#1 23.09.2013, 22:06
HilleZ
Gast


Betreff: Logopädie als Hörtraining?
Hallo,
unsere Tochter Sarah ist gerade 4 Jahre alt geworden, sie ist von Geburt an schwerhörig (asymetrische Schwerhörigkeit, links hochgradig, rechts an Taubheit grenzend) und trägt Hörgeräte seit sie ein paar Monate alt ist. Durch die HGs hat sie eine völlig unauffällige Sprachentwicklung und ist auch sonst überhaupt nicht eingeschränkt. Im August waren wir zur Kontrolle in der Uniklinik in Freiburg, dabei wurde auf dem rechten Ohr ein sehr schlechtes Sprachverständnis gemessen, links war es gut. Die Sorge dabei ist, dass sie das rechte Ohr zu wenig nutzt, weil das linke ja deutlich besser ist, und sich dadurch die Schallverarbeitung rechts verschlechtern könnte. Darum wurde uns von der Frühförderstelle geraten, Logopädie in Anspruch zu nehmen, um das rechte Ohr zu aktivieren/trainieren. Aber davon habe ich noch nie was gehört. Wisst ihr was dazu?
Gibt es so spezielle Logopädie? Und wie heißt sie? Und wie finden wir sie?
Liebe Grüße,
Hille
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#2 23.09.2013, 23:51
Coralie Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.12.2009
Beiträge: 331


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Deine Frage werden andere Sprach-Spezialisten hier noch besser beantworten als ich, aber aus eigener Erfahrung:wenn ein Ohr fast taub ist hört es halt nicht genug um Sprache aus dem ankommenden Klangbrei zu verstehen, da hilft kein Sprachtraining sondern ein CI....wenn Deine Tochter sich trotz der massiven Höreinschränung so toll entwickelt hast wie Du es beschreibts vollbringt sie schon ständig eine kognitive Maximalleistung und ist wahrscheinlich besser trainiert als es es jeder Logopäde fördern kann, was soll da aktiviert werden, Sprache versteht sie doch grundsätzlich und das Schlechthören eines fast tauben Ohres lässt sich auch durch Training nicht verbessern....
CI einseitig, andere Seite mit Hörgerät versorgt bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit.
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#3 24.09.2013, 01:30
Dabei seit: 25.08.2013
Beiträge: 17


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Als Kind war ich genau so wie deine Tochter, links hochgradig schwerhörig, rechts an Taubheit grenzend schwerhörig . Auch hier eine gute Sprachentwicklung. Aber : mein rechtes Ohr wurde nicht besonders gefördert, da es schlicht und einfach zu wenig hörte. Es hatte ein HG, aber damit kam einfach viel zu wenig rein, als dass wirkliches Sprachverstehen drin gelegen hätte. Wie gesagt : Was will man da noch an dem Ohr fördern ? Für jemanden mit so einer Diagnose ist das eine Extremleistung, was deine Tochter da erbringt. Sie ist schon am Maximum. Wenn man aber dem Kind noch zusätzlich helfen will, dann wäre FM-Anlage eine Möglichkeit. Sowohl eine Smart Link oder eine Inspiro von Phonak mit dazu passenden Empfängern für ihre Hörgeräte. Denn wer so eine Extremleistung bringt, der ist häufig am Anschlag. Sprich : Es ist sehr anstrengend. Da kann man ihr mit den richtigen Hilfsmitteln noch helfen.

Ansonsten : ein an Taubheit grenzendes Ohr wäre ein Kandidat für ein CI, gerade bei bestehender Schwerhörigkeit beim anderen Ohr ( das auch ziemlich hochgradige Schwerhörigkeit hat) . In Frage käme mal eine Überprüfung, ob das Kind dafür geeignet wäre. Man muss sich aber im Klaren sein, dass ein CI kein Wundermittel ist. Und man muss auch Alternativen sich überlegen. Denn ein Hörsturz kann durchaus passieren, oder das Gehör verabschiedet sich schleichend. Oder : der Worst Case beim CI passiert : Das CI versagt. Man hört nichts. Dann muss man einen Plan B haben was man macht, wenn genau das passiert. Wie stellt ihr die Kommunikation sicher ? Welche Methode ? Da gibt es viele. Gebärdensprache, in Deutschland ist das die DGS, lautsprachbegleitende Gebärden, Fingeralphabet .. etc. Und wenn ihr ein CI wollt, dann müsst ihr Euch genau überlegen was genau ihr wollt. Denn ein CI kann man von verschiedenen Firmen haben, die haben viele Möglichkeiten. Die Op hat auch Risiken, und die müsst ihr Euch anschauen, eben wie bei jeder anderen Op es auch gibt.Da müsst ihr euch fragen : Wer soll diese Op machen ? Welche Klinik ist am vertrauenswürdigsten ? Und zuletzt : Es kommt auf Eure Tochter an. Wäre sie ohne ihr Hören unglücklich ? Oder gehen auch andere Möglichkeiten ? Wie gesagt : Nicht jeder ist fürs CI geeignet. Und nicht zuletzt : Eure eigene Bereitschaft. Denn ihr werdet über Jahre das Kind motivieren und fördern müssen. Damit müsst ihr rechnen, da ein Ci nicht von selbst zum guten Hören bringt. Ein CI bekommen bedeutet dass man das Hören noch einmal ganz neu lernt. Es kann sehr schön sein, aber manchmal auch wirklich erschreckend, weil es so viele neue Dinge auf einmal zu hören gibt.

Gruss Voyagefromsilence
Von Geburt an an Taubheit grenzend schwerhörig, re. Ohr taub, 2000 bds.ertaubt, li.CI-Implantat von Cochlear. 4.10.2013 re. CI-Implantat von Cochlear. http://voyagefromsilence.wordpress.com
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#4 24.09.2013, 08:05
otoplastik Abwesend
Moderator
Dabei seit: 12.01.2011
Beiträge: 497


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Liebe Hille,
man kann das Ohr sicher trainieren, indem man das linke HG ausschaltet in definierten Situationen. Es ist möglich, dass Deine Tochter das nicht toleriert. Falls ein Hörtraining das Sprachverständnis rechts wirklich verbesert, würde das aber immer wiederkehrendes Training bedeuten, da meist im Alltag das dominantere Ohr wieder die Führung übernimmt.
Ich kann mir vorstellen, dass ein/e Logopäde/in mit Erfahrung mit HG-/CI-Kindern das Problem verstehen kann.
Wer hat denn die Sorge geäußert, dass das rechte Ohr sich verschlechtern könnte?
Ehrlich gesagt, kann ich mir das kaum vorstellen, denn das linke Ohr mag im Hörtest ein gutes Sprachverständnis haben, im Alltag wird Deine Tochter vermutlich das rechte Ohr aber auch zum Hören benutzen, weil hochgradig eben hochgradig ist.
Ich denke auch, dass Deine Tochter eine große Leistung vollbringt, kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass man auch ohne CI gut klarkommen kann. Nur, damit nicht der Eindruck entsteht, sie wäre ohne CI nicht ausreichend versorgt.
Damit keine Missverständnisse entstehen: ich finde die vorherigen Beiträge gut und fundiert.
Herzliche Grüße, otoplastik
otoplastik
Sohn, 17 Jahre, mit 14 Monaten Meningitis, seitdem re. hochgradig und links taub,
rechts HG (Naida S IX UP), links CI seit 01/14 (Naida Q70), vorher links viele Jahre PhonakCros Smiling
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#5 24.09.2013, 22:06
HilleZ
Gast


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Liebe Leute,
erst mal vielen Dank für Eure Antworten! Ich finde es auch gut, dass sie so unterschiedlich sind, das zeigt mir - die einzig richtige Lösung gibt's eben nie, auch wenn man sich das manchmal wünschen würde.
Wichtig auf jeden Fall der Hinweis, dass Sarah schon jetzt unglaublich vieles leistet, und dass man einfach nicht zuviel wollen darf. Sie schlägt sich im Alltag so tapfer und selbstverständlich, dass wir ihre Anstrengung oft gar nicht richtig schätzen.

Zur Verschlechterung der Hörfähigkeit: in der Uniklinik wurde uns gesagt, dass sich der Hörnerv mit der Zeit zurückbilden könnte, wenn er zuwenig genutzt wird. Darum sei es wichtig, das rechte Ohr möglichst aktiv zu halten.

Zum CI: Da sie im Moment so gut klar kommt wird aktuell ein CI nicht in Betracht gezogen, wohl aber, wenn sie in die Schule geht. Weil ich vor der CI-Operation große Angst habe, will ich diese Zeitspanne unbedingt nutzen, um ihr die bestmögliche Entwicklung zu ermöglichen. Außerdem bin ich skeptisch, ob ein CI wirklich so viel bringt, habe da auch schon sehr unterschiedliches gehört und gelesen.
Darum probiere ich das mit der Logo jetzt mal, ich telefoniere einfach die hiesigen Praxen durch und lasse mir erzählen, was die Profis für Ideen haben.
Viele Grüße,
Hille
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#6 24.09.2013, 22:41
Coralie Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.12.2009
Beiträge: 331


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Ja ich kann dich gut verstehen und ein CI ist immer noch eine Option wenn sie mal nicht mehr so gut klar kommt. Allerdings sollte man bedenken, dass die Kinder zumeist nicht direkt mit dem CI gut klarkommen und auch da eine gewisse Trainingszeit ein zu rechnen ist bis die Kinder das CI gut nutzen können. Ich selber habe bei ähnlichen Hörverhältnissen wie Deine Tochter mich für das CI entschlossen bevor sich auch noch das zweite Ohr sich weiter verschlechtert (allerdings hab eich im Erwachsnenalter für mich selber entschieden), da ich das besser hörende Ohr haben wollte um das CI Ohr zu trainieren. Das hat super geklappt und nun kann ich mit CI besser hören als mit dem hörgeräteversorten hochgradig schwerhörigen Ohr, das gibt mir das gute Gefühl, dass ich, wenn die Schwerhörigkeit wie in den ganzen Jahren zuvor immer weiter fortschreitet nicht zeitweise ganz taub sein werde (solange das CI funktioniert....) denn das ist für micht solange es andere Möglichkeiten gibt als verbal kommunikativ aufgewachsener Mensch mit einem 100% verbalem Beruf nicht die erste Wahl.
CI einseitig, andere Seite mit Hörgerät versorgt bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit.
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#7 26.09.2013, 07:57
Momo Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 23.07.2002
Beiträge: 5.158


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
hallo

also ich aknn nur von meinem sohn berichten, der nach der ci OP auch hörtraining bei einem logopäden bekommen hat. vgon daher kann das schon sein.
d.h. man müsste sich einen logopäden suchen, der sich auf die bahenadlung von kindlichen hörstörungen spezialisiert hat.
da eure tochter aber erst 4 jahre alt ist, wäre das eigentlich aufgabe der (ihr zustehenden) frühförderung! da würde ich zuerst nachhaken!

grüße
Wiebke und Sohn (18 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#8 27.09.2013, 21:18
HilleZ
Gast


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Liebe Leute,
über die Frühförderung habe ich inzwischen zwei Logopäden genannt bekommen, bin mal gespannt, was die mir sagen können.
Coralie, wenn es möglich ist, würde ich das CI für Sarah so weit hinauszögern, bis sie selbst entscheiden kann. Bisher ist die Schwerhörigkeit bei ihr nicht fortschreitend und wenn sie sich weiter so tapfer schlägt, ist das vielleicht zu verantworten. Danke, Dein Beitrag hat mich ermutigt!

Viele Grüße,
HilleZ
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#9 28.09.2013, 09:38
Mac Raggy Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 20.09.2013
Beiträge: 20


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Logopädie: Am besten mal andere Eltern mit hörgeschädigten Kindern fragen, ob und wohin die gehen.
Allerdings: wenn die Sprachentwicklung trotz der Höreinschränkung relativ normal ist: wozu dann? Offensichtlich kompensiert deine Tochter ihre Einschränkung wirklich perfekt. Jede Förderung - auch Logopädie - ist grundsätzlich etwas gutes. Allerdings lässt sich eine Behinderung auch nicht wegfördern und - noch viel schlimmer - es kann passieren, dass ein Kind irgendwann übertherapiert und damit auch genervt ist. Da wird seitens der ganzen Pädagogen und Therapeuten auch heutzutage gerne mal schnell übertrieben (kann mitreden, bin selbst seit über 30 Jahren professionell in der "Sozialbranche" aktiv...). Nicht nur bei der Förderung, auch beim Implantieren von CI's (für die es bei halbwegs normaler Sprachentwicklung keinen Grund gibt), muss man aus meiner Sicht inzwischen aufpassen, das bei all den Fördermöglichkeiten nicht "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird". Lass dich also von all den ganzen - mit Sicherheit wohl meinenden - Profis nicht zu sehr beeindrucken - auch nicht von Aussagen, wie "die Schallverarbeitung könnte sich verschlechtern...." !
Orientier dich eher daran, wie du Sarah erlebst:
Es geht nicht "nur" um das Hören, sondern darum, dass Sarah sich trotz Einschränkungen einfach möglichst wohl fühlen sollte, einfach Kind sein dürfen, mit anderen Kindern spielen und sich trotz Hörgerät einfach "normal" fühlen und verhalten dürfen. Je länger und ausgiebiger sie das genießen kann - und sich dann auch noch sprachlich weitestgehend normal entwickelt - desto mehr emotionale und soziale Stabilität wird sie für ihr späteres Leben entwickeln. Und sie wird sich auch weniger als "Sonderling", als "anders", "eingeschränkt" fühlen und selbstverständlicher und selbstbewusster durch ihr Leben gehen. Ich finde genau diesen Punkt noch sehr viel wichtiger als alles andere.
Ganz nebenbei - bei all dem ungefangenen Spielen - macht Sarah ganz natürlich alle möglichen Hörerfahrungen, gerade auch, wenn sie im Kontakt mit anderen Kindern ist. Gerade auch jetzt, wo Sarah noch nicht in der Schule sitzt und sich vorrangig auf die Stimme es (meistens immer noch vorne stehenden) Lehrers konzentriert. In einer Spielgruppe, einem Spielplatz kommen die Geräusche und Stimmen von allen Seiten! Entscheidend ist doch, wie Sarah mit beiden Ohren gleichzeitig hört und wieviel sie wahrnimmt. Das sehen Mediziner mitunter anders - bin selbst mittelgradig hochtonschwerhörig und weiß von welchen irgendwie künstlich anmutenden Testsituationen ich rede...
So, wie du Sarah beschreibst, finde ich sie einfach nur großartig. Offensichtlich hat sie ebenso großartige Eltern, sonst hätte sie sich nicht so gut entwickelt!
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#10 28.09.2013, 19:22
Barbara Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 28.09.2002
Beiträge: 317


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
@Mac Raggy

Auch wenn ich nicht der Adressat Deiner wunderschönen Zeilen bin, sie haben mich sehr berührt, so schön, wie sie geschrieben sind. Das musste ich einfach mal loswerden.
Liebe Grüße
Barbara

selber hochgradig schwerhörig mit hochgradig schwerhöriger Tochter (*12/97)
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#11 28.09.2013, 20:10
HilleZ
Gast


Betreff: Re: Logopädie als Hörtraining?
Liebe Leute,
ihr seid alle super, wisst ihr das?
Seit Sarahs Schwerhörigkeit bekannt ist, besuche ich regelmäßig diese Seite, ich habe unglaublich viel dabei gelernt.
Mac Raggy, ich bin selbst auch so ein "Sozialfuzzi" und weiß, wie schmal der Grad zwischen zuviel und zuwenig manchmal ist. Aber all das theoretische Wissen hilft nicht viel, wenn man selbst betroffen ist. Im Gegenteil, manchmal schadet es eher. Darum danke für Deine Sicht auf unsere Fragen!
Ich glaube, wir werden jetzt einfach unser Bauchgefühl sprechen lassen, und das sagt mir ganz deutlich, dass Sarah auf sehr gutem Weg ist, dass wir das mit der Logo probieren, aber nicht erzwingen.

1000 Dank,
HilleZ
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