#1 22.05.2019, 19:07
pepperpotts Abwesend
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Beiträge: 3


Betreff: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Hallo,

Ich bin ganz neu hier im Forum und hatte bIsland zur Schwerhörigkeit auch keinerlei Kontakt, das hat sich gestern geändert.

Nachdem ich seit ca einem halben Jahr mit einem Tinnitus Probleme habe, war ich gestern beim HNO, weil es sich seit einer Woche verschlechtert hat und ich allgemein schlechter höre. Ich habe schlimmstenfalls mit einem Hörsturz gerechnet, gestern wurde allerdings eine Innenohrschwerhörigkeit diagnostiziert. Leider habe ich es verpasst Fragen abseits von „Woher kommt das und geht das wieder weg“ zu stellen, weil ich echt ein bisschen schockiert war.

Ich bin 27 Jahre alt und die Probleme bestehen nur links. Links habe ich wohl einen Hörverlust von 10% - das klang für mich ehrlich gesagt nicht nach sehr viel. Das habe ich dem Arzt (der übrigens einen sehr kompetenten Eindruck macht und selbst ein wenig erschrocken über die Diagnose war) gestern auch so gesagt, woraufhin er erwiderte, dass er doppelt so alt sei wie ich und 0% Hörverlust hat, es demnach also für mein Alter schon nicht gerade wenig sei. Klingt für mich auch schlüssig. Außerdem sagte er, wenn ich das nicht mit einem Hörgerät unterstütze, werde ich in 10 bis 15 Jahren sicher gravierende Probleme haben. Das möchte ich natürlich auf keinen Fall. Jetzt zu meinen wahrscheinlich etwas dummen Fragen, aber wie gesagt, ich kenne mich absolut gar nicht damit aus.

- Stimmt ihr der Aussage zu, dass 10% für mein Alter nicht unbedingt als wenig zu bezeichnen sind?

Ich merke den Hörverlust zuhause quasi kaum, zumindest denke ich das. Für mich war bisher normal öfter mal nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Auf der Arbeit, mit all den Nebengeräuschen usw., wurde ich schonmal scherzhaft gefragt ob ich taub bin oder zu lange feiern war, aber auch das habe ich eher für normal gehalten, auch wenn ich schon sagen muss dass ich wirklich oft etwas nicht verstehe und Gesprächen zwischen mehreren Personen oft schwerer folgen kann.

Mir wurde von der Dame, die die Hörtests mit mir durchgeführt hat gesagt, die Krankenkassen zahlen grundsätzlich 700 Euro zu einem Hörgerät dazu.

- also meine erste Frage dazu: Stimmt das? Und meine zweite: wie teuer kommt mich denn so ein Hörgerät? Sie sagte, wenn ich ein gutes Hörgerät möchte, werde ich mit einer Zuzahlung von 300 - 600 Euro rechnen müssen. Wenn ich so lese, überkommt mich aber der Eindruck, dass das Ganze teurer wird.

- Wie läuft das mit der Krankenkasse? Laut Arzt dürfte es da keinerlei Probleme geben und die KK zahlt i.d.R. Immer ihren Anteil. Ich bin gesetzlich bei der Barmer GEK versichert.

Und dann, auch wenn ich hoffentlich eine kompetente Beratung erhalte, gerne mal an die Hörgeräterfahrenen: Worauf achte ich denn, beim Testen der HG? Wie sollte sich das für mich anfühlen und anhören?

Vielen Dank fürs lesen!
Liebe Grüße
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#2 22.05.2019, 20:55
Ohrenklempner Abwesend
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Beiträge: 1.769


Betreff: Re: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Hallo! Grinning

Erstmal wäre es interessant, woher diese ominösen 10% kommen. Ein Audiogramm wäre hilfreich! Wenn der Arzt der Meinung ist, du bräuchtest ein Hörgerät, hat er sicherlich ne Verordnung inkl. Audiogramm mitgegeben. Mit diesen Daten könnte man auf jeden Fall mehr sagen.

Zum Festbetrag für Hörgeräte von den Krankenkassen: Die Barmer zahlt für das Hörgerät 685,- Euro zzgl. 33,50 Euro für die akustische Ankopplung plus eine Reparaturpauschale für den betreuenden Akustiker. Wenn du eine Verordnung hast, auf dem der versorgungsfähige Hörverlust bescheinigt ist, zahlt die Krankenkasse auf jeden Fall.

Was ein "gutes" Hörgerät ist, lässt sich nur daran festmachen, was du für gut befindest. Ich sage, ein gutes Hörgerät kostet keine Zuzahlung. Einfacher Vergleich: Für den einen ist ein Dacia Logan ein gutes Auto, für den nächsten die Mercedes Benz S-Klasse.

Da du offenbar nur geringgradig hörgeschädigt bist, noch sehr jung bist und dein anderes Ohr noch sehr gut hört, brauchst du auch keine teure Technik am Ohr.
Um es mal kurz zu fassen: Günstige Hörgeräte geben deinem Ohr die Verstärkung, die ihm fehlt, damit das Ohr wieder möglichst gut hört. Ein "geringgradiges Ohr" braucht keine 20 Kanäle, keine Impulsschallunterdrückung, kein adaptives 360°-Multimikrofonsystem, keine Situationsautomatik und keinen Nachhallblocker.

Die Technik, die in einem Gerät steckt, macht letztlich auch den Preis aus.

Geh mal zu einem Akustiker (ein richtiger Akustiker und keine hörgeräteverkaufende Handelskette Wink ) und lass dich beraten. Als gesetzlich Versicherte muss dir in jedem Fall eine geeignete zuzahlungsfreie Versorgung angeboten werden. Und die gibt es immer. Lass dir keine hässliche stützstrumpffarbene Krücke als "Kassengerät" aufbinden – es gibt sehr schicke Hingucker (in vielen Farben), die jeder Akustiker problemlos zuzahlungsfrei anbieten kann.

Teste verschiedene Geräte, finde für dich selbst heraus, was dir wichtig ist, und entscheide dich nicht zu schnell!
Allons-y!
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#3 22.05.2019, 21:00
Tuchel48.1.1 Abwesend
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Beiträge: 268


Betreff: Re: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Hallo, Pepperpots, eine Innenohrschwerhörigkeit erleidet nicht nur ein alter Mensch, auch Kinder können schwerhörig werden. Das ist aber keine Katastrophe, das kann man gut mit Hörgeräten versorgen.

Warst du in der Vergangenheit in der Disco? Falls ja, laß es bleiben, der Riesen- lärm zerstört die Sinneszellen im Ohr, wenn die mal kaputt sind, kann sie keiner mehr aufrichten und auch ein Hörgerät kann kein hundertprozentiges Hören bescheren, dann wirst immer schwerhörig bleiben, und das Gehör kann deshalb schlechter werden. Willst du das?

Bei der Hörgeräte-Anpassung: Kein Hörgerät wird dir den gewohnten Klang wiedergeben, du wirst also damit rechnen müssen, daß der Klang anders ist. Aber auf gutes Verstehen solltest du achten. T-Spule wirst du bei dem geringen Hörverlust nicht brauchen, aber wenn die drin ist, schadet sie auch nicht!

Noch etwas: Gutes Hören ist wichtiger als die Unsichtbarkeit der Geräte! Heutzutage sind die Geräte ohnehin sehr klein, daß man sie nicht unbedingt verstecken muß!


Viel Glück bei der Anpassung!
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#4 22.05.2019, 21:38
pepperpotts Abwesend
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Beiträge: 3


Betreff: Re: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Danke euch beiden für die Antworte Smiling


Das habe ich neben der Verordnung mitbekommen. Bitte das Kulligeschmiere ignorieren, da hat er mir was erklärt.

In der Disco war ich nie viel, das war mir schon immer zu laut Laughing falls sich das auf die "zu viel gefeiert?" Frage oben bezieht, das ist so eine Standardfrage unseres Chefs wenn jemand ihn mal nicht versteht, mich fragt er das halt leider sehr oft Grinning

Laut meinem Arzt ist das entweder angeboren oder ich hatte irgendwann etwas in Richtung Hörsturz, was nicht behandelt wurde.

Klar, das Hören und vor allem das Vermeiden von einer weiteren Verschlechterung ist am Wichtigsten - wollte nur in etwa wissen, mit was ich da finanziell so rechnen kann, damit da nicht der nächste Schockmoment eintritt.
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#5 22.05.2019, 21:46
Ohrenklempner Abwesend
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Beiträge: 1.769


Betreff: Re: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Danke für das Audiogramm!
Die 10% scheinen mir aber total aus der Luft gegriffen.
Man könnte sagen, du hast einen Hörverlust von 20 dB.
Oder einen Diskriminationsverlust von 45% bei 65 dB.
Anderseits hast du einen Diskriminationsverlust von 0% bei 95dB.
Bei 80 dB hast du zufällig einen Diskriminationsverlust von 10%, aber es wäre sehr willkürlich, genau diesen Sprachpegel als Messlatte für den prozentualen Hörverlust zu nehmen. Wink

Zitat von pepperpotts:

wollte nur in etwa wissen, mit was ich da finanziell so rechnen kann, damit da nicht der nächste Schockmoment eintritt.

10 Euro Rezeptgebühr, es sei denn, du möchtest Extras. Wink
Allons-y!
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#6 22.05.2019, 22:01
pepperpotts Abwesend
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Dabei seit: 22.05.2019
Beiträge: 3


Betreff: Re: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Okay, jetzt kommt wieder mein Nicht-Wissen: was genau heißt das? Wenn ich google frage ist ein Hörverlust von 20dB sogar noch relativ im Normbereich, richtig? Also zumindest nicht "besorgniserregend"..?

Tut mir total leid, das sind sicher dumme Fragen, aber ich bin damit noch ziemlich überfordert. Sind die 45% Diskriminationsverlust viel?

Ist das in deinen Augen denn ein Fall für ein Hörgerät?
Bin gespannt was der Termin beim Akustiker ergibt, da wird ja auch nochmal getestet.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 22.05.2019, 22:02 von pepperpotts. ↑  ↓

#7 23.05.2019, 07:27
Ohrenklempner Abwesend
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Beiträge: 1.769


Betreff: Re: Innenohrschwerhörigkeit - und jetzt?
Ich wollte jetzt keine Verwirrung stiften, Sorry.
Der Hörverlust für Zahlen (kurz HV) wird im Sprachaudiogramm ermittelt. Du brauchst 20dB mehr, um die Zahlen so gut zu verstehen wie ein Normalhörender.

Der Diskriminationsverlust (DV) wird mit einsilbigen Wörtern gemessen und sagt, wie viele Wörter du bei einem bestimmten Pegel nicht verstanden hast. Im engeren Sinne bezeichnet man aber mit Diskriminationsverlust nur die "Fehlerquote" bei dem Pegel, wo du am besten verstanden hast. In deinem Fall bei 95dB, da ist DV=0.

Für die gesetzlichen Krankenkassen liegt eine Indikation für eine Hörgeräteversorgung vor, wenn das Tonaudiogramm irgendwo zwischen 500—4000 Hz schlechter als 30 dB ist und wenn der DV bei 65 dB mindestens 20% ist.

Du hörst verhältnismäßig noch recht gut. Fast alle Menschen, die zu mir in den Laden kommen, hören deutlich schlechter — auf beiden Ohren. Wink
Allons-y!
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