#61 30.09.2008, 20:35
andrea2002
Gast


Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo,

ich mich mal kurz ein. Jaqueline, es ist utopisch zu glauben, dass ein paar gebärdenkompetente Leute ausreichen, um eine für alle befriedigende Situation auf einer größeren Runde zu erreichen. Entweder Du bist gefrustet weil nur zusammen gefasst und kurz übersetzt wird und auch nur das was man für wichtig erachtet. Oder aber ein Familienmitglied ist nur mit dem Übersetzen beschäftigt und hat auch nicht viel von der Feier. Es hat seinen Grund, dass Dolmetscher sich ihre Dienste teuer bezahlen lassen und bei längeren Gesprächen nur in Doppelbesetzung antreten.

Glaub mir ich habe einen meiner Brüder oft zum "Dolmetschen" missbraucht (nicht in DGS sondern von Lautsprache, die ich nicht verstehen konnte in Lautsprache, die ich verstehen kann. Und auf Familienfeier frage ich noch immer diesen Bruder am liebsten, wenn ich den Faden verloren habe, was dank CI nun aber wesentlich seltener passiert. Ich verstehen ihn sogar besser als meine Mutter, weil er eine kräftigere Stimme hat. Ich habe noch zwei andere Brüder, die frage ich eigentlich nie zu Dolmetschen.

Gruß
Andrea
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#62 30.09.2008, 22:19
zweifachemami Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
hallo Yvonne,

damit meinst du quasi, dass es falsch ist, dass ich meine Kinder in DGS aufziehe? Aber ich bin nun mal Hörgeschädigt und meine Kinder werden es am einfachsten haben wenn sie sich in DGS mit mir unterhalten, so besteht eine barrierfreie kommunikation und ich habe dann nicht später das problem, wenn sie von der Schule nach Hause kommen und mir was erzählen wollen, dass sie dann öfters wiederholen müssen weil ich sie nicht oder teilweise verstehe, dann ist es für sie einfacher sie ziehen sich dann aufs zimmer zurück, dass ist bei einigen hörgeschädigten Eltern ihrer hörenden kids passiert und das will ich nicht erleben. Klar kann durchaus auch sein, dass es phasen gibt dass sie sich auch zurückziehen aufs zimmer und nicht den eltern irgendwas erzählen wollen...aber ich beziehe es auf eine kommunikation die innerhalb der Familie auch wenn es nur in dem kleinen kreis ist ohne opas und omas, finde ich es wichtig dass wir hörgeschädigten Eltern mit unseren Kindern gebärden. es wäre falsch wenn ich als hörgeschädigte Mutter dem kind die lautsprache vorenthalte und ihm nicht die möglichkeit gebe die Lautsprache zu erlernen, dass fände ich widerum schlimm, würd ich auch nie tun, daher sagte ich ja, dass er im Kindergarten gezielt in Lautsprache gefördert wird, dass omas und opas mit ihm sprechen können, dass freunde von ihm mit ihm sprechen..und somit lernt er die Lautsprache eben im anderen umfeld.

weiß nicht warum du das schlimm fändest??

viell kannst du es mir ja erklären Wink

aber nun guck ich mri jetzt mal ne dvd an viell komm ihc nach der dvd nochmal rein..

lieben gruß und schönen abend

jacqueline


liebe andrea schreib dir morgen noch ok Wink
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#63 30.09.2008, 22:39
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo Jacqueline,

ich halte es für problematisch, wenn Familien dazu verpflichtet werden sollen, ihre Kinder in die DGS einzuführen. Schließlich müssen die Familien sich auch mit dieser Sprache identifizieren können. Tun es nicht alle Familienmitglieder, sehe ich persönlich das Problem, dass das hörgeschädigte Kind zumindest innerhalb der eigenen Familie dann noch mehr ins Abseits gerät.

Hintermair führte eine sehr interessante Studie über das gehörlose Personen in Familien durch, dort wurden auch Probleme angesprochen, z.B. Eifersuchtsprobleme zwischen den Geschwistern und mangelnde Lernbereitschaft einzelner Familienmitglieder oder Großeltern, die nicht bereits sind, die Verantwortung fürs Babysitten zu übernehmen. (Literatur: Hintermair, M. & Lehmann-Tremmel, G. [2003]: Wider die Sprachlosigkeit. Hamburg, Signum-Verlag.)

Anfügen muss ich aber, dass das Projekt von den Eltern insgesamt sehr positiv beurteilt wird und ich finde diese Idee auch hervorragend. Nur - zur Pflicht sollte das wirklich nicht gemacht werden und die Familien müssen auch alle dahinter stehen.

In meinen Augen muss nach der Diagnose Hörschädigung eine umfassende Beratung stehen und die Eltern sollten alle Seiten kennenlernen, sie sollten auch hörgeschädigte Kinder und Erwachsene kennenlernen, und zwar sowohl DGS- als auch rein lautsprachlich orientierte.

Ich finde es auch zu verallgemeinernd zu sagen, dass Kinder, die keine Sprache übers Ohr aufnehmen können, DGS als Hauptsprache lernen sollten. Ich z.B. lernte die Lautsprache NICHT über das Ohr, sondern durch Absehen und später Lesen, bin aber nur mit Lautsprache aufgewachsen und ich kenne noch eine ganze Reihe von Hörgeschädigten - z.B. im Verein LKHD, die auch Lautsprache nicht über das Hören gelernt haben und den Weg, für den ihre Eltern sich entschieden haben, sehr befürworten (ich auch).

In der heutigen Zeit ist es möglich, dass durch eine frühe optimale Hörhilfenversorgung und entsprechende Frühförderung das Restgehör von audiometrisch gehörlosen Kindern so entwickelt wird, dass die Kinder im Lauf der ersten Lebensjahre lernen, das Gehör für den Erwerb von Lautsprache zu nutzen.

Werden aber diese Kinder von vornherein vorwiegend in DGS gefördert, bleibt die Entwicklung des Restgehörs auf der Strecke, denn in den ersten Lebensjahren reifen die Hörbahnen im Gehirn nur durch entsprechende Inputs heran. Ich möchte hier keine Ängste schüren, aber ich finde es sehr wichtig, dass Eltern über diese Tatsache auch informiert sind.

Christian z.B. ist medizinisch gehörlos. Hätte Sabine ihn vorwiegend mit DGS erzogen, würde er sich heute sicher nicht problemlos lautsprachlich verständigen können.

Genauso wie es eine Tatsache ist, dass DGS in den ersten Lebensjahren am besten erworben werden kann und später nur unter sehr viel höherem Aufwand. Auch das müssen Eltern wissen.

Ich bin der Ansicht, dass alle Eltern selbst wählen dürfen sollen, mit welchem Konzept sie sich am besten identifizieren können, und dann sollen sie auch dabei unterstützt werden.

Meine Mutter bekam sehr wenig Unterstützung, sie wurde viel mehr durch Frühförderstellen damit belastet, dass sie doch bitte mit mir gebärden möge. Zum Glück fand sie eine Logopädin, die das Konzept von Schmid-Giovannini kannte und vertrat, die hat sie dann unterstützt. Aber insgesamt war es für meine Mutter hochbelastend, weil verschiedene Leute versuchten, ihr ein schlechtes Gewissen einzuimpfen, weil sie sich gegen Gebärden entschieden hat, und ich finde, dass das hier im Forum auch teilweise geschieht.

Ich würde mir wünschen, wenn ALLE Methoden der Spracherziehung akzepttiert werden würden, aber zu sagen, dass ALLE Kinder mit DGS/Gebärden aufwachsen müssen oder ALLE Kinder mit Lautsprache, ignoriert die persönlichen Bedürfnisse einer ganzen Familie. In einer Familie gibt es nicht nur das hörgeschädigte Kind, sondern auch die hörenden Familienmitglieder und auch die müssen bei der Entscheidungsfindung pro/contra DGS berücksichtigt werden.
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#64 01.10.2008, 21:36
Momo Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von zweifachemami:
hallo Yvonne,

damit meinst du quasi, dass es falsch ist, dass ich meine Kinder in DGS aufziehe?
Bin zwar nicht Yvonne, aber ich denke sie meinte ehr du kannst nicht auf der einen SeiteEltern "verurteilen" die zuhause mit ihrem gl Kind Lautsprache sprechen und das Beibringen der DGS dem Kiga usw. überlassen und andereseits machst du es genauso nur umgekehrt: zuhause kommuniziert ihr per DGS und die Lautsprache überlasst ihr auch anderen.
Knackpunkt ist dann aber -da stimme ich dir zu- dass die Erziehrinnen und Lehrer in sh Kigas und Schulen zu schlecht ausgebildet sind um bei Bedarf das Kommunizieren in dGS zu leisten. Es darf nicht sein, dass ein nichtimpkantiertes Kind oder ein CI Kind ohne Lautsprache (aus welchen Gründen auch immer) nicht gebärden lernt in den angeblichen Spezialkigas und-schulen! Die Lehrer müssten zur Ausbildung und Weiterbildung in Gebärden (zumindest LBG) verpflichtet werden und ein gewisses "Kontingent" an DGS kompetenten Lehrkräften und Erziehrinnen muss eine SH Schule auch in Zeiten des CIs noch vorweisen können.


Gruß
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#65 02.10.2008, 14:56
Zoe'sMom Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
@zweifachemami: genau so wie momo es schrieb, meine ich es...du kannst nicht die eine seite kritisieren und genau das nur andersherum durchführen.
außerdem würde ich mir gedanken machen, dass gerade deine tochter als normalhörende nicht ausreichend lautsprache angeboten bekommt, als dass sie sie fehlerfrei lernen kann.
Yvonne
Liebe Grüße von Yvonne & Zoe

Zoe Leonie 08.05.2007, bilaterale CI-Versorgung seit 06/08
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#66 02.10.2008, 15:09
Karin Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Im Prinzip ist es völlig egal welche Sprache ein hörendes Kind angeboten bekommt.

Es gibt viele Beispiele von gehörlosen Eltern, die hörende Kinder mit DGS großziehen. Diese Kinder, ich kenne einen Haufen davon (viele hörende Kinder gl Eltern sind heute gute DolmetscherInnen) sind sehr gut auch einfach durch die hörende Umwelt - Kiga- Spielplatz etc in die Lautsprache gekommen.

Eine Mutter sollte vor allem ihr Kind verstehen, es muss eine barrierefreie Kommunikatiopn zwischen Mutter und Kind herrschen, deswegen ist es wichtig die Kinder von Gl in DGS zu erziehen. Außderdem ist es das, was Eltern ihren Kindern beibringen können - alles andere ist nur Stückwerk. Hier ist es anders als bei hörenden Eltern, die können DGS lernen, gl aber nicht die Lautsprache.

In der Familie gibt es eine Sprache, die für alle gleich gut zu verstehen ist!

Ich kenne verunsicherte Familien (gl Eltern), die versucht haben ihrem Kind auch Lautsprache beizubringen - nichts gutes ist dabei rausgekommen. Die Kinder gebärden nicht - Mutter und Vater verstehen das Kind nicht.... also da sehe ich erhebliche Unterschiede.

Viele Grüße Karin



http://www.kestner.de/ - alles rund um die Gebärdensprache
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#67 02.10.2008, 15:20
zweifachemami Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
hallo Yvonne,

darüber mache ich mir wirklich keine Sorgen, mein Sohn ist auch nur in DGS aufgewachsen und spricht mittlerweile auch sehr gut - altersentsprechend - so wird es auch bei meiner Tochter sein.

sehen wir das mal andersherum, also eine englischsprechende Mutter und ein deutschsprechender Vater, die Mutter die Englisch perfekt beherrscht kann auch Deutsch, jedoch aber entscheidet sie sich für die Englische Sprache die sie ihrem Kind anbietet, der Vater spricht dann mit ihr türkisch, am Tisch sprechen alle eine Sprache die sie als Regel aufgestellt haben. Das Kind lernt im äußeren Umfeld, Kindergarten, Schule, Freundeskreis Deutsch...hier sehen alle auf die Familie, alle finden es gut dass das Kind hier bilingual erzogen wird, bwz. sogar 3 Sprachen lernt, aber wenn wir hörbehinderten mit unseren Kinder in DGS sprechen, weil oft das unsere best beherrschte Sprache ist, heißt es von außen, das Arme kind lernt keine Lautsprache, wird das arme Kind jemals richtig sprechen lernen. Natürlich wird es das, sogar ist es besser dass das Kind von außen die Lautsprache lernt, denn nur so kann es perfektes Deutsch vermittelt bekommen, wenn wir das tun würden, lernen die kinder erstens kein richtiges Deutsch, da unsere Grammatik ja nicht immer die der entspricht wie hörende (gibt sicherlich Außnahmen) oder es gibt Eltern die keine so gute Aussprache haben und so lernt das Kind diese Fehler.

Es ist schon sooft erwiesen worden, dass es besser ist dass die Kinder von hörgeschädigten die best beherrschte Sprache vermittelt bekommen, wen ndas die DGS ist, soll es auch so sein, egal ob das Kind hörend ist. Sprechen lernen werden die Kiinder immer können.

Unter anderem ist es mir auch wichtig, dass meine Kinder diese Sprache sehr gut beherrschen und eine gute Kommunikation innerhalb der Familie läuft, oft erfahre ich von einigen Hörgeschädigten Eltern, die auch wg. dem äußeren Umfeld lautsprache angewendet haben, dass sie heute mit ihren Kindern probleme haben, weil die Kinder nicht gebärden können bzw. nur kaum, und wenn dann die kinder was erzählen wollen und die Eltern das nicht so richtig verstehen oder bitten das zu wiederholen, kommt es oft vor, dass die Kinder sich auf Zimmer zurückziehen, nicht weil sie ihre Eltern nicht lieben, sondern weil es für sie einfach zu anstrengend ist und hätten die Kinder von klein auf die DGS beigebracht bekommen als Muttersprache, wäre das heute dann kein gravierendes Problem.

Es wird auch immer ausdrücklich von Codas Erwachsene gesagt, gebärdet mit euren Kindern. Und die Coda Erwachsene haben auch von dem äußeren Umfeld Sprechen gelernt und sprechen ganz normal wie hörende Menschen es tun.


(normalhörend?....hörend und hörbehindert sein ist auf beiden seite normal, die einen hören halt besser und die anderen schlechter oder gar nicht sonst funktioniert aber bei uns alles genauso wie bei hörenden menschen)

Genauso ist es wichtig, dass türkiische Familien mit ihren Kindern Türkisch sprechen, da dann die Basissprache da ist, sonst lernen sie ne doppelhalbige Sprache, halb deutsch halb Türksich ....was für die Schule dann ein großes Problem wird. Genauso ist das bei uns auch. was soll da anders sein??

liebe grüße Jacqueline

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#68 02.10.2008, 15:56
Momo Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
@Karin und Jaqueline: nicht dass ihr das jetzt falsch versteht. ich bin nicht der meinung, dass gl eltern ihre kinder nicht mit dgs großziehen, im gegenteil. ich finde 1. wie ihr, dass man seinem kind die sprache am nähesten bringen kann, die man selbst am besten beherrscht- die muttersprache sei es ls oder dgs spielt da für mich keine rolle! und 2. bin ich ein echter "fan" der bilingualen erziehung und finde es eine riesenchance für ein kind zwei sprachen lernen zu können und wenn eine davon dgs ist super, denn das ist eine besondere qualifikation!

ich meinte eher: man muss genauso wie man akzeptiert dass in familein mit gl eltern dgs die familiensprache ist und die ls dann im kiga usw. gelrnt wird, akzeptieren dass in nh familien eben ls die familiensprache ist und dgs oder lbg im kiga gelernt wird. für mich ist das das gleiche.
anders verhält es sich natürlich, wenn ein kind gl oder so hochgradig sh ist, dass es keine ls lernen/ verstehen kann und entweder kein ci hat oder trotz ci große problem in der ls hat, dann denke ich muss -meiner meinung nach- die ganze familie sich darauf einstellen, um eine gute kommunikation zumindest im engen famileinkreis zu gewährleisten.

gruß
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#69 02.10.2008, 23:29
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo Jacqueline,

ich glaube, was Zoes Mutter meint, ist, dass du die Muttersprache deiner Kinder beherrscht, aber nicht bereit bist, sie wenigstens ab und zu bei der Kommunikation mit deinen Kindern anzuwenden, weil es ja ihre eigene Muttersprache ist.

Bei deinem Beispiel ist es so, dass ein Elternteil die eine Sprache nicht beherrscht, aber du könntest ja die Lautsprache gut genug, um sie gegenüber deinen Kindern anwenden zu können. Es werden ja auch hörende Eltern ermutigt, mit ihren gehörlosen Kindern DGS anzuwenden, obwohl wenn sie (die Eltern) selbst nicht so gut gebärden können. So ähnlich wäre die Situation bei euch ja auch, wenn du mit deinen Kindern in Lautsprache sprechen würdest.

Im Übrigen finde ich es sehr gut, wenn hörende Kinder gehörloser gebärdender Eltern ebenfalls gebärden lernen. Aber so ganz auf Lautsprache verzichten, da stelle ich mir die Frage, ob es für die hörenden Kindern nicht irgendwann belastend sein könnte, dass ihre eigenen Eltern nicht bereit sind, auch ab und zu mal Lautsprache anzuwenden, wenn diese selbst lautsprachkompetent sind. Ich meine das hier nicht als Vorwurf an dich, ich kenne mich zu wenig in dieser Materie aus und ich kenne weder dich noch deine Kinder. (Und den Film werde ich bald sehen können. ;))

Bist du eigentlich 100%ig sicher in der DGS? Ich hatte immer irgendwie gedacht, dass du ohne DGS aufgewachsen bist und diese erst im Erwachsenenalter erworben hast? Vor diesem Hintergrund finde ich es toll, dass du es geschafft hast - oder verdrehe ich da jetzt was?

Übrigens finde ich es auch sehr angenehm, dass man mit dir sachlich diskutieren kann.
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#70 03.10.2008, 00:37
Florian Pietsch Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Was ist daran so schwer, im späteren Alter DGS zu lernen? Warum sollte Jacqueline das nicht geschafft haben?

Flo
Bds. hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig(≤120dB).Diagn. d. Hörschädigung:15mon.Hörhilfenversorgung bds.:16mon.Lautsprachlich erzogen.Seit 16.LJ CI auf dem linken Ohr.In Ausbildung zum Arzt.
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#71 03.10.2008, 09:57
zweifachemami Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
hallo

nein die DGS habe ich im Kleinkindalter gelernt und diese immer angewendet. In der Uni wurde mir erst klar wie genau die Sprache aufgebaut ist, welche Grammatik sie aufweist, wie man diese in der deutschen lautsprache vergleicht...dass allerdings finde ich viel zu spät, dass sollte in den Schulen schon gemacht werden, wie genau DGS aufgebaut ist und unter anderem dann mit der deutschen schriftsprache vergleichen.....

somit denke ich hätte ich es leichter gehabt meine deutsche grammatik besser zu verarbeiten indem mir in der schule gezeigt würde, wie die ganzen grammatik aufgebaut sind, denn so lernt man ja auch von der Deutschen Sprache die Englische Sprache.

also nochmal ich habe die DGS als Kleinkind von größeren Mitschülern angewendet, aber bewusst was DGS ist habe ich da nicht lernen können, weil es ja zu der Zeit in der Schule verboten war, in Pausenhöfen haben wir uns aber mit unserer Sprache trotzdem durchgesetzt.
damals war sie auch noch nicht anerkannt, jetzt wo die DGS anerkannt ist, sollte es umgehend in Kindergärten sowie in Schulen das Ziel sein, dass die Kinder bewusst lernen was DGS ist, wie sie aufgebaut ist, um somit die deutschen Schriftsprache erleichtert lernen zu können. Denn wenn ich L1 sehr gut beherrsche, so kann ich L2 auch darauf basierend lernen, und die Lautsprache ist ja nun mal für viele Hörgeschädigte schwierig zu erlernen oder gar nicht zu erlernen, so wäre die L1 die DGS und L2 Lautsprache/Deutsche Schriftsprache.

was ich bei meinem Sohn immer mache ist, dass er nur Abends beim Geschichte vorlesen selbst entscheiden darf, ob ich in Lautsprache das Buch vorlese oder ob ich in DGS das Buch vorlese, es kommt allerdings selten vor, dass er es in Lautsprache hören will, meistens will er immer dass ich in DGS das Buch vorlese. ICh denke mal einfach, weil da die ganze Mimik, die ganzeen Gefühle und das mehr erlebter wirkt als wenn man vorliest.

sonst gibt es bei uns die Kommunikationsregel, dass heißt in DGS...wenn meine kleine später größer ist und die Lautsprache anwenden kann, dürfen sich die Geschwister natürlich untereinander in Lautsprache unterhalten, aber auch hier gibt die Kommunikationsregel, am Tisch DGS, ist Mama oder Papa anwesend in DGS, wenn sie untersich allein sind dürfen sie frei wählen welche Sprache sie benutzen.

ja....ich will ja auch sachlich bleiben Smiling
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#72 03.10.2008, 15:16
Florian Pietsch Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Jacqueline,

ich dachte, deine Mutter hat dich lautsprachlich gefördert. So habe ich das zumindest mitbekommen. Bei wem hast du denn die DGS gelernt? Du bist dann auf die Gehörlosenschule gegangen, weil du mit DGS kommunizierst?

Wie denkst du über die Möglichkeit, dass das zusätzliche Erlernen der DGS in der Kindheit dir den Weg in eine Integration in die lautsprachlich kommunizierende Welt verbaut hat?

Unter diesen Umständen kann ich es mir sogar sehr gut vorstellen, dass du das CI ablehnst. Warum wurde es überhaupt implantiert?

Florian
Bds. hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig(≤120dB).Diagn. d. Hörschädigung:15mon.Hörhilfenversorgung bds.:16mon.Lautsprachlich erzogen.Seit 16.LJ CI auf dem linken Ohr.In Ausbildung zum Arzt.
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#73 03.10.2008, 19:57
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo Jacqueline,

ich danke dir für deine offene und ausführliche Antwort.

Dass du deinen Sohn entscheiden lässt, in welcher Sprache er die Geschichte vorgelesen haben möchte, wirft schon ein anderes Licht auf die Darstellung eurer kommunikativen Situation. Ich dachte, dass deine Kinder vielleicht das Bedürfnis haben könnten, dass du mit ihnen in Lautsprache sprichst (also nicht sie mit dir).
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#74 03.10.2008, 19:59
zweifachemami Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
ja ich wurde aussschließlich lautsprachlich erzogen, meine Eltern lernten nie die Gebärdensprache (was sie heute bereuen, der Grund ist einfach, da mit den Gebärden dann eine intensivere Unterhaltung stattfinden könnte und mit der Lautsprache hab ich zwar auch Unterhaltungen mit meiner Mutter aber nicht so wie ich es mit der gebärdensprachgemeinschaft tue, daher will meine Mutter jetzt auch die DGS lernen viell ist es ja möglcih mit ihr bald in eine intensive Unterhaltung zu kommen)


habe ich auch gesagt dass ich die DGS - von äteren Hörgeschädigten Mitschüler, die intensiv ihre Gebärden benutz haben und in der ich mich wohl fühlte und es schnell lernte und immer angewendet habe. In der UNI da ich in dem Bereich studiere auch Gebärdenlinguistik hatte ist es mir bewusster wie die DGS aufgebaut ist, vorher war es nur ein Anwenden, heute weiß ich wie das ganze aufgebaut ist warum man so gebärdet und nicht anders.


mit der anwendung DGS hab ich mir nicht die lautsprachliche entwicklung verbaut, ich kann sehr gut sprechen wie normal hörende menschen es tun, daher denk ich dass es ganz das gegenteil hierbei ist, dass ich dadurch viell weil ich die DGS benutzt habe es etwas leichter hatte die Sprache der hörende zu verstehen...aber dass kann ich nicht genau sagen, weil ich es nicht genau weißt..aber verbaut hab ich es mir auf jeden fall nicht.
denke es kann nur fördernd sein für andere hörgeschädigte Kinder...DGS macht nicht die Lautsprache kaputt wie viele so meinen.

aber warum ich mein CI abgesetzt habe, bekommt man auch im Film mit...:)
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#75 03.10.2008, 21:44
Florian Pietsch Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Ok, dann hast du die Gebärdensprache erst im SCHULkindalter gelernt und nicht im Kleinkindalter, was du woanders schriebst.

Warum bist du auf die Gehörlosenschule gegangen? Ist eigentlich logisch, dass man dann dort die Gebärdensprache lernt, weil das alle anderen machen. Genauso wie die LBG an den Schwerhörigenschulen dazu gelernt wird.

Ich bin auf eine integrative Regelschule gegangen. Gab es diese Mögliichkeit bei Dir nicht?

Warum hast du das CI abgelegt? Sorry, ich weiß es nicht mehr so genau.

Du schreibst:
"mit der anwendung DGS hab ich mir nicht die lautsprachliche entwicklung verbaut, ich kann sehr gut sprechen wie normal hörende menschen es tun, daher denk ich dass es ganz das gegenteil hierbei ist, dass ich dadurch viell weil ich die DGS benutzt habe es etwas leichter hatte die Sprache der hörende zu verstehen...aber dass kann ich nicht genau sagen, weil ich es nicht genau weißt..aber verbaut hab ich es mir auf jeden fall nicht."

Dadurch, dass du das CI nicht trägst, wird das Ganze dann meiner Meinung nach ad absurdum gedreht. Wenn du schon so "gut" sprechen kannst, wie du sagst, warum trägst du dann das CI nicht? Du brauchst das CI doch um deine Lautsprache zu pflegen, zu modulieren?!

Entscheidend ist, dass du als Kleinkind lautsprachlich gefördert worden bist, in einer Zeit also, wo die Synapsen etc. sich ausbilden konnten. Die DGS kam ja erst viel später und daher konnte sie den Lautspracherwerb auch nicht beeinflussen.

Ich bin aber davon überzeugt, dass die DGS, auch wenn sie erst später gelernt wird, das Pflegen der Lautsprache negativ beeinflusst, was man auch an den Kindern in den Sonderschulen immer wieder beobachtet. Ich kenne Schüler, die nach Schmid-Giovannini gefördert wurden, in die Lautsprache kamen und die dann aber auf die Schwerhörigenschulen gingen, wo es dann ganz anders war, eine "entspannte", angenehme Umgebung vorherrschte, sie lernten die DGS, sie verstummten, bzw. haben wenn überhaupt nur noch eine radebrechende Lautsprache. Das hatte dann auch dazu geführt, dass viele auf die frühere lautsprachliche Förderung sauer waren, weil sie meinten, es wäre schöner gewesen, von Anfang an mit DGS gefördert zu werden.

Aber was viele vergessen, eine Sprache muss gepflegt werden. Das gilt insbesondere für Hörgeschädigte. Deswegen bin ich auch so froh über das CI, denn damit verbesserte ich meine Aussprache und Artikulation enorm.

Das Leben ist nicht einfach. Ich habe mich immer gefordert, und daran wachse ich auch. Ich weiß, wo ich heute stehe und daher weiß ich auch, es hat sich zehnmal gelohnt. Ich bin froh, dass ich mich verwirklichen konnte, meine Fähigkeiten ausbauen, nutzen konnte. Die Lautsprache ebnete mir den Weg in die Gesellschaft der hörenden Mehrheit, an der ich teilhaben kann. Viele, die nicht mit Hörgeschädigten zu tun haben, merken es nicht mal, dass ich hörgeschädigt bin, denken, dass ich aus dem Ausland komme, einen Dialekt oder so spreche.

Ich engagiere mich hier grad deswegen so, denn eigentlich müsstest du Deiner Mutter dankbar dafür sein, wie sie dich gefördert hat. Es tat mir so weh, als ich den Film gesehen habe, wo Deine Mama meinte, es wäre besser gewesen, wenn sie früher auch die DGS gelernt hätte. Ohne die damalige lautsprachliche Förderung hättest du kein CI bekommen. Schön, dass Deine Mama nun die DGS lernt!

Ich weiß nicht, wo du heute stehen würdest, wärest du von Anfang an gebärdensprachlich gefördert worden. Den bilingualen Weg, wie er heute propagiert wird, gab es damals noch nicht. Wahrscheinlich würdest du nicht mal hier im Forum schreiben und dich einbringen. Das schätze ich sehr an dir, dass du deine Erfahrungen berichtest, uns daran teilhaben lässt, nur finde ich, das hast du Deiner Mutter zu verdanken.

Sorry, dass ich teilweise so emotional war, aber ich weiß, was für eine enorme Anstrengung es für die Mütter damals war, ihre Kinder zu Sprache zu bringen, zumal die Hörschädigung der Kinder früher erst viel später als heute diagnostiziert werden konnte und die Hörhilfen nicht so gut wie heute waren.

Florian
Bds. hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig(≤120dB).Diagn. d. Hörschädigung:15mon.Hörhilfenversorgung bds.:16mon.Lautsprachlich erzogen.Seit 16.LJ CI auf dem linken Ohr.In Ausbildung zum Arzt.
↑  ↓

#76 03.10.2008, 22:04
PetraAnett Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
.....................
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 09.11.2008, 14:56 von PetraAnett. ↑  ↓

#77 03.10.2008, 22:08
Momo Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Off-Topic:
Zitat von Florian Pietsch:
.....Warum bist du auf die Gehörlosenschule gegangen? Ist eigentlich logisch, dass man dann dort die Gebärdensprache lernt, weil das alle anderen machen. Genauso wie die LBG an den Schwerhörigenschulen dazu gelernt wird.
Naja, warst du mal in einer SH Schule? Von schulischer Seite kommt da so gut wie nichts an gebärdensprachlicher Förderung (nur in einzelnen Klassen hier bei uns, bei engagierteren Lehrern).

Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
↑  ↓

#78 03.10.2008, 22:46
Florian Pietsch Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Momo:
Off-Topic:
Zitat von Florian Pietsch:
.....Warum bist du auf die Gehörlosenschule gegangen? Ist eigentlich logisch, dass man dann dort die Gebärdensprache lernt, weil das alle anderen machen. Genauso wie die LBG an den Schwerhörigenschulen dazu gelernt wird.
Naja, warst du mal in einer SH Schule? Von schulischer Seite kommt da so gut wie nichts an gebärdensprachlicher Förderung (nur in einzelnen Klassen hier bei uns, bei engagierteren Lehrern).
richtig, aber in der Pause wirst du dann merken, was ich meine....

Bds. hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig(≤120dB).Diagn. d. Hörschädigung:15mon.Hörhilfenversorgung bds.:16mon.Lautsprachlich erzogen.Seit 16.LJ CI auf dem linken Ohr.In Ausbildung zum Arzt.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 03.10.2008, 22:47 von Florian Pietsch. ↑  ↓

#79 03.10.2008, 22:55
Jerry Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Florian Pietsch:

richtig, aber in der Pause wirst du dann merken, was ich meine....

An den SH-Schulen, die ich kenne und selbst 10 Jahre war, ist das nicht so. Da ist gebärden "verpönt", da wird einem von den Lehrern (und Erziehern im Internat) eingeimpft, dass man gebärden "gar nicht nötig" hat. - Ich kann es bis heute nicht.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 03.10.2008, 22:56 von Jerry. ↑  ↓

#80 03.10.2008, 22:57
Florian Pietsch Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Jerry:
Zitat von Florian Pietsch:

richtig, aber in der Pause wirst du dann merken, was ich meine....

An den SH-Schulen, die ich kenne und selbst 10 Jahre war, ist das nicht so. Da ist gebärden "verpönt", da wird einem von den Lehrern (und Erziehern im Internat) eingeimpft, dass man gebärden "gar nicht nötig" hat. - Ich kann es bis heute nicht.

Dir ist schon klar, dass wir hier die LBG meinen?
Bds. hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig(≤120dB).Diagn. d. Hörschädigung:15mon.Hörhilfenversorgung bds.:16mon.Lautsprachlich erzogen.Seit 16.LJ CI auf dem linken Ohr.In Ausbildung zum Arzt.
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