#1 09.01.2019, 11:15
FrR Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.01.2019
Beiträge: 5


Betreff: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Liebe Forumsmitglieder,

ich bin neu hier und dies aus aktuellem Anlass - leider. Bei meinem kleinen Sohn (1 Jahr und 5 Monate) wurde gestern eine Bera gemacht, die ein sehr schlechtes Resultat zeigt: Er hört danach erst bei 80 db. Das Schockierende daran war für uns, dass er bei einer OAE beim Pädaudiologen bei 35 db noch 75 Prozent hörte. Daher meinte der Arzt zu uns, dass unser Sohn wohl nur eine leichte Schwerhörigkeit hat, die vielleicht sogar entwicklungsbedingt ist. Jetzt dieser Schock! Wir wissen nicht weiter und sind am Boden zerstört. Ich wende mich daher an euch mit einigen Fragen und bin glücklich über jede Rückmeldung!

Mein Sohn soll morgen Hörgeräte bekommen. Ich mache mir große Sorgen, weil er sie jetzt ERST mit 1,5 Jahren bekommt. Wie sind eure ERfahrungen: Wird er überhaupt noch richtig sprechen lernen können oder sind wir jetzt schon viel zu spät dran?

Hat jemand Erfahrungen mit solch einem Fall? Wie war die weitere Entwicklung des Kinders: Konnte es in eine Regelschule gehen, vielleicht sogar Abitur machen und studieren? Oder ist dies nunmehr ausgeschlossen?

Wie verfahre ich jetzt am besten weiter? Ich habe schon die Frühförderstelle kontaktiert und werde auch einen DGS-Kurs mit ihm machen. Was kann ich noch tun, um ihn beim Sprechenlernen zu unterstützen?

Vielleicht dazu noch ein, zwei Infos: Er brabbelt ununterbrochen und kann auch Ball und Mama sagen. Wenn ich ihn rufe und er mich dabei nicht sieht, reagiert er dennoch auf seinen Namen (außer er ist zu sehr im Spiel vertieft). Er ist insgesamt ein sehr aufgeschlossenes Kind, das gerne mit anderen spielt und dabei wild und ausgelassen ist. Er lacht gerne und viel und ist insgesamt sehr glücklich. Ich mache mir jetzt große Sorgen, dass ich ihm dadurch, dass wir jetzt erst mit der Hörgerätversorgung anfangen, viele Chancen verbaut habe. Was meint ihr dazu? Gibt es hier Erfahrungen?

Ich bedanke mich für alle Ratschläge.

Ganz liebe Grüße!
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#2 09.01.2019, 12:32
Dani! Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.03.2012
Beiträge: 486


Betreff: Re: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Hallo FrR,
so wie du dein Kind beschreibst, geht es ihm in seinem Alter mit dem Hören besser als mir im selben Alter. Ich war laut Aussage meiner Eltern bis ich 4 Jahre alt war permanent krank, apathisch und habe auf praktisch nichts reagiert.
Mit 4 Jahren hat endlich ein Arzt richtig diagnostiziert, dass ich keine geistige sondern körperliche Behinderung habe, nämlich hochgradige Schwerhörigkeit. Meine dauernden Krankheiten waren von einem auf den anderen Tag weg. Meine Grundschulzeit habe ich in einer Sonderschule für sprachverzögerte Kinder verbracht (das wird bei deinem Sohn eher nicht passieren, da er ja jetzt schon entweder besser hört bzw. in nächster Zeit mit HGs versorgt wird.) Mein Abitur an einem Gymnasium einer Regelschule war im Mittelfeld, nicht etwa wegen der Schwerhörigkeit, sondern wegen meiner ausgeprägten Faulheit zu Hause zu lernen. Mein Studium habe ich so gewählt, dass es wie ein Klassenverbund war, also kein riesiger Hörsaal. Wobei heutige Hörsäle deutlich besser für HG-Träger ausgestattet sind als vor 20 Jahren.

Kurz: Nur wegen einer Hörschädigung oder gar verspäteten Hörgeräteversorgung ist ein Studium nicht zum Scheitern verurteilt.
Ob DGS notwendig ist, kann ich nicht beurteilen. Schaden tut es sicher nicht. Ich bedaure es jedenfalls, dass ich es im Gegensatz zu meinen Bekannten vom Stammtisch nicht gelernt habe.
R+L: 125Hz/10dB 250Hz/20dB 500Hz/35dB 1k/80dB 2k/90dB >=3k/--
Seit 2018: Phonak Naida B70-SP
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#3 09.01.2019, 13:12
fast-foot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 12.10.2008
Beiträge: 5.624


Betreff: Re: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Hallo FrR,

hier meine Sichtweise.

Zitat von FrR:
Wird er überhaupt noch richtig sprechen lernen können oder sind wir jetzt schon viel zu spät dran?

Ich denke, das kann man nicht ausschliessen bzw. gibt es im Moment keine konkreten Hinweise, welche dagegen sprechen.


Zitat von FrR:
ich bin neu hier und dies aus aktuellem Anlass - leider. Bei meinem kleinen Sohn (1 Jahr und 5 Monate) wurde gestern eine Bera gemacht, die ein sehr schlechtes Resultat zeigt: Er hört danach erst bei 80 db.

Um was für eine BERA handelte es sich genau (Click-BERA)? Wurden Paukenergüsse ausgeschlossen? Diese können das Resultat um bis zu 30 dB verschlechtern, wobei sie in der Regel von selbst abklingen oder sich einigermassen gut behandeln lassen.


Zitat von FrR:
Mein Sohn soll morgen Hörgeräte bekommen. Ich mache mir große Sorgen, weil er sie jetzt ERST mit 1,5 Jahren bekommt. Wie sind eure ERfahrungen...

Welche Untersuchungen wurden denn durchgeführt?

Laut Empfehlung DGPP müssten im Minimum folgende vorgenommen worden sein:

Tympanometrie, TEOAEs, ev. DPOAEs, Verhaltensaudiometrie, Stapediusreflexe ipsi- und kontralateral, BERAs so, dass die Hörschwellen bei mindestens drei Frequenzen (im Hoch- und Tieftonbereich) abgeschätzt werden können.

Bei Interesse kannst Du sämtliche Berichte, Untersuchungsergebnisse (insbesondere auch die Potentialkurven ("Zick-Zack-Linien") der BERA(s) anonymisiert hier hochladen, so dass ich mir ein genaueres Bild der Hörstörung machen kann.

Ich möchte noch auf folgende Seite verweisen:

https://www.kestner.de/...ehrung.htm

Dies vorerst.


Gruss fast-foot
Ausgewiesener Spezialist* / Name: Wechselhaft** / Wohnsitz: Dauer-Haft (Strafanstalt Tegel) / *) zwecks Vermeidung weiterer Kollateralschäden des Landes verwiesen / **) Name fest seit Festnahme
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 09.01.2019, 13:14 von fast-foot. ↑  ↓

#4 09.01.2019, 15:45
FrR Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.01.2019
Beiträge: 5


Betreff: Re: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Liebe Dani, liebe fast-foot,

vielen Dank für eure schnellen Antworten! Es hat mich sehr erleichtert, dass du Dani, von einem so schönen Lebensweg berichtet hast. Das macht mich unendlich glücklich. Es macht mir große Angst, meinem Sohn unter Umständen alle Chancen verbaut zu haben, weil mir nichts früher aufgefallen ist.

Liebe Fast-foot, bei uns ist erst eine OAE gemacht worden, eine Tympanometrie und eine Bera. Ich versuche, die Bera zu anonymisierung und hochzuladen. Der Arzt in dem KH, in dem wir dies gemacht haben, ist kein Pädaudiologe und verwies uns daher an die Uniklinik. Hier haben wir aber erst in einem Monat einen Termin. Ich möchte auf keinen Fall so lange warten und habe daher mit unserem niedergelassenen Pädaudiologen besprochen, bereits auf dieser Basis Hörgeräte machen zu lassen, damit wir keine unnötige Zeit verlieren.

Danke für den Hinweis auf deine Seite!

Viele liebe Grüße!
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#5 09.01.2019, 15:46
FrR Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 09.01.2019
Beiträge: 5


Betreff: Re: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Achso: Mein Sohn hatte übrigens vor Weihnachten eine OP, bei der die Polypen herausgenommen wurden. Vorher litt er offenbar (wir hatten es nicht gemerkt) an ständigen Paukenergüssen. Diese sollen aber nach dem Einsetzen von Röhrchen (die auch intakt sind) jetzt weg sein. Nach der OP hatte sich seine Lautbildung übrigens verbessert, plötzlich kamen neue Buchstaben und Laute dazu und ich hatte den Eindruck, dass er viel besser als vorher reagierte.
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#6 10.01.2019, 00:18
Birkbot Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 25.07.2018
Beiträge: 76


Betreff: Re: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Ich selber wurde erst mit 3 1/2 Jahren mit HGs versorgt bei ner mittel- bis hochgradigen Schwerhörigkeit. Ich habe Regelschulen besucht und mein Abi (wie Dani!) auch mit mittelprächtigen Ergebnissen gebaut - aus denselben Gründen :-) Ich spreche ohne Probleme, ich fühle mich eher nicht behindert durch meine SH. Also im Moment würde ich sagen, dass euer Kind noch alle Chancen hat.
Aber ich muss auch sagen, dass ich wahrscheinlich nicht das geworden wäre, was ich bin, wenn meine Mutter mich nicht im Sprachlernprozeß massiv unterstützt hätte und mich nicht immer wieder korrigiert hätte, wenn ich was nicht richtig gesagt hätte.
Wobei meine SH noch n gutes Stück leichter ist als die von euerm Sohn. Ich wünsche euch aber trotzdem alles Gute und gebt nicht auf!
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#7 16.01.2019, 10:24
Latara Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 15.01.2019
Beiträge: 5


Betreff: Re: Schwerhörigkeit des Kindes mit 1 Jahr und 5 Mo festgestellt_Hilfe!
Liebe FrR,

bei meiner Tochter wurde die Schwerhörigkeit in etwa im selben Alter festgestellt, sie hört etwas besser (70 dB). Sie ist jetzt fünf Jahre alt und in einem Regelkindergarten und kommt im September in eine Regelschule. Sie redet gerne und viel und ist ein ganz normales Mädchen. Kopf hoch! Es ist nicht zu spät, Du kannst viel zur Sprachentwicklung Deines Sohnes Beitragen und ihm helfen, selbstbewusst damit umzugehen. Die Frühförderung hat mir damals gut geholfen und mir viele Tips zur spielerischen Förderung gegeben, das ist sicher ein guter Anfang Smiling

Liebe Grüße
Julia
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