#1 17.10.2019, 09:27
tabbycat Abwesend
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Betreff: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
Moin,

ich hab mir gestern abend diese Doku auf rbb angeschaut:
https://www.ardmediathek.de/...taG9lcmVu/

Offen gestanden hatte ich hinterher ein bißchen die Faust in der Tasche.
Da bringt ein öffentlich-rechtlicher Sender eine "Doku", welche eigentlich eher Schleichwerbung für einen Berliner Akustiker ist. Und der Kunde entscheidet sich brav für die teuersten HGs, weil die zuzahlungsfreien ja blechern klingen, obwohl er die nur einmal kurz in den Ohren hatte - frei nach der Devise "kost' nix, taugt nix".
Den Beitrag zum CI kann ich nicht beurteilen - kam mir aber auch ein bissel zu "easy going" vor.

Ich bin selbst jahrelang mit einem zuzahlungsfreien HG glücklich gewesen, obwohl ich unter Leute gehe, voll im (nicht gerade immer ruhigen) Berufsleben stehe und kenne noch ein paar andere Leute, die ebenfalls keine tausende von Euros für gescheites Hören ausgegeben haben - v. a. nicht mit einem eher minimalen Hörverlust wie der Herr in der Doku.

Wie seht Ihr das?
Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: "Das ist technisch unmöglich."
(Sir Peter Ustinov)
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#2 17.10.2019, 11:43
urlaubsreif Anwesend
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Betreff: Re: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
Hallo, tabbycat,

ich verstehe das: Schleichwerbung sollte nicht sein, da hätte ich auch die Faust in der Tasche.

Die zweite hätte ich allerdings dazu gesteckt, wenn der Testkunde nun zu allem Überfluss auch noch die aufzahlungsfreien Geräte genommen hätte, um dieser Republik zu verkünden, die seien prima und völlig ausreichend. Denn daraus hätten die unerfahrenen Zuschauer gemacht: ein aufzahlungsfreies Gerät ist für alle prima und völlig ausreichend. Es gab mal einen Beitrag von einem anderen Sender, der in genau diese Kerbe geschlagen und die Akustiker als Abzocker verteufelt hatte. Mit der Redakteurin hatte ich noch einen langen Schriftwechsel danach, um ihr aufzuzeigen, was eigentlich wirklich abgeht in der Branche.

Ich habe bisher kein aufzahlungsfreies Gerät getestet, dass 1. nicht blechern klingt und 2. auch nur ansatzweise meinen komplexen privaten wie beruflichen Anforderungen genügen würde.

Das war auch schon zu Zeiten so, als ich rechts noch einigermaßen passabel gehört habe, sogar ohne ein Hörgerät. Ich hatte es aber schon als Kind abgelehnt, mich dem verzerrten Plärren einer Gegensprechanlage auszusetzen und mir das fehlende Störschallmanagement anzutun. Hörgeräte bedeuteten für mich eher zusätzliche Behinderung als Erleichterung. Erst der technische Fortschritt der vergangenen Jahre macht mir aus dem Tragen von Hörgeräten eine Freude.

Mag sein, dass die Empfindsamkeit für Klänge, Harmonien, Wohl- und Missklang bei den Menschen ebenso unterschiedlich ausgeprägt ist, wie deren emotionale Reaktion auf Klangereignisse. Vielleicht hat es etwas mit Musikalität und/oder Hochsensitivität zu tun. Ich höre beispielsweise selbst feinste emotionale Nuancen in menschlichen Stimmen. Fehlen hier Frequenzen, macht mich das geradezu hellhörig.

Klangbrei, Verzerrungen, Laubbläser, Klopfen drei Wohnungen über mir oder Bohrmaschinen, aufdringliches Geschirr- und Besteckklappern in Kantinen oder Restaurants, treiben mich schier in den Wahnsinn. Mein Nervenkostüm macht aufzahlungsfreie Geräte einfach nicht mit. Und das ist bei anderen Gelegenheiten durchaus hart im Nemen ;-)
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#3 17.10.2019, 13:00
tabbycat Abwesend
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1  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
Nun gut, meine Erfahrung ist eine andere.

Nämlich die, daß man leider aufpassen muß, daß einen keiner abzockt und "super-teuer" nicht immer "super gut" ist.

Seit irgendwann Anfang August bin ich in der Testphase für ein neues HG - und habe zwei Akustiker "verschlissen", weil mir beide erzählen wollten, daß es unter 1000 EUR kein gescheites HG für mich geben würde. Einmal passierte das übrigens mit einem bewußt schlecht eingestellten Kassengerät ("mit dem Pfeifen müssen sie in der Preisklasse leider leben").

Mittlerweile habe ich bei einem weiteren Akustiker mein neues HG gefunden - im mittleren Preissegment - und gelernt, daß es tatsächlich auch noch ohne Abzocke geht.

Sprich: Das womit man gut zurechtkommt, ist die eine Sache.
Das, was einem von manch schwarzem Akustikerschaf Wink gern "verkauft" wird - mit dem Hintergedanken der Gutgläubigkeit und Ahnungslosigkeit des geneigten Kunden - ist die andere. Und das finde ich schlichtweg nicht in Ordnung.
Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: "Das ist technisch unmöglich."
(Sir Peter Ustinov)
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#4 17.10.2019, 14:50
urlaubsreif Anwesend
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Betreff: Re: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
Zitat:
daß einen keiner abzockt und "super-teuer" nicht immer "super gut" ist.

Meine Erfahrung ist die, dass jenseits von Selbstzahlern - nämlich bei jenen, welche den steinigen Weg durch die Instanzen gehen wollen/müssen - die Motivation der Akustiker beträchtlich abnimmt, eine bestmögliche Versorgung anzubieten. Ja, überhaupt in den Anpassprozess zu einzusteigen. Manche lehnen sogar rundweg ab. Wären die aufzahlungsfreien Geräte so überlegen oder wenigstens gleich-wertig, gäbe es dieses Phänomen gar nicht. Weil aber die Premium Geräte i.d.R. in allen Disziplinen die Nase vorn haben, muss der Akustiker befürchten, diese ohne Mehrkosten abgeben zu müssen und einen Verlust zu schreiben. So sehen es die Verträge von Innung und Krankenkasse vor. Eine völlig absurde Situation, die tief in das Vertrauensverhältnis Akustiker - Kunde eingreift. Denn das aufzahlungsfreie Gerät in der Störschall Vergleichsmessung wenigstens gleichauf zu bringen, geht - meiner Erfahrung nach - nur mit Trick 17. Ein moralisch integrer Akustiker kann deshalb gar nicht anders, als in solchen Fällen eine Versorgung rundweg abzulehnen, will er keine roten Zahlen schreiben.

Ich habe nun schon etliche Akustiker durch und bislang noch bei keinem das Gefühl gehabt, er/sie wolle mich "abzocken". Sondern dass die Premium Geräte in vielen Fällen auch die bessere Wahl sind, allein schon um dem schallverarbeitenden Gehirnzentren den größtmöglichen Input zu liefern, wird niemand, der sich mit Akustik und Neurologie des Hörens auskennt überhaupt auch nur ansatzweise bezweifeln wollen.

Ich komme dir entgegen, was den qualitativen Abstand zwischen Einstiegs- und Mittelklasse betrifft. Diesen Unterschied habe ich in einer vergleichenden Anpassung vor 10 Jahren als relativ marginal empfunden, dass es mir die vielen hundert Euro Preisunterschied nicht wert gewesen wäre. Aber teste mal wirklich eines der High End Geräte und ich fress nen Besen, wenn sich dir nicht spätestens nach der Eingewöhnungszeit eine gänzlich andere Welt auftut (Besen fressen natürlich nur in Abhängigkeit von deiner Hörkurve ;-) ).
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#5 17.10.2019, 15:14
tabbycat Abwesend
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Betreff: Re: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
...Guten Appetit Laughing
Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: "Das ist technisch unmöglich."
(Sir Peter Ustinov)
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 17.10.2019, 18:33 von tabbycat. ↑  ↓

#6 17.10.2019, 16:47
Dani! Abwesend
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Betreff: Re: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
Zitat von urlaubsreif:
Klangbrei, Verzerrungen, Laubbläser, Klopfen drei Wohnungen über mir oder Bohrmaschinen, aufdringliches Geschirr- und Besteckklappern in Kantinen oder Restaurants, treiben mich schier in den Wahnsinn. Mein Nervenkostüm macht aufzahlungsfreie Geräte einfach nicht mit. Und das ist bei anderen Gelegenheiten durchaus hart im Nemen ;-)
Mir scheint, du leidest unter demselben Problem wie ich und bist ausgesprochen Lärmempfindlich? Ab einer gewissen Frequenz höre ich Geräusche erst sehr spät, die dann dafür schnell auch zu laut. Daher war meine Vermutung, dass ich unbedingt ein Gerät brauche, das Impulsschallunterdrückung hat. Das hat mein Akustiker dann auch eingestellt und siehe da, das Geschirrklappern war erträglich.
Nur dummerweise hilft die Impulsschallunterdrückung nichts, wenn man sich allgemein in lauter Umgebung aufhält. Dann nämlich ist es einfach nur laut und meine Ohren wurden zugedröhnt. Das habe ich nicht lange ausgehalten. Inzwischen ist der maximale Schalldruck reduziert und damit kann ich auf Impulsschallunterdrückung gänzlich verzichten. Bei "Nebengeräuschunterdrückung" fühle ich mich wie unter einer Glocke, also ist dies auch deaktiviert.
Von meinem hochpreisigen HGs ist nur die Frequenzverschiebung übrig geblieben, was als notwendiges Feature dabei sein muss. Alles andere sind für mich Zugaben, auf die ich im Zweifel verzichten könnte, wenn mir das nötige Kleingeld fehlt.
Anders ausgedrückt: ich bin der festen Überzeugung, dass die zuzahlungsfreien oder günstigeren Geräte falsch eingestellt wurden - wenn auch nicht bewusst falsch, sondern gut gemeint.

Den Fernsehbeitrag selbst habe ich nicht gesehen. Aber die recht umfangreiche Beschreibung habe ich gelesen. Und die fand ich für dieses Thema gut gemacht:
https://www.rbb-online.de/...oeren.html
VG Dominik
R+L: 125Hz/10dB 250Hz/20dB 500Hz/35dB 1k/80dB 2k/90dB >=3k/--
Seit 2018: Phonak Naida B70-SP
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#7 17.10.2019, 21:51
urlaubsreif Anwesend
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Betreff: Re: Doku am 16.10.2019 auf RBB über HG's und CI's
Zitat:
Mir scheint, du leidest unter demselben Problem wie ich und bist ausgesprochen Lärmempfindlich?


Ja, das bin ich. Das soll aber wohl auch normal sein bei einer gravierenden Schädigung des Innenohrs. Wobei meine niedrige Schmerzschwelle dem Akustiker aber auch schon Schweißperlen auf die gefaltete Stirn getrieben hatte.

Normale Hörgeräte lassen mich bei Sirenengeheul derb zusammenzucken, so sehr erschrecke ich mich, wenn die vollverstärkte Tute direkt neben mir losplärrt. Das tut direkt weh in den Ohren. Haben diese eine Impulsschallunterdrückung, die ohne Rücksicht auf Verluste loslegt, ist zwar das Geräusch weg bzw. erträglich, aber dann habe ich den Schallglockeneffekt, der auch nicht grad angenehmer ist. In dynamisch geräuschreichen Umgebungen ist das wie rin inne Kartoffeln, raus aus de Kartoffeln. On, off, on, off .. da wird man ja blöde.

Abschalten oder runterregeln bringt nichts, dann habe ich nicht die Verstärkung, die ich benötige. Von den Features ganz zu schweigen.

Beim Opn 1 ist das alles sehr harmonisch aufeinander abgestimmt, die Features arbeiten Hand in Hand. Die Impulsschallunterdrückung arbeitet ohne Latenz, zumindest ist sie für mich nicht wahrnehmbar. Ich lege zudem Wert darauf, Nebengeräusche zu hören; beim Oticon sind sie das, aber immer auch in einem guten Verhältnis zu meiner Schmerzschwelle und dem, was ich hören muss bzw. möchte. Außerdem ermöglicht dieser Umgebungsschall durch die binaurale Verarbeitung eine völlig andere Selbstwahrnehmung im Raum und ich kann tatsächlich auch so etwas wie Richtungshören. So eine Nebengeräuschkulisse ist also auch nützlich. Wenn mein Hund nen Keks knabbert, will ich sein genüssliches Schmatzen hören, und wenn er hinter meinem Rücken was frisst, was er nicht fressen soll, dann will ich das erst recht hören können. Ich möchte im Wald hören können, ob er noch in der Nähe ist und irgendwo im Gebüsch raschelt oder aber schon auf und davon ist. Sprache wird übrigens auch klar und deutlich übertragen ;-)

Ich habe das Opn 1 für ein Jahr zur Probe getragen (ja, mein Akustiker ist Klasse!) und muss sagen, außer der Umschaltung von knallig scharfem Klang zu softer und ein paar Frequenzdetailanpassungen in den Mitten haben wir nichts an der ersten Einstellung verändern müssen. Ich bin im vollen Genuss sämtlicher alltagserleichternder Features und möchte keines davon missen. Ich kann mich mit Leuten in der Kantine unterhalten, während es um mich herum mit einem Höllenlärm klappert und klirrt, oder auf der Autobahn, egal. Nichts davon stresst mich über Gebühr und ich verstehe, was ich verstehen muss. Natürlich stoße ich auch mit diesem Gerät an Grenzen. Die sind allerdings in meinem Fall noch recht weit gesteckt. Und das ist bei einem beidohrig vergleichsweise schweren Hörverlust schon phänomenal gut.

Das neue Opn 1 S macht all das nochmal nen deutlichen Zacken besser.
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