#101 04.10.2008, 19:13
Momo Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
hallo florian

also mir fällt zu eingen deiner äußerungen nur ein
-bekomme erstmal selber kinder und dann vielleicht eins mit einer hörbehinderung
-dann erzähle mir, dass du einfach mal so dich für ein ci entscheidest
-dann verbietest du gebärden, weil die die ls hemmen
danach können wir uns gerne nochmal austauschen.

also anfangs fand ich kja einige deiner äußerungen überlegt und sinnvoll/ hilfreich, aber was du da loslässt über eltern, familein, regelschulbesuche und zur not demit verbundene umzüge, über an grenzen gehen usw. entschuldige mal, aber meinst du eigentlich ich denke mein kind ist blöd, weil es zur sh schule geht? oder ich eine schlechte mutter, weil ich in kauf nehme, dass er dort gebärden lernt oder noch schlimmer, weil ich zuhause gebärde? hätte ich mein kind ungeachtet seiner psychischen verfassung in die regelschule schicken sollen? klar hätte er auch dort das penasum irgendwie geschafft und stell dir vor ich truae ihm das auch zu! nur wäre er glücklich dabei? eindeutig nein!

und um es mal ganz deutlich zu sagen: mein sohn ist ein ziemlich schlaues kerlchen und hat mittlerweile sehr darunter zu leiden, dass von allen seiten immer wieder an uns rangetragen wird "wenn er sein ci hat, kann er ja endlcih zu regelschule" 1. ist der grund fürs ci mit sicherheit nicht der wunsch ihn zur regelschule zu schicken 2.was sagt man ihm indirekt damit? "du bist zu schlecht, um es auf der regelschule zu schaffen" habt ihr euch eigentlich mal überlegt wie überheblich das klingt, wenn der regelschzulbesuch immer als das maß aller dinge herausgestellt wird. wie verletztend solche kommentare für die kinder selber, aber auch für uns eltern sind, die sicher nicht der einfachheit halber den weg sh schule gewählt haben, sondern aus gutem grund?

so wie dgs nicht jedermanns weg sein kann und muss, muss es das ci nicht. es hängt von so vielen faktoren ab für welchen weg man sich entscheidet (auch schulisch). und das was für dich ja vielleicht gut war, muss es nicht für alle anderen sein. es ist sicher immer gut und hilfreich von den erfahrungen anderer zu lesen und sich dann selber eine meinung zu bilden. die entscheidung aber muss man selbst für sein kind treffen mit allen individuellen vorraussetzungen.

gruß
momo- deren sohn auf die sh schule geht, dort glücklich ist, sehr gut ls spricht und trotzdem auch lbg lernt
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#102 04.10.2008, 19:16
guenter k. Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Also mal ganz ehrlich,

es gibt ein Recht auf integrative beschulung und es liegt an den Eltern selbst dieses Recht auch einzufordern.

Der Weg dahin ist zugegeben nicht einfach. Da stösst man auch auf Granit, wie Lehrer die nicht einsehen, das dem sh Kind ein paar Exstrawürste wie Wiederholen der Fragen und Zeitgutschriften bei Arbeiten etc. gebraten werden sollen-

Aber da hilft nur Beharrlichkeit und auf keinen Fall wackeln.

Es geht auch wenn man manche Klippen umschiffen muss. Diese Kinder gehören dazu und nicht an den Rand gedrängt.


Günter
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#103 04.10.2008, 19:25
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Momo:
also mir fällt zu eingen deiner äußerungen nur ein
-bekomme erstmal selber kinder und dann vielleicht eins mit einer hörbehinderung
-dann erzähle mir, dass du einfach mal so dich für ein ci entscheidest
-dann verbietest du gebärden, weil die die ls hemmen
danach können wir uns gerne nochmal austauschen.

Da diese Fragen auch an mich gestellt werden könnten (und ich sie immer wieder höre), antworte ich auch mal für mich. Du erlaubst?

Meinst du, dass es einfacher ist, für sich selbst für ein CI zu entscheiden? Sei du selbst von Geburt an gehörlos und entscheide dich dann im Erwachsenenalter für ein CI, mit der Gewissheit, dass man vom CI niemals sp profitieren wird wie ein frühimplantiertes Kind.

Ich finde den Weg, den meine Mutter gewählt hat, perfekt, ich bin ihr im Charakter sehr ähnlich (wie mir Vater und Bruder gern manchmal im Streit vorwerfen :D), also gehe ich davon aus, dass ich so wie sie handeln würde. Wink Mene Mutter sagt, wenn es das CI schon damals für Kinder gegeben hätte, hätte ich es als Kleinkind bekommen. Sie hat sehr hart um Hörgeräte gekämpft, denn damals, als ich zur Welt kam, hieß es noch, dass Hörgeräte Restgehör zerstören würden. Und somit bekam ich sie für damalige Verhältnisse sehr früh.

Außerdem gibt es mittlerweile sehr viele Eltern, die den Mut hatten, ihr Kind mit einem CI versorgen zu lassen. Aber uns, Florian und mir (wie auch schon geschehen), wird Ängstlichkeit prophezeit? Ich kenne Florian sehr gut, ich kenne ihn seit dem Kindesalter und ich bin mir 100%ig sicher, dass er sich für ein CI entscheiden würde, zumal er obendrein sehr gut um die möglichen Risiken Bescheid weiß. Smiling

Der Grund, warum Hörgeschädigtenschulen (weiterführende Schulen ausgenommen) verurteilt werden, ist, dass das Niveau des Unterrichts teilweise erschreckend niedrig ist. "Unterricht nach dem Regelschullehrplan" heißt meistens, dass die Inhalte dieselben sind, aber die Arbeitsblätter sind vereinfacht (nicht in allen Schulen!).
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#104 04.10.2008, 19:25
Momo Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Ja Günther, ich weiss. Mein Sohn fühlt sich aber auch am Rand wenn extra für ihn wiederholt werden muss, wenn alle mal eben schnell was abmachen, losrennen und er belibt stehen weil er nix mitbekommen hat. Es ist eben einfach viel mehr als ein gut gedämmtes Klassenzimmer, ein engagierter Lehrer, gute HGs, konsequentes Nutzen der FM, extra Förderstunden (schon wieder ne Extrawurst) usw. Für viele mag das ein guter Weg sein und wäre es ein guter Weg für unseren Sohn gewesen, hätte ich drum gekämpft glaub mir. aber es ist nicht sein weg und zwar nicht weil er doof ist oder schlecht spricht, sondern es spielen einfach noch andere faktoren mit rein, die man gar nicht so hier ausbreiten kann (dauert viel zu lange und wäre mir auch zu persönlcih).
1. mein sohn fühlt sich aber nicht am rande: er geht auf eine andere schule- naund? wenn nicht ständig immer alle so negativ drüber reden würden, sondern das auch einfach als eine gute möglichkeit betrachten würden, bekäme er auch nicht ständig das gefühl "nicht zu genügen". bisher leisten die an leistung das gleiche wie die regelgrundschule im ort.

2.wäre die zuständige integrationsschule auch nicht die wo alle nachbarn hingehen, sprich er wäre sowieso auf einer anderen schule

3.findet integration nicht nur im unterricht und in der pause (da zeigt sich leider ja auch oft, dass die kinder doch nicht so integirert sind und am rand stehen) statt, sondern auch im alltag, sportverein, nachbarfreundschaften usw. ->ich würde meinen sohn schon als recht integriert beschreiben was sein privates umfeld angeht (freunde vor ort) und er hat noch dazu ein paar andere freunde aus seiner schule...

gruß
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#105 04.10.2008, 19:33
Momo Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
@gudrun: nein ich wollte nicht unterstllen, dass euch die entscheidung für ein ci leicht gefallen ist. trotzdem denke ich, dass man als nicht-eltern doch vorsichtig sein sollte mit tollen ratschlägen bezüglich kinder anderer leute und mit der vorverurteilung anderer eltern (so nach dem motto, "wenn du dein kind auf die sh schule schickst, traust du ihm nichts zu" usw.
und klar ist es schwierig für sich selbst eine entscheidung zu treffen, aber ich finde es schwieriger eine entscheidung zu treffen für jemand anderes, mein kind. ein kind vertraut dir absolut und irgendwann wird es vielleicht fragen "warum?" und da sollte man sich schon sicher sein.

damit wir uns nicht falsch versthen: mein sohn bekommt ja nun auch ein ci. und er wächst auch in lautsprache auf. lbg besser lug nutzten wir nur in schwierigen hörsituationen, wobei er selber niemals gebärdet, sondern immer ls spricht (auch ohne hg, dann in entsrechender lautstärke Wink ). und auch ich wünsche mir für mein kind ein selbsständiges leben und eine gute (aus)bildung. aber in erster linie wünsche ich nmir auch ein glückliches kind!

Gruß
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#106 04.10.2008, 20:06
Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Gudrun:
Florian hat neben der Möglichkeit des Umzugs noch die des Internats angesprochen. Ich weiß, dass auch das nicht einfach ist.
Meine Eltern hatten mit der Nähe zu München das unglaubliche Glück des Wahlrechts. Als ich am Regelgymnasium phasenweise mit den Schwierigkeiten wegen der Hörschädigung zu kämpfen hatte, nahmen sie prophylaktisch Kontakt mit dem Gisela-Gymnasium auf. Ich hatte aber trotz Probleme (die ja nur phasenweise auftraten) nie den Wunsch verspürt, die Schule zu wechseln, weil ich meine Freunde nicht verlieren wollte.

Timmtomm, ich habe es nicht so empfunden, dass Florian Taubheit und Blindheit miteinander vergleicht.

Hallo Gudrun,

aber Du bist vielleicht auch ein anderer (sehr starker, oder stark gewordener ?) Charakter. Ich weiß, dass es die Möglichkeit des Internats gibt und für einige Kinder ist das sicherlich eine tolle Lösung, aber eben nicht für alle. Du bist vielleicht auch so stark gewesen auf eine Regelschule zu gehen und ebenso eine Menge anderer Kinder, aber das gilt eben nicht für alle Kinder. Und Florians Aussagen habe ich als viel zu allgemein empfunden. Deshalb kann ich auch Momos Reaktion sehr gut verstehen. Denn seine Meinung unterstellt ja eigentlich anderen Eltern, dass sie nicht genügend Kämpfen würden. Wenn es alles so leicht wäre und immer nur um Wille, Durchsetzungsvermögen und Kämpfergeist gehen würde. Aber da ist ja eben nun auch noch das Kind. Ich habe teilweise so erschreckende Formen der Integration gesehen. Das Kind hat sich einfach nicht wohl gefühlt innerhalb der Klasse. Immer musste es nachfragen, auf sich aufmerksam machen und kämpfen. Und die anderen kinder, die hatten es so leicht. Die durften einfach Kinder sein. Das muss man auch mal sagen. Du kennst doch sicherlich das "Little-fish-big-pond" Konzept. Das kommt bei Florians Argumentation gar nicht zum tragen.

Ich habe mich über diesen Blindheitsvergleich nur aufgeregt, weil Florian eigentlich wissen müsste, dass dieses Konzept noch lange nicht ausgereift ist. Wer also auf solchen Ebenen diskutiert, der sollte sich schon den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass er immer nur alles verallgemeinert und ziemlich leicht darstellt. (Und ganz ehrlich, Florian, Dein Beitrag zu diesem Implantat erinnert mich immer an die ganz jungen Assistenzärzte, die immer gern alles wissen wollen und am Ende dann von uns aufgeklärt wurden, weil sie doch gar nichts wussten und lieber gar nichts gesagt hätten.)

Grüße!
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#107 04.10.2008, 20:18
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Timtomm:
Ich weiß, dass es die Möglichkeit des Internats gibt und für einige Kinder ist das sicherlich eine tolle Lösung, aber eben nicht für alle.

Das schrieb ich auch. Aber mir fiel eben auf, dass ihr euch alle nur auf "Umzug" konzentriert habt und "Internat" total ausgelassen habt. Wobei ich es aber genauso verstehen kann, wenn Familien auch damit ein Problem haben. Leider gibt es nur sehr wenige Schulen für Hörgeschädigte.

P.S.: Momo, ich glaube, ich habe euch noch gar nicht viel Glück gewünscht. Ich wünsche euch für die bevorstehende CI-OP auch alles Gute!
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#108 04.10.2008, 21:14
PetraAnett Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
......................
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#109 04.10.2008, 21:23
guenter k. Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Momo,

mein Püsting ging ganz klar an Petra Anett und da sollten wir es llassen-

Jeder teifft seine Entscheidung nach seinen Gegebenheiten. Ich finde allerdings, das viel zuviele die Flinte viel zu zu früh ins Korn werfen Ihr tut euren Kindern damit auch was an.

Günter
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#110 04.10.2008, 21:31
PetraAnett Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
[..................
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#111 04.10.2008, 21:35
Mia2003 Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo Petra Anett!
Ich würde meine Kinder auch nicht aufs Internat schicken, das hat für mich immer sowas wie "abnabeln". Aber da hat ja auch immer jeder seine eigene Meinung. Als Mutter hat man eben lieber die Kinder jeden Tag um sich, ich verstehe Dich!
LG Nicole
Mia geb. 06/2003
1. CI 04/2007 AB
2. CI 09/2009 AB
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#112 04.10.2008, 21:38
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo Petra,

ich werfe niemandem was vor. Ich persönlich mag solche "ihr"-Kommentare nicht, weil sie uns damit in einen Topf werfen. Außerdem kenne ich Florian persönlich und ich glaube, dass ihr ihn anders versteht als ich, aber besser, er antwortet selbst.

Ich habe allerdings - großes SORRY - schon den Eindruck, dass manche Eltern (was ich im Lauf der Jahre im gesamten Internet und im Realleben erlebt habe) es sich einfach machen, sie jagen ihr Kind von Therapie zu Therapie statt mit ihm etwas zusammen zu machen, wo Sprache gefördert wird, und zwar so, dass das Kind sich gar nicht therapiert fühlt.
Tun sie das nicht, kommt das Argument, mein Kind hat es doch so schwer.
Diese Mitleidsmasche, die ich schon einige Male erlebt habe, bringt mich auf die Palme. Mitleid bereitet das Kind nicht auf das Leben vor. Solange euer Kind klein ist, könnt ihr es trösten und auffangen, wenn es wegen der Hörschödigung Probleme hat. Aber ist euer Kind mal erwachsen, muss es auf eigenen Füßen stehen und mit allen Widrigkeiten selbst fertig werden.
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#113 04.10.2008, 22:04
PetraAnett Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
.
Entschuldigung.
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#114 04.10.2008, 22:08
guenter k. Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Liebe Petra Anett,

Fachleute sollte man schon einschalten, ich wüsste jetzt allerdings nicht wo und in welchem Zu´sammenhang ich dir da was geraten haben sollte.

Mach das was du für richtig hälst.

Günter
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#115 04.10.2008, 22:15
PetraAnett Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
[.................
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#116 04.10.2008, 22:20
Gudrun Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Hallo Petra, ich meinte diesen Satz: "Ich würde euch bitten, dass ihr uns nicht vorwerft als würden wir den einfachen Weg gehen". Er ist nicht fair mir gegenüber, weil ich derartiges hier nie geschrieben habe.

Ich weiß nicht, welche Aussagen von mir dich treffen. Ich habe das Gefühl, dass du meine Aussagen und die von Florian vermischt und nicht mehr differenzierst, wer was tatsächlich geschrieben hat.

Ich bin pro Regelschule, aber nicht um jeden Preis und das habe ich hier auch indirekt geschrieben.

Wenn eine Mutter weiß, dass der Weg, den sie geht, ein gut überlegter ist (und nicht ein möglichst einfach gewählter aus Gründen der eigenen Bequemlichkeit), braucht sie sich von meinem Posting gar nicht angegriffen zu fühlen, denn solche Mütter meinte ich nicht.
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#117 04.10.2008, 22:30
PetraAnett Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Entschuldigung.
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#118 05.10.2008, 01:22
Florian Pietsch Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Timtomm:

(...)Aber da ist ja eben nun auch noch das Kind. Ich habe teilweise so erschreckende Formen der Integration gesehen. Das Kind hat sich einfach nicht wohl gefühlt innerhalb der Klasse. Immer musste es nachfragen, auf sich aufmerksam machen und kämpfen. Und die anderen kinder, die hatten es so leicht. Die durften einfach Kinder sein. Das muss man auch mal sagen. Du kennst doch sicherlich das "Little-fish-big-pond" Konzept. Das kommt bei Florians Argumentation gar nicht zum tragen.
(...)
Grüße!

Du wirst staunen, aber mir kommt die von dir geschilderte Situation total gut bekannt vor. Es war die Zeit vor dem CI, die Zeit, wo alle Kinder heftig pubertierten. Es gab auch Streit mit Klassenkameraden, es gab einige doofe Zicken, die mich wegen meiner Hörbehinderung hänselten. Ja, auch ich musste in der Schule durchkämpfen. Bin ich deswegen ein psychisches Wrack?

Die durften einfach Kinder sein? Ach? Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Ich habe dies erst später begriffen. Ich war damals so egoistisch und unbequem, weil ich mir das, was akustisch entging, holen musste. So entging mir, dass auch die anderen Probleme haben. Dass ich nicht der einzige bin. Ich war gezwungenermaßen so egoistisch, dass ich auch schon mal den Lehrer daran erinnerte, die Hausaufgaben zu besprechen, weil das für mich enorm wichtig war. Denn so konnte ich u.a. zeigen, wozu ich in der Lage bin etc. Ja, ich dachte eine Zeit lang so, dass ich das Recht dazu habe, mir all das zu holen, was ich brauche. Ich machte mich so gewaltig unbeliebt, ohne es zu merken. Ich dachte immer, die anderen sind schuld. Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst vieles hochgeschaukelt habe.
Dann kam das CI und damit ein Wendepunkt. Daher weiß ich auch, warum es so wichtig ist, gut zu hören. Ich wurde lockerer, war nicht mehr so verkrampft, fühlte mich dazugehörig. Ich habe das schon oft beschrieben, man kann es in diverser Literatur nachlesen. Meine Abirede habe ich auch noch irgendwo, da geht klar hervor, dass es nicht immer einfach war und ich schlug Verbesserungen vor.

Wie konnte ich dies überhaupt schaffen, wie konnte ich die Zeit bis zum Abi überhaupt überstehen?
- Ich hatte engagierte Eltern zu Hause, die zu mir standen und die mit den Lehrern sprechen, etc.
- mein Durchhaltevermögen, meine Energie: In dieser wilden Zeit, wo alle wie verrückt pubertierten, wie oben beschrieben, war auch ein Schulwechsel erwogen worden, aber ich sagte, ich schaffe das.
- Prof. Löwe als Mentor: Er nahm mich als kleiner Junge immer wieder auf seine Seminare ("Pädagogische Hilfen für hörgeschädigte Kinder in Regelschulen", Armin Löwe, Edition Schindele, ISBN 3-89149-187-5) mit, um anhand meines Beispiels zu zeigen, dass es nicht unmöglich ist.
- mein Bruder, der auf ein normales Gymnasium mit großen Klassen ging: --> gesunder Ehrgeiz Wink
- Lehrer, die sich auf meine Bedürfnisse einstellten.
- Mein Vater war im Biounterricht da und hat über Hörschädigungen gesprochen, damit die Kinder überhaupt eine Ahnung bekamen, was es bedeutet, nicht gut zu hören.
- Prüfungszeitverlängerung
- Diktate wurden für mich ein zweites Mal abgehalten, um sicher zu gehen, dass es kein akustisches Problem war. Manchmal wurde das französische Wort in Lautschrift an die Tafel geschrieben. und wenn ich es dann immer noch nicht verstand, konnte man davon ausgehen, ich kannte das Wort einfach nicht
- anstatt im englischen Diktate abzuhalten, wurden Vokabeltests und Compositionen gemacht. Und zwar so, dass die Kinder nicht mitbekamen, dass es wegen mir so ist.
- usw. usf.

ich bin daran gewachsen. Und nein, es war kein Größenwahn. Es ist mein Weg. Ging auf die Uni. Ohne Dolmetscher. Und merkte, es liegt an einem selbst. Es liegt an dir selbst, wie du durchkommst. Diese Einsicht hätte ich ohne CI wahrscheinlich nicht bekommen. Nun stehe ich vor dem Staatsexamen.

Ja, ich sehe es so, es wird den Kindern zu wenig zugetraut. In einem Kind steckt oft mehr drin, als man es glaubt. Da hat es so eine tolle Lautsprachkompetenz und dann kann es diese Chance der Regelbeschulung nicht nutzen? Aus Angst vor der oben beschriebenen Situation, dass das eigene Kind dem nicht gewachsen sein könnte?

Der Weg war nicht einfach, aber ich bin daran gewachsen. Ich muss zugeben, mein Organisationstalent ist in dieser Zeit entstanden. Ebenso meine Akribie (im Kunstsaal musste angeblich an meinem Arbeitsplatz alles an seinem Platz liegen, bevor ich loslegen konnte), nur um einiges zu nennen. Das CI ermöglichte es mir erst, dass ich diese Chancen nutzen und ausbauen konnte. Ohne CI könnte ich Patienten nicht auskultieren etc.

Die Kinder von heute haben viel bessere Ausgangsbedingungen wie ich. Sie könnten, wenn man es an uns misst, so wie Markus zurecht kommen. Ich bin darüber sehr froh, denn ich weiß von mir selbst, wie viel Nachholbedarf ich nach der CI-Versorgung hatte.

Gut zu hören, ist wohl das Wichtigste, um an den Menschen zu kommen. Heute nehme ich es wahr, wenn es einem nicht gut geht. Wenn er bedrückt, traurig ist usw. usf. Ich war früher so in mich eingeigelt, dass ich den anderen Menschen gar nicht so richtig wahrnahm, weil ich selbst mit meinen Problemen zu kämpfen hatte.

Für mich ist es das Wichtigste, dass ein Kind die Chance bekommt, seine Fähigkeiten zu entwickeln. Sich selbständig ohne fremde Hilfen, wie alle anderen Menschen auch, einbringen zu können. Daran zu wachsen. usw. Eine Hörschädigung ist in meinen Augen bei erfolgter Rehabilitation keine Behinderung mehr, ich fühle mich nicht behindert, höchstens eingeschränkt. Doch jeder Mensch hat Einschränkungen. Was ich nicht so gut kann, bekomme ich von einem anderen. Was der andere nicht so gut kann, bekommt er von mir.

Gute Nacht
Bds. hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig(≤120dB).Diagn. d. Hörschädigung:15mon.Hörhilfenversorgung bds.:16mon.Lautsprachlich erzogen.Seit 16.LJ CI auf dem linken Ohr.In Ausbildung zum Arzt.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 05.10.2008, 01:25 von Florian Pietsch. ↑  ↓

#119 05.10.2008, 10:12
Momo Abwesend
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Dabei seit: 23.07.2002
Beiträge: 5.158


Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN
Zitat von Timtomm:
.... Und Florians Aussagen habe ich als viel zu allgemein empfunden. Deshalb kann ich auch Momos Reaktion sehr gut verstehen. Denn seine Meinung unterstellt ja eigentlich anderen Eltern, dass sie nicht genügend Kämpfen würden. Wenn es alles so leicht wäre und immer nur um Wille, Durchsetzungsvermögen und Kämpfergeist gehen würde. Aber da ist ja eben nun auch noch das Kind. Ich habe teilweise so erschreckende Formen der Integration gesehen.

Danke Timtomm- du bringst es auf den Punkt!

Zitat von guenter k.:
Momo,
mein Püsting ging ganz klar an Petra Anett und da sollten wir es llassen-

Jeder teifft seine Entscheidung nach seinen Gegebenheiten. Ich finde allerdings, das viel zuviele die Flinte viel zu zu früh ins Korn werfen Ihr tut euren Kindern damit auch was an.
Günter

Wenn du Ihr schreibst und das so, dann meinst du doch nicht nur PetraAnett. Was meinst du damit wir (wer auch immer das sein soll???) werfen die Flinte zu früh ins Korn(woher nimmst du das Wissen, dass das so ist?) und tun unseren Kindern damit was an (ja was denn?)
Glaub mir ich bin werder der Typ Mutter, die den bequemen Weg geht (dann wäre mein Kind nicht da wo er jetzt steht), noch "werfe ich die Flinte ins Korn". Wir haben uns sehr wohl gut überlegt warum wir unseren Weg gehen und hast du dir schonmal überlegt was so manchem Kind auch dadurch angetan wird, dass es bis zum bitteren Ende durch die Regelschule "geprügelt" wird? Man kann einfach nicht pauschal sagen, welcher Weg der bessere ist. Es spielen viel zu viele Faktoren eine Rolle. Für den einen ist die Regelschule ein guter Weg (manchmal vielleicht auch "nur" ein guter Kompromiss) und für den anderen ist der bessere Weg eben die SH Schule (oder auch nur ein guter Kompromiss).
Die perfekte Schule wird es nie geben und zur Entscheidung welche Schule gehört viel viel mehr als nur Lautsprachkompetenz!


Zitat von Gudrun:
Ich bin pro Regelschule, aber nicht um jeden Preis ....
Wenn eine Mutter weiß, dass der Weg, den sie geht, ein gut überlegter ist (und nicht ein möglichst einfach gewählter aus Gründen der eigenen Bequemlichkeit), braucht sie sich von meinem Posting gar nicht angegriffen zu fühlen, denn solche Mütter meinte ich nicht.

Diese Aussage finde ich wesentlich konkreter und da kann ich zustimmen. Denn galub mir, ich bin einer (der leider wenigen) engagierten Mütter in meinem Umfeld anderer Eltern sh Kinder und habe mir die Entscheidung gar nicht leicht gemacht!

Zitat von Florian Pietsch:
Ja, ich sehe es so, es wird den Kindern zu wenig zugetraut. In einem Kind steckt oft mehr drin, als man es glaubt. Da hat es so eine tolle Lautsprachkompetenz und dann kann es diese Chance der Regelbeschulung nicht nutzen? Aus Angst vor der oben beschriebenen Situation, dass das eigene Kind dem nicht gewachsen sein könnte?

Wenn das nicht verallgemeinernd ist, was dann?
So eine Aussage empfinde ich als eine absolute Frechheit. Und du als angehender Arzt, solltest wissen, dass zu einer Schulreife allgemein mehr gehört als Sprach, Schreib usw. -kompetenz, sondern vor allem auch die soziale, emotionale und psychische Reife und die Bedingugnen, die die zukünftige Schule zu bieten hat. Und auch das muss in die Entscheidung Regelschule oder SH Schule miteinbezogen werden.

Ich hoffe, dass du als Arzt später mit deinen Therapievorschlägen an deine zukünftigen Patienten etwas überlegter vorgehst und vielleicht nicht immer deine Meinung und Erfahrung auf alle überträgst!


Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#120 05.10.2008, 10:52
MadameBovary Abwesend
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Betreff: Re: WICHTIGE INFO VIEL SPAß BEIM SCHAUEN

Ich war selbst auf nur Regelschule, nur mit HG bei einem HV von 100dB ohne CI. Die einzigen Extrawürste war die Verwendung der FM-Anlage ab der Mittelstufe und in der Oberstufe durfte ich in einigen Fächern statt Epocalnote einen Vortrag halten oder wurde separat mündlich abgefragt, was ich alles so weiss.
Meine Hörschädigung wurde nicht so aufgebauscht, so dass die Mitschüler nicht das Gefühl hatten, dass ich im Mittelpunkt stehen muss. Ich hatte Freundschaften in meiner Klasse, wir halfen uns gegenseitig, eigentlich hatten wir keine enge Bindung zu den Lehrern, wurde auch nicht gebraucht. Die Lehrer mussten nicht für mich in die Bretsche springen, sondern konnten einfach untereinander sagen (bekam meine Eltern beim Elternsprechtag mit), dass ich in deren Augen in der Klasse integriert bin. Und dass es andere Schüler gibt, die im Vergleich zu mir gar nicht bzw. kaum integriert sind.
In der 5. Klasse haben meine Eltern zum ersten und zum letzten Mal die Schule/Direktorin/Klassenlehrer/Hauptfachlehrer in der Sprechstd. über mich aufgeklärt. Meine Klassenkameraden wurden von mir aufgeklärt oder machten selbst ihre Beobachtungen. In der 7. Klasse bekam ich eine neue Klassenlehrerin, diese merkte erstmal gar nicht, wer und wo das hörgeschädigte Kind in ihrer Klasse ist. Erst als der Klassenlehrer von der 5./6. Klasse sie mal im Lehrerzimmer ansprach, wie es mit mir so läuft, nach einigen Wochen, erfuhr sie, dass sie mich hat Wink und steuerte auf mich zu und hatte dann ein Gespräch mit ihr.
Ich bin SEHR FROH drum, dass ich mein Abi auf der Regelschule gemacht habe. Ich habe zeitgleich miterlebt, was man fürs Abi lernt auf einer reinen Hörgeschädigtenschule. Im Vergleich dessen habe ich viel, viel mehr gelernt und bekam auch fürs später (besonders fürs Studium) viel mitgegeben. Das war einer weiteren 3. Person klar, so dass sie von ner SH-Schule zur Regelschule mit Erfolg gewechselt hat.

Ich bin mir 1000% sicher, wenn ich in meiner Schulzeit bereits das CI gehabt hätte, hätte ich sowohl in der Schulzeit als auch im Leben neben der Schulzeit viel davon gehabt. Das heisst nicht, dass ich im Abseits stand. Ich hatten eigene Strategien, so dass ich irgendwie und überall mitmischen konnte.
Viele Grüße
MB
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