#21 02.06.2020, 22:26
axelsh Abwesend
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Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Zitat von Turndrache:
Zitat von axelsh:
Zitat von Turndrache:
Zitat von axelsh:
[quote=Turndrache]Die Situation ist echt mehr als bescheiden... derzeit verzichte ich auf Kommunikation beim Einkauf oder bitte eineN GebärdensprachdolmetscherIN um Begleitung.

Herzliche Grüße aus dem Norden von
Yvonne

Hallo Yvonne,
herzlichen Dank für Deine Nachricht, ja die Situation ist wirklich mehr als bescheiden, auch ich verzichte beim Einkauf inzwischen auf Kommunikation und helfe mir wenn nötig, mehr schlecht als recht, mit Zeichensprache oder einem Notizblock mit Stift. Die Leute sind, wenn ich zum Einkaufen rolle, aber sehr hilfsbereit, sie „gaffen“ meist erstmal, da man einen so kurzen Beinlosen wie mich, ja nicht alle Tage sieht, aber dann bekomme ich fast jede Unterstützung.
Was für Hörgeräte trägst Du?
Viele Grüße Axel

Hallo Axel,

schön, dass die Leute nach dem Moment des „Gaffens“, welches vermutlich einer vorübergehenden Unsicherheit geschuldet ist, Hilfe anbieten 😍 Ich habe ebenfalls Naida UPs. Ich profitiere jedoch nur wenig von den Hörgeräten, aber jedenfalls kapier ich damit, dass jemand spricht - welche Sprache es ist, bleibt mir meistens verborgen 😂🤣 Verstehen ist eine Mischung aus Geräuschen, Sprachmelodie, Kenntnis des Themas, dem Mundbild und Hirnakrobatik ;-) Dabei spielt mir in die Karten, dass ich vor ca 3 Jahren noch perfekt hörte. Eine CI Versorgung ist ausgeschlossen.

Herzliche Grüße aus dem echten Norden von
Yvonne

Hallo Yvonne,

das hast Du treffend formuliert, ich frage mich auch immer woher der Moment der Unsicherheit bei den Leuten, welche mich zum ersten Mal treffen, kommt.
Klar ein Mensch ganz ohne Beine sieht anders aus als alle anderen, aber er „beißt „ ja nicht oder ist irgendwie nicht von dieser Welt. Ich bin ein ganz normaler Mensch, wie jeder andere auch, nur halt ohne Beine, aber das stört mich ja überhaupt nicht mehr!! Wenn die Leute dann merken, dass meine Beinlosigkeit für mich überhaupt kein Thema ist, ich ganz normal wie jeder „ Bebeinte“ bin ist alles ok und normal.
Warum helfen Dir die Naida UP nicht wirklich, bei mir sind sie wirklich hilfreich, wieso hast Du in fast drei Jahren Dein Gehör fast verloren, bei mir dauerte es viele Jahre?
Liebe Grüße aus der Mitte Deutschlands
Axel[/

Hi Axel,
der Moment der Verunsicherung kommt vermutlich daher, dass die Bebeinten selten Kontakt zu Unbebeinten haben und in ihrer Reaktion nicht auf Erfahrungen zurückgreifen können. Des weiteren wäre auch zu überdenken, ob ihnen evtl die eigen Verletzlichkeit bewusst wird, wenn sie dich sehen. Mir persönlich geht’s ganz gut damit, Verständnis für „glotzende“ und sich eventuell abwendende „Unbehinderte“ aufzubringen ;-)
Die Naidas bringen mir nicht so viel, weil ich in nur wenig messbaren Frequenzen (eigentlich nur einer) überhaupt höre. Meine Hörfähigkeit ist dem Cogan Syndrom zum Opfer gefallen.

Sonnige Grüße aus dem Norden in die Mitte von
Yvonne

Hallo Yvonne,
ja, dann ist mir klar warum Dir die Naidas nicht soviel bringen wie mir, aber Du scheinst ja auch gut mit Deiner „Besonderheit“ umzugehen zu können. Was meinst Du genau mit sich eventuell abwendenden „Unbehinderten“?
Ja, Du hast vollkommen recht, die meisten Bebeinten haben sehr selten Kontakt zu Unbebeinten wie mir und haben deshalb keine Erfahrungswerte im Umgang, die sie ja eigentlich gar nicht brauchen, denn wenn die Leute merken, das der Umgang mit mir ganz normal, wie mit jedem bebeinten ist, ist das Eis immer gebrochen. Manche können sich zwar gar nicht vorstellen, warum ich gar kein Problem mehr mit meiner beinlosigkeit habe, aber das ist ganz einfach, ich habe nur ein Leben, die Beine wachsen definitiv nicht nach, ich werde also für immer keine Beine mehr haben, man kann damit hadern, oder sich anders entscheiden und das beste daraus machen. Das das Leben ohne Beine für mich nach recht kurzer Gewöhnungszeit, so problemlos ist und ich mich in meiner Haut und meinem neuen Körper so wohl fühle, hätte ich Anfangs auch nie gedacht!!!

Herzliche Grüße aus der Mitte in den Hohen Norden
Axel
Hochgradig Schwerhörig
Trage beidseitig Phonak Naida UP
Seit Sommer 2018 durch Unfall beidseitig Hüftexartikuliert, Rollstuhlfahrer
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#22 03.06.2020, 17:21
Dani! Abwesend
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Beiträge: 1.015


Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Zitat von AlfredW:
Hallo Dani, wieso soll man mit CIs schlechter als mit Hörgeräten verstehen?
Hallo Alfred,
ein CI auf nur einer Seite und gleichzeitig hochtonschwerhörig auf der anderen Seite ist vergleichbar wie mit einseitiger vollständiger Taubheit. Zumindest ist es bei mir so, dass an beiden Ohren keine gleichen Frequenzen ankommen. Somit fällt die Fähigkeit weg, dass der Kopf den Störlärm durch Phasendifferenz wegfilltert. Das hat mit 2 HGs ganz gut geklappt (meine HGs sind/waren so eingestellt gewesen, dass sie keinerlei Verschlimmbesserungsalgorithmen aktiviert hatten, mein Kopf hat da im Störlärm (mit entsprechender Übung) effektiver gearbeitet als meine HGs).

@Katja Danke für's Daumendrücken Wink
Dominik
L: Hz/dB 125/10 250/20 500/35 1k/80 2k/90 >=3k/--
'18: Phonak Naida B70-SP
R: 20.2.'20: Med-el Sonnet 2
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#23 03.06.2020, 18:11
Oolong Abwesend
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Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
@ Dani,

Zitat:
Verschlimmbesserungsalgorithmen
Was verstehst Du darunter?
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#24 03.06.2020, 18:14
Oolong Abwesend
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Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
@ Axel,

Zitat:
Irgendwann machte es „Klick“ in meinem Kopf und ich hatte meinen neuen beinlosen Körper angenommen und voll akzeptiert.
- Darf ich mal fragen, wie lange Du an Dir gearbeitet hast, um eine solche innere Einstellung zu haben?
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#25 04.06.2020, 14:00
axelsh Abwesend
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4  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Zitat von Oolong:
@ Axel,

Zitat:
Irgendwann machte es „Klick“ in meinem Kopf und ich hatte meinen neuen beinlosen Körper angenommen und voll akzeptiert.
- Darf ich mal fragen, wie lange Du an Dir gearbeitet hast, um eine solche innere Einstellung zu haben?

Hi,
das hat länger gedauert und es waren drei Phasen. Anders als meine Schwerhörigkeit die ja ein langer schleichender Prozess war an den man sich deshalb gut gewöhnen könnte, kam meine Beinlosigkeit durch Unfall ja von einer Sekunde auf die andere.
Die erste dreimonatige Phase im Krankenhaus war schrecklich, ich war sehr sportlich und körperdosiert, als ich dann im Krankenhaus aufwachte, das erste Mal unter die Decke schaute und das extreme Ausmaß meiner Verstümmelung sah, war ich am Boden zerstört, mir müssten ja nicht nur beide Beine vollständig amputiert werden, sondern auch Teile beider Hüften, ich könnte mir ein einigermaßen normales Leben so überhaupt nicht mehr vorstellen und dachte dauernd nur daran was mit diesem Körper alles nicht mehr geht, auch konnte ich mit der Situation von nun an Schwerstbehinderter zu sein ganz und gar nicht abfinden, es war eine schreckliche Zeit.
In der zweimonatigen Reha begann die zweite Phase. Als erstes bekam ich meinen individuell gegossenen Beckenkorb, der war nötig damit ich überhaupt wieder sitzen konnte, denn ich kann auf meinem Körperstumpf nicht sitzen. An den Beckenkorb gewöhnte ich mich schnell der Sitz darin und das tragen war nicht so unangenehm wie ich dachte. Dann bekam ich endlich meinen Rollstuhl, von da an ging es bergauf, ich habe das fahren in im intensiv und akribisch trainiert, merkte schnell das ohne Beine das Leben doch nicht vorbei ist und das ich mit dem Rollstuhl fast überall hinkommen, anders zwar als auf Beinen, aber doch Recht problemlos. Ich legte mir dann einen besonders chicen leichten und wendigen Carbonrolli zu und es wurde noch besser, trotzdem überdeckte meine Beinlosigkeit noch meinen Gemütszustand während der gesamten Reha. In der Zeit wurde aber mein Haus komplett für die neue Situation umgebaut, ich ließ Treppenlifte, Badewannenlüfter, Duschlifter etc. etc. einbauen und kaufte ein neues Handgesteuertes Auto mit Rollstuhlverladesystem.
Zu Hause begann dann die dritte Phase, es war durch die vielen Umbauten ohne Beine alles viel problemloser als erwartet, ich dachte nach und stelle fest, ich habe nur dieses eine Leben, meine Beine werden nicht mehr nachwachsen, ich werde für immer beinlos sein, ich konnte nun damit hadern, oder die Situation akzeptieren und das beste daraus machen. Ich entschied mich für die zweite, bessere Variante. Ich unternahm unheimlich viel, am Anfang störte mich das ständige angegafft werden ungemein, ich war nie irgendwo anonym, immer schauten die Leute, aber ich sagte mir das das ja auch normal sei, ein Mann mit weniger als einem halben Körper, der von ursprünglich197 cm Größe auf nur noch 92 cm Größe reduziert wurde sieht natürlich auch sehr spektakulär aus. Aber in kürzester Zeit gewöhnte ich mich an die Blicke und sie störten mich nicht mehr. Ich gewöhnte mich im Alltagsleben sehr schnell an meine Beinlosigkeit, aber sie war immer noch eine Sondersituation.
Dann machte es von einem Tag auf den andern "Klick" in meinem Kopf, ich wachte auf schwang mich wie selbstverständlich in meinen Beckenkorb und in meinen Rolli und begann einen neuen spannenden und interessanten Tag. Die Beinlosigkeit, der Beckenkorb und der Rollstuhl waren nun ein Teil von mir, ich hatte alles voll akzeptiert, es störte mich auch nicht mehr, es war komfortabel viele Jahre Beine gehabt zu haben, aber ich vermisste sie nun in keiner Weise mehr, denn ich spürte dass ich eine wunderbares Leben auch ganz ohne Beine führen kann.
Inzwischen macht es mir Spaß meinen chicen Rolli zu fahren, er bringt mich fast überall schnell und problemlos hin, wenn Stufen im Weg sind, ziehe ich eine Rutschhose über meinen Beckenkorb und Handschuhe an und erklimme die Treppe problemlos auf Beckenkorb und Händen, da mein Carbonrolli so leicht und klein ist kann ich ihn dabei sogar mit hochziehen.
Letzten Samstag habe ich so eine alte Studienfreundin im dritten Stock besucht. Wenn ich so etwas völlig alleineschaffe macht es mich immer stolz glücklich.
Am Anfang als alles so schrecklich war und ich am Boden zerstört war, hätte ich nie gedacht das ein Leben ohne Beine so gut sein kann
Hochgradig Schwerhörig
Trage beidseitig Phonak Naida UP
Seit Sommer 2018 durch Unfall beidseitig Hüftexartikuliert, Rollstuhlfahrer
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#26 04.06.2020, 17:12
Oolong Abwesend
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2  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Hallo Axel,

wie ich aus Deiner ausführlichen Antwort schließen kann, bist Du nicht sauer auf mich, wegen meiner neugierigen Frage. - Es interessiert mich einfach wie Menschen mit so extremen Situationen fertig werden. Ich denke viele Menschen auch viele User hier im Forum können davon lernen. - Dein Optimismus ist bewundernswert.

Danke für Deine Antwort.

LG Oolong
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#27 04.06.2020, 17:51
serik Abwesend
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Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Off-Topic:
Hallo zusammen!

Zitat von 26:
Ich denke viele Menschen auch viele User hier im Forum können davon lernen. - Dein Optimismus ist bewundernswert.
@Axel, was Oolong bezüglich "Optimismus" und "davon lernen" schreibt, sehe ich auch so. Danke für die Beschreibung Deiner Erfahrungen.

Schöne Grüße,
Sergej

Wie manipuliert man einen Menschen?
Man erzählt ihm nur die halbe Wahrheit.
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#28 04.06.2020, 18:12
smallhexi79 Abwesend
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Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Hallo,

ich arbeite im Verkauf und merke das auch Kunden die Masken tragen mit dem Hören Probleme haben.
Ich gehe, davon aus, dass die Hörende unbewusst auf gegenüber auch auf dem Mund schauen, wenn miteinander spricht.

Ja, mit der Maske ist für mich auch teiweise schwierig die Kunden zu verstehen, die keine Mühe mit ihre Aussprache (Nuscheln) machen. Das war auch vor der Maskenpflicht so. Diese Sorte findet man überall im Leben.
LG smallhexi

Hörgeschädigt seit 1980 durch Meningitis

links: +/- 80 dB versorgt mit GN Resound ENZO ET598-DW
rechts: gehörlos
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#29 04.06.2020, 18:22
rabenschwinge Abwesend
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Dabei seit: 22.11.2017
Beiträge: 1.272


1  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Mein hörender Partner sagt, dass auch ihm die Mimik fehlt zum Verstehen. Er hat in letzter Zeit ebenso wie ich des öfteren mal Verständnisprobleme.
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#30 04.06.2020, 19:07
Oolong Abwesend
Mitglied
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1  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
@ smallhexi,

Zitat:
Ich gehe, davon aus, dass die Hörende unbewusst auf gegenüber auch auf dem Mund schauen, wenn miteinander spricht.
Ich glaube, dass das Mundbild besonders wichtig ist, wenn man nicht gut hört. Nicht jeder Schwerhörige trägt HGs, oder weiss dass er schwerhörig ist. Dies Leute haben durch die Maskenpflicht besondere Schwierigkeiten.

@ Rabenschwinge,

Zitat:
Mein hörender Partner sagt, dass auch ihm die Mimik fehlt zum Verstehen
Das geht mir genauso. Ich habe mir deswegen Ironie oder Späßchen abgewöhnt. Wenn man das ganze Gesicht nicht sehen kann, führt das oft zu Missverständissen.
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#31 04.06.2020, 20:45
Ohrenklempner Abwesend
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2  Bewertung/en: 100 Betreff: Re: Verständnisprobleme beim Einkaufen durch Masken
Ja, diese Schutzmasken schlucken einen guten Teil der hohen Töne weg. Die Stoffmasken noch mehr als die Einwegmasken. Aber so merken wir Normalos auch mal, wie das Hören mit einer gering- bis mittelgradigen Hochtonschwerhörigkeit ist. Wink
Allons-y!
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