#1 23.10.2014, 10:23
Kirstin Abwesend
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Betreff: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Inklusion live:
Jannik ist gestartet mit drei Stunden Betreuung durch eine sonderpädagogin.
Elterngespräch im ersten Schuljahr: sie hat den Schwerpunkt elternarbeit, Blabla
Ich könne mich immer melden, wenn was ist. Nun hatte ich nicht so viel Gesprächsbedarf, das war also vorerst unser letztes Gespräch.


In der dritten Klasse kam ein drittes hörgeschädigtes Kind an die Schule. da der Tag ja nur sechs Schulstunden hat, hat nun *schwupps* jedes Kind nur noch zwei Stunden!

Es gab Probleme mit den FM-Anlagen der mittlerweile drei Kinder. Sie war irgendwie nicht in der Lage, das zu Regeln und den Kindern unterschiedliche Frequenzen zuzuweisen oder was auch immer. Sie hat einmal selber was verstellt, was zumindest bei uns dazu führte, dass gar nichts mehr funktionierte. Außerdem hat sie eine Liste der Akustiker, bei denen die Kinder sind zusammengestellt, die wussten aber zum Teil gar nicht, wie die Anlagen nun programmiert waren.


Vor eine paar Wochen hatte ich mal eine Frage bezüglich janniks Rechtschreibung in Zusammenhang mit dem Hören. Konnte sie mir nicht beantworten, hat mich aber eine halbe Stunde zugetextet, wie das mit der Inklusion so läuft, Begrifflichkeiten etc. (Hallo! Ich hab den gleichen Job, ich bin da auf dem Laufenden!) Ach ja und sie wusste genau, wie ich zu welchen Dingen in Janniks Schulalltag stehe. Wahrscheinlich Telekinese oder so, keine Ahnung!
Ach ja: und sie äußert, dass sie es immer noch krumm nimmt dass ich Janniks Lehrerin in der ersten Klasse ein Gebärdensystem für die Buchstaben an die Hand gegeben habe. Sie hätte nämlich ein anderes favorisiert (die Lehrerin hat mich auf dem Elternsprechtag nach so was gefragt, da hatte sie mehrere Monate Zeit, das von ihr favorisierte einzuführen! Zumal die kInder zu diesem Zeitpunkt mit den Buchstaben eigentlich durch waren!)

Nun textet sie mich an wegen eines Gesprächstermins (also der 2. in vier Jahren, es lebe die Elternarbeit!)
Sie ist Donnerstags hier, ich habe donnerstags frei. Also habe ich gesagt, sie soll mir eine Uhrzeit mitteilen. Sie schreibt 13.00, ich sage zu. Heute nun eine Nachricht, dass ich um 13.20 kommen soll ( was, oh wunder, außerhalb der Schulzeit wäre, um 13.00 hat sie nämlich eigentlich noch Unterricht)
Wir mussten dann mehrfach hin-und herschreiben, weil ich nämlich um 13.20 nicht mehr kann. Ich habe selber ein Elterngespräch, das ich allerdings an meinem freien Tag nach Schulschluss terminiert habe.
Sie hat mir um 8.21, 9.06 und 9.39 Uhr geschrieben. Also zweimal während des Unterrichts!

Gesamtbilanz nach 10 Jahren Frühförderung und sonderpädagogischer Förderung: Ich glaube für die weiterführende Schule klemme ich mir den Antrag! Undecided
Jannik * 2004 Er trägt Hörgeräte, seit er vier Monate alt ist.
Sinje * 2009
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#2 23.10.2014, 12:39
Gabriele Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo Kirsten

Also dümmer kann es nicht laufen, das tut mir leid. Wie läuft es denn in der Schule ansich?
Wie ist die Zusammenarbeit mit den Lehrern, wie kommt Jannik klar? Kann er sich auch selber zu Wort melden, also spontan wenn etwas nicht klappt?
Wie ist denn der KOntakt zu den Eltern der anderen sh Kindern vielleicht könnt ihr zusammen dafür sorgen das die FM Anlagen auf verschiedene Frequenzen geschaltet werden, ich bin der Meinung das ihr euch die Beglitung sparen könnt.Du machst auf mich den Eindruck das du die Sache sehr gut alleine meistern kannst und wenn Jannik ein aufgeschlossenes Kerlchen ist, kann er auch spontan Probleme ansprechen (wenn es zu laut in der Klasse ist, der Lehrer mit dem Rücken zum Schüler spricht, er mal woanders hingesetzt wird).
So eine Begleitung braucht kein Mensch und das würde ich auch so weiter geben.
Was die weiterführende Schule anbelangt, da würde ich jetzt mal abwarten, vielleicht landest du ja in goldenen Händen und du erlebst das krasse Gegenteil Wink

LG
Gabi
Theresa 25, beids. CI ´08 u.´10 (N5)
Reimplantation re,2011 u. 2012
Lorenz 23, beids. Hg
Sophia 20, beids. CI ´09 u.11 (Hybrid L )u.Kolobom
Alle Kinder progredient.
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#3 24.10.2014, 07:40
Momo Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Das klingt ja hochprofessionell...
LG
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#4 24.10.2014, 15:24
santiago Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo!
Ich habe leider keine eigene Erfahrung mit HG-Kindern in Regelschulen aber aus meiner beruflichen Tätigkeit mit hör- und sehgeschädigten jungen Erwachsenen würde ich es so sehen:

Gerade bei sinnesgeschädigten Kindern scheint man Inklusion häufig vorrangig so zu verstehen dass die Kinder in Regelschulen gehen "dürfen" aber ob die menschlichen/technischen Voraussetzungen für einen entsprechenden Lernerfolg vorhanden sind ist dann mehr oder weniger Glückssache.

Gruß
santiago
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#5 24.10.2014, 19:49
Gabriele Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Santiago, ich vermute mal das es hier hauptsächlich um die Betreuung der Sonderpädagogin geht, die Lehrerin, so liest es sich für mich , scheint ganz engagiert zu sein.

LG
Gabi
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#6 24.10.2014, 20:11
santiago Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo!
Zitat von Gabriele:
Santiago, ich vermute mal das es hier hauptsächlich um die Betreuung der Sonderpädagogin geht, die Lehrerin, so liest es sich für mich , scheint ganz engagiert zu sein.i

Ja und?
Sollte das etwas an meinen Aussagen zum Thema "Inklusion" ändern?

Gruß
santiago
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#7 24.10.2014, 20:50
Gabriele Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Nein sollte es nicht...ich stehe dem Thema ja auch eher abneigend gegenüber...
warum so kratzbürstig?
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#8 25.10.2014, 14:32
santiago Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo!
Eher leicht irritiert weil es selten vorkommt dass meine Beiträge mit unterschwelligen Hinweisen auf sinnerfassendes Lesen kommentiert werden Cool

Persönlich stehe ich der Inklusion bei sinnesbehinderten Kindern eigentlich ziemlich neutral gegenüber. Man darf diese aber nicht nur als Mittel zur Kostenreduktion sehen sondern muss sich bewusst sein dass der maximal mögliche individuelle Lernerfolg nur unter optimalen Rahmenbedingungen möglich ist.

Wenn diese fehlen ist es für die Kinder selbst relativ unbedeutend ob eventuelle Wissensdefizite nun in einer Behindertenschule oder einer Regelschule "erworben" wurden und wer nun genau daran "schuld" ist.

Gruß
santiago
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#9 25.10.2014, 16:34
Karin Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
lach

LG
Karin
http://www.kestner.de/ - alles rund um die Gebärdensprache
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#10 25.10.2014, 23:04
Kirstin Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo ihr Lieben,

Vielen Dank für eure Rückmeldungen!
Ich finde es grundsätzlich gut und richtig, dass er in die Regelschule gehen kann.
Ich denke nur, dass das Geld, was für seine sonderpädagigische Förderung ausgegeben würde vielleicht lieber der Raum baulich umgestaltet worden wäre oder ähnliches. Ich glaube, davon hätte er mehr gehabt.
Und ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass die Rolle eines Sonderpädagogen im gemeinsamen Lernen nicht so einfach sinnvoll auszufüllen ist.
Mich nervt total, dass alles so willkürlich ist. Er bekommt in der ersten Klasse einen Raum, bei dem die Decke abgehängt wird. In der dritten Klasse wechselt er den Raum, zur Straße hin... Dann kommen irgendwie Gelder und es wird eine Klasse komplett mit Teppich und deckenverkleidung umgebaut, allerdings nicht seine, sondern die eines anderen hörgeschädigten Kindes. Bei ihm passiert weiter nichts. Drei Stunden oder zwei Stunden pro Kind? Egal, wies halt gerade passt...
Und die ZWEIMAL in den vier Jahren in denen es etwas zu regeln gibt, oder ich eine Frage habe gucken wir in die Röhre.
Ach ja, ich vergaß noch zu erwähnen, dass er im ersten Schuljahr eine Zeitlauf auf die Förderschule wollte. Die Kollegin hatte ihm erzählt, dass es da viel leiser ist und er da besser lernen könnte.
Danke auch!

Naja, was soll's : er hat's gut gemacht und im Endeffekt ist es das, was zählt!

Letztens stand mal in der Zeitung welche Schulen sich auf Kinder mit welchem Förderbedarf konzentrieren wollen.
Auf einmal bemühen sich alle und Hören und Kommunikation, weil sie das Gefühl haben, dass das einfach ist.
Soviele hörgeschädigte Kinder gibt es hier gar nicht.

Danke für's "zuhören", aber ich musste mich da gerade mal reinsteigern;-)
Jannik * 2004 Er trägt Hörgeräte, seit er vier Monate alt ist.
Sinje * 2009
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#11 26.10.2014, 10:20
Momo Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Liebe Kirstin und alle anderen,
ich kann dich nur zu gut verstehen.

Auch ich habe den Eindruck, dass Schulen gerne die hörgeschädigten Kinder nehmen wollen. Hier in Niedersachsen bekommt man nämlich neben der baulichen Sanierung (ohne Garantie, dass sie gut gemacht wird) auch noch Förderstunden dazu. Nur werden diese Förderstunden oft für alles andere als für das hörgeschädigte Kind genutzt und auch nicht alle Lehrer, die dafür eingesetzt sind, sind dafür qualifiziert. Aber macht ja nichts das Kind „hört ja nur schlecht“.

Versteh mich nicht falsch, ich finde Inklusion –wobei ich es im besten Fall eher Integration nennen würde- gut, wenn im Sinne des jeweiligen Kindes gehandelt wird. Während für das eine Kind ein integratives Setting passt, braucht ein anderes Kind vielleicht was ganz anderes. Ich finde man muss immer genau hingucken, was das Kind braucht. (Mal nebenbei steht nirgends in der UN-Konvention, dass Inklusion = Regelschule ist.).

Ich war gerade letzte Woche auf einer Veranstaltung, wo es um die „Inklusion/ Integration hörgeschädigter Kinder an Regelschulen“ ging. Was ich da erlebt habe, zeigt mir mehr als deutlich, dass wir noch einen ganz langen Weg vor uns haben. Das Hauptproblem für Hörgeschädigte ist nämlich, dass ihre Behinderung nicht so gut sichtbar ist- man vergisst sie immer wieder und zwar umso mehr je besser das Kind der hörenden Welt angepasst scheint.

Bei dieser Veranstaltung gab es Workshops. Es waren dort Personen anwesend die jeden Tag mit hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, d.h. Hörgeschädigtenpädagogen – die auch in Regelschulen fahren, um Schulen zu beraten, anzuleiten usw. !!!, PsychologInnen, LogopädInnen, Lehrer, Eltern von hg Kindern usw. Unter anderem auch eine Person, die CI-Trägerin war und zu Beginn darum gebeten hatte die FM Anlage zu benutzen.

Was soll ich sagen? Es hat nicht und zwar gar nicht funktioniert. Ständig musste sie darauf hinweisen bitte das Mikro zu benutzen, Gesprächsdisziplin einzuhalten. Trotzdem gab es immer wieder Wortbeiträge ohne Mikro oder es wurde losgelegt bevor das Mikro da war und danach zusammengefasst (natürlich mit Lücken) was gesagt wurde, es gab Zwischenkommentare- oder -rufe und der Hammer sind dann so Kommentare wie „ach ich brauch kein Mikro- ich rede laut genug…“ Und ich betone nochmal: da waren Leute, die es besser wissen sollten, die täglich mit hg Kindern arbeiten!!

Ich mag mir also gar nicht ausmalen was an Regelschulen passiert, wo nicht einmal diese Erfahrung, das Wissen vorliegt… Wie viel bekommen die hg Kinder in der Klasse gar nicht mit, wie oft werden sie daran erinnern müssen die FM zu nutzen und wie viele der Kinder resignieren irgendwann einfach?

Der Höhepunkt meiner Woche war dann für mich ein Erlebnis an meiner Schule, wo in der vollen Aula ohne Mikro gesprochen wurde im Rahmen einer Auszeichnung. Es gibt dort ein hg Kind, das ganz hinten in der Aula saß. Selbst mir fiel es schwer zu verstehen, was vorne gesagt wurde (es war recht „durchschaubar“, so dass man erschließen konnte was passiert…). Auf meine Nachfrage nachher, ob das Kind irgendwas verstanden hat, bekam ich die Antwort „ach das ging schon“. Na Klasse: in anderen Worten dieses Kind beherrscht es schon perfekt bloß nicht aufzufallen…

Was ich damit sagen will: es ist noch immer so, dass der Erfolg einer integrativen Beschulung hörgeschädigter Kinder primär davon abhängt wie gut sich das Kind behaupten kann, kompensieren kann, anpassen usw. und alles andere kann zusätzlich hilfreich sein (gute Akustik, Technik, engagierte Lehrer, Beratungsleistungen der HG-Schulen usw.), aber man kann sich nicht darauf verlassen.

Und ich habe mittlerweile auch einige Kinder kennenlernen dürfen, die nach 4 Jahren Regelgrundschule so große Defizite haben, weil die Lehrer gar nicht geschult sind hg Kindern Sprachaufbau, Lesekompetenz, usw. beizubringen.
Man muss also immer genau hinsehen.
LG
Wiebke und Sohn (16 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
Beratungsstelle des Bundeselternverbands gehörloser Kinder e.V.
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#12 26.10.2014, 14:00
santiago Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo!
Habe ich eigentlich schon mal erwähnt wie sehr ich die interessanten Beiträge meiner "Schwester im Geiste" Momo liebe? Ich glaube ich werde nie mehr Mutti zu ihr sagen Happy

Nur als Ergänzung - ich habe mal an einer Weiterbildungsmaßnahme von Lehrern teilgenommen wo spezielle Computergeräte (z.B. Mäuse, Tastaturen, usw.) für körperbehinderte Kinder vorgestellt wurden. Da kam man dann eine halbe Stunde zu spät was natürlich mal vorkommen kann. Da wurden aber auch Urlaubsfotos betrachtet, untereinander getratscht und die ganze Sache zum Teil eher gelangweilt verfolgt.

Das soll jetzt nicht als allgemeines Lehrer-Bashing verstanden werden weil es sicherlich auch viele sehr bemühte LehrerInnen gibt. Bei sinnesbehinderten Kindern spielt aber halt leider nicht nur das eigen Wollen sondern auch das eigene Können eine große Rolle. Wisst ihr wie ungut hilflos man sich fühlt wenn man einem blinden Menschen gerne Computerwissen weitergeben möchte und dann sein Screenreader/Brailezeile nicht gut funktioniert? Da kann man dann selbst ob der Komplexität der Software und den fehlenden Braille-Kenntnissen nicht mehr so gut wie man es gerne möchte helfen.

In GL-Schulden hat man fehlende Kenntnisse der GS dann halt einfach mit einem leichteren Sonderschullehrplan gelöst. In Regelschulen geht das vermutlich nicht so einfach und ich glaube dass dort die Mehrzahl der LehrerInnen, unabhängig vom eigenen Wollen, bei seh- und hörgeschädigten Kindern sehr schnell an ihre eigenen Grenzen kommen künnen.

Gruß
santiago
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#13 26.10.2014, 15:57
Kirstin Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Grinning Mutti Momo? Merk' ich mir Wink

Klar ist der Lehrer-Job nicht einfach. Und ich kann auch nachvollziehen, dass die Situation für Regelschullehrer schwierig ist, da sie eine Vielzahl unterschiedlicher Probleme an der Backe haben und zusätzlich den Lehrplan im Nacken.

Aber dann sollte man halt mal ne Lücke einräumen! Aber immer dies ganze Gerede und nichts passiert! Das macht mich Crazy Crazy Crazy
Janniks Klassenlehrerin hatte letztens eine Fortbildung, da wurden einige Tipps besprochen, die hilfreich wären. Zum Teil betraf das auch das technische Equipment. Ich habe mich direkt dahintergeklemmt und z.B ein entsprechendes Kabel für den CD-Player besorgt.
Hat sie es benutzt? Nein!

Im Endeffekt ist es trotzdem okay so wie es ist! Er hat wirklich gute Freunde hier in der Nachbarschaft gefunden und ist weder stark gestresst noch gefrustet. Ob sein Problem MIT der Lautstärke anderer Kinder wirklich an der Förderschule SO viel kleiner wäre glaube ich nicht wirklich.
Natürlich hat er meines Erachtens nicht die gleichen Chancen wie andere, aber das hat ein Kind mit einer anderen Muttersprache, ADHS oder Übergewicht auch nicht.
Ich hoffe ich kann ihm ein bisschen das mitgeben, was er fürs Leben braucht.
Und wenn es irgendwann nicht für den Doktortitel in Literaturwissenschaften reicht ist es auch okay:-/
Jannik * 2004 Er trägt Hörgeräte, seit er vier Monate alt ist.
Sinje * 2009
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#14 26.10.2014, 17:56
Norbert_S Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Inklusion live?
Darf ich mich auch einklinken?
@ Kirstin:
Vorab: Habe ich das richtig verstanden: Sechs Stunden Hilfe an jedem Schultag? Traumhaft …
Darf ich mal fragen? Der Junior ist wohlauf, die weiterführende Schule (hat die nicht bereits angefangen?) ist nicht das Problem. Und außer den wenigen Aufregern, die du rückblickend aufführst, war in der ganzen Zeit nix? Die Klassenlehrerin hat auch keinen Alarm geschlagen?
Vier Jahre sind eine lange Zeit. Da ist es nichts Besonderes, wenn es im seltenen Einzelfall mal mit Terminen nicht ganz rund läuft. Schul-Alltag live eben.
FM-Anlagen (in der Mehrzahl?) Ein technisches Problem, also lösbar. Anlagen verschiedener Hersteller können nicht automatisch miteinander. Für unfähige Akustiker, die nur ihren eigenen Kram verkaufen wollen, kann die Fachkraft doch wohl nix, oder?
Mit „Ich könne mich immer melden, wenn was ist.“ wurden doch die „Geschäftsbedingungen“ vorgeschlagen, du hast anscheinend nicht widersprochen. Warum dann jetzt die Kritik?

Was lernen wir daraus? Einzelbetreuung von SH-Kindern im laufenden Unterricht der Regelschule ist anspruchsvoller als der eh schon schwierige Job der Grundschul-Lehrkräfte. Kontaktpflege durch alle Seiten muss einfach Geschäftsgrundlage sein.
Und, ergänzend: Inklusion ist ein Thema im Aufwind. So schnell, wie sich das entwickelt, können keine Fachkräfte beigebracht werden. Und vorhandene Fachkräfte haben nicht automatisch den richtigen Schwerpunkt und brauchen jedenfalls Zeit, um die notwendigen Erfahrungen erst zu sammeln.
Liege ich jetzt völlig falsch?

@ santiago: << Das soll jetzt nicht als allgemeines Lehrer-Bashing verstanden werden. >> Das freut mich. Angeblich sind Lehrer auch nur Menschen Wink .

@ Momo:
Herrlich, deine Beispiele aus dem Leben Wink . „ach ich brauch kein Mikro- ich rede laut genug…“
<< (Mal nebenbei steht nirgends in der UN-Konvention, dass Inklusion = Regelschule ist.). >> Hut ab, dass dies in einem Betroffenen-Forum so deutlich gesagt wird. Das Thema ist ideologisch so stark besetzt, das diese Wahrheit nicht immer gerne gehört wird Wink .

Nette Grüße
von Norbert_S
↑  ↓

#15 26.10.2014, 18:51
Nimue Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo zusammen,

ich klinke mich auch mal kurz ein. Ich bin HG-Trägerin seit dem 4. Lebensjahr und habe die Regelschule besucht, was damals in den 70ziger noch eher die Ausnahme war. Es gab keine Sonderpädagogen an die Seite und das Mitkommen in den Babyboomer Jahen mit Klassenstärke von mind. 30 Schüler war sehr anstrengend. Als Kind sich durchzusetzen und auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen bedeutet, dass man schon sehr selbstständig und selbstbewusst ist. Das sind aber die wenigsten. Ich habe sehr lange gebraucht , um überhaupt so selbstbewusst aufzutreten. Wünschenswert sind Aufklärungen an alle mit dem Schüler beteiligten Lehrer und an die begleitenden Klassenkameraden. Es sind oft die kleinen Dinge, die einem SH Menschen das Leben erleichtern, ruhige Klassen z. B. Absoluter Horror sind Diskusionsforen für HG-Träger . Optimal sind dann runde Sitzordnungen , wo man jedem ins Gesicht sehen kann und ständig irgendwelche Verrenkungen zu seinen Mitschülern anstellen zu müssen. Aber das ist selten durchführbar. Unsensible Lehrer und Mitschüler man immer wieder sensibilisieren. Bis die Inklusion so richtig läuft ist noch ein langer Weg. Das sehe ich heute an meinem Sohn, der ADHS hat. Es hilft nur immer wieder das Gespräch suchen. Ich habe in meiner Schullaufbahn (Gymnasium mit FH -Abschluss) immer gute Sitznachbarn gehabt. Man kann ja nicht ständig fragen. Das hilft auch schon enorm. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

nette Grüsse

Nimue
Geburtsschwerhörig, seit dem 4. Lebensjahr mit HG versorgt. Seit 09/14 durch Hörsturz li fast taub und re hochgradig SH. Ci OP li 6.11.2014
↑  ↓

#16 26.10.2014, 20:27
Momo Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Zitat von santiago:
Habe ich eigentlich schon mal erwähnt wie sehr ich die interessanten Beiträge meiner "Schwester im Geiste" Momo liebe? Ich glaube ich werde nie mehr Mutti zu ihr sagen Happy
Laughing
Zitat von santiago:
Nur als Ergänzung - ich habe mal an einer Weiterbildungsmaßnahme von Lehrern teilgenommen ........ Da wurden aber auch Urlaubsfotos betrachtet, untereinander getratscht und die ganze Sache zum Teil eher gelangweilt verfolgt.
Ja, dieses Detail hatte ich vergessen. Der ein oder andere hat sogar zugegeben eher gelangweilt zu sein, aber immerhin gibt es was zu essen, Kaffe und allemal besser als Schule...
Zitat von Kirstin:
Janniks Klassenlehrerin hatte letztens eine Fortbildung, da wurden einige Tipps besprochen, die hilfreich wären. Zum Teil betraf das auch das technische Equipment. Ich habe mich direkt dahintergeklemmt und z.B ein entsprechendes Kabel für den CD-Player besorgt.
Hat sie es benutzt? Nein!
Wahrscheinlich nicht einmal böswillig, sondern "einfach vergessen".
Zitat von Kirstin:
Im Endeffekt ist es trotzdem okay so wie es ist! Er hat wirklich gute Freunde hier in der Nachbarschaft gefunden und ist weder stark gestresst noch gefrustet.
Das ist ja auch gut so und viele hg Kids schaffen das auch. Keine Frage. Aber jeder geht anders damit um und ich denke er wird auch Frust haben zwischendurch, steckt es aber vielleicht besser weg oder hat auch Glück.
Zitat von Kirstin:
Ob sein Problem MIT der Lautstärke anderer Kinder wirklich an der Förderschule SO viel kleiner wäre glaube ich nicht wirklich.
Ich denke auch hier gibt es keine pauschale Antwort. Es hängt von der Klassengröße aber auch Zusammensetzung und sicher auch vom Lehrer ab. Bei meinem Sohn kann ich eindeutig sagen: doch die Bedingungen sind an der Förderschule Hören deutlich besser. 10 Kinder, Tischmikrofone, gute Raumakustik und Beleuchtung und eine Klasse Lehrerin, die weiß worauf es ankommt. Die Alternative wäre Oberschule oder IGS gewesen: 30 Kinder, Förderstunden fraglich, Raumakustik ???, Lehrer keine Ahnung von SH…
Zitat von Norbert_S:
@ Momo:
Herrlich, deine Beispiele aus dem Leben Wink . „ach ich brauch kein Mikro- ich rede laut genug…“
Ich fand es gar nicht lustig und wäre fast geplatzt…
Zitat von Norbert_S:
<< (Mal nebenbei steht nirgends in der UN-Konvention, dass Inklusion = Regelschule ist.). >> Hut ab, dass dies in einem Betroffenen-Forum so deutlich gesagt wird. Das Thema ist ideologisch so stark besetzt, das diese Wahrheit nicht immer gerne gehört wird Wink
Mutig? Ne, es will nur keiner hören.

Insgesamt finde ich einfach diese ideologische Diskussion „alle machen jetzt Inklusion“ furchtbar. Inklusion bedeutet doch nicht „alle Kinder zur Regelschule“. Ich kann doch ein Kind nicht zwingen entgegen seiner Bedürfnisse eine bestimmte Schule zu besuchen. Ich würde mir wünschen, dass sich alle mal wieder den Kindern zuwenden und die Ideologie mal Ideologie sein lassen. Wenn sich Rahmenbedingungen an Regelschulen wirklich verbessern, Lehrer wirklich geschult werden und es auch wollen und und und, dann werden automatisch mehr Kinder an die örtlichen „Regel“schulen gehen, da muss man niemanden durch Schließung von Förderschulen zwingen inkludiert zu werden. Ich reiße doch auch mein altes Haus nicht ab, bevor das neue fertig ist. Im schlimmsten Fall müsste ich dann auf der Straße wohnen…
Das gleiche gilt auch für die Förderschulen: diese müssen zum teil ihre Angebote überdenken und sich ggf. auch Nischen suchen, Sachen anbieten die kein anderer kann- auch idese haben dann ihre Daseinsberechtigung und würden angewählt.
Ich hör leiber mal auf…
LG
Wiebke und Sohn (16 Jahre) mit 1 HG und 1 CI
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#17 30.10.2014, 12:53
Kirstin Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Ich musste alles nochmal sacken lassen und muss jetzt natürlich zugeben, das Norbert_s in gewisser Weise recht hat.
Natürlich ist das irgendwo ein Luxus Problem. Im großen und ganzen läuft es.
Ich hab ja auch geschrieben, dass ich mich da jetzt mal reinsteigern muss;-)

Trotzdem hat die ganze sonderpädagigische Förderung an DEN (zugegebenermaßen nicht super-gravierenden) Problemen, die da waren nichts geändert.
Daran, dass er Hilfe gebraucht hätte um den Gebrauch der FM-Anlage konsequent einzufordern zum Beispiel.
Daran, dass er nach wie vor die kritischen Buchstaben beim schreiben einfach weg lässt.
...

Das ist jetzt das, was mir gerade so einfällt.

Und das ärgert mich einfach!

Trotzdem bin ich jetzt fertig mit reinsteigern und stolz auf mein Kind!

Vielen Dank für eure Anteilnahme ( auch am Reinsteigern;-))
Jannik * 2004 Er trägt Hörgeräte, seit er vier Monate alt ist.
Sinje * 2009
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#18 30.10.2014, 13:15
Norbert_S Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo!
Zitat Kirstin (von mir gekürzt): << Trotzdem bin ich jetzt … stolz auf mein Kind! >>
Gut, Denn genau darum geht es in erster Linie. Die Quintessenz aller Pädagogik.
Sorry, wenn ich hier zu sehr den Oberlehrer rausgehängt haben sollte.
Ich habe das eben erfahren: Kind, Mutter (Vater), Lehrerin und Lernhilfe sind jede( r) für sich nette und fitte Leute. Um als Team erfolgreich zu sein, langt das nicht automatisch. Zusätzlich muss auch noch die Chemie stimmen. Und je größer das Team, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass das nicht sofort und dauerhaft der Fall ist. Jedenfalls bleibt die Integration / Inklusion ein Thema, an dem die Lebenswirklichkeit noch einiges schleifen und polieren muss. Wie gut, dass Kinder viel mehr ohne Schaden verkraften als Mütter Wink
Dem Junior jedenfalls weiterhin alles Gute!
Nette Grüße von
Norbert_S
↑  ↓

#19 30.10.2014, 13:19
santiago Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo!
Ohne jetzt dem Herrn Norbert nahe treten zu wollen erinnert mich sein Schreibstil an einen älteren beamteten österreichischen Lehrer Happy

Man hat einen sicheren Job, ist mit sich und der Welt zufrieden und wenn die FM-Anlage nicht funktioniert kann man halt nichts machen weil da ist der Akustiker zuständig und man selbst ist ja auch nur ein Mensch Laughing

Gruß
santiago
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#20 31.10.2014, 19:53
Norbert_S Abwesend
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Betreff: Re: Bilanz nach 4 Jahren Grundschule
Hallo Santiago!
Besten Dank für die nette Stil-Analyse Grinning . Ich habe schallend gelacht.
Da ich mit österreichischen Formulierungen nicht so gut bin, in meiner Sprache: De-Eskalation als Voraussetzung für die Lösung von Sachfragen.
Und wie oben schon mal geschrieben: FM-Anlagen machen technische, also lösbare Problem. Wenn der Krempel nicht tut, sucht man keinen Schuldigen, sondern den Weg zur Fachfrau / zum Fachmann. Hat sich bei meinen Haushaltsgeräten bisher eigentlich ganz gut bewährt Wink .
Nette Grüße von
Norbert_S
↑  ↓

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