. ein Problem im Gehirn ist, oder?
Die anderen Test sind im Alter von 2 Monaten erfolgt und mit Schnupfnase. In dem alten Arztbrief steht noch:
Tympanogramm bei 1000 Hz rechts gifpelbildend in den Unterdruckbereich verschoben, links flach
TEAOE bis nicht reproduzierbar
DPOAE rechts bei 6kHz nachweisbar, links nicht nachweisbar
AABR bds. kontrollbedürftig
Diagnose: unklares Hörvermögen bei derzeitigem Infekt.

Eine Verhaltensaudiometrie wurde nun erst kürzlich mit den Hörgeräten gemacht und dabei wurde dann fesgtestellt, dass die Einstellung wohl nicht so optimal ist, also die Verstärkung zu schwach. Daraufhin haben wir den Akustiker nochmal gewechselt zu einem, der sich ausschließlich mit Kindern beschäftigt.
Hier wurde nun nach Verhaltensaudiometrie ohne Hörgeräte nochmal nachjustiert und dann nochmal mit den neu eingestellten Geräten getestet. Laut dem Akustiker decken sich wohl die Ergebnisse der Verhaltensaudiometrie weitgehend mit der BERA, nur hat er den typischen Hochtonverlust wohl größer eingeschätzt und dort nochmal mehr verstärkt, in den tiefen Bereichen eher etwas rausgenommen. Nach deiner Aussage wäre das jetzt ja entgegen dem BERA- Ergebnis, ich werd da nochmal nachhaken.
Die Begrenzung liegt aktuell übrigens bei 95dB. Recht hoch, oder?

Die nächste BERA steht Anfang September an. Welchen Informationsgewinn habe ich durch eine Stapediusreflexmessung und warum ist ein Test des Tieftonbereichs so wichtig oder wäre das einfach Standard? Welche Tests würden uns noch helfen die Hörstörung besser abzugrenzen?

Vielen Dank und viele Grüße!
keepitreal
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#7 10.08.2018, 11:47
fast-foot Abwesend
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Betreff: Re: Unser Sohn ist mittelgradig schwerhörig, wer kann uns die Testergebnisse besser erklären?
Hallo keepitreal,

hier meine Sichtweise:

Zitat von keepitreal:
Weitere Test wurden nicht gemacht. Mit der Knochenleitung steht aber wohl fest, dass es eine Innenohrschwerhörigkeit bzw. ein Problem im Gehirn ist, oder?

Das Problem ist, dass die Ergebnsse der Messungen generell nicht unbedingt die tatsächlich vorhandenen Hörschwellen repräsentieren müssen, insbesondere bei Kindern im Alter von wenigen Monaten. Deshalb ist es gut, wenn man für die Hörschwellen und insbesondere auch den/die Orte der Störung/en mehrere Hinweise nutzen kann etc.


Zitat von keepitreal:
Die anderen Test sind im Alter von 2 Monaten erfolgt und mit Schnupfnase. In dem alten Arztbrief steht noch:
Tympanogramm bei 1000 Hz rechts gifpelbildend in den Unterdruckbereich verschoben, links flach
TEAOE bis nicht reproduzierbar
DPOAE rechts bei 6kHz nachweisbar, links nicht nachweisbar
AABR bds. kontrollbedürftig
Diagnose: unklares Hörvermögen bei derzeitigem Infekt.

Diese Ergebnisse kann man eigentlich nicht brauchen. Nur als Beispiel: besteht eine Mittelohrproblematik auf Grund eines Infekts, so ist nicht klar, ob die auffälligen Tympanometrieergebnisse (links) ausschliesslich darauf zurück zu führen sind, oder ob zusätzlich eine nicht passagere Störung der Mittelohrfunktion vorliegt. Das Selbe gilt dann in Bezug auf die Ursache der nicht reproduzierbaren TEOAEs und die nicht nachweisbaren DPOAEs (dies kann ausschliesslich auf den Infekt zurück zu führen sein - muss aber nicht).


Zitat von keepitreal:
Laut dem Akustiker decken sich wohl die Ergebnisse der Verhaltensaudiometrie weitgehend mit der BERA

, nur hat er den typischen Hochtonverlust wohl größer eingeschätzt und dort nochmal mehr verstärkt, in den tiefen Bereichen eher etwas rausgenommen. Nach deiner Aussage wäre das jetzt ja entgegen dem BERA

- Ergebnis, ich werd da nochmal nachhaken.

Ich verfüge über gar keine Informationen, über welche sich (einigermassen eindeutig) auf die Hörschwellen im Tieftonbereich schliessen lässt. Eine frequenzspezifische BERA mit entsprechenden Reizen wurde nicht durchgeführt, oder Du hast die Ergebnisse nicht eingestellt (vielleicht auch nicht erhalten).

Auf Grund einer ("optischen") Sichtung der Potentialkurven der "Chirp-BERAs" habe die Hörschwellen abgeschätzt wie folgt:

Rechts bei der Frequenz 1 kHz bei 45 dB und bei 4 kHz bei 35 dB (die Kurven für 2 kHz liegen nicht bei oder habe ich übersehen).

Links bei der Frequenz 1 kHz liegt sie bei 50 dB und bei 2 kHz und 4 kHz je bei 40 dB.

Das deckt sich so inetwa mit den Angaben im Arztbericht:

Zitat von keepitreal:
Die Chirp-Messungen erfolgten bei 1, 2 und 4 kHz und liegen alle zwischen 40-50 dB. Diagnose lautet sensineurale Schwerhörigkeit beidseits.

Wobei, wie bereits geschrieben, mehr Informationen auch helfen, die Diagnose besser ab zu sichern.

Auf Grund des Verlaufs im Hochtonbereich (die Hörschwellen nehmen gegen tiefe Frequenzen hin zu) könnte man zumindest in Erwägung ziehen, ob die Hörschwellen bei noch tieferen Frequenzen noch tiefer liegen.


Zitat von keepitreal:
Welchen Informationsgewinn habe ich durch eine Stapediusreflexmessung und warum ist ein Test des Tieftonbereichs so wichtig oder wäre das einfach Standard? Welche Tests würden uns noch helfen die Hörstörung besser abzugrenzen?

Die Ergebnisse der Stapediusreflexmessungen können Hinweise liefern, ob (ausschliesslich) eine Dysfunktion der OHCs im Innenohr vorliegen könnte (dann sind sie unauffällig) oder eine andere Problematik (bei einer ausschliesslichen Schallleitungskomponente liegen die Schwellen bedeutend höher).
Ausserdem kann man je nachdem Rüschlüsse ziehen, ob der afferente oder der efferente Hörnerv (rechts oder/und links) eine Störung aufweist.

Mindestens eine Angabe für eine Hörschwelle im Tieftonbereich wird von der DGPP empfohlen - das scheint mir für die Einstellung der Hörgeräte äusserst sinnvoll.

Dann ist auch der überschwellige Bereich der BERAs hilfreich. Man kann bspw. auf Grund der Entwicklung der Latenzen erkennen, ob die OHCs im Innenohr arbeiten. Auch kann man (nur als Beispiel) aus einer im überschwelligen Bereich unauffälligen Entwicklung der Welle JI (der Potentialkurve) zumindest die Vermutung hegen, dass die Störung nach dem Uebergang zum Hörnerv liegen könnte) etc. etc. etc.

Je nachdem wäre eine andere Einstellung des Hörgerätes in Bezug auf die Dynamik sinnvoll (wie auch bei einer Schallleitungsproblematik) etc.

Dies sind nur ein paar Aspekte, welche ich herausgegriffen habe.


Grussf fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
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